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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Ich habe dich herbemüht, Vater Gleb, um dir mitzuteilen, daß ich in diesem Jahr das Abendmahl nicht nehmen werde.«

»Weshalb denn nicht?« fragte der Pope sinnend, und da er keine Antwort erhielt, sagte er: »Sie sind vor Ihrem eigenen Gewissen verantwortlich.«

Es kam Artamonow vor, als hätte Gleb diese Worte ebenso herzlos gesagt, wie Tichon zu sprechen pflegte. Aus Armut trug der Pope keine Galoschen, und von seinen schweren Bauernstiefeln waren Lachen geschmolzenen Schnees herabgetropft; er patschte mit den Sohlen im Wasser herum und klagte immerzu, ohne zu verurteilen:

»Wenn man all das, was sich vor uns abspielt, betrachtet, findet man nur in dem einen Trost: Das Übel des Lebens strömt, immer mehr anwachsend, zu einem einzigen Punkt zusammen, als geschehe es zu dem Zwecke, damit seine Macht dann leichter zu überwinden sei. Ich habe das stets beobachtet: es erscheint zuerst ein kleines Endchen eines Übels und darauf wächst, wie das Garn auf der Spindel, immer mehr und mehr Böses an. Das Zerstreute ist schwer zu bekämpfen, das Vereinigte kann aber auf einmal mit dem Schwert der Gerechtigkeit abgehauen werden ...«

Diese Worte blieben in Artamonows Erinnerung haften, er hörte darin etwas Tröstendes: das Endchen war Pawel, alle bösen Gedanken waren zu ihm hingeströmt, er hatte sie angezogen. Und er dachte in dieser Stunde von neuem, daß es nur gerecht wäre, einen gewissen Teil seiner Sünde auf Rechnung des Sohnes zu setzen. Er seufzte erleichtert auf und lud den Popen zum Tee ein.

Im Eßzimmer war es hell und gemütlich, die warme Luft war mit appetitlichen Gerüchen gesättigt; auf dem Tisch fauchte, dampfte und kochte der Samowar; die Schwiegermutter saß im Lehnstuhl und sang mit angenehmer Stimme der vierjährigen Enkelin vor:

»Der heilige Blitz

Verschenkt seinen Besitz:

Dem Apostel Peter

Heißes Sommerwetter;

Der heilige Nikolaus

Frei auf Meer und Seen haust;

Dem Propheten Elias eine ganze

Goldene Lanze ...«

»Das ist heidnisch«, sagte der Pope, sich an den Tisch setzend und wie schuldbewußt lächelnd.

Im Schlafzimmer sagte Natalia zu Pjotr:

»Alexej ist wieder da, ich habe ihn gesehen. Moskau macht ihn immer verrückter. Ach, ich habe Angst ...«

Im Sommer waren auf Natalias weißem Halse und auf dem rotwangigen, glatten Gesicht rote Punkte erschienen; sie waren klein wie Nadelstiche, störten sie aber doch und sie schmierte sich zweimal wöchentlich vor dem Schlafengehen die Haut der Wangen eifrig mit einer honigfarbenen Salbe ein. Sie tat das jetzt, vor dem Spiegel sitzend und die nackten Ellbogen bewegend; unter dem Hemd wogten schwer die Kugeln ihrer Brüste. Pjotr lag im Bett, hielt die Hände unter dem Kopf, hob den Bart zur Decke, betrachtete seine Frau von der Seite und fand, daß sie an eine Maschine erinnerte, und daß ihre Salbe nach gekochtem Stör roch. Als Natalia mit eindringlichem Flüstern gebetet hatte, legte sie sich ins Bett und bot sich, nach der ehrlichen Gewohnheit des gesunden Körpers, ihrem Mann an; er stellte sich aber schlafend.

»Ein Endchen«, dachte er. »Ich bin ja auch eine Spindel. Ich drehe mich. Und wer spinnt? Tichon sagt: ›Der Mensch spinnt und der Teufel webt Sackleinen.‹ Eine scheußliche Fratze.«

Das von Alexej erweiterte Werk breitete sich immer mehr auf den Sandhügeln über dem Flusse aus; sie hatten ihre goldige Färbung verloren, der silbrige Glanz des Glimmers verschwand, die scharfen Quarzfunken erloschen, der Sand wurde festgestampft, im Frühling breitete sich darauf mit jedem Jahr üppiger das Unkraut mit seinem immer grelleren Grün aus, auf den Pfaden schmiegte schon der Wegerich seine Blätter an die Erde; die Klette ließ ihre großen Ohren hängen; um die Fabrik herum säten die Gartenbäume ihre Samen aus; die Herbstblätter düngten im Vermodern den fett werdenden Sand. Das Werk brummte immer lauter und atmete Unruhe und Sorgen aus; es summten Hunderte von Spindeln, es raunten die Webstühle; den ganzen Tag schnaubten atemlos die Maschinen, über der Fabrik kreisten ununterbrochen die sorgenvollen Klänge der Arbeit; es war angenehm, sich als Herrn des Ganzen zu fühlen; es war erstaunlich, wie angenehm das war, und wie stolz es machte.

Ab und zu, und zwar immer häufiger, wurde Artamonow von Müdigkeit erfaßt; er erinnerte sich dann an seine Kinderjahre, an das Dorf, an den ruhigen, reinen Fluß Rat, an die weiten Fernen und das einfache Leben der Bauern. Dann hatte er das Gefühl, als hätten ihn unsichtbare, fest haftende Hände erfaßt und drehten ihn herum; der Lärm des ganzen Tages erfüllte seinen Kopf und ließ keinen Raum darin für andere Gedanken, als für diejenigen, die das Werk ihm eingab; der krause Rauch des Fabrikschornsteins verdunkelte alles ringsum durch Wehmut und Öde.

In den Stunden und Tagen einer solchen Stimmung mißfielen ihm die Arbeiter noch mehr als sonst; sie schienen immer schwächlicher zu werden, die bäurische Ausdauer zu verlieren und von der Reizbarkeit der Weiber angesteckt zu werden; sie waren übermäßig empfindlich und gaben freche Antworten. In ihnen machte sich etwas Unwirtschaftliches und Unverläßliches bemerkbar; vorher, unter dem Vater, hatten sie häuslicher und einiger gelebt, hatten weniger getrunken und waren nicht so schamlos liederlich gewesen. Jetzt geriet aber alles durcheinander, die Menschen wurden schlagfertiger und scheinbar klüger, verhielten sich aber nachlässiger zur Arbeit und boshafter zueinander und betrachteten und kritisierten alles häßlich und spitzbübisch. Besonders übermütig und unehrerbietig wurde die Jugend, der die Fabrik sehr bald alles Bäurische geraubt hatte.

Der Heizer Wolkow mußte in das Irrenhaus der Gouvernementsstadt gebracht werden; er war erst vor fünf Jahren, als er Feuerschaden erlitten hatte, in die Fabrik gekommen, damals war er ein schöner, gesunder Mann gewesen und hatte seine lustige Frau mitgebracht. Nach einem Jahre wurde seine Frau liederlich, er fing an, sie zu prügeln, sie wurde dadurch schwindsüchtig, – und nun waren sie beide nicht mehr da. Artamonow hatte viele solche Fälle von raschem Menschenverbrauch beobachtet. In fünf Jahren ereigneten sich vier Totschläge, zwei beim Raufen, einer aus Rache, den vierten beging ein älterer Weber, der aus Eifersucht ein Mädel, eine Spulerin, erstach. Man schlug einander oft blutig und brachte sich ernstliche Verletzungen bei.

Das alles schien Alexej nicht zu berühren. Er wurde immer seltsamer. Er erinnerte an den sauberen, zu Scherzen aufgelegten Schreiner Serafim, der ebenso geschickt und fröhlich für die Kinder Flöten und Armbrüste verfertigte, wie er für sie Särge zusammennagelte. Alexejs Habichtsaugen funkelten vor Sicherheit, es ginge alles gut und würde auch in Zukunft gut gehen. Er hatte schon drei Gräber auf dem Friedhof, nur Miron hing fest und zäh am Leben, er schien eilig und unschön aus langen Knochen und Knorpeln zusammengefügt zu sein, und alles knarrte und knackte an ihm. Er hatte die Gewohnheit, sich so die Finger zu verrenken, daß sie laut krachten. Mit dreizehn Jahren trug er schon eine Brille, das verkürzte etwas seine lange Vögelnase und verdunkelte unangenehm die hellen Augen. Der Knabe ging immer mit irgendeinem Buch in der Hand herum und hielt einen Finger darin so eingeklemmt, daß das Buch an ihm festgewachsen zu sein schien. Mit Vater und Mutter sprach er, oder räsonierte er vielmehr, als wäre er ihr Altersgenosse. Das gefiel ihnen. Pjotr hatte aber das bestimmte Gefühl, daß sein Neffe ihn nicht mochte und vergalt ihm mit dem Gleichen.

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