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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Was ist aus deinem Paschka geworden! Halte die Tränen bereit ...«

»Nein, er ist ein Dummkopf«, entschied Artamonow, zog die Mütze aus der Tasche und ging in den Garten, den zerbrochenen Mützenschirm betrachtend.

Er verlebte zwei, drei Wochen in dem Gefühl, daß in ihm eine dunkle Angst lebe und woge und ihn täglich mit einem neuen, unbekannten Unheil bedrohe. Gleich würde die Tür aufgehen, Tichon erscheinen und sagen:

»Nun also, ich weiß natürlich alles ...«

Äußerlich ging aber alles gut. Alle nahmen den Tod des Knaben ruhig und einfach auf, da sie gewohnt waren, in Demut zu gebären und zu begraben. Nikonow band sich einen neuen schwarzen Schlips um den gelben Hals, und sein verwaschenes Gesicht erhielt den Ausdruck bescheidener Wichtigkeit, als hätte er eine längst verdiente Belohnung erhalten. Die Mutter des Getöteten, eine große, magere Frau mit einem Pferdegesicht, beeilte sich, stumm und ohne Tränen den Sohn zu beerdigen, – so schien es Artamonow. Sie zupfte in einemfort an der Mullrüsche am Kopfende des Sarges herum, schob den Totenkranz auf der blauen Stirn der Leiche zurecht, drückte mit den Fingern vorsichtig die neuen, fuchsroten Kopekenstücke fest, die die Augen bedeckten, und bekreuzte sich sinnlos hastig. Pjotr bemerkte, daß sie derart müde war, daß sie während der Totenmesse zweimal die Hand nicht heben konnte, die sich immer wieder senkte, als wäre sie gebrochen.

Ja, in dieser Hinsicht lief alles glatt ab; die Nikonows bedankten sich sogar langatmig und zudringlich für die Unterstützung bei dem Leichenbegängnis, obwohl Artamonow aus Angst, durch übertriebene Freigebigkeit Tichons Verdacht zu erregen, nur wenig gespendet hatte. Er konnte doch nicht glauben, daß Tichon so dumm sei, wie er ihm damals im Badehaus erschienen war! Jetzt trat dieser Mensch schon zum zweiten Mal in Verbindung mit dem Badehaus in den Vordergrund und griff immer tiefer in Pjotrs Leben ein. Das war seltsam und unheimlich. Artamonow dachte sogar daran, das Badehaus niederzubrennen oder, abzutragen und zu Brennholz zu zersägen, da es überdies schon alt und morsch war. Man müßte an einer anderen Stelle ein neues bauen.

Er beobachtete Tichon scharf und sah, daß der noch immer widerwillig und als erweise er eine Gnade, hier lebte; er war ebenso schweigsam und behandelte die Arbeiter roh wie ein Polizist; sie liebten ihn auch nicht. Mit den Frauen war er besonders grob, als ekelte er sich vor ihnen, und sprach nur mit Natalia in einer besonderen Weise, als wäre sie nicht die Hausfrau, sondern seine Verwandte, eine Tante oder ältere Schwester.

»Warum bist du zu Tichon immer so sehr freundlich?« forschte Pjotr wiederholt. Seine Frau antwortete:

»Er hat sich bei uns schon so eingelebt.«

Wenn Tichon Freunde gehabt hätte und ausgegangen wäre, hätte man ihn für einen Sektierer halten können; in den letzten Jahren waren viele verschiedene Sekten aufgetaucht. Tichon besaß aber außer dem Schreiner Serafim keinerlei Freunde, er besuchte gern die Kirche, betete inbrünstig, riß dabei aber immer häßlich den Mund auf, als wolle er laut schreien. Zuweilen, wenn Artamonow in Tichons flimmernde Augen sah, runzelte er die Stirn, er glaubte, daß in diesen farblosen Augen eine Drohung verborgen war, und hatte den Wunsch, den Mann am Kragen zu packen und zu schütteln:

»Nun, sprich!«

Doch Tichons Pupillen erloschen und entglitten, und die steinerne Ruhe seines breitknochigen Gesichts verscheuchte Pjotrs Unruhe. Als der Narr Anton noch am Leben war, steckte er oft in Tichons Wächterhäuschen oder saß des Abends mit ihm auf der Bank am Tor, und Tichon fragte den Irrsinnigen aus:

»Schwatz' nicht so sinnlos, denke nach und erkläre: Kujatyr – was ist das?«

»Kajamas«, kreischte Anton freudig und sang:

»Chiristus ist erstanden, ist erstanden ...«

»Warte!«

»Der Reisewagen hat ein Rad verloren.«

»Was willst du von ihm?« fragte Artamonow mit ihm selbst unverständlichem Ärger.

»Daß er diese unmenschlichen Worte erklärt.«

»Das sind doch Narrenworte!«

»Auch der Narr muß seinen Verstand haben«, sagte Tichon dumm.

Es lohnte überhaupt nicht, mit ihm zu sprechen. In einer schlaflosen, vom Windgeheul durchtosten Nacht fühlte Artamonow, daß er nicht mehr die Kraft hatte, die tote Schwere auf der Seele zu tragen; er weckte seine Frau und erzählte ihr den Vorfall mit dem kleinen Nikonow. Natalia zwinkerte schweigend mit den verschlafenen Augen, hörte ihn an und sagte gähnend:

»Und ich vergesse meine Träume.«

Plötzlich raffte sie sich aber auf:

»Ach, ich fürchte, daß auch Jakow so wird.«

»Wie wird?« fragte er erstaunt, und als sie ihm klar machte, was sie befürchtete, dachte er, sich ärgerlich am Ohr zupfend:

»Ich hätte es ihr lieber nicht sagen sollen.«

In dieser Nacht, beim Brausen und Pfeifen des Schneesturms, vertiefte sich in ihm das Bewußtsein seiner Einsamkeit, und er legte sich zugleich etwas zurecht, das seine Tat beleuchtete und sie erklärte: er hatte einen verdorbenen Knaben, einen gefährlichen Kameraden getötet und war durch die Kraft seiner Liebe und durch die Angst um seinen Sohn dazu getrieben worden. Das brachte in den dunklen Haß gegen den kleinen Nikonow eine verständliche Ursache und erleichterte ein wenig. Doch er wollte sich von dieser Last ganz befreien und sie auf andere Schultern abwälzen. Er bat den Popen Gleb zu sich ins Haus, weil er von dieser ungewöhnlichen Schuld nicht während der Beichte sprechen wollte, wo man nur die gewöhnlichen Sünden bekannte.

Der magere, untersetzte Pope kam abends und ließ sich still in einer Ecke nieder; er brachte seinen langen Körper immer tief in den Ecken unter, wo es möglichst dunkel und eng war; er schien sich aus Scham zu verstecken. Seine Gestalt, in dem dunklen, alten Priesterrock verschwamm beinahe mit dem dunklen Leder des Sessels; auf dem düsteren Hintergrund trat nur sein Gesicht als trüber Fleck hervor; an den Schläfenhaaren glänzten Tröpfchen aufgetauten Schnees wie Glasstaub, und er hielt, wie immer, den dünnen, aber langen Bart in seine knochige Faust gepreßt.

Da Artamonow nicht wagte, die Unterhaltung gleich mit der Hauptsache zu beginnen, sprach er zuerst davon, wie schnell das Volk verdorben werde und wie aufreizend es durch seine Faulheit, Trunksucht und Unzucht wirkte; dann langweilte es ihn, davon zu sprechen, – er verstummte und ging im Zimmer auf und ab. Da ertönten aus der dunklen Ecke die Worte des Popen, die sehr an eine Klage erinnerten.

»Niemand sorgt für das Volk, es ist aber nicht gewohnt und versteht es nicht, geistig für sich zu sorgen. Die Gebildeten aber, nun, ich will sie nicht verurteilen, wir besitzen auch viel zu wenig Gebildete. Sie müssen wissen, daß sie sich nicht in das alltägliche Leben und in die Angelegenheiten des Volkes hineinleben. Sie streben zwar vieles an, aber nicht die Hauptsache. Sie neigen zur Auflehnung und werden deshalb von der Regierung verfolgt. Und überhaupt kommt bei uns alles nicht ins rechte Geleise. Nur eine einzige Stimme ist immer lauter in all dem sinnlosen Lärm zu hören, sie wendet sich an das Gewissen der Welt und ist mit Macht bemüht, es zu wecken, das ist die Stimme eines gewissen Grafen Tolstoi, eines Philosophen und Schriftstellers. Er ist ein äußerst bemerkenswerter Mensch, seine Rede ist bis zur Dreistigkeit mutig, aber da hier die orthodoxe Kirche angegriffen wird ...«

Er erzählte lange von Leo Tolstoi, und obwohl das Artamonow nicht ganz verständlich schien, lenkte ihn die seufzende, wie ein leise rauschender Bach aus dem Dunkel hervorsprudelnde Stimme des Popen, die die beinahe märchenhafte Gestalt des ungewöhnlichen Menschen erstehen ließ, von sich selbst ab.

Ohne zu vergessen, weshalb er den Popen eingeladen hatte, gab Pjotr sich allmählich einem Gefühl des Mitleids für ihn hin. Er wußte, daß die Stadtarmen Gleb für einen gottgefälligen Narren hielten, weil der Pope nicht habgierig und zu allen immer freundlich war, den Gottesdienst gut abhielt und in besonders rührender Weise die Totenmesse las. Artamonow erschien das alles selbstverständlich: so mußte eben ein Pope sein. Seine Sympathie für ihn war durch die allgemeine Lieblosigkeit der städtischen Geistlichkeit und der angesehensten Bürger gegen Gleb hervorgerufen worden. Der geistliche Hirte mußte aber streng sein, er hatte die Verpflichtung, besondere, durchdringende Worte zu kennen und zu sprechen und Furcht und Ekel vor der Sünde zu erwecken. Artamonow wußte, daß Gleb über diese Macht nicht verfügte, und als er seine unsichere Rede hörte, deren Worte in der Angst, jemanden zu verletzen, schwankten, sagte er plötzlich:

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