Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Mephisto - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Mephisto

Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:

Mephisto
1 ... 30 31 32 33 34 35 36 37 38 ... 76
Перейти на страницу:

Kroge, welcher der skandalsen Szene im H. K. nicht beigewohnt hatte, war nicht ohne weiteres geneigt, Hfgens Wunsch nach fristloser Entlassung des jungen Schauspielers zu entsprechen. Frau von Heizfeld und Hendrik vereinigten ihre Beredsamkeit, um seine juristischen, politischen und menschlichen Bedenken zu zerstreuen. Der Direktor schttelte das besorgte Katergesicht, machte Stirnfalten, ging nervs auf und ab und brummte: Ihr mgt recht haben - ich gebe es ja zu - unleidliches Betragen dieses Burschen Aber immerhin: es widerstrebt mir, einen mittellosen und kranken Menschen Knall und Fall auf die Strae zu setzen Hendrik und Hedda ereiferten sich, diese unentschiedene, Kompromissen zugeneigte Haltung habe verdammte hnlichkeit mit der lahmen und feigen Art, die von den Regierungsparteien der Weimarer Republik dem unverschmten Nazi-Terror gegenber an den Tag gelegt werde. Wir mssen dem Mrderpack zeigen, da sie sich nicht alles herausnehmen drfen.

Hendrik schlug mit der Faust auf den Tisch.

Beinah schon war Kroge den Argumenten seiner beiden ersten Mitarbeiter gewonnen, als Miklas, zur berraschung aller Anwesenden, noch einen Frsprecher fand: es war Otto Ulrichs, der sich pltzlich anmelden lie und bat, an der Konferenz teilnehmen zu drfen. Ich beschwre euch, macht das nicht! rief er dringlich. Mir scheint, es ist fr den Jungen Strafe genug, wenn er fr die nchste Saison hier nicht mehr engagiert wird. Der dumme Kerl hat sich doch das alles, was er da gestern abend geschwatzt hat, nicht so genau berlegt! Jeder von uns kann mal die Nerven verlieren

Ich bin erstaunt, sagte Hendrik und warf durch das Monokel einen strafenden Blick auf seinen Freund Otto. Ich bin sehr erstaunt, dich, gerade dich, so sprechen zu hren.

Ulrichs winkte rgeich ab. Gut, machte er, lassen wir also die menschlichen Erwgungen beiseite. Ich gebe xu, da der arme Bursche mir leid tut, mit seinem Husten und mit seinen schwarzen Lchern in den Backen. Aber aus so privaten Grnden wrde ich mich doch nicht fr ihn einsetzen - du solltest mich gut genug kennen, Hendrik, um das zu wissen. Vielmehr sind es, wie immer, politische Erwgungen, die meine Haltung bestimmen. Man soll keine Mrtyrer schaffen. Es wre, gerade bei der augenblicklichen politischen Situation, durchaus falsch

Hier stand Hendrik auf. Entschuldige, da ich dich unterbreche, sagte er mit vernichtender Hflichkeit. Aber es scheint mir zwecklos, diese an sich gewi sehr interessante theoretische Debatte fortzusetzen. Der Fall liegt einfach: Ihr habt zwischen mir und Herrn Hans Miklas zu whlen. Wenn er an diesem Theater bleibt, werde ich es verlassen. Dieses sprach er mit einer feierlichen Schlichtheit, die an dem unerbittlichen Ernst seiner Worte nicht zweifeln lie.

Miklas flog - Kroge hatte nur mit Mhe und dank der eifrigen Untersttzung Ulrichs' durchsetzen knnen, da der verabschiedete junge Schauspieler die Gage fr zwei Monate ausbezahlt erhielt. Niemand wute, wohin Miklas reiste, selbst die arme Efeu sah ihn nicht mehr, er hatte das Knstlertheater seit jenem peinlichen Zwischenfall nicht mehr betreten, grollend hatte er sich zurckgezogen, und nun war er verschwunden.

Miklas, Opfer seines kindischen Trotzes und seiner ebenso glhenden wie nicht durchdachten berzeugung, war fort. Hendrik Hfgen hatte den Unbotmigen erledigt, den Aufsssige'n aus dem Wege geschafft: Sein Triumph war vollkommen, mehr denn je bewunderten ihn alle Mitglieder des Knstlertheaters, von der Motz bis zum Bock.

Seine berragende Stellung anzuzweifeln war niemandem mglich: Er regierte im H. K., im Bro, auf der Bhne. Seine Gage wrde auf 1500 Mark erhht: Hendrik machte sich keineswegs mehr die Mhe, wie ein nervser Sturmwind in Direktor Schmitzens Bro zu fahren und erst lange neckisch zu tun, um dies zu erreichen; vielmehr verlangte er es mit knappen Worten.

Kroge und die Herzfeld wurden von ihm fast wie Untergebene behandelt, die kleine Siebert schien er vllig zu bersehen, und in den kameradschaftlichen Ton, den er Otto Ulrichs gegenber beibehielt, mischte sich eine gnnerhafte, beinah etwas verchtliche Note.

Nur einen Menschen gab es in seinem Umkreis, den zu berzeugen, zu gewinnen, zu verfhren ihm brigblieb. Das Mitrauen, mit dem Barbara auf Hendrik schaute, hatte sich seit der Miklas-Affre noch vertieft und verschrft. Er aber ertrug es nicht, auf die Dauer jemanden in seiner Nhe zu haben, der ihn nicht bewunderte und nicht an ihn glaubte.

Damit sie ihn in den Augenblicken seiner intensivsten Kraftentfaltung, seiner blendendsten Wirksamkeit she, forderte er sie nun hufiger auf, zu groen Proben ins Iheater, zu kommen. Du kannst mir gewi wertvolle Ratschlge geben, sagte er mit der vor Bescheidenheit klagenden Stimme und senkte die Lider ber einem schillernden Blick.

Als Hendrik die erste Kostmprobe zu seiner Neubearbeitung einer Offenbach-Operette leitete, betrat Barbara leise den Zuschauerraum; leise lie sie sich nieder, in der letzten Reihe des finsteren Parketts. Auf der Bhne standen die Girls1, warfen die Beine und schrien den Refrain eines Chansons. Vor ihrer tadellos ausgerichteten Front hpfte die kleine Siebert, die als Amor zurechtgemacht war: mit lcherlichen Flgelchen an den nackten Schultern, Pfeil und Bogen um den Hals gehngt, und einem rot geschminkten Naschen im bleichen, angstvollen und hbschen kleinen Gesicht.,Was fr eine unvorteilhafte Maske Hendrik ihr zumutet!' dachte Barbara.,Ein melancholischer Amor.' Und sie empfand, in ihrem dunklen Versteck, etwas wie eine gerhrte Sympathie fr die arme Angelika, die da vorne zappelte und sprang: vielleicht begriff Barbara in diesem Augenblick, da um Hendriks willen Angelikas Gesicht den klagenden und angstvollen Ausdruck hatte.

Hfgen stand, tyrannisch gereckt und mit gebreiteten Armen, auf der rechten Seite der Bhne und beherrschte alles. Er stampfte nach dem Rhythmus der Orchestermusik, sein fahles Antlitz faszinierte durch den Ausdruck uerster Entschlossenheit. Schlu! Schlu! Schlu!!! tobte er, und whrend das Orchester pltzlich zu spielen aufhrte, erschrak Barbara fast ebensosehr wie die Chorgirls, die ratlos dastanden, und wie die kleine Angelika: Amor, mit erfrorenem Naschen, gegen die Trnen kmpfend.

Der Regisseur aber war nach vorne gesprungen, in die Mitte der Bhne. Ihr habt Blei in den Beinen! schrie er die Girls an, die traurig die Kpfe senkten, wie Blumen, ber die ein eisiger Wind weht. Keinen Trauermarsch sollt ihr tanzen, sondern Offenbach. Herrisch winkte er dem Orchester, und da es wieder zu spielen begann, tanzte er selbst. Man verga, da es ein fast schon kahler Herr im grauen, etwas abgetragenen Straenanzug war, den man da vor sich hatte. Hchst schamlose, hchst erregende Venvandlung am hellen Vormittag! Schien er nicht Dionysos, der Gott der Trunkenheiten zu sein, wie er nun ekstatisch die Glieder warf? Barbara beobachtete ihn nicht ohne Erschtterung. Eben noch war Hendrik Hfgen der Feldherr gewesen, der - gereizt, hochmtig, unerbittlich - vor seinen Truppen, den Chorgirls, stand. Ohne bergang war er nun verfallen in bacchantische Raserei. Verzerrungen liefen ber sein weies Gesicht, die Edelsteinaugen verdrehten sich vor Verzcktheit, und von den geffneten Lippen kamen heisere Laute der Wollust. brigens tanzte er glnzend, die Chorgirls schauten respektvoll auf ihren mit groer Technik taumelnden Regisseur, Prinzessin Tebab htte ihre Freude an ihm gehabt.

,Woher kann er das?' dachte Barbara.,Und was fhlt er denn jetzt? Fhlt er jetzt irgend etwas? Er macht den Girls vor, wie sie die Beine werfen sollen. Das sind seine Ekstasen

In diesem Augenblick unterbrach Hendrik die frenetische bung. Ein junger Mann aus dem Bro war vorsichtig, durch das Parkett gegangen und auf die Bhne gestiegen. Nun berhrte er zart die Schultern des verzckten Regisseurs und flsterte: Herr Hfgen mge die Strung entschuldigen, Direktor Schmilz lasse ihn bitten, diesen Plakatentwurf fr die Operettenpremiere, der sofort in die Druckerei zurckgeschickt werden msse, zu begutachten. Hendrik winkte der Musik ab, stand in gelassener Haltung und klemmte sich das Monokel vors Auge: Niemand htte dem Mann, der jetzt mit kritischer Miene ein Papier beschaute, angesehen, da er noch vor zwei Minuten in dionysischer Trance die Glieder geschttelt hatte. Nun zerknllte er das Papier in der Hand und rief mit einer mizufrieden knarrenden Stimme:

1 ... 30 31 32 33 34 35 36 37 38 ... 76
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)