Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Kroge, welcher der skandal�sen Szene im H. K. nicht beigewohnt hatte, war nicht ohne weiteres geneigt, H�fgens Wunsch nach fristloser Entlassung des jungen Schauspielers zu entsprechen. Frau von Heizfeld und Hendrik vereinigten ihre Beredsamkeit, um seine juristischen, politischen und menschlichen Bedenken zu zerstreuen. Der Direktor sch�ttelte das besorgte Katergesicht, machte Stirnfalten, ging nerv�s auf und ab und brummte: �Ihr m�gt recht haben - ich gebe es ja zu - unleidliches Betragen dieses Burschen� Aber immerhin: es widerstrebt mir, einen mittellosen und kranken Menschen Knall und Fall auf die Stra�e zu setzen�� Hendrik und Hedda ereiferten sich, diese unentschiedene, Kompromissen zugeneigte Haltung habe verdammte �hnlichkeit mit der lahmen und feigen Art, die von den Regierungsparteien der Weimarer Republik dem unversch�mten Nazi-Terror gegen�ber an den Tag gelegt werde. �Wir m�ssen dem M�rderpack zeigen, da� sie sich nicht alles herausnehmen d�rfen.�
Hendrik schlug mit der Faust auf den Tisch.
Beinah schon war Kroge den Argumenten seiner beiden ersten Mitarbeiter gewonnen, als Miklas, zur �berraschung aller Anwesenden, noch einen F�rsprecher fand: es war Otto Ulrichs, der sich pl�tzlich anmelden lie� und bat, an der Konferenz teilnehmen zu d�rfen. �Ich beschw�re euch, macht das nicht!� rief er dringlich. �Mir scheint, es ist f�r den Jungen Strafe genug, wenn er f�r die n�chste Saison hier nicht mehr engagiert wird. Der dumme Kerl hat sich doch das alles, was er da gestern abend geschwatzt hat, nicht so genau �berlegt! Jeder von uns kann mal die Nerven verlieren��
�Ich bin erstaunt�, sagte Hendrik und warf durch das Monokel einen strafenden Blick auf seinen Freund Otto. �Ich bin sehr erstaunt, dich, gerade dich, so sprechen zu h�ren.�
Ulrichs winkte �rgeich ab. �Gut�, machte er, �lassen wir also die menschlichen Erw�gungen beiseite. Ich gebe xu, da� der arme Bursche mir leid tut, mit seinem Husten und mit seinen schwarzen L�chern in den Backen. Aber aus so privaten Gr�nden w�rde ich mich doch nicht f�r ihn einsetzen - du solltest mich gut genug kennen, Hendrik, um das zu wissen. Vielmehr sind es, wie immer, politische Erw�gungen, die meine Haltung bestimmen. Man soll keine M�rtyrer schaffen. Es w�re, gerade bei der augenblicklichen politischen Situation, durchaus falsch��
Hier stand Hendrik auf. �Entschuldige, da� ich dich unterbreche�, sagte er mit vernichtender H�flichkeit. �Aber es scheint mir zwecklos, diese an sich gewi� sehr interessante theoretische Debatte fortzusetzen. Der Fall liegt einfach: Ihr habt zwischen mir und Herrn Hans Miklas zu w�hlen. Wenn er an diesem Theater bleibt, werde ich es verlassen.� Dieses sprach er mit einer feierlichen Schlichtheit, die an dem unerbittlichen Ernst seiner Worte nicht zweifeln lie�.
Miklas flog - Kroge hatte nur mit M�he und dank der eifrigen Unterst�tzung Ulrichs' durchsetzen k�nnen, da� der verabschiedete junge Schauspieler die Gage f�r zwei Monate ausbezahlt erhielt. Niemand wu�te, wohin Miklas reiste, selbst die arme Efeu sah ihn nicht mehr, er hatte das K�nstlertheater seit jenem peinlichen Zwischenfall nicht mehr betreten, grollend hatte er sich zur�ckgezogen, und nun war er verschwunden.
Miklas, Opfer seines kindischen Trotzes und seiner ebenso gl�henden wie nicht durchdachten �berzeugung, war fort. Hendrik H�fgen hatte den Unbotm��igen erledigt, den Aufs�ssige'n aus dem Wege geschafft: Sein Triumph war vollkommen, mehr denn je bewunderten ihn alle Mitglieder des K�nstlertheaters, von der Motz bis zum Bock.
Seine �berragende Stellung anzuzweifeln war niemandem m�glich: Er regierte im H. K., im B�ro, auf der B�hne. Seine Gage w�rde auf 1500 Mark erh�ht: Hendrik machte sich keineswegs mehr die M�he, wie ein nerv�ser Sturmwind in Direktor Schmitzens B�ro zu fahren und erst lange neckisch zu tun, um dies zu erreichen; vielmehr verlangte er es mit knappen Worten.
Kroge und die Herzfeld wurden von ihm fast wie Untergebene behandelt, die kleine Siebert schien er v�llig zu �bersehen, und in den kameradschaftlichen Ton, den er Otto Ulrichs gegen�ber beibehielt, mischte sich eine g�nnerhafte, beinah etwas ver�chtliche Note.
Nur einen Menschen gab es in seinem Umkreis, den zu �berzeugen, zu gewinnen, zu verf�hren ihm �brigblieb. Das Mi�trauen, mit dem Barbara auf Hendrik schaute, hatte sich seit der Miklas-Aff�re noch vertieft und versch�rft. Er aber ertrug es nicht, auf die Dauer jemanden in seiner N�he zu haben, der ihn nicht bewunderte und nicht an ihn glaubte.
Damit sie ihn in den Augenblicken seiner intensivsten Kraftentfaltung, seiner blendendsten Wirksamkeit s�he, forderte er sie nun h�ufiger auf, zu gro�en Proben ins Iheater, zu kommen. �Du kannst mir gewi� wertvolle Ratschl�ge geben�, sagte er mit der vor Bescheidenheit klagenden Stimme und senkte die Lider �ber einem schillernden Blick.
Als Hendrik die erste Kost�mprobe zu seiner Neubearbeitung einer Offenbach-Operette leitete, betrat Barbara leise den Zuschauerraum; leise lie� sie sich nieder, in der letzten Reihe des finsteren Parketts. Auf der B�hne standen die Girls1, warfen die Beine und schrien den Refrain eines Chansons. Vor ihrer tadellos ausgerichteten Front h�pfte die kleine Siebert, die als Amor zurechtgemacht war: mit l�cherlichen Fl�gelchen an den nackten Schultern, Pfeil und Bogen um den Hals geh�ngt, und einem rot geschminkten Naschen im bleichen, angstvollen und h�bschen kleinen Gesicht.,Was f�r eine unvorteilhafte Maske Hendrik ihr zumutet!' dachte Barbara.,Ein melancholischer Amor.' Und sie empfand, in ihrem dunklen Versteck, etwas wie eine ger�hrte Sympathie f�r die arme Angelika, die da vorne zappelte und sprang: vielleicht begriff Barbara in diesem Augenblick, da� um Hendriks willen Angelikas Gesicht den klagenden und angstvollen Ausdruck hatte.
H�fgen stand, tyrannisch gereckt und mit gebreiteten Armen, auf der rechten Seite der B�hne und beherrschte alles. Er stampfte nach dem Rhythmus der Orchestermusik, sein fahles Antlitz faszinierte durch den Ausdruck �u�erster Entschlossenheit. �Schlu�! Schlu�! Schlu�!!!� tobte er, und w�hrend das Orchester pl�tzlich zu spielen aufh�rte, erschrak Barbara fast ebensosehr wie die Chorgirls, die ratlos dastanden, und wie die kleine Angelika: Amor, mit erfrorenem Naschen, gegen die Tr�nen k�mpfend.
Der Regisseur aber war nach vorne gesprungen, in die Mitte der B�hne. �Ihr habt Blei in den Beinen!� schrie er die Girls an, die traurig die K�pfe senkten, wie Blumen, �ber die ein eisiger Wind weht. �Keinen Trauermarsch sollt ihr tanzen, sondern Offenbach.� Herrisch winkte er dem Orchester, und da es wieder zu spielen begann, tanzte er selbst. Man verga�, da� es ein fast schon kahler Herr im grauen, etwas abgetragenen Stra�enanzug war, den man da vor sich hatte. H�chst schamlose, h�chst erregende Venvandlung am hellen Vormittag! Schien er nicht Dionysos, der Gott der Trunkenheiten zu sein, wie er nun ekstatisch die Glieder warf? Barbara beobachtete ihn nicht ohne Ersch�tterung. Eben noch war Hendrik H�fgen der Feldherr gewesen, der - gereizt, hochm�tig, unerbittlich - vor seinen Truppen, den Chorgirls, stand. Ohne �bergang war er nun verfallen in bacchantische Raserei. Verzerrungen liefen �ber sein wei�es Gesicht, die Edelsteinaugen verdrehten sich vor Verz�cktheit, und von den ge�ffneten Lippen kamen heisere Laute der Wollust. �brigens tanzte er gl�nzend, die Chorgirls schauten respektvoll auf ihren mit gro�er Technik taumelnden Regisseur, Prinzessin Tebab h�tte ihre Freude an ihm gehabt.
,Woher kann er das?' dachte Barbara.,Und was f�hlt er denn jetzt? F�hlt er jetzt irgend etwas? Er macht den Girls vor, wie sie die Beine werfen sollen. Das sind seine Ekstasen��
In diesem Augenblick unterbrach Hendrik die frenetische �bung. Ein junger Mann aus dem B�ro war vorsichtig, durch das Parkett gegangen und auf die B�hne gestiegen. Nun ber�hrte er zart die Schultern des verz�ckten Regisseurs und fl�sterte: Herr H�fgen m�ge die St�rung entschuldigen, Direktor Schmilz lasse ihn bitten, diesen Plakatentwurf f�r die Operettenpremiere, der sofort in die Druckerei zur�ckgeschickt werden m�sse, zu begutachten. Hendrik winkte der Musik ab, stand in gelassener Haltung und klemmte sich das Monokel vors Auge: Niemand h�tte dem Mann, der jetzt mit kritischer Miene ein Papier beschaute, angesehen, da� er noch vor zwei Minuten in dionysischer Trance die Glieder gesch�ttelt hatte. Nun zerkn�llte er das Papier in der Hand und rief mit einer mi�zufrieden knarrenden Stimme: