Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
Auf der »Unicorn« rief Kapitän Grearson:
»Let's go, boys, jetzt habt ihr ein gutes Ziel. Uns können sie nicht sehen. Wir treiben heran und machen sie fertig.«
Lord Hawbury stand neben dem Kapitän. Er schüttelte den Kopf und meinte dann verwundert: »Ich glaube, es wäre ein gewaltiger Gewinn, wenn wir die »Trueno« und ihre Mannschaft für die Kompanie gewinnen könnten. Die Burschen vollbringen Unglaubliches. Wie konnten sie nur so schnell in den Rücken des Gegners kommen? Wie ist es möglich, daß bei dieser ägyptischen Finsternis die Salven so genau im Ziel liegen, als scheine die Sonne?« Captain Grearson zuckte die Schultern.
»Man könnte sie für Zauberer halten. Ich jedenfalls möchte sie nicht zu Feinden haben.« Von fern hörte man die eindrucksvolle Sprache der Kanonen der »Trueno«. Und es dauerte nicht lange, so stand eine zweite Brandfackel auf dem Meer.
»Unglaublich«, murmelte Grearson, »phantastisch. Die Kerle haben den Teufel im Leib. Jetzt haben wir sie. Das Feuer verrät uns die Standorte. Ich schätze, die Löscharbeiten werden die ganze Nacht über dauern, wenn wir klug genug sind, die Herrschaften mit neuen Breitseiten immer gerade dann zu stören, wenn sie des Feuers fast Herr geworden sind. — Ich möchte zu gern wissen, wer es hier im Golf von Bengalen gewagt hat, mit uns anzubinden.«
24
Von Osten kamen die ersten Lichtfinger der Sonne heraus. Sie spiegelten sich im Wasser. Und es sah aus, als zitterten sie.
»Merde«, fluchte Jean le Pirate, »jetzt haben sie uns. Verdammt, diese Nacht vergesse ich mein Leben lang nicht! Hätte ich geahnt, daß vor den beiden Schiffen noch ein weiteres fuhr, hätte ich mich nie auf dieses Abenteuer eingelassen.«Er fuhr sich mit der blutverkrusteten Rechten durch das vom Pulverdampf geschwärzte Gesicht.
»Sie fahren sternförmig auf uns zu«, sagte der wild aussehende Steuermann. »Das eine Schiff treibt unseren Partner vor sich her. Aber die »Lundi« hat wenigstens noch ein paar Segel am Mast. Wir sind völlig bewegungslos.«
»Merde«, wiederholte der Seeräuberkapitän Jean. »Wir werden uns nochmals verteidigen. Unsere Geschütze sind zum Teil noch gefechtsklar. Wir können uns doch nicht als Prise kapern lassen!«
»Diable«, zischte der Steuermann, »was sind das nur für Burschen, die wir da angegriffen haben! Sieh dir ihre Flaggen an: eine britische, eine türkische und eine schwarze, deren Zeichen ich nicht erkennen kann. Kannst du dir daraus etwas zusammenreimen?«
»Non, ich sehe nur ein, daß ich verrückt gewesen sein muß, als ich sie angriff. Pierre wird einen schönen Zorn auf mich haben. Du weißt, daß er nicht gern nächtliche Operationen durchführt.« Pierre war der Kapitän der »Lundi«, des verbündeten französischen Piraten. Pierre und Jean arbeiteten seit Jahren zusammen und machten gemeinsam die Bengalische See unsicher. Viele Schiffe der britischen, niederländischen und sogar der französischen Osthandelsgesellschaften waren von ihnen überfallen und ausgeraubt worden. Diesmal aber hatte sie ihr Schicksal ereilt.
»Der mit der schwarzen Flagge signalisiert etwas«, sagte der Steuermann. »An uns?« fragte Jean le Pirate.
»Sie sind noch zu weit. Ich kann die Farben der Wimpel nicht unterscheiden.«
Am Mast der »Trueno« ging jetzt die schwarze Flagge ein paarmal auf und nieder. Das war der Signaljargon, den die Seeräuber aller sieben Meere untereinander benutzten. Es war eine Aufforderung, sich zu ergeben.
»Das gilt uns«, sagte Jean le Pirate grimmig.
»Oui«, nickte der Steuermann. »Man verlangt, daß wir die Flagge streichen. Der Bursche kennt die Flaggensprache der Flibustiere.«
»Vielleicht ist er selbst einer«, sagte der Piratenkapitän und schöpfte neue Hoffnung. »Je ne le crois pas — ich glaube nicht.«
»Geht an die Kanonen, Brüder«, rief Jean le Pirate. »Wenn sie uns wirklich fertigmachen wollen, dann sollen wenigstens noch ein paar von ihnen mitgehen. So einfach krepiert die »Dimanche« nicht.«
Die »Lundi« war jetzt auf Sprechweite herangekommen. Pierre, der Kapitän, hatte das Sprachrohr an die Lippen gesetzt und schrie mit durchdringender Stimme:
»Nicht aufgeben, Jean! Wir haben die Kanonen klar! Der Teufel soll die Hunde holen! Feuert, was das Zeug hält!«
Jean rief zurück:
»Hast recht, Pierre! Nur nicht aufgeben! Stell deinen Kahn quer vor unseren Bug! Dann kannst du nach Norden feuern, und unsere Geschütze können nach Ost und West schießen. Wer uns von hinten angreifen will, muß sich auf die Breitseite legen. Und dann schießt du mit den Backbordgeschützen über uns hinweg. So sind wir auch nach Süden gedeckt.« Volle Kampfbereitschaft herrschte wieder auf den französischen Schiffen. Die Männer bissen die Zähne zusammen. Viele von ihnen waren verwundet. Aber keiner wollte als Gefangener den Gerichten überantwortet werden. Sie wußten, daß sie in diesem Fall hängen würden. Piraten wurden auf der ganzen Welt nach gleichem Recht abgeurteilt.
Jean und Pierre waren guter Zuversicht. Ihre in T-Form aufgestellten Schiffe glichen einer verteidigungsbereiten Festung.
Die »Mapeika« und die »Unicorn« dachten aber gar nicht daran, sich bis auf Schußweite dieser Festung zu nähern. Sie blieben schräg zur »Lundi« liegen.
Die »Trueno« aber löste sich aus dem Verband und fuhr nach Westen, um, als sie weit genug draußen war, ihren Kurs um neunzig Grad zu ändern und mit vollen Segeln nach Osten zu laufen.
Jean le Pirate wunderte sich über dieses Manöver und fragte seinen Komplizen Pierre, was er davon halte.
Der war genauso ratlos, legte sich aber eine Meinung zurecht und antwortete:
»Ich schätze, der Schwarzbeflaggte wird gleich wieder um neunzig Grad drehen und dann im Vorbeifahren ein paar Breitseiten auf dich abgeben.«
»Bien, dann bleibt es bei dem, was wir besprochen haben. Ich kann nicht mitdrehen, so schießt du über mich hinweg. Empfang ihn anständig, wenn er uns seine Breitseite zeigt.«
Sie warteten eine Weile und beobachteten gespannt den Weg der spanischen Galeone.
»Der fährt aber weit nach Süden, bevor er beidreht. Wenn er jetzt auf Ostkurs geht, dann erreichen weder unsere Geschütze ihn, noch die seinen uns.«
Just in diesem Augenblick ging die »Trueno« tatsächlich auf Ostkurs.
Jean und sein Steuermann und Pierre zuckten die Schultern.
»Keine Ahnung von der christlichen Navigation«, spottete Pierre.
»Um so besser«, pflichtete ihm Jean bei. »Wir werden schon mit den Brüdern fertig werden. — Da — da — sieh doch, Pierre, der Kerl macht wieder eine Wendung um neunzig Grad! Er fährt mit steilem Bug auf uns zu!« »Und er hat alle Segel gesetzt!«