Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
»Er wird doch nicht etwa das Heck der »Dimanche« rammen wollen?«
»Immer zu«, lachte Jean. »Er wird sich an unserem Eisendorn ein ganz schönes Löchlein in die Verschalung hauen.«
Sämtliche Piraten verfolgten kopfschüttelnd und grinsend das Manöver der Galeone.
Die »Trueno« war fast auf Schußweite heran. Der Wellengang war so gering, daß das Schiff wie ein Brett im Wasser lag.
Ojo rieb sich die Hände und strahlte über das ganze Gesicht.
»Er wird sich wundern«, sagte er und schlug vor Begeisterung Marina so sehr auf die Schulter, daß sie Mühe hatte, nicht in die Knie zu sacken. Ehe er sichs versah, hatte sie ihm eine schallende Ohrfeige versetzt.
»Hombre«, lachte sie, »vielleicht lernst du noch, mit einer Dame umzugehen, du ungeschlachter Goliath!«
Ojo rieb sich verblüfft die Wange.
»Maldito, Ihr schreibt eine gute Handschrift,Senorita!« Die Kanoniere lachten, und Michel meinte: »Ein Salonpirat wirst du nie werden, Diaz.«
»Wir sind dicht genug heran«, erscholl Senor Virgens Stimme vom Steuerhaus. »Macht hin, daß wir die Kerle endlich kleinkriegen. Ich bin hundemüde und möchte das Steuer an Ibn Kuteiba abgeben.« —»He, Pierre«, schrie Jean, »gib ihnen eine Breitseite! Die Hunde sind toll! Wenn sie auch längs zu dir stehen, so treffen vielleicht doch einige deiner Kugeln.« Pierre winkte ab.
»Wozu soll ich mein Pulver verschwenden? Wenn sie beidrehen, um selbst in Aktion zu treten, habe ich noch immer Zeit. Und sie müssen beidrehen, wenn sie feuern wollen.« Da zuckten am Bug der »Trueno« die Mündungsfeuer auf. Die Kugeln fegten hinüber. Und die Salve saß im Heck der »Dimanche«.
»Jesus Maria«, schrie Jean auf. »Das ist ein Geisterschiff. Sie haben Kanonen, mit denen sie in Fahrtrichtung schießen können. Diable, wie soll... « Eine neue Salve ließ ihn verstummen.
Die Kanoniere der »Trueno« legten mit dem Ladetempo eine wahre Paradeleistung vor. Der Abstand zwischen den Salven währte keine halbe Minute.
Jetzt setzten auch die »Mapeika« und die »Unicorn« zum Angriff an.
Die Kanonen der Seeräuberschiffe erwiderten nur noch vereinzelt das Feuer. Jean war gefallen. Pierre lag verblutend am Boden. Eine Kugel hatte ihm beide Beine bis zum Knie weggerissen. Und immer neue Geschosse wühlten sich in das Takelwerk. Die Aufbauten und Masten stürzten krachend zusammen. Nur der eigentliche Schiffskörper, die nackten Rümpf e wurden geschont. Ojo brachte das Kunststück fertig, trotz heißer Schlacht kein einziges Leck in die Bordwände des Gegners zu schlagen.
Anderthalb Stunden nach Sonnenaufgang schwenkten die Überlebenden weiße Tücher. Ihre Flaggen konnten sie nicht mehr streichen; denn die waren längst den Kugeln zum Opfer gefallen.
25
Die Arbeiter in Diamond Harbour blickten, soweit sie sich auf der Mole befanden, erstaunt auf, als sie eine Flottille von fünf Schiffen in den Hafen einlaufen sahen. Auch die Hafeninspektoren, die in dem von Glas umkleideten, hölzernen Beobachtungsturm saßen, schüttelten die Köpfe. »Könnt Ihr Euch einen Reim darauf machen, Inspektor Bate?«
»No, Sir«, sagte der Angesprochene zu seinem Vorgesetzten, dem Oberinspektor. »Ich würde Schießbefehl geben oder zumindest Alarmbereitschaft befehlen, wenn das erste Schiff nicht unter britischer Flagge führe.«
»By God«, sagte ein dritter Inspektor und nahm verblüfft die Pfeife aus dem Mund. »Seht einmal genauer hin, Gentlemen. Kennt ihr dieses Schiff nicht, das erste meine ich?« »Well, das ist ja die »Unicorn««, wunderte sich der Oberinspektor und lugte mit zusammengekniffenen Augen durch das Fernrohr. »Die beiden, die hinter ihr fahren, müssen eine Havarie gehabt haben. Ihre Masten sind nur notdürftig repariert, und sie haben nur wenige Segel gesetzt. Merkwürdig still ist es auf den Decks.« »Kennt Ihr sie?« fragte Bate.
»No. Habe nicht das Vergnügen gehabt, sie je zu sehen. Sie scheinen französischer Bauart zu sein. Flaggen haben sie nicht gesetzt — Teufel«, entfuhr es ihm dann, »die beiden, die den Abschluß bilden, scheinen Kriegsschiffe reinsten Wassers zu sein! Seht einmal durchs Glas!« Der Oberinspektor trat vom Fernrohr zurück. »Seht Ihr die vielen Kanonen?«»Der letzte ist eine schnelle spanische Galeone. Aber aus dem vorletzten werde ich nicht klug. Sieht aus wie ein Maure oder Türke. Könnte auch ein algerisches Schiff sein«, sagte Bate. »Möchte wissen, weshalb die »Unicorn« als einzige die Flagge zeigt.« Da stiegen am Signalmast der »Unicorn« bunte Wimpel hoch.
Der Oberinspektor beobachtete das Wimpelspiel eine Weile. Dann wandte er sich urn und meinte:
»Sie wollen, daß der Hafenkommandant an Bord kommt. Lauft hinüber zur Verwaltung, Bate, und richtet dem Kommandanten die Botschaft aus.« —
Sir David Royce zog heftig an seiner Zigarre. Er stand mit einem Herrn in dunklem Zivil vor dem Verwaltungsgebäude. Beide beobachteten den Konvoi.
»Wißt Ihr, was das Ganze zu bedeuten hat, Sir David?« fragte der Zivilist stirnrunzelnd. »Keine Ahnung, Exzellenz. Aber da kommt ja Inspektor Bate. Vielleicht weiß er etwas Genaueres.«
Der mit Exzellenz Angesprochene war der Stellvertreter des Generalgouverneurs von Kalkutta, Sir Edward William, der sich auf einer Inspektionsreise durch die wichtigsten Städte und Forts des Schutzgebiets der Ostindien-Kompanie befand. Bäte kam heran.
»Was ist das für eine eigenartige Flottille, Bate?« fragte Sir David.
»Das erste Schiff ist unsere »Unicorn«, Sir. Captain Grearson signalisierte soeben, daß Ihr die Freundlichkeit haben möchtet, an Bord zu kommen.«
»Weshalb kommt der Mann nicht lieber an Land?« fragte Sir Edward indigniert. »Well, Exzellenz, ich kenne Grearson seit zehn Jahren. Er ist einer unserer tüchtigsten Kapitäne. Wenn er meint, daß ich an Bord kommen soll, so hat er sicher seine guten Gründe dafür. Wenn Ihr gestattet, Exzellenz, so möchte ich mich jetzt entschuldigen.«
»Wartet«, sagte William, »ich gehe mit Euch. Diese Angelegenheit interessiert mich außerordentlich.«
Das Boot war schnell klargemacht. Einige kräftige Soldaten ruderten den Kommandanten und seinen hohen Gast hinüber zur »Unicorn«.
Sir David und Sir Edward kletterten an Deck. Die Matrosen der Freiwache bildeten Spalier, setzten die Trillerpfeifen an und begrüßten die beiden Gäste nach englischer Seemannssitte mit dem durchdringenden, lang anhaltenden Ton der Bootsmannspfeifen.
»Hallo, Grearson, gute Fahrt gehabt?« fragte der Kommandant und schüttelte dem Kapitän lange und herzlich die Hand. »Thank you, Sir.«