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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Man schrieb den zehnten August des Jahres 1777. Es war ein Tag wie jeder andere. Die Sonne ging unter, und der Sternenhimmel leuchtete in südlicher Klarheit.

Michel saß in seiner Kabine und las in einem Buch, das ihm die Hawburys geliehen hatten. Plötzlich schrak er zusammen. Donnergrollen drang an sein Ohr. Er klappte das Buch zu, legte es beiseite und trat zum Bullauge.

Die Nacht war klar. Nirgends war ein Gewitter zu sehen. Das Wetter war so schön wie in allen vergangenen Nächten der letzten Wochen. Wieder grollte Donner. Michel stürmte an Bord.

Fast zusammen mit ihm erreichte auch Marina das Deck. »Was gibt es?« fragte er.

»Ich bin so ahnungslos wie Ihr«, antwortete Marina und legte ihre linke Hand mit einer zärtlichen Bewegung um seinen rechten Arm.

Da krachte es abermals. Von Westen her blitzten die Mündungsfeuer fremder Kanonen auf. »Teufel, was ist das?« fragte Marina.

»Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hält man uns für Piraten und greift uns an.«

Die Kugeln klatschten in ziemlicher Entfernung vom Schiff in die See. Auf der »Mapeika« und der »Unicorn« stiegen zwei rote Raketen empor.

In diesem Augenblick hörte man Schritte und dann die Stimme Jardins. »Feinde greifen uns an«, rief er.

»Wahrscheinlich haben sie als erste die »Unicorn« unter Feuer genommen. Aber auch die »Mapeika« scheint in Bedrängnis zu sein; denn es war ausdrücklich verabredet, rote Raketen nur im Fall äußerster Not steigen zu lassen.«

»Gebt Alarm, Senor Jardin«, befahl Marina und stieg auf die Kommandobrücke.

Die ehemaligen Piraten taumelten schlaftrunken aus ihren Kojen hoch und stürmten an Deck. Senor Virgen übernahm das Steuer, und Ojo gab seine Befehle an die Kanoniere. Das Schiff beschrieb einen Bogen und ging auf Gegenkurs.

Bald hatte Michel die Positionslaternen der »Mapeika« und der »Unicorn« im Glas. Die Angreifer schienen bisher keinen Erfolg gehabt zu haben; denn als die »Trueno« östlich an den beiden Be-gleitschiffen vorbeisegelte, sah Michel weder Flammen noch Brände dort, wo die Schiffe stehen mußten. Auch die Geschütze schwiegen noch; denn wahrscheinlich wollten weder Senor Porquez noch Mr. Grearson die genaue Position ihrer Schiffe durch die Mündungsfeuer der eigenen Geschütze preisgeben.

Gerade in diesem Augenblick erloschen auch die Bordlampen.

»Fahrt nahe an unseren Freunden vorbei«, rief Michel Senor Virgen zu, »möglichst auf Sprechweite. Wollen doch sehen, was da los ist!«

Die »Trueno« war bald so nah an den Schiffen, daß man sie erkennen konnte. Michel setzte ein Sprachrohr an und rief mit voller Stimmkraft: »Heda, Capitan Porquez, que hay?«

»Irgend jemand hat es auf uns abgesehen, Senor Baum«, kam die Antwort. »Sollen wir das Feuer erwidern? Wir dachten, daß Ihr kommen würdet!«

»Nein«, antwortete Michel, »fahrt ruhig weiter. Verratet dem Gegner nicht Euern genauen Standort. Werden uns die Burschen einmal ansehen.«

Das gleiche Frage- und Antwortspiel gab es, als man die »Unicorn« passierte.

Der Donner der Geschütze kam näher. Am Aufblitzen sah man, daß es sich um mindestens zwei Schiffe handeln mußte; denn die Breitseiten lagen dem Widerschein nach mehrere hundert Meter auseinander.

Michel begab sich eiligen Schritts zu Senor Virgen.

»Senor Virgen, unsere Freunde werden von zwei gut bewaffneten Einheiten angegriffen. Habt Ihr eine Vorstellung, wie wir ihnen helfen können?«

Virgen zog die Augenbrauen zusammen und überlegte. Dann meinte er:

»Wir müssen versuchen, den Gegner unbemerkt von Westen her anzusegeln. In der Dunkelheit können wir uns zuerst in aller Ruhe ein Schiff vornehmen. Und wenn das außer Gefecht gesetzt ist, das zweite.«

»Ja, aber wie kommen wir unbemerkt nach Westen?«

»Wir müssen einen weiten Kreis ziehen, unsere Bootslaternen löschen und alles ohne Geräusch ausführen. Die Herrschaften da drüben müssen von unseren ersten Salven so verblüfft werden, daß ihnen der Atem wegbleibt.« Michel nickte.

»Gut, Senor Virgen. Dann steuert Euern Kreis. Ich werde Jardin Anweisung geben, Euer Manöver mit den Segeln zu unterstützen. Wir dürfen nicht lange zögern, denn wir müssen verhindern, daß die Angreifer unsere beiden Schiffe leck schießen.«

»Bueno, Senor Baum, ich gehe an die Arbeit. Sagt Jardin, daß er die Segel auf geringsten Widerstand einrichtet, damit wir nicht etwa kreuzen müssen, wenn wir den Kreis beschreiben wollen.«

Michel lief zu Jardin und rief dann mit einem schrillen Pfiff die übrige Mannschaft zusammen, der er sein Vorhaben auseinandersetzte.

Kampfesfreude glühte in den Augen der ehemaligen Piraten. Einer konnte sich nicht beherrschen und schrie laut: »Viva El Silbador!«

Als die anderen einstimmen wollten, ließ Michel abermals einen seiner schrillen Pfiffe ertönen. Dann rief er zornig:

»Ihr seid wie die alten Weiber! Könnt ihr eure Begeisterung nicht bezähmen, bis die Arbeit getan ist? Wollt ihr, daß man vorzeitig auf die »Trueno« aufmerksam wird? Der Schall eurer Stimmen trägt bei diesemWetter meilenweit über See. — Nun los, amigos, geht an eure Plätze!

Was ihr sagen müßt, sagt leise. — Los, los, Senor Virgen hat schon neuen Kurs genommen.«

Als Michel auf die Kommandobrücke kam, fragte ihn Marina vorwurfsvolclass="underline"

»Mit mir besprecht Ihr solche Dinge wohl überhaupt nicht mehr, wie?«

»Hört, Marina, stellt Euch nicht kindisch an. Ihr wißt, daß Ihr meine Konkurrenz nicht zu befürchten habt. Ich war kein Kapitän und ich habe auch nicht den Ehrgeiz, jemals einer zu werden.«

Marina warf ihm unter gesenkten Lidern einen flammenden Blick zu. Aber Michel sah es nicht — oder wollte es nicht sehen.

»Wir werden also neuen Ruhm an unsere Fahne heften«, sagte sie mit leidenschaftlicher Stimme. »Ich freue mich auf den Kampf. Werdet Ihr diesmal an meiner Seite die feindlichen Schiffe entern?«

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