Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
»Captain Grearson?« fragte Hastings überlegend. »Er ist mir kein Unbekannter. Ich bin 1769 auf seiner »Unicorn« nach Madras gesegelt. Wenn die Geschichte von einem anderen erzählt worden wäre, so würde ich sie tatsächlich für einen spannenden Roman halten. — Ihr habt die zusammengewürfelte Flottille wirklich mit eigenen Augen gesehen?«
»So wahr ich hier sitze. Ihr könnt mir glauben, daß ich kein Jota abgestrichen oder hinzugefügt habe. Außerdem befand sich unser neuer Mann, der ehrenwerte General Lord Hawbury, mit seinen Kindern an Bord der »Unicorn«. Er hat alles miterlebt und kann Wort für Wort die Wahrheit bestätigen.«
Hastings spielte mit einem Gänsekiel und blickte grübelnd auf die glänzende Platte des riesigen Mahagonischreibtisches, hinter dem er Platz genommen hatte.
»Well, Sir Edward, wem gebührt nach Eurer Meinung nun das Anrecht auf die drei erbeuteten Schiffe?«
William blickte ihn verstehend an.
»Die Kompanie könnte eine so billige Auffrischung ihrer Flotte gut vertragen.« »So, meint Ihr?«
»Nun, über das Besitzrecht an den französischen Piratenschiffen könnte man im Zweifel sein; denn die »Unicorn« hat an ihrer Aufbringung mitgewirkt. Die »Mapeika« aber ist eindeutig Prise der spanischen Piraten.«
»Nennt sie nicht Piraten, sonst müßte ich sie hängen lassen«, lächelte Hastings. »Was habt Ihr für konkrete Vorschläge hinsichtlich dieser ganzen Flotte?«
»Wir brauchen tüchtige Schiffe für den Handel mit Niederländisch-Ostindien und Siam. Wir sollten gar nicht erst darum rechten, wem die beiden französischen Schiffe gehören, sondern unter Leitung der »Trueno« einfach einen Flottenverband bilden, zu dem die »Mapeika«, die »Dimanche« und die »Lundi« gehören, sie in unsere Dienste nehmen und wie Mietschiffe chartern. Ich glaube, wir könnten sicher sein, daß sie auf ihren Handelsfahrten eine Phalanx bilden würden, an die sich kein Pirat der ganzen Südsee heranwagen würde.« »Habt Ihr mit dieser Frau, dieser—wie heißt sie doch?« »Marina.«
»Ah ja — habt Ihr mit dieser Marina schon darüber verhandelt?«
»No, Sir. Ich wollte erst mit Euch sprechen. Der Gedanke stammt übrigens von David Royce, dem Hafenkommandanten von Diamond Harbour. Er war ganz begeistert von diesem Plan; denn er sieht lieber gecharterte als kompanie-eigene Schiffe in den gefährlichen Gewässern kreuzen.« Hastings lachte.
»Ein braver Mann, fürwahr! Und ich muß sagen, ich finde seine Idee glänzend.«
»Was ich noch sagen wollte, Lord Hawbury wird morgen vormittag seinen Antrittsbesuch bei Euch machen.«
Sir Warren erhob sich.
»Bringt die Sache in Ordnung, Sir Edward. Und ehe ich's vergesse, übermittelt diesem Herrn Pfeifer und der Kapitänin und denen, die Ihr sonst noch für interessant haltet, eine Einladung zu einem Bankett, das ich morgenabend in meinem Hause geben werde. Ich bin wirklidi gespannt, wie Männer aussehen, die noch echte Abenteuer zu bestehen vermögen.«
»Vergeßt die Frau nicht«, lachte William, »unter uns gesagt, Aphrodite könnte nicht schöner sein als sie.«
William verabschiedete sich und ging. —
Hastings blickte wieder zum Fenster hinaus. Seine Augen leuchteten wie die eines Knaben. Er hatte von jeher gern Geschichten über Seeräuber gelesen.
Aber sein Alleinsein währte nicht lange. Wieder öffnete sich die Tür, und wieder stand der Soldat in seiner scharlachroten Uniform kerzengerade im Zimmer und räusperte sich. »Noch jemand, der etwas Interessantes zu erzählen hat?« fragte Hastings in gehobener Stimmung.
»Die Abordnung des Radscha von Bihar bittet um eine Privataudienz, Euer Herrlichkeit.« »Ach, richtig. Laßt sie noch eine Weile warten, Sergeant. Ich läute. Dann könnt Ihr sie einlassen.«
Als er allein war, nahm er einen Stoß Akten aus dem Schreibtisch und vertiefte sich in sie. Es waren die Abrechnungen, die ihm Stanley Fox aus Bihar gesandt hatte. Sie wiesen ein Defizit von zweihunderttausend Rupien auf. Das hieß, daß der Radscha in den letzten vier Quartalen jeweils nur fünfzigtausend Rupien Tribut bezahlt hatte. Das konnte natürlich nicht so weitergehen. Zudem fehlte die ganze Leistung für das laufende Quartal. Machte zusammen minus dreihunderttausend.
Der Generalgouverneur lehnte sich in den Sessel zurück. Dieses Bihar war schon lange ein Dorn in seinem Auge. Es lag im Flußgebiet des Ganges, gehörte aber politisch weder zu Bengalen noch zu Oudh. Irgendwie hatte es dieser unbedeutende Radscha verstanden, sich bisher aus allen politisch-kriegerischen Verwicklungen herauszuhalten. Das mußte anders werden. Warren Hastings war mit Tipu Sahib fertig geworden und hatte die ganzen Zentralprovinzen dem britischen Ostindien einverleibt. Wie war es überhaupt möglich, daß Bihar noch immer seine Unabhängigkeit bewahrte?
Er lehnte sich noch weiter zurück, streckte die rechte Hand nach der Wand hin aus und umfaßte eine von der Decke herabhängende Seidenschärpe. Es war der Klingelzug. Leise schwebte der Ton der Glocke aus dem Vorsaal durch die verschlossene Tür in sein Arbeitszimmer.
Dann sprang die Tür auf, und herein traten drei Männer in indischer Kleidung.
Sie führten die flach zusammengelegten Hände an die Stirn und verbeugten sich immerhin so tief, daß man es nach indischer Sitte nicht als Unhöflichkeit auslegen konnte. Aber Hastings sah die kalte Feindseligkeit in den Blicken der Gesandten.
Er hatte sich erhoben, verbeugte sich kurz und fragte:
»Seid mir gegrüßt, edle Khans vom Hof des erhabenen Radscha von Bihar, meines Freundes. Was kann ich für euch tun?«
Es währte eine Weile, bis die drei in den bequemen englischen Sesseln die Plätze in der richtigen Reihenfolge eingenommen hatten.
»Euer Herrlichkeit«, begann der älteste in fließendem Englisch. »Wir sind gekommen, um Euch die bitteren Klagen unseres Volkes und Seiner Hoheit, des Radscha von Bihar, vorzutragen.« »Bitte — ich höre.«
»Euer Handelsattache in Bihar, Mr. Stanley Fox, ist ein Mensch, mit dem schwer zu verhandeln ist.«Hastings zuckte bedauernd die Schultern, freute sich aber im Innern, daß er einen so hartgesottenen Burschen zu diesen Querköpfen in Bihar geschickt hatte. Der indische Sprecher fuhr fort:
»Seine Hoheit lassen Euch um Stundung des derzeit fälligen Tributs bitten, da die Trockenheit dieses Sommers eine schlechte Ernte zur Folge hatte und sich daher die Steuern der Bauern vermindert haben.«
»Hm«, machte Hastings gedehnt, »wir sollen eure Beiträge« — er vermied das Wort »Tribut« absichtlich — »stunden. Ihr aber verlangt trotzdem Schutz durch unsere Truppen, wenn dieser nötig wird. Ich glaube, es gibt genügend Möglichkeiten, die Steuern einzutreiben. Aber das ist nicht meine Sache. Ihr wißt, daß sich die Kompanie niemals in die inneren Angelegenheiten eines Fürstentums einmischt.«