Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
»Ich möchte Euch mit Seiner Exzellenz, dem Stellvertreter des Generalgouverneurs, bekannt machen. Captain Grearson — Sir Edward William.« Grearson verbeugte sich leicht und fragte dann höflich:
»Darf ich die Herren in meine Kabine bitten? Es gibt Wichtiges zu besprechen.« Die Herren nickten und folgten dem Kapitän.
Als sich die Tür hinter den dreien geschlossen hatte, meinte David Royce:
»Ich bin auf allerlei Überraschungen gefaßt, alter Freund. Spannt uns nicht auf die Folter.
Schießt los.«
»Well, Gentlemen, ich bitte euch, nicht zu erschrecken, wenn ich mit meinem Bericht beim letzten Schiff unseres Geleitzugs beginne. Es ist die »Trueno«, ein früherer spanischer Seeräuber, einer der bestgehaßten Flibustiere des Mittelmeers und des Atlantischen Ozeans.« »Und einen solchen Burschen bringt Ihr so einfach mitten in den größten Hafen der Kompanie?« »Ich bitte Euch, nicht voreilig zu urteilen, Exzellenz«, lächelte Grearson. »Wenn er nicht gewesen wäre, so hättet Ihr uns niemals wiedergesehen. Ich möchte ausdrücklich betonen, daß er ein Pirat war.«
»Wie sollen wir das verstehen, Captain?«
»Das wird nicht ganz einfach sein; aber ich will dennoch versuchen, meinen Bericht so kurz und klar wie möglich zu halten. Das vorletzte Schiff in meinem Gefolge — es trägt den Namen »Mapeika« und war ein türkisch-arabischer Sklavenhändler — überfiel uns in der Nähe der Insel Madeira. Die »Mapeika« war weit besser bestückt als wir. Nach einstündigem Kampf wäre es beinahe um uns geschehen gewesen. Plötzlich tauchte die »Trueno« auf, stürzte sich wie ein Falke auf den Türken und überwand ihn durch die hervorragende Treffsicherheit ihrer Kanoniere binnen kürzester Frist. Die Mannschaft der »Mapeika« wurde überwältigt. Im Verlauf der Weiterfahrt wurde das Schiff wieder voll manövrierfähig gemacht und bemannt mit spanischen Sklaven, die man im Kielraum fand, verstärkt durch einige der unseren und der »Trueno«. Auf der »Trueno« hatten sie einen Kapitän zuviel an Bord. Der übernahm das Kommando auf der »Mapeika« und wir fuhren zu dritt weiter. Einige hundert Seemeilen südlich von hier griffen uns des Nachts zwei andere Piraten an. Wiederum war es die »Trueno«; die die Schlacht zu unseren Gunsten entschied. Und die Kanonen der ehemaligen Piraten trafen so genau, daß keins der Schiffe leck wurde und wir sie als Prise einbringen konnten.« Der Kommandant und William warfen einander skeptische Blicke zu. »Ihr werdet noch mehr erstaunen, wenn ihr hört, was die beiden gekaperten Seeräuber für Burschen waren«, sagte Grearson.
»Spracht Ihr nicht davon, daß sie Euch in der Bengalischen Bucht angegriffen haben?« fragte Royce.
»Yes, Sir. Sagt Euch das etwas?«
»Verdammt, verdammt«, der Kommandant vergaß vor Erregung, daß er einen vornehmen Gast bei sich hatte, »behauptet nur nicht, daß die Piraten .. .«
»Doch, doch«, bestätigte Grearson. »Ihr habt recht mit Eurer Vermutung. Es handelt sich um die Schiffe »Dimanche« und »Lundi«. Jean le Pirate und sein Kumpan Pierre sind gefallen. Die »Trueno« hat die Bengalische Bucht von diesem Schrecken der Meere befreit.« »Donnerwetter!« Der Kommandant fuchtelte wild in der Luft herum. »Welch ein Bravourstück! Diese Spanier scheinen ja tolle Burschen zu sein. Sieben Schiffe der Kompanie kamen in den letzten fünf Jahren auf das Konto der verdammten Franzosen. Was sagt Ihr dazu, Exzellenz?« »Großartig, großartig, mein lieber Grearson! Ihr seid ein Teufelskerl!« Grearson winkte bescheiden ab.
»Es ist nicht mein Verdienst, Exzellenz. Ohne die »Trueno« würden wir längst Neptun Gesellschaft leisten.«
»Well«, meinte William, »ich verlängere meinen Aufenthalt in Diamond Harbour. Die spanischen Leute muß ich kennenlernen.«
26
Es war vier Tage später.
Der Generalgouverneur von Britisch-Ostindien, Sir Warren Hastings[16], saß in seinem Amtsgebäude in Kalkutta, jenem Regierungsbau der Ostindien-Kompanie, der fast so märchenhaft anmutete wie die Paläste der Maharatten. Der große Raum war vom Sonnenlicht überflutet, das durch die hohen Fenster hereinströmte.
Sir Warren erhob sich hinter dem mächtigen Schreibtisch, trat zu einem Fenster und blickte hinaus. Er fühlte sich einsam. Die gesamte Verantwortung für die Geschicke Britisch-Ostindiens lastete auf seinen Schultern. Da war der Krieg gegen Tipu Sahib, den Sultan von Maisur. Da waren die fortgesetzten Plänkeleien und Kämpfe mit den Maharatten, die der OstindienKompanie Tribut zollten. Da waren die Neider in London, die gegen ihn, den ehemaligen kleinen kaufmännischen Angestellten der Kompanie, ihre Ränke spannen, die kein gutes Haar an ihm ließen und versuchten, ihn vor dem Hof der Direktoren gräßlichster Greueltaten zu bezichtigen. Er wußte, daß die Herren Direktoren den Mißgünstigen nur zu gern Gehör schenkten. Und schließlich war ja die Eroberung der neuen Gebiete, die er dem Reich der Ostindien-Kompanie eingefügt hatte, auch nicht gerade mit Samthandschuhen durchgeführt worden. Aber wie sollte man es den hohen Herren in der Leadenhall Street recht machen! Ihre Anweisungen lauteten immer gleich: regiert human, benehmt euch wie Freunde des indischen Volkes und schickt mehr Geld.
Damit war die Sache für die Direktoren erledigt. Dieses Motto war die einzige Anweisung, die sowohl Hastings als auch sein 1773 gestürzter Vorgänger Clive je erhalten hatten. Ja, und nun sieh zu, Hastings, wie du es allen recht machen kannst, dem König, dem Parlament, dem Hof der Direktoren und den Krämerseelen, die alle durch ihn mühelos und schnell zu einem großen Vermögen kommen wollten.
Hastings schrak aus seinen Gedanken auf. Ein Soldat seiner Leibwache war eingetreten.
»Was gibts?« fragte der Generalgouverneur kurz.
»Sir Edward William wünscht Euer Herrlichkeit zu sprechen.«
Hastings zog die Stirn in Falten. Weshalb war William jetzt schon wieder in Kalkutta? Er, Hastings, hatte ihn doch selbst erst vor einer Woche auf eine längere Inspektionsreise geschickt. »Ich lasse bitten.«
Sir Edward William trat leise, wie es seine Art war, ein.
»Störe ich, Sir?« fragte er und blieb mit leicht geneigtem Kopf an der Schwelle stehen. »Keineswegs, old friend, tretet näher. Ihr seht mich erstaunt; denn ich wähnte Euch weit weg, irgendwo im Lande.« William lächelte.
»Ihr werdet noch erstaunter sein, Sir Warren, wenn Ihr hört, daß ich meine Reise bereits in Diamond Harbour unterbrochen habe, um zurückzukehren. Und ich habe endlich einmal eine erfreuliche Botschaft und einen interessanten Bericht für Euch, der wie ein Roman klingt, aber den Vorzug hat, wahr zu sein.«»Erfreuliche Berichte sind selten.
Erfolge hatten wir ja genug; aber sie waren immer mit Wermutstropfen gemischt. Nehmt Platz, Sir Edward. Ich bin gespannt auf Euern Roman.«
William berichtete in lebhaften Farben über die wechselvollen Abenteuer des Kapitäns Grearson und der anderen Schiffe.
16
Regierte von 1773 - 1786 das Bengalische Indien im Auftrag der East India Company