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Mephisto

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Mephisto
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Hier machte Barbara den erhitzten Knaben darauf aufmerksam, da� sein �F�hrer�, der den Kapitalismus abschaffen wollte, sehr viel Geld von der Schwerindustrie und den Gro�grundbesitzern bekomme - woraufhin Miklas zornig wurde und solche Verd�chtigungen als �typisch j�dische Hetze� scharf zur�ckwies. Auf diese Art diskutierten die beiden bis tief in die Nacht hinein: Barbara - ironisch, sanft und neugierig - horchte den Trotzigen aus und suchte ihn zu belehren.

Noch in derselben Nacht bekam Hans Miklas Krach von seiner Efeu; Barbara indessen hatte mit Hendrik eine schlimme Szene. H�fgen tobte: nicht aus �kleinb�rgerlicher Gatteneifersucht� - wie er betonte -; vielmehr aus politischen Gr�nden. �Man sitzt nicht mit einem Lumpen von Nationalsozialisten den ganzen Abend an einem lisch!� rief er, bebend vor Zorn. Barbara versetzte, da�, ihrer Ansicht nach, der junge Miklas kein Lump sei - woraufhin Hendrik schneidend versetzte: �Alle Nazis sind Lumpen. Man beschmutzt sich, wenn man sich abgibt mit einem von ihnen. Ich bedaure, da� dir hierf�r das Verst�ndnis fehlt. Die liberalistischen Traditionen deines Hauses haben dich verdorben. Du hast keine Gesinnung, sondern nur eine verspielte Neugierde.� Er stand sehr aufrecht mitten im Zimmer; seine streng dozierenden Worte begleitete er mit ruckhaften, eckigen Bewegungen der Arme.

Barbara sagte leise: �Ich gebe es zu - der Junge tut mir ein bi�chen leid, und er interessiert mich ein bi�chen. Er ist krank und ehrgeizig, und er hat nicht genug zu essen. Ihr behandelt ihn schlecht - du, deine Freundin Herzfeld und die anderen. Er sucht etwas, woran er sich klammern und aufrichten kann. So ist er zu diesem Wahnsinn gekommen, den er jetzt so stolz seine Gesinnung nennt��

Hendrik mu�te h�hnisch durch die Nase lachen. �Wieviel Verst�ndnis du aulbringst f�r diesen Lausekerl!

Wir behandeln ihn schlecht! Das ist k�stlich! Wenn ich dergleichen nur h�re! - Hast du denn keine Vorstellung davon, wie er und seine Freunde wiis behandeln w�rden,, wenn das Pack an die Macht k�me?!� Hendrik - den Oberk�rper vorgeneigt, die Arme in die H�ften gestemmt - fragte es mit w�tender Eindringlichkeit.

Barbara sagte langsam, ohne ihn dabei anzusehen: �Gott verh�te es, da� diese Irrsinnigen jemals die Macht bekommen. Ich m�chte dann nicht mehr leben in diesem Lande.� Sie sch�ttelte sich ein wenig, als sp�rte sie jetzt schon die ekelhafte Ber�hrung deu Brutalit�t und der L�ge, die in Deutschland herrschen w�rden, wenn die Nazis herrschten. �Die Unterwelt�, sagte sie schaudernd. �Es ist die Untenveit, die da nach der Macht verlangt��

�Du aber setzt dich an einen Tisch mit ihr und plauderst!� Hendrik machte gro�e Schritte durchs Zimmer und sah triumphierend aus. �Das ist die edle b�rgerliche Toleranz! Nur immer ein feines Verst�ndnis haben f�r den Todfeind - oder f�r das, was man heute noch den Todfeind nennt! Ich hoffe f�r dich, meine Liebe, da� du dich mit ihr, der Untenveit, erst recht vertragen w�rdest, wenn sie einmal an die Macht k�me: du w�rest dazu imstande, noch dem faschistischen Terror interessante Seiten abzugewinnen. Euer Liberalismus w�rde es lernen, sich abzufinden mit der nationalistischen Diktatur. Nur wir, die k�mpferischen Revolution�re, sind ihre Todfeinde - und nur wir werden verhindern, da� sie heraufkommt!� Er stolzierte wie ein Gockelhahn durchs Zimmer, ekstatisch schielend und das Kinn gereckt. Barbara aber stand unbeweglich. H�tte Hendrik sie angesehen in diesem Augenblick, er w�re erschrocken vor dem gro�en Ernst ihres Gesichtes.

�Du glaubst also, ich w�rde mich abfinden�, sagte sie, beinahe tonlos. �Du meinst, ich w�rde mich vers�hnen - mit dem Todfeind vers�hnen.�

Wenige Tage sp�ter kam es zwischen Hendrik und Miklas zu einem Zusammensto�, der damit endigte, da� H�fgen die fristlose Entlassung des jungen Schauspielers bei der Direktion des Hamburger K�nstlertheaters durchsetzte. Der Anla� zu der Katastrophe - die f�r H�fgen ein Triumph, f�r Hans Miklas aber verh�ngnisvoll und vernichtend wurde - schien zun�chst harmlos.

Hendrik war an diesem Abend in brillanter Stimmung, der Schalk sa� ihm im Nacken, er sch�umte �ber von echt rheinischer Munterkeit und �berraschte die ehrfurchtsvoll belustigten Kollegen mit immer neuen Schnurren und Scherzen. Gerade hatte er ein ebenso vergn�gliches wie ergiebiges Spiel ersonnen. Da er in den Zeitungen nur die Theaternachrichten gr�ndlich las und sich eigentlich nur f�r Dinge, die das Theater betrafen, lebhaft interessierte, wu�te er in den Ensembles aller deutschen Schauspiel-, Opern- oder Operettenb�hnen Bescheid; sein ge�btes Ged�chtnis behielt den Namen der zweiten Altistin in K�nigsberg wie der ��bertragenen Salondame� in Halle an der Saale. Es gab viel Spa� und Gel�chter, da Hendrik sich von den Kollegen in seiner sonderbaren Wissenschaft pr�fen lie�. Er antwortete prompt, wenn man ihn fragte: �Wer ist der jugendliche Bonvivant1 in Halberstadt?� Und, er blieb die Auskunft nicht schuldig, wenn man wissen wollte: �Wo ist Frau T�rkheim-G�vernitz zur Zeit engagiert?� - �Als Komische Alte in Heidelberg�, warf H�fgen hin, als w�re dies etwas Selbstverst�ndliches.

Zu der Unannehmlichkeit mit Miklas kam es, als jemand fragte: �Bitte, wer ist die erste Sentimentale am Stadttheater in Jena?� Hendrik erwiderte: �Eine bl�de Kuh; Sie hei�t Lotte Lindenthal.� Daraufhin mischte sich Miklas ein, der abseits geblieben und nicht mitgelacht hatte: �Warum ist gerade Lotte Lindenthal eine bl�de Kuh?� H�fgen versetzte eisig: �Ich wei� nicht, warum sie eine ist; aber sie ist eine.� Und Miklas, mit einer rauhen und leisen Stimme: �Ich aber kann Ihnen sagen, Herr H�fgen, warum Sie gerade diese Dame beleidigen wollen: weil Sie ganz genau wissen, da� sie die Freundin eines unserer nationalsozialistischen F�hrer ist, n�mlich unseres heroischen Kampffliegers��

Hier unterbrach ihn H�fgen, der mit den Fingern hart auf die Tischplatte trommelte und dessen Gesicht vor Hochmut versteinert schien. �Es interessiert mich nur m��ig, Namen und Titel von Fr�ulein Lindenthals Buhlen zu erfahren�, sagte er, ohne Miklas eines Blickes zu w�rdigen. ��brigens w�rde es eine lange Liste werden. Fr�ulein Lindenthal am�siert sich nicht nur mit dem Fliegeroffizier.�

Miklas, die F�uste geballt und den Kopf geduckt, stand in der kampfbereiten Haltung eines Gassenjungen, der sich gleich, zur gro�en Rauferei, auf den Gegner st�rzen wird. Unter einer w�tend gesenkten Stirne schienen die hellen Augen erblindet zu sein vor Zorn. �H�ten Sie sich�, keuchte er, und alle im Lokal erschraken �ber seine frevlerische K�hnheit. �Ich dulde es nicht, da� eine Dame �ffentlich beleidigt wird, nur weil sie der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei angeh�rt und die Freundin eines deutschen Helden ist. Ich dulde es nicht!!� knirschte er mit den Z�hnen, und er tat ein paar drohende Schritte.

�Sie dulden es nicht!� wiederholte Hendrik und l�chelte diabolisch. �Ei, ei�, f�gte er noch h�hnisch hinzu - woraufhin Miklas sich nun wirklich auf ihn st�rzen wollte: er wurde aber zur�ckgehalten von Otto Ulrichs, der ihn kr�ftig an den Schultern packte.

�Du bist wohl besoffen!� schrie Ulrichs und sch�ttelte Miklas, der hervorbrachte:

�Ich bin nicht besoffen, im Gegenteil! Aber vielleicht bin ich der einzige hier im Raum, der noch einen Rest von Ehrgef�hl im Leibe hat! Niemand in diesem verjudeten Milieu scheint etwas dabei zu finden, wenn man eine Dame beschimpft��

�Genug!!� Dieser metallisch klirrende Ruf kam von H�fgen, der hoch aufgerichtet stand. Alle sahen ihn an. Er sprach mit einer f�rchterlichen Langsamkeit: �Das ��laube ich wohl, mein Lieber, da� Sie jetzt nicht besoffen sind. Sie werden sich nicht auf mildernde Umst�nde berufen k�nnen. Unter dem verjudeten Milieu, in dem Sie sich jetzt noch befinden, werden Sie nicht lange mehr zu leiden haben - verlassen Sie sich auf mich!� Und H�fgen verlie� mit steifen, kleinen Schritten das Lokal. �Es l�uft einem eiskalt �ber den R�cken�, fl�sterte die Motz in eine ehrfurchtsvolle Stille. Aus welcher Ecke aber h�rte man nun dieses leise Weinen? Die Souffleuse Efeu hatte ihren schweren Oberk�rper auf den Tisch sinken lassen, und zwischen ihren dicken Fingern rannen die Tr�nen.

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