Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Hfgen, der Regisseur, entwickelte groen Elan auf der ersten Probe. Als er mit verhaltenem, schlichtem Pathos die groe Anklagerede deklamierte, die Frau von Herzfeld zum Schlu des dritten Aufzuges in ihrer Rolle als tragische Mutter zu halten hatte, mute Otto Ulrichs sich verstohlen die Augen wischen, und selbst Barbara war beeindruckt. - Auf der zweiten Probe aber litt Hendrik an einer nervsen Heiserkeit; zur dritten erschien er hinkend - sein rechtes Knie sei pltzlich steif geworden, klagte er, er knne es gar nicht mehr biegen. Auf der vierten schlielich zeigte er ein so fahles und bses Gesicht, da alle sich vor ihm frchteten - nicht ganz grundlos, wie sich herausstellen sollte: denn er befand sich in entsetzlicher Laune, nannte Frau von Herzfeld eine dumme Gans und drohte der Souffleuse Efeu mit fristloser Entlassung. Sie sabotieren unsere Arbeit, schrie er sie an. Meinen Sie vielleicht, ich wte nicht, warum. Vermutlich haben die Parteifreunde des Herrn Miklas Ihnen den Auftrag dazu gegeben! Aber wir werden euch das Handwerk legen, Ihnen, Ihrem Herrn Miklas, dem sauberen Herrn Knurr und der ganzen verfluchten Bande - das lassen Sie sich gesagt sein! Es nutzte der Efeu nichts, bitterlich zu weinen und immer wieder ihre Unschuld zu beschwren.
Nach dieser Probe - die allen, welche an ihr teilgenommen hatten, in sehr hlicher Erinnerung blieb - legte sich Hfgen zu Bett und bekam Gelbsucht. Vierzehn Tage lang betrat er nicht das Theater. Ulrichs, Bonet-ti und Hans Miklas durften sich in seine groen Rollen teilen. Nach seiner Genesung erschien er immer noch recht matt und mitgenommen und seine Edelsteinaugen waren gelblich getrbt. Die Erffnung des Revolutionren Theaters wurde auf unbestimmte Zeit verschoben: der Arzt hatte es Herrn Hfgen ausdrcklich verboten, sich noch irgendwelche Arbeiten, auer den unvermeidlichen und laufenden, zuzumuten.
Mindestens einen gab es im Ensemble des Knstlertheaters, fr den die Entwicklung der Dinge eine groe Freude war: Hans Miklas strahlte und triumphierte. Er habe es ja gleich gewut, da die ganze Geschichte mit dem sogenannten Revolutionren Theater ein ausgemachter Schwindel sei - erklrte er laut im H. K., und die strafenden Blicke der Frau von Herzfeld konnten ihn nicht davon abhalten, es mehrfach zu wiederholen.
Natrlich konnte der schne Zwischenfall die Laune des jungen Miklas nur vorbergehend, nicht auf die Dauer verbessern. Schon am nchsten Tage erschien sein Gesicht wieder bse verschlossen, die schwarzen Hhlen unterhalb der Wangenknochen waren wieder da, und sein Husten klang besorgniserregend.,Wie er uns alle hat!' dachte Barbara, die ihn beobachtete. Sie war nicht unempfnglich fr den finsteren Charme des ungezogenen Buben. Sein Gesicht, mit dem dichten, widerspenstigen Haar ber der hellen Stirn, den dunklen Rndern um die trotzigen Augen und den abweisend vorgeschobenen, ungesund leuchtenden Lippen, wirkte auf sie weit anziehender als etwa die vor Eitelkeit ermdete Miene des schnen Bonetti. An der schmalen und elastischen Figur des jungen Miklas - an diesem trainierten, biegsamen und ehrgeizigen Krper - gab es irgend etwas, was Barbara rhrte. Deshalb versuchte sie zuweilen, den jungen Menschen ins Gesprch zu ziehen. Zunchst begegnete er ihr - der Gattin des verhaten Vorgesetzten - mit verbissenem Mitrauen. Allmhlich gelang es Barbara, ihn freundlicher und vertrauensvoller zu stimmmen. Manchmal lud sie ihn zu einem Bier und einem belegten Brot im H. K. ein - Aufmerksamkeiten, die Hans Miklas sehr zu schtzen wute. Besonders wenn Barbara sich ber Hendrik gergert hatte, machte es ihr Vergngen, sich mit dem bsen Jungen zu unterhalten. Wollen wir uns nicht mal wieder einen aufsssigen Abend leisten? schlug sie ihm dann vor, und er akzeptierte gerne. Fr aufsssige Abende war er immer zu haben, und erst recht, wenn ihm auch noch Bier und Fleisch dafr bezahlt wurden.
Mit einem Interesse, in das sich ein wenig Grauen mischte, lauschte Barbara, wenn Hans Miklas von dem was er liebte, und von dem, was er hate, sprach.
Wofr begeisterte sich ein so rtselhaftes Geschpf wie Hans Miklas? Was fr Ideen und fr Ideale waren es, an denen sein aggressiver Enthusiasmus sich entzndete? - Er schwrmte von einer judenreinen deutschen Kultur, und Barbara mute verwundert den Kopf schtteln. Als ihr sonderbarer Gesprchspartner ihr auseinandersetzte, da der Versailler Schandvertrag zerrissen und die deutsche Nation wieder wehrhaft werden msse, leuchteten seine Augen, und auch von seiner Stirn schien Glanz zu kommen. Unser Fhrer wird dem Volk die Ehre wiedergeben! rief er aus. Nun klang seine Stimme heiser; er schttelte siegesgewi das Haar. Wir ertragen nicht lnger die Schande dieser Republik; die vom Ausland verachtet wird. Wir wollen unsere Ehre zurckhaben - jeder anstndige Deutsche verlangt das, und anstndige Deutsche gibt es berall, selbst hier, an diesem bolschewistischen Theater. Sie sollten einmal hren, wie Herr Knurr spricht, wenn er nicht frchten mu, belauscht zu werden! Er hat drei Shne im Krieg verloren, aber er sagt, das wre ja nicht so schlimm, viel schlimmer ist, da Deutschland seine Ehre verloren hat - und eben die kann uns der Fhrer - mir der Fhrer - wieder verschaffen!
Barbara aber dachte: Warum erregt er sich so wegen der deutschen Ehre? Was stellt er sich eigentlich vor unter diesem ungenauen Begriff? Ist es fr ihn wirklich so enorm wichtig, da Deutschland wieder Tanks und Unterseeboote bekommt? Er sollte doch erst einmal sehen, seinen schlimmen Husten loszuwerden, in einer netten Rolle Erfolg zu haben und etwas mehr Geld zu verdienen, damit er sich jeden Tag satt essen kann. Sicher it er zuwenig und trainiert zuviel - er sieht ja frchterlich beranstrengt aus.
Sie fragte ihn, ob er noch ein Schinkenbrot wolle; er nickte flchtig, aber dann schwrmte er weiter: Fs kommt der Tag! Unsere Bewegung mu siegen!
hnliche Worte einer begeisterten Zuversicht hatte Barbara erst krzlich von einem anderen gehrt: von Otto Ulrichs. Diesem zu widersprechen, hatte sie nicht gewagt - ihr Verstand wie ihr Gefhl waren ja beinah ganz berzeugt von seinem vernunftvoll-glhenden Glauben -; zu Hans Miklas hingegen sagte sie: Wenn Deutschland wirklich einmal so werden sollte, wie Sie und Ihre Freunde es sich wnschen - dann will ich lieber nichts mehr mit ihm zu tun haben. Dann reise ich ab, erklrte Barbara und lchelte Miklas, nachdenklich, aber nicht unfreundlich, zu. Der jedoch strahlte: Das glaube ich wohl! Es werden verschiedene Herrschaften abreisen - das heit: wenn wir sie noch abreisen lassen und sie nicht vorher einstecken! Dann sind wir dran! Dann werden endlich wieder die Deutschen in Deutschhland etwas zu sagen haben!
Wie ein begeisterter Sechzehnjhriger sah er jetzt aus, mit dem verwirrten Haar und den leuchtenden Augen - Barbara konnte nicht leugnen, da er ihr gefiel, wenngleich jedes Wort, das er sagte, ihr fremd und abstoend war. Mit einer Beredsamkeit, die sich hufig verwirrte, aber stets eindringlich blieb, erklrte er ihr, da der Glaube, fr den er kmpfte, ein im tiefsten revolutionrer Glaube sei. Wenn der Tag erst da ist, und unser Fhrer die ganze Macht bernimmt - dann ist Schlu mit Kapitalismus und Bonzenwirtschaft, die Zinsknechtschaft wird gebrochen, die Grobanken und die Brsen, die unsere Volkswirtschaft aussaugen, knnen zumachen, und niemand wird ihnen nachweinen!
Barbara wollte wissen, warum Miklas nicht mit den Kommunisten gehe, wenn er doch, wie sie, gegen den Kapitalismus sei. Miklas erklrte - eifrig wie ein Kind, das eine auswendig gelernte Lektion hersagt -: Weil die Kommunisten kein Vaterlandsgefhl haben, sondern internationalistisch und von den russischen Juden abhngig sind. Auch von Idealismus wissen sie nichts, alle Marxisten glauben, es kommt nur aufs Geld an im Leben. Wir wollen unsere eigene Revolution - unsere deutsche, unsere idealistische; nicht eine, die dirigiert wird von den Freimaurern und durch die Weisen von Zion!