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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Nun, was sitzst du so da?«

Ilja zuckte zusammen, wandte sich um und stieg ohne Eile vom Stuhl herab.

»Du hörst dir also jeden Unsinn an?«

Der Sohn stand mit gebeugtem Kopf da. Der Vater begriff, daß er es mit Absicht tat, um an die erlittene Züchtigung zu erinnern.

»Warum bückst du dich? Halt' den Kopf gerade!«

Ilja hob die Brauen, blickte aber den Vater nicht an. Die Drossel begann auf den Stangen herumzuspringen und leise zu pfeifen.

»Er zürnt noch«, dachte Artamonow, sich auf Iljas Bett setzend und den Finger in das Kissen bohrend. – »Man muß solchen Unsinn gar nicht erst anhören.«

Ilja fragte:

»Ja, wie denn, wenn man aber zu mir spricht?«

Seine ernste, liebe Stimme erfreute den Vater. Pjotr begann nun freundlicher und mutiger:

»Und wenn auch, hör' einfach nicht hin! Vergiß es! Wenn man vor dir eine Scheußlichkeit sagt, dann mußt du sie vergessen.«

»Vergißt du auch?«

»Aber gewiß. Was wäre ich denn, wenn ich all das, was ich höre, behalten würde?«

Er sprach ohne Eile, wählte sorgfältig möglichst einfache Worte und war sich doch darüber im klaren, daß sie alle überflüssig waren, er blieb bald in der dunklen Weisheit dieser einfachen Worte stecken und sagte mit einem Seufzer:

»Komm zu mir!«

Ilja kam vorsichtig näher. Der Vater preßte ihm die Seiten mit den Knien zusammen, drückte ihm die Handfläche leicht gegen die breite Stirn und war gekränkt, als er fühlte, daß der Sohn den Kopf nicht heben wollte.

»Was sind das für Grillen? Sieh mich an!«

Ilja sah ihm gerade, in die Augen, doch das verschlimmerte nur noch die Sache, denn er fragte:

»Weshalb hast du mich geschlagen? Ich habe doch gesagt, daß ich Pawel nicht glaube.«

Pjotr antwortete nicht gleich. Er sah mit Staunen, daß sein Sohn sich plötzlich, wie durch irgendein Wunder, als seinesgleichen fühlte, daß er sich selbst den Rang eines Erwachsenen verliehen und den Erwachsenen zu sich herabgezogen hatte.

»Er ist über sein Alter hinaus empfindlich«, dachte Pjotr flüchtig und erhob sich, hastig sprechend, in dem Bestreben, seinen Sohn möglichst rasch zu versöhnen.

»Ich habe dir nicht weh getan. Man muß manchmal züchtigen. Oh, wie hat mich mein Vater geschlagen! Und die Mutter! Der Pferdeknecht und der Verwalter! Der deutsche Lakai! Wenn ein Verwandter schlägt, ist es nicht so kränkend, wenn aber ein Fremder es tut, macht es Kummer. Die Hand eines Verwandten ist leicht!«

Er ging im Zimmer auf und ab, machte von der Tür zum Fenster sechs Schritte und beeilte sich sehr, dieses Gespräch zu beenden, als fürchtete er, daß der Sohn noch irgend etwas fragen könnte.

»Du wirst hier alles mögliche sehen und hören, was nicht für dich bestimmt ist«, murmelte er, ohne den Sohn anzusehen, der sich an das Kopfende des Bettes schmiegte. »Du mußt lernen. Du mußt in die Gouvernementsstadt. Willst du lernen?«

»Ja, ich will lernen.«

»Na also ...«

Er wollte den Sohn liebkosen, doch hemmte ihn etwas. Und er konnte sich nicht erinnern, ob Vater und Mutter ihn nach einer ihm zugefügten Kränkung liebkost hatten.

»Nun, geh spazieren. Du solltest Pawel nicht zum Freunde haben.«

»Niemand liebt ihn.«

»Er verdient es auch nicht, er ist durch und durch verdorben.«

Artamonow ging in sein Zimmer hinunter und versank, am Fenster stehend, in Gedanken: der Vorfall mit dem Sohn war nicht schön gewesen.

»Ich habe ihn verzogen. Er fürchtet mich nicht.«

Aus der Siedlung tönten mannigfaltige Geräusche herüber: das Singen und Kreischen der Mädchen, gedämpftes Sprechen, die schrillen Töne der Harmonika. Am Tor klangen deutlich Tichons Worte:

»Warum sitzest du zu Hause, Junge? Es ist ein Fest, und du bist im Zimmer? Du willst lernen? Das ist gut. Man sagt: Wer nicht gelernt hat, ist noch nicht geboren. Ich werde mich nach dir sehnen, Junge.«

Artamonow wollte rufen:

»Du lügst, ich werde mich sehnen! Wie er den Sohn des Herrn umschmeichelt, die gemeine Seele«, dachte er erbost.

Nachdem Pjotr seinen Sohn zum Bruder des Popen Gleb, einem Lehrer, der Ilja fürs Gymnasium vorbereiten sollte, in die Stadt geschickt hatte, fühlte er tatsächlich Leere in der Seele und Langeweile im Hause. Es war so unbehaglich und ungewohnt, als wäre das ewige Lämpchen im Schlafzimmer erloschen. Pjotr hatte sich derart an dessen bläuliches Licht gewöhnt, daß er in den endlosen Nächten erwachte, wenn es aus irgendeinem Grunde ausging.

Vor der Abreise trieb Ilja so viel Unfug, als wollte er absichtlich ein schlechtes Andenken hinterlassen; er sagte der Mutter derartige Grobheiten, daß sie zu weinen begann, ließ alle Vögel von Jakow aus den Käfigen heraus und schenkte Nikonow die seinem Bruder versprochene Drossel.

»Warum machst du solchen Unsinn?« fragte der Vater. Ilja neigte aber, ohne zu antworten, den Kopf zur Seite, und es kam Artamonow vor, als forderte der Sohn ihn heraus, indem er ihn wieder daran erinnerte, was er vergessen wollte. Es war seltsam zu fühlen, wieviel Raum dieser kleine Mensch in seiner Seele einnahm.

»Ist es denn möglich, daß mein Vater meinetwegen auch so besorgt war?«

Sein Gedächtnis erwiderte mit Bestimmtheit, er hätte nie die Empfindung gehabt, der Vater wäre ein ihm nahestehender, geliebter Mensch, er war nur ein strenger Prinzipal, der Alexej viel aufmerksamer behandelte als ihn.

»Wie ist es, bin ich denn gütiger als mein Vater?« fragte sich Artamonow und war im unklaren, da er nicht wußte, ob er gut oder böse war. Diese Gedanken behinderten ihn, da sie ihn zu ungelegenen Stunden weckten und ihn während der Arbeitszeit überfielen. Das Werk wuchs geräuschvoll, sah den Herrn mit Hunderten von Augen an und erforderte stets gespannte Aufmerksamkeit; es brauchte ihn aber nur irgendetwas an Ilja zu erinnern, und die geschäftlichen Gedanken zerrissen wie eine durchfaulte, vermoderte Gewebekette, und es kostete große Anstrengung, sie durch feste Knoten wieder zusammenzubinden. Er versuchte die durch Iljas Abwesenheit entstandene Leere durch erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber dem jüngeren Sohn zu füllen, aber nur um sich mit finsterem Ärger zu überzeugen, daß Jakow ihn nicht trösten konnte.

»Papa, kauf mir einen Bock«, bat Jakow. Er bat immer um irgend etwas.

»Warum gerade einen Bock?«

»Ich will reiten.«

»Das hast du dir schlecht ausgedacht. Nur Hexen reiten auf Böcken.«

»Jelena hat mir aber ein Bilderbuch geschenkt, und dort sitzt ein guter Junge auf einem Bock.«

Der Vater dachte:

»Ilja hätte an das Bild nicht geglaubt. Er würde ihn sofort bestürmt haben: erzähle mir von den Hexen.«

Es mißfiel ihm, daß Jakow selbst die Fabrikkinder neckte und dann klagte:

»Die hauen mich.«

Auch der älteste Sohn war ein Raufbold und Händelsucher, doch beklagte er sich nie über jemanden, obwohl er häufig von den Kameraden in der Siedlung verprügelt wurde. Jakow war aber feige und faul, und lutschte oder kaute immer etwas. Manchmal fiel in Jakows Benehmen etwas Unverständliches, scheinbar Unschönes auf. Einmal, als die Mutter ihm beim Tee Milch einschenkte, blieb sie mit dem Ärmel ihrer Jacke am Glase hängen, warf es um und verbrühte sich.

»Ich habe vorher gesehen, daß du die Milch ausgießen wirst!« prahlte Jakow grinsend.

»Du hast es gesehen und hast geschwiegen? Das ist schlecht von dir«, bemerkte der Vater. »Jetzt hat sich die Mutter die Beine verbrüht.«

Jakow kaute blinzelnd und schnaufend stumm weiter. Nach einigen Tagen hörte der Vater ihn aber zu irgendwem auf dem Hofe sagen, – und seine Worte überschlugen sich dabei:

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