Nijura - das Erbe der Elfenkrone
- Автор: Nuyen Jenny-Mai
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: cbj Verlag
- ISBN: 978-3-570-13058-2
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
Erijel folgte dem Prinzen. Er war der Einzige der Elfen, bei dem Nill ein ungutes Gefühl hatte. Er schien sie nicht besonders zu mögen und machte auch keinen Hehl daraus – selbst jetzt beobachtete er sie mit einer Mischung aus Misstrauen und Sorge.
Vielleicht begleitete er seinen jüngeren Cousin, weil er es musste; vielleicht hatte man ihn zum Schutz des Prinzen mitgeschickt. Wenn dem so war, schien es Kaveh jedoch nicht zu stören, denn er behandelte den Elfenritter sehr vertraut.
»Werden wir da alle reinpassen?«, fragte Mareju mit gerunzelter Stirn, als er bei der Barke angekommen war und den Bootsrand festhielt.
Arjas kam neben ihn. »Wenn du dich so breit machst wie beim Schlafen, nicht.«
Mareju stieß seinen Bruder an, und die beiden Zwillinge schubsten sich, in der Elfensprache streitend, hin und her, bis Kaveh bei ihnen ankam. Er warf sich die zusammengebundenen Zöpfe über die Schulter und legte sein Kurzschwert, einen Köcher voller Pfeile und einen geschwungenen Bogen in die Barke. Dann blickte er lächelnd zu Nill auf, und sie spürte, wie sie sein Lächeln mit Erleichterung erwiderte.
Bruno, das Wildschwein des Prinzen, passte nicht in die Barke. Er hatte Schwierigkeiten, mit seinen Hufen einzusteigen, und wehrte sich mit einem empörten Grunzen dagegen, von Kaveh hineingehievt zu werden. Außerdem war die Barke bereits beträchtlich tiefer ins Wasser gesunken, seit sich Mareju, Arjas und Erijel hinter Nill gesetzt hatten; für das zusätzliche Gewicht eines ausgewachsenen Keilers war das Boot nicht geschaffen.
»Es nützt alles nichts«, seufzte Kaveh. Mit einem wütenden Schnauben befreite Bruno sich aus seinen Armen und galoppierte ans Ufer zurück. »Bruno muss auf festem Boden bleiben. Und ich bei ihm.«
Damit hob Kaveh Bogen und Köcher wieder aus der Barke und schlang sich beides um die Schulter.
»Zu Fuß seid ihr nicht schnell genug«, sagte Nill.
Daraufhin lächelten die Elfen gutmütig.
»Keine Angst.« Kaveh trat ans Ufer zurück. Langsam nahm die Strömung das Boot auf und es kam in Bewegung. »Bruno und ich sind gute Läufer.«
Kaveh winkte ihnen noch einmal, dann war er im Uferdickicht verschwunden.
Gefährten
Nill wusste nicht recht, wie sie sich verhalten sollte.
Bereits zehn Minuten nach ihrem Aufbruch bezweifelte sie ihre Entscheidung – sie hätte sich nie von den Elfen begleiten lassen dürfen! Sie kannte sie nicht einmal. In der Nacht konnten sie ihr den Steindorn stehlen. Und das war noch das Harmloseste, was ihr zustoßen mochte.
Die Blicke der Elfen schienen ihr in den Rücken zu brennen und sie wagte nicht, sich zu ihnen umzudrehen. So vergingen mehrere Minuten der Fahrt, während Nill sich in immer schrecklicheren Ängsten und Vorwürfen verlor.
Dann lenkte sie ein Blitzen aus dem Wald ab. Sie blickte zum Ufer hinüber. Da war es wieder – eine Reflektion. »Habt ihr das gesehen?«, fragte sie mit brüchiger Stimme. »Da, da, das Licht.«
»Das ist bloß Kaveh. Sein Brustpanzer reflektiert.«
Der Elfenritter Arjas zuckte mit den Schultern. Dabei kamen seine Schultern Nill fast noch zu schmal vor, um zu einem Ritter zu gehören – die Elfen waren allesamt mehr Jungen als Männer und bestimmt nicht viel älter als Nill selbst. Nur Erijel traute sie zwei, drei Jahre mehr zu.
»Und ... ihr seid alle Ritter des Königs?«, fragte sie.
»Ja«, erwiderte Mareju prompt. Und nach einem kurzen Stocken fügte er hinzu: »Nicht direkt. Unsere Treue haben wir Prinz Kaveh, dem zweitgeborenen Sohn des Königs, geschworen. Wir sind seine persönliche Rittergarde.« Er sagte es mit so viel Stolz, dass Nill ausschloss, dass er log.
»Hat er denn einen älteren Bruder?«, fragte Nill weiter.
Arjas kratzte sich das grün schimmernde Haar.
»Der Erstgeborene ist Prinz Kejael. Der hat wie Kaveh seinen selbst erwählten Ritterstab. Aber seine Ritter sind natürlich nicht mit denen von Prinz Kaveh zu vergleichen.« Er grinste breit und steckte auch seinen Zwillingsbruder damit an.
»Ist das der Grund, weshalb der König euch als Kundschafter ausgeschickt hat?«, fragte Nill.
»Na klar!«, sagte Mareju mit einem eifrigen Nicken. »Genau deshalb. Wir haben uns schon oft als Kundschafter bewiesen. Wir sind absolut unschlagbar, weißt du.« Nill lächelte zögernd. »Ihr müsst euch gut verstehen. Mit dem Prinzen, meine ich.«
Der Meinung waren die Zwillinge auch. »Wir sind Blutsbrüder!«, erklärte Arjas. »Die Treue, die wir ihm geschworen haben, hat auch Kaveh uns geschworen.«
»Ja«, knurrte plötzlich Erijel, der ganz hinten mit einer säuerlichen Miene in der Barke saß. »Und einen besonderen Eid haben wir auf Tollkühnheit abgelegt.«
Die Zwillinge zuckten fast gleichzeitig mit den Achseln. Inzwischen hatte sich Erijels scharfer Blick auf Nill gerichtet. »Aus welchem Grund genau hat man dich nach Korr geschickt?«
Nills Zunge fühlte sich plötzlich wie gelähmt an.
»Ich soll mich nur umhören«, wich sie seiner Frage aus. Natürlich nahm er ihr das kein bisschen ab, sie hätte es selbst nicht getan.
»Und ihr, ihr hört euch auch nur um?«, fragte sie zurück.
Arjas, Mareju und Erijel nickten.
Genauso rasch, wie Nills Angst vor den Elfen zuvor gekommen war, schwand sie wieder. Als die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken brachen und blasses Licht durch die Laubdächer weit über ihnen sickerte, lachte und scherzte Nill ausgelassen mit Mareju und Arjas. Erijel hatte sich inzwischen eingerollt und schlief. Er hatte, wie er grummelte, »die letzte Nacht schließlich nicht geschnarcht, sondern Wache gehalten.« Das bekümmerte die beiden Zwillinge nicht im Geringsten. Nill lächelte erst verlegen, dann begann sie zu kichern, und schließlich, als sie alle Unsicherheit überwunden hatte, lachte sie ungewohnt laut über die Witze der beiden Elfenbrüder. Das war ein ganz neues Gefühl für sie: Niemals hätte sie für möglich gehalten, dass man mit jemandem nach so kurzer Zeit so vertraut sein konnte. Es war auch ganz neu für sie, mit jemandem fröhlich zu sein.
Mareju und Arjas erzählten Nill ein paar amüsante elfische Volksmärchen, in denen aber so viele Begriffe vorkamen, die nur ein Elf kennen konnte, dass Nill kaum die Hälfte verstand (sie wusste weder, was ein heiliges Tier der Nebel war, das in den Mythen immer wieder eine Rolle spielte, noch was ein Hainlicht sein mochte – oder ein Gnobbkop).
Schließlich musste sich Nill beide Hände vor den Mund halten, um nicht in lautes Gelächter auszubrechen, als die beiden Brüder eine Wette abschlossen.
»Nie im Leben«, raunte Mareju und verschränkte entschlossen die Arme vor der Brust. »Erijel im Schlaf das Schwert zu ziehen – das schaffst du nicht, Bruderherz! Hast du vergessen, dass Erijel mit gespitzten Ohren und wachen Händen schläft?«
»Und ich werd’s trotzdem schaffen.« Arjas grinste siegesgewiss. Seine Lippen vermochten sich zu jedem erdenklichen Lächeln zu kräuseln – allein sie erzählten schon von hundert Streichen und Flausen.
»Ich wette, dass ich sein Schwert klauen kann, ohne dass er was merkt.« Eine Weile drucksten und kicherten die Brüder herum, dann schlossen sie ihre Wette ab. Wenn Arjas tatsächlich die Geschicklichkeit bewies, Erijel bestehlen zu können, wollte Mareju ins Wasser springen.
»Und mit dem Mund einen Fisch fangen«, setzte er noch hinzu. Arjas beließ es dabei, einfach nur in den Fluss zu springen.
Schelmisch drehte er sich schließlich zu dem Schlafenden um. Er streckte behutsam eine Hand aus, zog sie wieder zurück, fuhr sich über die Stirn und rieb sich die Finger am Mantel ab. Hastig zog er sich den Mantel aus und schnallte sich sogar den Brustpanzer ab. Dann überwand er sich unter Marejus Drängen. Er biss sich auf die Zunge, um Erijel nicht mit einem prustenden Lachen zu wecken – und kroch an den Schlafenden heran. Seine bebenden Finger reckten sich, umschlossen den Griff des Schwertes wie in Zeitlupe und zogen die Klinge hervor. Ein Klirren hing in der Luft. Plötzlich riss Erijel die Augen auf. Seine Hand umschloss Arjas’ Unterarm. Verwirrt und wütend starrte er dem Jungen ins Gesicht.