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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Der Regen verwandelte den Fluss in ein graues Sprengfeld und malte unzählige Ringe auf die Oberfläche. Es dauerte nicht lange, da waren Nill, Mareju, Arjas und Erijel bis auf die Knochen durchnässt. Nill zog die Knie an den Körper und umschlang die Beine mit ihren Armen. Bibbernd warteten sie den Tag ab, aber die Zeit wollte nicht vergehen und der Regen nicht nachlassen. Nill war kalt. Die Kleider hingen ihr schwer und vollgesogen am Leib, ja selbst die Haare klebten ihr auf den Wangen, dem Nacken, am Hals, und von ihren Wimpern rollten die Regentropfen. Aus Langeweile holte sie einen Brotkanten aus ihrem Quersack, brach ihn in immer kleinere Stücke und aß sie, während der Regen das Brot noch in ihrer Hand aufweichte.

Der Regen blieb und hin und wieder mischte sich ein unheilvolles Beben in sein Prasseln. Dann wurde es schlagartig dunkel und die Nacht goss sich wie Tinte über das Land. Nill und die Elfen suchten unter einer mächtigen Tanne Schutz, deren Wurzeln selbst dick wie Baumstämme und so hoch waren, dass man auf ihnen hätte klettern können. Mit viel Geschick gelang es Arjas und Mareju, ein Feuer zu entfachen, wobei die Brüder sich erst gegenseitig rau anherrschten und später, als ihr Werk fröhlich vor sich hinflackerte, eifrig beglückwünschten. Sie zogen sich die tropfenden Kleider aus und hängten sie nahe der Flammen an Äste. Nill war beschämt und wusste mehrere Augenblicke lang nicht, was sie tun sollte.

Aber schließlich überwand sie sich, legte ihren dunklen Umhang und die Tunika ab und ließ sich im Unterkleid vor dem Feuer in die Hocke sinken. Dann wartete sie mit den Jungen und dem Keiler darauf, dass die Wärme sich in ihre halbgefrorenen Glieder schlich.

Die nächsten zwei Tage und Nächte regnete es unaufhörlich. Nill konnte sich kaum mehr erinnern, wie es sich anfühlte, trocken und warm zu sein. Sie hatte sich an das ewige Prasseln gewöhnt, das ihr auf den Kopf und die Schultern schlug und das Denken fast unmöglich machte. Die Gefährten sprachen kaum mehr miteinander. In den zäh dahin rinnenden Stunden merkte Nill, wie ihre Hand immer öfter nach dem Steindorn tastete. Wenn sie spürte, dass er noch in ihrer Rocktasche war, ganz nah an ihrem Körper, war sie erleichtert und wollte die Hand kaum von der leichten Wölbung unter dem Stoff nehmen.

Es war am späten Nachmittag des dritten Tages, als der Regen für eine kurze Weile schwächer wurde, die einzelnen Tropfen sich dünn und lang machten und sich wie silberne Fäden vom Himmel herabließen. Ein wabernder Nebel kroch von den Ufern her über den Fluss. Bald reichte Nills Blick kaum mehr über den Rand der Barke hinweg. Sie fürchtete, dass Arjas, der im Augenblick mit Bruno im Wald wanderte, sie bei diesem Nebel verlieren könnte, aber Kaveh machte ihre Sorgen mit einem Lächeln zunichte. Der ewige Regen hatte den Prinz still und reglos werden lassen. Seine Augen waren rötlich umschattet, die Wangen blass und glänzend. Doch abgesehen davon schien die Kälte weder ihm noch seinen Rittern wirklich etwas auszumachen. Nill hingegen hatte einen Schnupfen bekommen und hüstelte immer wieder. »Bruno verliert nie eine Fährte. Und Arjas ... na ja. Er verliert nie Bruno.« Kaveh verzog die Mundwinkel erneut zu einem durchsichtigen Lächeln.

Dann deutete er mit einem Kopfnicken geradeaus.

»Der Fluss verändert sich.«

Nill wandte sich um. Sie sah nichts außer den dampfenden Nebelschwaden. Das Wasser perlte ihr über die Stirn. Und plötzlich streifte die Barke hohes Schilf. Nill wich erschrocken zurück. Die Pflanzen hatten sich wie aus dem Nichts vor ihnen aufgetan.

Mit einem Mal umgab sie von allen Seiten mannshohes Ufergras. Unter der Barke sah Nill verworrene Schlingpflanzen und Algen durch das Wasser schimmern.

»Sind wir ans Ufer getrieben worden?«, fragte sie.

Erijel stand auf und nahm das Ruder in die Hand.

»Nein. Der Fluss hat sich geteilt. Wir sind in einem Nebenstrom gelandet. Vielleicht treiben wir auch auf einen See zu.«

Bis jetzt war Nill noch gar nicht der Gedanke gekommen, dass der Fluss irgendwo enden musste.

Aber schließlich zog er sich nur durch die Dunklen Wälder – dahinter begannen die Marschen von Korr.

Plötzlich schien sie wie aus einem langen Traum zu erwachen. Die Marschen! Das Dunkle Waldreich lag endgültig hinter ihnen und mit ihm das letzte Stückchen Heimat.

Ein Pfeifen durchdrang den Nebel. Kaveh legte zwei Finger an den Mund und antwortete ihm. Ein paar Augenblicke später schälte sich Arjas’ Silhouette aus dem Dunst und neben ihm, wie ein großer Schatten, Bruno.

Erijel steuerte die Barke an ihn heran und sprang als Erster ans Ufer. Vom Regen platt gedrücktes, gelbes Gras hing wie wirres Haar ins Wasser.

»Weiter vorne lichten sich die Wälder«, sagte Arjas. »Die Flussläufe zweigen nun in alle Himmelsrichtungen ab. Sie sind mit Schilf überwuchert – mit einem Boot wird man kaum weiterkommen.«

Kaveh nickte und trat ebenfalls ans Ufer. Dann reichte er Nill die Hände, um ihr aus der Barke zu helfen. Nills Herz begann zu klopfen bei der Berührung, denn sie hatte noch nie einem Elf – oder sonst einem Jungen – beide Hände gereicht und sich auf so vornehme Art helfen lassen.

»Wir müssen die Barke hier lassen«, sagte Kaveh.

Sie schulterten ihre Proviantbeutel, Bogen und Köcher und ließen die Barke im hohen Schilf zurück.

Das war das Letzte, dachte Nill, das Letzte aus ihrer Vergangenheit.

In den Wäldern empfing sie matte Dunkelheit.

Rings um sie herum erhoben sich Fichten und Tannen mit glänzenden schwarzen Stämmen. Sie verschluckten zwar das meiste Tageslicht, standen aber zu weit auseinander, um den Regen ernsthaft abzuschirmen. Der Boden war ein fleckiger Teppich aus Moos und braunen Tannennadeln, die bald an den Stiefeln der Elfen und an Nills Waden klebten.

Allmählich standen die Bäume immer weiter voneinander entfernt. Obwohl die Dämmerung bereits einsetzte, wurde es nicht dunkler, denn auch der Wald lichtete sich, je weiter sie kamen. Immer öfter konnten sie Flecken vom Himmel über sich erspähen. Schließlich blieb Bruno stehen und wandte sich fragend zu Kaveh um. Der lief ihm schon entgegen.

Er öffnete die Taschen, die der Keiler um den Leib trug, und zog fünf Fackeln hervor.

»Es wird bald dunkel. Und wie es aussieht, wird der Mond nicht scheinen. Wir sollten Licht machen.«

Nill und die Ritter warteten ab, bis Kaveh die Fackeln angezündet hatte. In den Taschen waren sie einigermaßen trocken geblieben. Nill dachte verwundert daran, wie Bruno stehen geblieben war, sobald Kaveh die Fackeln hatte holen wollen. Konnten die beiden womöglich miteinander sprechen – und das ohne jeden Laut ...?

Jeder der Gefährten nahm eine Fackel. Bis jetzt war ihnen gar nicht aufgefallen, wie dunkel es schon geworden war. Als sie sich wieder in Bewegung setzten, sah Nill schon nichts mehr, was außerhalb der hellen Lichtkreise ihrer Fackeln lag. Selbst der Boden schien unter ihren Füßen zu versinken ... Sie wanderten bald in Finsternis, in der es nur das leise Prasseln des Regens und den flackernden Feuerschein gab.

So fiel Nill zunächst nicht auf, wie die Bäume des Waldes hinter ihnen zurückblieben und der unebene Moosboden sich in eine unebene Straße verwandelte.

Sie folgte nur den Fackeln, folgte nur dem Licht, einen Schritt nach dem anderen, einen Fuß vor den nächsten, weiter, weiter durch die Nacht. Bleierne Müdigkeit überkam Nill. Ihre Augen wollten immer wieder zufallen. Die Knie sackten ihr ein, ihr Arm, der die Fackel hielt, wurde schwer. Der Hunger wuchs zu einem schwarzen Loch heran und verwandelte sich in Kälte, die Kälte in noch mehr Müdigkeit ...

... Aber an Schlafen war bei diesem Wetter ohne einen Unterschlupf nicht zu denken.

Donner rollte über das Land, nun in seiner ganzen monströsen Lautstärke und ohne von den Bäumen des Waldes gedämpft zu werden. Blitze zuckten in der Finsternis und erhellten für weniger als eine Sekunde die Welt: Nill glaubte sich mit einem Schlag in einer Wüste, denn in dem kurzen Moment, in dem sie ihre Umgebung in gleißendes Licht getaucht sehen konnte, war absolut nichts zu erkennen. Nichts außer kargen Hügeln, nichts außer fernen Umrissen, die Berge sein mochten oder auch nur Wolkenfetzen.

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