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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Nill sehnte das Tageslicht herbei und fürchtete sich zugleich davor, was für eine öde Landschaft es enthüllen würde.

Plötzlich machten die Elfen Halt. Nill wäre fast gegen die anderen gestolpert und musste ihre Augen erst zwingen, wieder scharf zu sehen, ehe sie erkannte, was vor ihnen lag. Kavehs Fackel war zu einem schmächtigen Flämmchen geworden, das sich kaum noch gegen den Regen behaupten konnte. Er hielt sie dicht an ein Holzbrett. Es war ein verwittertes Straßenschild.

Das wurmzerfressene Holz glänzte im triefenden Regen. Kaveh beugte sich näher heran. Das Fackelfeuer leckte zischend am glitschigen Schild.

»Was steht da?«, murmelte Mareju. »Könnt ihr es lesen?«

»Ich erkenne kein Wort.« Arjas zuckte mit den Schultern.

»Wartet«, sagte Kaveh.

Nill stellte sich auf die Zehenspitzen, um das Straßenschild zu sehen. Aber selbst für jemanden, der lesen konnte, waren die Buchstaben so verwittert, dass man sie kaum entziffern konnte.

»... K, das ist ein K aus der Menschenschrift«, sagte Kaveh. »K wie Korr.«

Mit einem Hilfe suchenden Blick wandte er sich an die anderen. »Was meint ihr? Sollen wir den Weg nehmen?«

»Was bleibt uns übrig?«, fragte Nill.

Kaveh ging ein paar Schritte zur Seite und wies mit der Fackel in die Finsternis. Ein schmaler Trampelpfad war zu erkennen. »Zwei Wege, einer beschriftet, der andere nicht.«

Eine Weile sagte niemand etwas. Nill wartete darauf, dass die Elfen sich entscheiden würden; schließlich hatten sie behauptet, dass sie den Weg kannten.

Als niemand etwas sagte, fasste sie Mut und zog sich den Quersack zurecht.

»Wir folgen dem Straßenschild«, sagte sie.

»Das finde ich auch«, sagte Mareju.

Kaveh nickte. »Dann also los.«

Sie schlugen den breiteren Weg ein. Nill drehte sich im Vorbeigehen noch einmal zum Schild um.

Der Schein ihrer Fackel glitt über die eingeritzten Buchstaben hinweg, und mit einem Mal sah sie darin hämische Grimassen und Fratzen ... Dann hatte die Finsternis hinter ihr das Schild verschlungen.

Sie gingen wachsam weiter. Nill hielt nach etwas Ausschau, das bestätigen konnte, dass sie dem richtigen Weg folgten. Aber es gab nichts, woran ihr Blick sich klammern konnte. Sie bewegten sich nach wie vor in absoluter Dunkelheit.

Umso verwirrter war Nill über das erste Licht, das zu ihnen durch die Nacht drang.

»Was ist das?«, flüsterte sie.

Mit zusammengekniffenen Augen fixierten sie den Lichtfunken, der vor ihnen der Finsternis trotzte. Als sie näher kamen, erschien ein zweites Licht. Und bald noch eines. Immer mehr Lichter traten aus der Nacht, eins nach dem anderen.

Nill lief schneller, bis sich direkt vor ihren Füßen der Boden öffnete. Mit angehaltenem Atem starrte sie hinab.

Und auch die Ritter und der Prinz hielten den Atem an, als sie auf das glühende Nest herabblickten.

Wie ein Tal voll Glühwürmchen eröffnete sich ein Wirrwarr von Lichtern vor ihnen – sie strahlten ihnen entgegen und versilberten den Regen über sich, sodass ein glänzender Schweif über der gesamten Stadt hing.

»In den Marschen sind wir nicht. Das hier«, sagte Erijel, »ist die Heimat der Verstoßenen und Verbannten. Das ist Kesselstadt.«

Zum versunkenen Palast

»Wir werden nur so lange bleiben wie gerade nötig«, erklärte Kaveh entschlossen, während sie sich dem funkelnden Lichtgewimmel näherten. »Wir fragen jemanden nach dem Weg in die Marschen. Dann suchen wir uns ein Zimmer für die Nacht und brechen gleich in aller Frühe wieder auf ...«

Erijel bedachte ihn mit einem dunklen Blick.

»Also gut«, murmelte Kaveh. »Wir übernachten nicht. Nur nach dem Weg fragen wir. Vielleicht können wir eine Karte kaufen.«

»Du weißt, was Kesselstadt für uns bedeutet«, sagte Erijel. Selbst Mareju und Arjas hörten ihm ausnahmsweise sorgenvoll zu. »Das Leben eines Elfs ist hier keinen Pfifferling mehr wert, seit der König die Macht hat und die Menschen die Stadt beherrschen! Ganz zu schweigen davon, was das Leben eines Fremden hier zählt ...«

»In Ordnung«, sagte Kaveh. »Wir bleiben nicht länger als nötig.« Mit diesen Worten zog er sich die Kapuze tiefer ins Gesicht, was die Ritter ihm sogleich nachmachten, und mit seiner freien Hand tätschelte er Brunos Kopf.

Vor ihnen tat sich ein hohes Holztor auf. In unzähligen glimmenden Rinnsälen zog sich der Regen durch die Holzfurchen. Ein Fenster öffnete sich im Tor und das Gesicht eines Moorelfs erschien.

»Wer seid ihr? Was wollt ihr?«, fragte er knapp. Er sprach in der Sprache der Menschen, wobei er sich sehr schwer zu tun schien, denn er spuckte die Silben wie Gräten aus.

»Wir sind Wanderer und suchen Schutz vor dem Regen«, sagte Kaveh, ohne den Kopf höher als nötig zu heben.

»Das kostet Steuern«, erwiderte der Graue Krieger. Wenn er wusste, dass vor ihm Elfen standen, hielt ihn das nicht davon ab, weiter die Menschensprache zu gebrauchen. Vielleicht durfte er es gar nicht anders.

»Wie viel?«, fragte Kaveh und zog ein kleines Ledersäckchen unter seinem Mantel hervor.

»Zwei Kupfertaler für jeden Kopf.«

Kaveh ließ seine Münzen in die ausgestreckte Hand des Grauen Kriegers fallen.

Das Fenster schloss sich. Dann wurde ein Riegel aufgeschoben, und laut knarrend öffnete sich eine Tür, die in das Tor eingelassen war.

»Kommt rein.« Der Graue Krieger machte eine ungeduldige Geste mit seiner Lanze.

Rasch schlüpften die Gefährten durch die Tür. Sie gingen eilig an den Grauen Kriegern vorbei, die mit Lanzen und Speeren an den Mauern standen. Vor ihnen ragte ein steinerner Torbogen auf, gesäumt von einem Wasservorhang. Die Gefährten liefen darunter hindurch und folgten den Straßen, die steil in die Tiefe führten.

Laternen tauchten die Gassen in verschwommenes Licht. Rings um sie erhoben sich hohe, dicht aneinander gebaute Häuser mit Baikonen, Vorsprüngen und Terrassen. Fahnen hingen tropfend von Turmspitzen herab und Türglocken klirrten im Regen.

Durch die Fenster, die mal rund, mal eckig, mal flaschenförmig auf die Straße hinausguckten, drang von Vorhängen bunt gefärbtes Licht.

Bald tauchten breite, glitschige Treppen vor Nill und den Elfen auf, drehten sich wie Spiralen in die Tiefe oder änderten immer wieder ihre Verläufe mit unerwarteten Ecken. Häuser mit viel zu kleinen Türen und dafür doppelt so großen Fenstern, mit riesigen glockenförmigen Dächern und Türmen, deren Spitzen wie bunte Hauben auf den Lehmwänden saßen, drängten sich an die Treppen und verbanden sich darüber mit Hängebrücken und wackeligen Steinbogen. Gestalten liefen durch die Dunkelheit, beachteten die Gefährten aber nicht oder waren so schnell verschwunden, dass man nur das Platschen ihrer Füße in den Pfützen hörte.

Die Stufen endeten in einer Pflasterstraße. Gedämpfte Musik, Gelächter und Stimmen kamen ihnen entgegen.

»Da sind Schänken«, sagte Kaveh und deutete in die Straße. Sie gingen an den Häusern vorbei, deren bunte Glasfenster Licht in die Nacht entließen. Die Häuser waren in allen Farben gestrichen, von schwungvoll geschnitzten Balken gestützt und auf jede erdenkliche Art verziert; dennoch täuschte das nicht darüber hinweg, dass sie jeden Augenblick einzustürzen drohten. Kaveh trat vor die Tür eines Wirtshauses, zog aber dann abrupt die Hand vor der Klinke zurück.

»Was ist?«, flüsterte Nill. Kavehs Blick hing an einem Schild vor der Tür. »Was steht da?«

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