Nijura - das Erbe der Elfenkrone
- Автор: Nuyen Jenny-Mai
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: cbj Verlag
- ISBN: 978-3-570-13058-2
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
»Bei allen Waldgeistern und Himmelsseelen!« Arjas vollführte ein selbstsegnendes Zeichen, dann sprang er an den Barkenrand und hechtete kopfüber ins Wasser.
»Was – du Spinner!« Erijel sprang hoch, während Nill und Mareju sich die Bäuche hielten vor Lachen.
Wenig später tauchte Arjas prustend wieder auf und beeilte sich, die Barke einzuholen. Nill half ihm kichernd ins Boot, während Erijel und Mareju fluchten, denn Arjas machte sie alle ganz nass.
»Eiskalt«, murmelte Arjas und streifte sich schnell die tropfende Tunika ab. Dann setzte er sich in die Barke und ließ sich vom Sonnenlicht trocknen. Nill wusste, wie kalt das Wasser war – aber es schien Arjas nicht wirklich etwas auszumachen, ob das nun an seinem elfischen Geblüt lag oder an seiner ritterlichen Unerschrockenheit.
Als der Abend dämmerte, ruderten sie ans Ufer. Erijel stieß ein helles Pfeifen aus, das bald von einem ganz ähnlichen Pfeifen aus den Wäldern beantwortet wurde. So wussten sie, dass Kaveh noch in der Nähe war.
Als sie die Barke an einer Wurzel vertäuten und auf festen Boden traten, erschien hinter den Bäumen Kaveh mit dem Wildschwein. Er schien weder außer Atem vom Tagesmarsch noch besonders müde.
Gemeinsam trugen sie Reisig unter eine mächtige Birke und entfachten ein Lagerfeuer. Dann packten die Elfen ihre Proviantbeutel aus und zeigten Nill (die schon neugierig darauf gewartet hatte), was man im Elfenvolk aß.
Dünne, weiche Brotfladen waren ihre Hauptnahrung.
»Man mahlt das Mehl aus der Rinde eines Baumes, den es kaum noch in den Dunklen Wäldern gibt, lässt es sieben Wochen unter dem Mondlicht gären, räuchert es über den Feuern des Nejuddha und mischt es mit dem heiligen Wasser der Fiajud Quelle«, erzählte Mareju und hob beschwörend die Hände. Dann biss er herzhaft ins Brot und fügte kauend hinzu: »Man kann’s aber auch aus Wurzeln machen.«
Und Wurzeln hatten sie in großen Mengen dabei.
Es waren runde, dunkle Knollen, die einen kaum wahrnehmbaren Duft verströmten.
»Die schmecken gut!« Arjas hielt ihr eine seiner Wurzelknollen entgegen. »Nur ein bisschen sauer.«
Zögernd nahm Nill die Wurzel. Die Blicke der Elfen ruhten neugierig auf ihr, als sie den Mund öffnete und sich zu einem kleinen Bissen überwand.
Tatsächlich schmeckte die Wurzel – süß! Nills Geschmacksnerven waren einen Augenblick lang ganz verwirrt. Sie starrte die Elfen groß an. Mareju und Arjas brachen in Gelächter aus.
»Ah – reingefallen!«
»Wieso?«, erwiderte Nill und schluckte den Bissen hinunter. Es war ein seltsamer Geschmack. Sie musste erst an Nüsse denken, an Walnüsse, aber dann an etwas viel Weicheres; so wie Nüsse, die in Honig aufgeweicht waren.
»Na ja«, erklärte Arjas, »du dachtest, sie wäre sauer, dabei ist die Wurzel süß, und du hast etwas Saures erwartet und warst erschrocken, als sie nicht sauer war.«
Stille breitete sich aus.
»Beschissener Scherz«, bemerkte Erijel. »Ja, du hast Recht.« Mareju zuckte mit den Schultern, woraufhin Arjas seinen Bruder anfunkelte.
»Du hast mitgelacht, Verräter!«
»Aus Mitleid.« Mareju wandte sich an Nilclass="underline" »Was soll man bloß machen, mit so einem unlustigen Stinkbeutel als Bruder? Ich bin da natürlich ganz anders ...«
Während die Zwillinge lautstark auf Elfisch zu streiten anfingen, aß Nill lächelnd die Wurzel auf.
Dann sollte sie auch das Fladenbrot – Manjam hieß es – kosten.
»Pass auf«, sagte Kaveh und nahm einen seiner Fladen. »Ich wickle dir jetzt ein richtiges Manjam Kher! Mit Kanye, Sorva, Ilijen und getrockneten Fleischstreifen. Mit allem, was ich dabei hab.«
Die Elfenritter lachten, denn offensichtlich umfassten die Zutaten, die Kaveh besaß, nicht annähernd alles, was man für ein Manjam Kher benötigte.
Kaveh legte Kräuter, Fleischstreifen und seltsame Raspel – wie Baumrindenstücke oder gebratene Zwiebeln sahen sie aus – in die Mitte des Fladenbrotes, dann faltete er es geschickt zusammen und formte eine viereckige Tasche. Er übergab sie Nill.
»Vorsicht«, mahnte Arjas kichernd. »Kaveh hat mehr Zeit draußen in den Wäldern verbracht als an den Herdfeuern. Es würde mich nicht wundern, wenn Bruno besser kocht.«
»Solange es nicht sauer ist.« Sie schenkte Arjas ein Grinsen. Dann nahm sie die Brottasche neugierig in die Hände. Sie sah fremd und ulkig und köstlich aus. Nill biss hinein. Das Brot war weich und salzig. Die Kräuter waren von unbeschreiblicher Würze, das Trockenfleisch viel besser als Nills und die Raspeln erwiesen sich als eine unbekannte, knusprige Köstlichkeit.
Nun wollten die Elfen wissen, was man bei den Menschen aß. Ein bisschen beschämt öffnete Nill ihren Quersack, hatte sie doch nicht annähernd so geheimnisvolle Speisen dabei. Sie zeigte ihnen das Brot, das viel dicker und größer und gar nicht zum Wickeln war, und die getrockneten Fleischstreifen.
Aber wenn Kaveh wirklich so unbeeindruckt war, wie Nill fürchtete, dann überspielte er es meisterhaft.
Mit Neugier und Begeisterung nahm er eine langweilige Kost nach der anderen in Augenschein und biss in ein Brot hinein, als erwarte er davon in eine ferne Welt entführt zu werden.
Später erzählten die Elfen Nill Geschichten ihres Volkes – und Geschichten von sich. An diesem Abend erfuhr Nill, dass Kaveh, Arjas und Mareju schon ein Dutzend kostbare oder bedeutsame Gegenstände gestohlen, verloren, versehentlich zerstört, angebrochen, fallen gelassen und verunstaltet hatten; dass sie schon genauso oft bestraft, gescholten und eingesperrt und ebenso oft ausgebüchst, geflohen, entwischt und mit List drum rum gekommen waren.
Es schien, als gäbe es auf der ganzen Welt keinen Streich mehr, den Kaveh mithilfe der Zwillinge nicht gewagt hätte. Dabei geschah all dies, wie Nill schien, nicht aus Bosheit. Im Gegenteil, in jeder Geschichte schien Kaveh mehr oder weniger gute Absichten gehabt zu haben – oder zumindest wagemutige –, die aber auf unerklärliche Weise immer schief gingen und in Katastrophen endeten.
»Und ich sage dir auch, warum«, meldete sich plötzlich Erijel zu Wort, der fast den ganzen Abend über still gewesen war. »Weil Kaveh ein kopfloser Träumer ist, der seinen Spinnereien folgt, wie sie ihm gerade in den Sinn kommen.«
Kaveh legte ihm einen Arm um die Schultern und lachte. »Kannst du mir mal verraten, wann du dich in meinen Vater verwandelt hast? Himmel, Erijel, hör auf wie ein Lehrer zu reden! Übrigens«, fuhr er mit einem Augenzwinkern zu Nill fort, »ist Erijel ohnehin der Schlimmste von uns allen. Denn obwohl er mir immer droht, dass er mich an meinen Vater verrät, begeht am Ende immer er die größte Untat. Stell dir vor, dass er einem Mädchen namens Ylenja geschworen hat, dass er sie liebt – obwohl ein Ritter niemandem außer seinem Herren schwören darf ...«
Ein etwas strengerer Unterton lag nun in Kavehs Stimme. Aber er verschwand sogleich wieder, als er ein Lachen unterdrücken musste. »Und geschworen hat er es ihr mit einem Brandmal!«
Mareju und Arjas stürzten sich auf Erijel und zogen ihm den Ärmel hoch. Auf der Innenseite seines Unterarms war ein geschwungenes Zeichen, ein Buchstabe wohl, in die Haut gebrannt.
»Lasst das!«, keifte Erijel und versuchte, sein glühendes Gesicht hinter einer wütenden Miene zu verbergen. »Das ist nur – es ist nur ein Zeichen, einfach so!« Daraufhin erntete er noch lauteres Gelächter. Aber Nill schien Erijel mit einem Schlag sehr viel sympathischer.