Nijura - das Erbe der Elfenkrone
- Автор: Nuyen Jenny-Mai
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: cbj Verlag
- ISBN: 978-3-570-13058-2
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
Um rasch abzulenken und um nicht noch eine peinliche Stille erdulden zu müssen, fragte sie etwas anderes: »Wenn du wirklich ein Prinz bist, und ihr Ritter seid, was macht ihr dann hier?« Hatte man sie nicht gewarnt, sich ja vor den Elfen fernzuhalten?
Schließlich trug sie das magische Messer bei sich, nach dem sie vielleicht – oder gar wahrscheinlich! – suchten.
Kaveh blickte von einem erwartungsvollen Gesicht zum nächsten. »Wir sind ...«
»...auf dem Weg zum König der Moorelfen. Als Kundschafter«, beendete einer der Zwillinge, Mareju, den Satz des Prinzen. Erijel legte eine Hand über seine Augen.
»Zum König der Moorelfen?«, wiederholte Nill zögernd. »Ihr meint den König von Korr?«
Kaveh räusperte sich abermals. »Ja. Genau. Wir hätten es dir eigentlich nicht anvertrauen dürfen –«, er blickte ein wenig hilflos zu Erijel, dessen Augen Blitze in Marejus Richtung feuerten – »aber ich hoffe und ich glaube, dass wir dir vertrauen können .... Nill. Wie ein Spion des Königs siehst du nicht unbedingt aus.« Er lächelte und räusperte sich sogleich wieder. »Wir wollen nur mal sehen, wie es in Korr eben, du weißt schon, aussieht ... Ja. Aber was tust du hier, so ganz alleine in den Dunklen Wäldern?«
Einige Momente lang schwieg sie, als hätte sie ihre eigene Stimme verschluckt. Dann beschloss sie den Elfen einen Teil der Wahrheit zu sagen: »Auch ich bin sozusagen auf dem Weg zum König von Korr. Als Kundschafterin.«
»Tatsächlich?« Kaveh strahlte. »Das ist ja ein seltsamer Zufall. Und du bist trotzdem ganz allein?«
»Nun, ja.« Nills Hand rutschte unauffällig zu ihrem Rock hinab. Ganz alleine war sie nicht ... Durch den Stoff spürte sie zum Glück noch den Steindorn.
»Kennst du den Weg nach Korr?«, erkundigte Kaveh sich weiter.
Nill kam sich zusehends dümmer vor. Sie wusste nicht, was ihr eigener Name bedeutete, und jetzt auch noch das! Die Elfen mussten sie schlichtweg für einen Trottel halten. »Nein ... nicht direkt.«
»Aber wir kennen den Weg«, fiel Arjas ins Gespräch ein. Er erntete einen aufmunternden Blick von Kaveh und ein Augenrollen von Erijel. »Ja – eigentlich ziemlich genau, wenn ich es mir genau überlege. Der Weg wurde uns haargenau erklärt.«
»Genau.« Mareju strahlte. »Und wenn Prinz Kaveh sich dazu bereit erklären würde, dann würden wir den Weg vielleicht mit dir zusammen gehen.«
Nill wandte sich verdutzt an Kaveh. Sein Lächeln malte ihm Grübchen auf die Wangen, und in diesem Moment beschloss Nill, ihm endgültig zu vertrauen, aus einem Grund, den sie sich selbst nicht ganz erklären konnte.
»Du bist schließlich ganz allein in den Dunklen Wäldern. Wenn du also willst, könnten wir dir sicheren Geleitschutz bieten.«
Ihr Puls ging sonderbarer Weise schneller als sonst, aber nicht aus Furcht – nur ein unbekanntes Gefühl breitete sich m ihr aus. Vielleicht war es das Gefühl, das man hatte, wenn man geachtet wurde.
Wenn plötzlich jemand da war, der sich sorgte.
»Geleitschutz?«, murmelte Nill und biss sich auf die Unterlippe, um nicht einfach zu strahlen.
»Ja, es wäre uns eine Ehre.«
»Wieso?« Ihre Stimme klang zu ihrem eigenen Ärgernis wie ein heiseres Piepsen.
Kaveh blickte in die Gesichter seiner Gefährten und lachte. »Wir sind Ritter der Freien Elfen! Unser Stand verlangt es, dass wir uns wie Ehrenmänner verhalten.«
»Ja«, knurrte Erijel. »Ehrenmänner – uns wie Männer zu verhalten, ist uns schließlich unmöglich.«
Nill war losgelaufen, um die Barke zu holen. Wenn sie Glück hatten, passten sie alle zusammen hinein und konnten die Dunklen Wälder schneller hinter sich lassen als zu Fuß – auch wenn Nill noch nicht so recht wusste, wie das Wildschwein des Prinzen in dem schmalen Boot Platz finden sollte. Kaveh stand an einem seichteren Uferabschnitt, wo die Wellen über den Kies glitten, und wartete auf Nill. Erijel, Mareju und Arjas standen neben ihm.
Ausnahmsweise waren die Zwillingsbrüder still. Die Erkenntnis, dass das Mädchen sich ihnen nun tatsächlich angeschlossen hatte, schien ihnen noch ein wenig das Sprechen zu erschweren. Ganz anders als Erijel. Kaveh atmete seufzend aus, als sich die bereits erwartete Hand auf seine Schulter legte.
»Kaveh«, sagte Erijel eindringlich. »Bist du dir auch ganz sicher, was du hier tust?«
Kaveh sah seinen Cousin an. Erijel hatte ein schönes Gesicht; es war schärfer geschnitten als die der meisten Elfen und hatte feste, dunkle Augenbrauen, was ihm einen gewissen Ernst verlieh. Kaveh seufzte wieder. Leider war Erijel auch so ernst. »Ja. Ich bin mir ganz sicher.«
»Sie ist eine Fremde«, gab Erijel zu bedenken.
»Und ein Halbmensch noch dazu.«
Kaveh zog die Augenbrauen zusammen und fasste seinen Cousin am Unterarm.
»Bei allen guten Geistern, Erijel! Als du gesagt hast, dass du mit mir kommst, hast du mir Ergebenheit, Treue und Gehorsam geschworen!«
»Eben darum mache ich mir Sorgen«, sagte Erijel jetzt mit einem Lächeln, dünn wie Papier. »Weißt du, in wie viele Schwierigkeiten mich dieser Schwur schon gebracht hat seit unserer Kindheit? Kannst du dich erinnern, als ich dir damals half, die Pferde deines Vaters zu stehlen? Du bist gestürzt und hast dir das Schienbein gebrochen. Und ich musste solange die Ställe ausmisten, bis der Bruch geheilt war.«
»Ich habe dir jede Nacht dabei geholfen!«, erinnerte Kaveh ihn.
Erijel schüttelte den Kopf. »Bei diesem Streich fürchte ich aber, dass deine Unüberlegtheit alles bereits Geschehene übertreffen wird.«
»Es ist keine Unüberlegtheit!«, brauste Kaveh auf.
»Und ein Streich schon gar nicht.« Er presste die Lippen aufeinander und blickte zum Fluss. »Die Prophezeiung war eindeutig. Es sollte im Baum behütet weilen, bis der kam, der die Bäume flüstern hört.«
»Ja, ja, ich weiß«, knurrte Erijel ungeduldig. Seit Wochen hatte Kaveh von nichts anderem mehr gesprochen. Und wie jedes Mal stellte Erijel ihm auch jetzt dieselbe Frage: »Und woher, verflucht noch mal, willst du denn wissen, dass der, der die Bäume flüstern hört, gleichzeitig das Weiße Kind ist?«
Kaveh zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es einfach. Vertrau mir.«
Erijel schnaubte. »Damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. König Lorgios erwürgt mich mit bloßen Händen, wenn dir was zustößt und ich mit deinen Gebeinen heimkehre.«
Mareju und Arjas unterbrachen ihr leises Gespräch und wateten ins seichte Wasser.
»Da kommt sie!«
Kaveh erspähte eine Barke, die rasch von der Strömung herangetragen wurde.
»Nill«, murmelte er nachdenklich. »So einen abscheulichen Namen hat sie nicht verdient. Wenn man doch schon früher von ihrem Schicksal gewusst hätte ...« Dann wandte er sich noch einmal an Erijel und packte ihn an den Schultern. Eindringlich richtete sich sein Blick auf Erijels Augen. »Ich danke dir für deine Treue. Ich weiß sie zu schätzen. Und ich schwöre dir, dass ich dich in kein Unglück stürzen werde ... jedenfalls dieses Mal nicht, Cousin.«
Er drückte ihn kurz fest an sich und schlug ihm gegen den Oberarm. »Und außerdem: Manchmal klingst du echt wie ein alter Opa.« Damit lief er in den Fluss hinein.
Mit sorgenvollem Gesicht folgte Erijel ihm. So wie immer.
Nill hob die Hand zu einem kurzen Gruß, als die Elfen an der nächsten Uferbiegung auftauchten. Mareju und Arjas wateten bereits ins Wasser, ihre Lederrucksäcke und Kurzschwerter über den Kopf erhoben, obgleich das Wasser ihnen gerade bis zu den Knöcheln reichte.
Auch Kaveh watete in den seichten Fluss. Das Wasser verdunkelte augenblicklich seine hochgeschlagenen Lederstiefel und den Mantel, der sich, obwohl Kaveh schließlich ein Prinz war, nicht von denen der Ritter unterschied: Er war aus demselben blassblauen, dünnen Stoff und hatte eine lange Kapuze.