Mephisto
- Автор: Mann Klaus
- Язык: немецкий
- Жанр: Классическая проза
Электронная книга - «Mephisto». Краткое содержание книги:
Barbaras Augen, die eben noch von einer frohen Helligkeit gewesen waren, wurden nachdenklich und bekamen den forschenden Blick. Nach einem kurzen Schweigen erkundigte sie sich leise: �Wie kommst du darauf, das gerade jetzt zu bemerken?� Er erwiderte, wobei er immer noch auf strenge Art mit den Fingern trommelte: �Es ist allgemein �blich, ein weiches Ei aus der Schale und mit Salz zu essen. In der Villa Bruckner speist man es aus dem Glase und mit sechs verschiedenen Gew�rzen. Das ist sicher sehr originell. Aber ich sehe keinen Grund, sich �ber jemanden lustig zu machen, der an solche Originalit�ten nicht gew�hnt ist.�
Barbara schwieg, sch�ttelte verwundert den Kopf und stand auf. Er schaute ihr nach, wie sie sich, mit ihrem schlendernd nachl�ssigen, etwas schiebenden Gang, langsam durchs Zimmer bewegte. Pl�tzlich mu�te er denken:,Es ist sonderbar - nun hat sie die hohen Stiefel an, die mir so gut gefallen, aber an ihren Beinen wirken sie nicht so, wie ich es mir w�nsche und wie ich es brauche. Bei ihr sind die Stiefel der korrekte Teil eines sportlichen Kost�ms. Bei Juliette bedeuten sie etwas anderes�'
In Barbaras Gegenwart den Namen Juliette zu denken, bereitete ihm einen b�sartigen Triumph, der ihn f�r manche Kr�nkung entsch�digte.,Reite du nur spazieren', dachte er h�hnisch.,Mache du dir nur einen Cocktail aus dem weichen Ei! Du wei�t doch nicht, wen ich heute nachmittag, vor der Probe, treffe.' W�hrend Barbara, stolz und schweigend, das Zimmer verlie�, empfand er die ordin�re Genugtuung des Ehemanns, der seine Frau betr�gt und stolz darauf ist, da� sie ihm nicht dahinterkommt. -
Schon in der zweiten Woche nach seiner R�ckkehr hatte Hendrik die Schwarze Venus wiedergetroffen. Sie hatte ihm aufgelauert, als er abends ins Theater ging. Mit welchem Schauer der Wollust und des Entsetzens war er zusammengefahren, als aus dem Dunkel eines Torbogens ihre heisere und vertraute Stimme ihn anrief: �Heinz!� Dieser Name, dessen er sich sch�mte und den er abgelegt hatte - ausgesprochen von der dumpfen Stimme der Negerin, tat er ihm wohl, wie eine grausame Liebkosung. Trotzdem hatte er sich dazu gezwungen, die Schwarze anzufahren: �Was erlaubst du dir?! Du lauerst mir auf!� Da hatte sie ihm h�hnisch abgewinkt mit ihrer sch�nen, kraftvollen, sehnigen Hand: �La� nur, mein S��er! Wenn du nicht artig bist, gehe ich ins Theater und mache Krach.� Es n�tzte ihm nichts, da� er zischte: �Du willst mich also erpressen!� Sie grinste: �Aber gewi� doch!� - wobei sie Z�hne und Aug�pfel blitzen lie�. Ihr breites Lachen war von einer Gemeinheit, die ihm f�rchterlich und dabei unwiderstehlich schien. Er dr�ngte Juliette in den Hausgang, denn er zitterte davor, es k�nnte jemand vorbeikommen und ihn in so schlimmer Gesellschaft bemerken. Wirklich sah Prinzessin Tebab arg verkommen aus. Der kleine Filzhutj den sie tief in die Stirn gezogen trug, und das abgetragene, enge Jackett hatten dieselbe grellgr�ne Farbe wie die hohen, gl�nzenden Stiefel. Um den Hals trug sie eine kleine Boa' aus schmutzigen, zerzausten wei�en Federn. �ber diesem traurigen Putz stand breit und dunkel das Gesicht mit den aufgeworfenen, rissigen Lippen und der platten Nase. �Wieviel Geld willst du?� fragte er sie hastig. �Ich bin selber im Augenblick ziemlich knapp�� Sie antwortete, beinahe schelmisch: �Mit Geld ist es nicht getan, mein Zucker�ffchen. Du mu�t mich besuchen.�
�Was f�llt dir ein?� murmelte er mit bebenden Lippen. �Ich bin verheiratet�� Aber sie unterbrach ihn streng: �Rede kein Blech, mein Schaf. Die Frau Gemahlin kann dir das nicht bieten, was du nun einmal brauchst. Ich habe sie mir doch angeschaut - deine Barbara.� (Woher wu�te sie ihren Namen? Der harmlose Umstand, da� sie ihren Namen wu�te, erf�llte Hendrik mit besonderem Schrecken.) �Die, Person hat ja nichts in den Knochen�, sagte Prinzessin Tebab noch und rollte die wilden Augen. Hendrik, dem der Angstschwei� auf der Stirne stand, wartete darauf, da� die Schwarze seine Barbara, Bruckners Tochter, eine �lahme Ente� nennen w�rde. Juliette indessen schien nicht geneigt, diese theoretische Konversation fortzusetzen. In einem drohenden Ton, der prompte und exakte Antwort verlangte, fragte sie: �Also - wann kommst du zu mir?�
In einer Dachkammer, deren graue Kahlheit durch die s��lich-grelle Reproduktion einer Raffael-Madonna �ber dem Bett nicht versch�nt, sondern grotesk betont wurde, begannen die makabren Exerzitien wieder, die fr�her Frau Konsul M�nkebergs b�rgerliche Stube als Dekoration gehabt hatten. Hier atmete der junge Ehemann wieder den wildfremd-vertrauten Geruch, der gemischt zu sein schien aus billigstem Parf�m und dem Aroma des Urwalds. Hier gehorchte er wieder der rauhen, bellenden Stimme, dem H�ndeklatschen, dem rhythmischen Stampfen seiner Meisterin. Hier deklamierte er wieder franz�sische Verse, wenn er st�hnend vor Ersch�pfung auf die harte Pritsche gesunken war, die der K�nigstochter als Bett diente. Nun aber f�hrten diese finsteren Festlichkeiten, die H�fgen sich - wie fr�her - zweimal in der Woche g�nnte, zu einem, ababscheulichen H�hepunkt, der ihnen fr�her gefehlt hatte. Wenn alles vor�ber war und Fr�ulein Juliette ihren befriedigten und ermatteten Sch�ler ruhen lie�, dann begann Hendrik, in dieser Kammer und vor dieser Frau, von seiner Gattin Barbara zu sprechen.
Was er der diskret-forschenden, eifers�chtig-gespannten Neugierde seiner Freundin Hedda von Herzfeld, was er dem kameradschaftlichen Interesse des Gesinnungsgenossen Otto Ulrichs verschwieg, das gestand er seiner Schwarzen Venus, die ihn �Heinz� nennen durfte: ihr beichtete er, was er um Barbara litt. Ihr, und nur ihr gegen�ber zwang er sich zur Aufrichtigkeit. Er verheimlichte nichts, auch nicht die eigene Schande. Da Fr�ulein Martens von seiner physiologischen Niederlage, seiner ehelichen Blamage erfuhr, lachte sie rauh, lang und herzlich. Hendrik wand sich unter diesem Gel�chter, das ihm schwerer zu ertragen schien als die sch�rfsten Hiebe. �ber ihm grinste die schwarze K�nigstochter: �Na, wenn das so ist, mein S��er - wenn sich das so verh�lt - dann kannst du wohl nicht erwarten, da� deine Sch�ne dich noch mit besonderem Respekt behandelt!�
Er berichtete von Barbaras Morgenritten, die er als eine st�ndige Provokation empfand; er beklagte sich �ber all ihre stolzen Extravaganzen - �aus den weichen Eiern macht sie sich einen Gocktail, mit zehn scharfen Saucen, und schaut noch auf mich herab, weil ich mein Ei wie ein gew�hnlicher Sterblicher aus der Schale esse! Alles in meiner Wohnung mu� m�glichst genauso sein wie in den H�usern ihres Vaters und ihrer Gro�mama. Deshalb hat sie auch nicht erlaubt, da� ich mir den klei-tnen Bock als Diener nehme: ein sehr braver Junge, mir treu ergeben, mit ihm h�tte sie sich nicht gegen mich verschw�ren k�nnen. Aber nein, ein Mensch, der zu mir h�lt, das duldet sie in unserem Haushalt nicht. Da sucht sie Ausreden und behauptet, der kleine Bock w�rde die Wohnung nicht in Ordnung halten - dabei kennt sie ihn �berhaupt nicht, er ist seit Jahren mein Garderobier, und ich kann es beschw�ren: er ist die personifizierte Ordnungsliebe. Statt seiner haben wir nun irgendeine unsympathische alte Person, die zwanzig Jahre lang Zimmerm�dchen auf dem Gut der Generalin war: damit sich nur ja nichts �ndert im Leben der gn�digen Frau!�
Mit solchen Erz�hlungen und Lamentationen endeten die Visiten in Juliettens d�sterer Dachkammer. Ehe Hendrik die f�nf Mark auf dem Nachttisch deponierte und ging, sagte er seiner Prinzessin, da� er sie viel, viel mehr liebe als Barbara. �Das ist ja gar nicht wahr�, antwortete Juliette mit ihrer ruhigen und tiefen Stimme. �Du l�gst ja schon wieder.� Daraufhin zeigte Hendrik ein vieldeutiges, schmerzliches, h�hnisches, versonnenes L�cheln. �L�ge ich?� fragte er leise. Und dann - pl�tzlich mit einer hellen Stimme und das Kinn hochgereckt: �Na, ich mu� ins Theater��
Die Proben zu der neuen Inszenierung des �Sommernachtstraum�, in der Hendrik den Elfenk�nig Oberen spielte, und die Vorbereitungen zu einer gro�en Revue waren wichtiger und erregender als das zugleich komplizierte und m��ige Problem, wen er mehr liebe: Barbara oder Juliette. �Unsereiner hat nicht das Recht, sich durch Privatangelegenheiten ablenken zu lassen von der Arbeit�, erkl�rte er seiner Freundin Hedda. �Schlie�lich ist man zuerst und vor allem K�nstler�, schlo� er, und sein Gesicht zeigte einen Ausdruck, der sowohl stolz und siegesgewi� als auch leidend war. -