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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Wir müssen mal ein Fest veranstalten«, sagte Alexej beharrlich. »Wir müssen die Leute aufheitern, ihnen wieder Mut machen!«

Als er mit seiner Frau nach Nishni abreiste, riet er nochmals:

»Gib ein Fest! Die Leute werden wieder aufleben. Glaube mir, Fröhlichkeit rettet bei jedem Unglück!«

»Befaß du dich damit«, befahl Pjotr seiner Frau. »Mach' es schön und reichlich.«

Natalia brummte unzufrieden und er fragte böse:

»Nun?«

Natalia schneuzte sich aus Protest laut in den Schürzenrand und antwortete:

»Ich höre schon.«

Das Fest begann mit einem Gottesdienst. Der Pope Gleb hielt ihn sehr feierlich ab; er war noch magerer und dürrer geworden; seine heisere Stimme tönte klagend beim Aussprechen der nicht alltäglichen Worte, als flehte er mit seinen letzten Kräften. Die grauen Gesichter der schwindsüchtigen Weber waren düster gerunzelt und fromm erstarrt; viele Frauen weinten mit lautem Schluchzen. Und als der Pope seine traurigen Augen zum dunstigen Himmel erhob, blickten die Leute mit ihm zugleich flehend durch den Dunst in die trübe, kahle Sonne und schienen zu glauben, daß der sanfte Pope im Himmel jemanden sah, der ihn kannte und ihm lauschte.

Nach dem Gottesdienst trugen die Frauen Tische auf die Straße der Siedlung hinaus, und die ganze Arbeiterschaft setzte sich bedächtig zu den Holzschüsseln hin, die bis an den Rand mit fetten Nudeln und Hammelfleisch gefüllt waren. Jede Schüssel war von zehn Menschen umringt, auf jedem Tisch stand ein Eimer starken, daheim gebrauten Bieres und ein Vierteleimer Schnaps. Die Stille, die die Erde wie eine warme Mütze einhüllte, kam in Bewegung und zog sich in die Sümpfe zu den Waldbränden zurück. Die Siedlung erdröhnte von fröhlichen Stimmen, vom Klappern der Holzlöffel, dem Lachen der Kinder, den Rufen der Frauen, dem Geschwätz der Jugend. Man verbrachte drei Stunden beim sättigenden, reichlichen Mahl; darauf versammelten sich die jungen Leute, nachdem man die Betrunkenen nach Hause gebracht hatte, um den reinlichen, nett aussehenden Schreiner Serafim. Sein blaues Hemd und die gleichfarbige Hose aus Hanfleinen waren vom häufigen Waschen ganz hell geworden, sein trunkenes, rosiges, kleines Gesicht mit der spitzen Nase strahlte begeistert, die nicht gealterten kecken Äuglein glänzten und zwinkerten. Dieser lustige Sargmacher hatte, seinem seraphischen Namen entsprechend, etwas himmlisch Freudiges, leicht Beschwingtes. Er saß auf der Bank, hielt die Gusli auf seinen spitzen Knien, griff mit den dunklen, wie Meerrettichwurzeln verbogenen Fingern in die Saiten und sang in der Weise der blinden Bettler näselnd und mit betonter Wehmut:

»Hört ihr Leute eine Mär zur Erheiterung,

Und für eure Weisheit zur Enträtselung!«

Er zwinkerte den Mädchen zu, in deren Mitte seine Tochter, die hochbrüstige, schöne Spulerin Sinaïda, mit kecken Augen majestätisch dastand, und hub in noch höherer Tonlage und noch wehmütiger an:

»Herr Jesus sitzt im lichten Paradiese

In himmlischer und dufterfüllter Kühle,

Unter der hohen, goldig blühenden Linde.

Er sitzt dort auf seinem Lindenbastthrone

Teilt Silber und Gold aus

Und kostbare Steine,

Den Reichen zum Lohne.

Weil sie, diese Reichen,

Den Armen was gönnen,

Das arme Volk lieben,

Die Bettler gut speisen.«

Er zwinkerte wieder den Mädchen zu und stellte plötzlich seine dünne Stimme für eine Tanzweise um, während seine Tochter auf Zigeunerart die Arme hinter den Kopf warf, die Brüste schüttelte, aufkreischte und zu dem lauten Lied des Vaters und zum Saitenklang zu tanzen begann:

»Jenem, der das Silber nahm,

Werden beide Beine lahm!

Über den, der Gold sich nahm,

Brennend heiß das Feuer kam!

Und die Perlen, die Rubine

Blenden alle sie zur Sühne! ...«

Das Pfeifen der Burschen übertönte den Klang der Gusli und Serafims lustige Weise; darauf stimmten die Frauen und Mädchen ein Tanzlied an:

»Die Schiffe fahren über das Meer,

Bringen schönen Mädchen Geschenke her!«

Sinaïda stampfte mit dem Fuß auf und sang durchdringend:

»Paschka will Palaschka spenden

Sackleinene Hemden,

Und Matrioschka zum Geschenke

Birkenkätzchen – Ohrgehänge.«

Ilja Artamonow saß auf aufgestapelten Brettern mit Pawel Nikonow, einem mageren Knaben, auf dessen langem Halse unruhig ein alter, etwas kahler Kopf herumbaumelte, während in dem grauen, kränklichen Gesicht graue, ängstliche Äuglein gierig herumhuschten. Ilja gefiel der blaue Alte sehr, es war behaglich, dem Guslispiel und Serafims komischer, kecker Stimme zu lauschen. Plötzlich begann sich aber eine Frau in einer hochroten Jacke wie eine Flamme zu drehen und zerstörte alles, indem sie zu wildem Pfeifen und einem unharmonisch lauten Lied Anlaß gab. Diese Frau erschien ihm restlos widerwärtig, als Nikonow halblaut sagte:

»Das ist die liederliche Sinaidka, die hält es mit allen. Auch mit deinem Vater, – ich habe selbst gesehen, wie er sie abgeknutscht hat.«

»Wozu?« fragte Ilja ahnungslos.

»Nun, du weißt schon!«

Ilja senkte die Augen. Er wußte, weshalb man Mädchen abknutscht, und er ärgerte sich, weil er den Kameraden danach gefragt hatte.

»Du lügst«, sagte er angeekelt, ohne auf Nikonows Geflüster zu hören. Dieser verschüchterte und feige Knabe mißfiel ihm durch seine Schlappheit und durch die Einförmigkeit seiner langweiligen Erzählungen von den Fabrikmädchen. Nikonow war jedoch Fachmann in bezug auf Jagdtauben. Ilja liebte aber Tauben und freute sich immer, wenn er den schwachen Knaben vor den Fabrikkindern schützen konnte. Überdies verstand es Nikonow, das von ihm Gesehene gut zu schildern, obwohl er nur Unangenehmes sah und über alles so sprach, wie Bruder Jakow, – als beklagte er sich über alle Menschen.

Nachdem Ilja eine Weile schweigend dagesessen hatte, ging er nach Hause. Man trank dort im Garten, im heißen Schatten der vor Staub grauen Bäume Tee. An dem großen Tisch säßen die Gäste: der stille Pope Gleb, der wie ein Zigeuner schwarze, lockige Mechaniker Koptew, der sauber gewaschene Kontorist Nikonow, mit einem derartig verschwommenen Gesicht, daß man daraus schwer klug wurde. Er hatte eine kleine Nase mit einem Schnurrbart darunter, eine Beule auf der Stirn, zwischen der Nase und der Beule spielte ein Lächeln und verdeckte die schmalen Augenspalten mit zitternden Hautfalten.

Ilja setzte sich neben seinen Vater und konnte nicht glauben, daß dieser unfrohe Mensch sich mit der schamlosen Spulerin abgab. Sein Vater streichelte ihm mit der schweren Hand schweigend die Schulter. Alle waren von der Hitze erschlafft und in Schweiß gebadet, man sprach nur unwillig; allein Koptews laute Stimme klang noch wie in einer kristallklaren, frostigen Winternacht.

»Wollen wir nicht in die Siedlung gehen?« fragte die Mutter.

»Ja, ich will mich umziehen«, sagte der Vater, erhob sich vom Tisch und ging ins Haus. Nach einer Weile lief Ilja ihm nach, und holte ihn am Hauseingang ein.

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