Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
1 ... 24 25 26 27 28 29 30 31 32 ... 80
Перейти на страницу:

»He, Weiber! Zieht mich heraus, sonst ertrinke ich ...«

Die Mutter ließ den Trog zerhacken, und Ilja bekam Schläge von ihr. Von diesem Tage ab betrachtete er sie ebenso wie sein zweijähriges Schwesterchen Tanja mit Augen, die nicht sahen. Er war überhaupt ein tätiger Mensch, immer hobelte, bastelte, zerbrach, probierte er irgendetwas. Der Vater beobachtete ihn und dachte:

»Er wird es schon zu was bringen und manches schaffen.«

Manchmal beachtete Ilja tagelang den Vater nicht, erschien dann plötzlich im Kontor, stieg auf seinen Schoß und befahclass="underline"

»Erzähl' was!«

»Ich habe keine Zeit.«

»Ich habe auch keine Zeit.«

Der Vater schob lächelnd seine Papiere beiseite.

»Na also. – Es war einmal ein Bauer ...«

»Ich weiß alles von den Bauern. Erzähl' was Lustiges.«

Der Vater wußte nichts Lustiges.

»Geh' zur Großmutter.«

»Die niest heute immerzu.«

»Dann zur Mutter.«

»Die will mich bloß immer waschen.«

Artamonow lachte. Sein Sohn war das einzige Wesen, das in ihm ein angenehmes, unbeschwertes Lachen auslöste.

»Dann gehe ich zu Tichon«, erklärte Ilja und versuchte, von den Knien des Vaters herabzuspringen. Der hielt ihn jedoch zurück.

»Und was erzählt Tichon?«

»Alles.«

»So. Was denn eigentlich?«

»Er weiß alles, er hat in Balachna gelebt. Da baut man Barken und Kähne.«

Als Ilja mal stürzte und sich das Gesicht zerschlug, schrie die Mutter, ihn züchtigend:

»Kriech' nicht auf Dächern herum! Sonst wirst du ein Krüppel und bucklig!«

Der Sohn wurde vor Zorn puterrot, weinte nicht, sondern drohte der Mutter:

»Warte! Ich sterbe, wenn du mich so schlägst!«

Sie teilte diese Drohung dem Vater mit. Er lächelte:

»Schlage ihn nicht, schicke ihn zu mir.«

Der Sohn kam und blieb mit auf dem Rücken verschränkten Händen am Türpfosten stehen; er rief in seinem Vater nur Neugierde und heiße Zärtlichkeit hervor. Pjotr fragte:

»Warum sagst du der Mutter Grobheiten?«

»Ich bin doch kein Dummkopf«, erwiderte der Sohn böse.

»Wieso denn nicht, wenn du Grobheiten sagst?«

»Sie prügelt mich aber. Tichon hat gesagt: man prügelt nur Dummköpfe.«

»Tichon? Tichon ist selbst ...«

Pjotr vermied es immer, Tichon dumm zu nennen; er schritt durch das Zimmer, betrachtete das Menschen an der Tür und wußte nicht, was er sagen sollte.

»Du schlägst ja auch deinen Bruder Jakow.«

»Er ist ein Dummkopf. Ihm tut das nicht weh, er ist dick.«

»Was denn: soll man schlagen, wenn einer dick ist?«

»Er ist so gierig.«

Pjotr fühlte, daß er den Sohn nicht zu belehren verstand und daß er das merkte. Es wäre vielleicht einfacher und nützlicher gewesen, ihn tüchtig an den Ohren zu reißen; doch wollte seine Hand sich nicht gegen diesen so aufregend lieben, zerzausten Kopf erheben. Es war sogar unangenehm, bei dem forschenden, erwartungsvollen Blick der vertrauten blauen Augen an eine Strafe auch nur zu denken. Die Sonne hinderte ebenfalls daran; immer kam es irgendwie so, daß Ilja an sonnigen Tagen am ausgelassensten herumtollte. Während Pjotr ihm die üblichen ermahnenden Worte sagte, erinnerte er sich der Zeit, da er selbst die gleichen Worte angehört hatte, die ihm nicht ins Herz gedrungen und nicht im Gedächtnis haften geblieben waren, sondern nur Langeweile und für kurze Zeit Furcht hervorgerufen hatten. Dagegen wurden selbst wohlverdiente Schläge schwer vergessen, wie Pjotr Artamonow nur zu gut wußte.

Der zweite Sohn, Jakow, war rund und rotbackig und erinnerte in seinen Zügen an die Mutter. Er weinte viel und scheinbar mit Vergnügen, bevor er aber Tränen vergoß, schnaufte er mit aufgeblasenen Backen und schob sich die Fäuste in die Augen. Er war feige, aß viel und gierig und, vom Essen beschwert, schlief er oder klagte:

»Mama, ich langweile mich!«

Die Tochter Jelena kam nur im Sommer nach Hause. Sie schien sich in ein ganz fremdes Fräulein verwandelt zu haben.

Mit sieben Jahren begann Ilja beim Popen Gleb schreiben und lesen zu lernen. Als er aber erfuhr, daß der Sohn des Kontoristen Nikonow nicht nach dem Psalter, sondern nach dem Bilderbuch »Das heimatliche Wort« lernte, sagte er zum Vater:

»Ich will nicht lernen, mir tut die Zunge weh.«

Man mußte ihn lange und liebevoll ausfragen, bis er erklärte:

»Pascha Nikonow lernt nach dem heimatlichen Wort, ich aber muß nach dem fremden Wort lernen.«

Manchmal verbohrte sich dieser sehr lebhafte Knabe aber in irgend etwas und saß stundenlang einsam auf dem Hügel unter einer Fichte und warf trockene Zapfen in das trübe, grüne Wasser des Flusses Watarakscha.

»Er langweilt sich,« dachte der Vater. Auch er lebte wochen- und monatelang vom Trubel des Werkes betäubt, drehte sich immerzu im Kreise, geriet plötzlich in den dichten Nebel unklarer Gedanken, wurde unbewußt von der Langeweile eingesponnen und konnte nicht daraus klug werden, was ihn am meisten blind machte, die Sorge um das Werk oder aber die durch diese im Grunde einförmige Sorge hervorgerufene Langeweile? Oft stieß er an solchen Tagen auf irgendeinen Menschen und haßte ihn wegen eines schiefen Blicks oder eines unpassenden Wortes. So haßte er Tichon Wialow beinahe an diesem trüben Tage.

Wialow kam jetzt näher; er führte die Schwiegermutter am Arm und erzählte:

»Wir, die Wialows, sind eine große Familie ...«

»Warum lebst du nicht bei den Deinigen?« fragte Pjotr, indem er auf die Bajmakowa zutrat und sie am Ellenbogen faßte. Tichon verstummte und trat beiseite, Artamonow wiederholte hartnäckig und streng seine Frage. Da antwortete Tichon gleichgültig, seine farblosen Augen halb schließend:

»Es ist ja niemand mehr da, man hat allen meinen Leuten den Garaus gemacht.«

»Wieso hat man ihnen den Garaus gemacht? Wer hat es getan?«

»Zwei Brüder wurden nach Sewastopol getrieben, dort sind sie zugrunde gegangen. Der älteste ist in einen Aufstand hineingeraten, als es bei den Bauern wegen der Befreiung zu Unruhen kam; der Vater war auch beim Aufstand dabei – er lehnte sich auf, als man die Leute mit Gewalt zwingen wollte, Kartoffeln zu essen; er sollte durchgeprügelt werden, da lief er weg, um sich zu verstecken, brach auf dem Eis ein und ertrank. Dann hatte meine Mutter von ihrem zweiten Mann, dem Fischer Wialow, noch zwei Kinder, mich und meinen Bruder Sergej ...«

»Und wo ist dein Bruder?« fragte Uljana mit den von Tränen verschwollenen Augen blinzelnd.

»Man hat ihn umgebracht.«

»Du erzählst, als ob du eine Seelenmesse liest«, sagte Artamonow erbost.

»Das ist für Uljana Iwanowna interessant ... Sie ließ ein wenig den Kopf hängen, und da habe ich ...«

Er sprach nicht zu Ende, bückte sich, hob einen dürren Ast vom Wege auf und warf ihn beiseite. Man ging ein paar Minuten schweigend weiter.

»Und wer hat deinen Bruder umgebracht?« fragte plötzlich Artamonow.

»Wer bringt um? Der Mensch bringt um«, sagte Tichon ruhig, und die Bajmakowa fügte seufzend hinzu.

»Auch der Blitz tut es ...«

Um die Mitte des Sommers brachen schwere Tage an, über der Erde brütete am gelblichen, dunstigen Himmel eine bedrückende, unbarmherzig heiße Stille; überall brannten Torflager und Wälder. Plötzlich erhob sich wild ein trockener, sengender Wind, er zischte und pfiff grimmig, riß von den Bäumen die trockenen Blätter und die fuchsroten, vorjährigen Nadeln herab, hob Sandwolken hoch, die er zugleich mit Spänen, Acheln und Hühnerfedern über die Erde jagte; er warf die Menschen um, versuchte ihnen die Kleider vom Leibe zu reißen, versteckte sich in den Wäldern und fachte die Feuersbrünste zu heißer Glut an.

In der Fabrik gab es viele Kranke. Artamonow hörte mitten im Summen der Spindeln und im Rascheln der Schiffchen trockenes, angestrengtes Husten, sah an den Webstühlen traurige, böse Gesichter und beobachtete kraftlose Bewegungen; die Quantität der Produktion verringerte sich, die Qualität der Ware verschlechterte sich merklich; die Anzahl der verbummelten Tage stieg beträchtlich, die Leute begannen mehr zu trinken, die Frauen bekamen kranke Kinder. Der lustige Schreiner Serafim, ein Greis mit dem rosigen Gesicht eines Kindes, verfertigte in einemfort kleine Särge und nagelte auch oft aus hellen Tannenbrettern letzte Ruhestätten für Erwachsene zusammen, die mit ihrem Arbeitspensum fertig waren.

1 ... 24 25 26 27 28 29 30 31 32 ... 80
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)