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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Eigentlich wollten wir nach Amerika. Ich glaube fast, daß es mein Schicksal ist, immer wieder vom Weg abgetrieben zu werden. Es sieht so aus, als wäre Steves Vorschlag, mit Euch nach Kalkutta zu segeln, die beste Lösung. Wenn meine Freunde einverstanden sind, so steht dem nichts im Wege.«

Sie waren einverstanden. Man legte die Einzelheiten fest. Michel schlug vor, das Sklavenschiff mit den befreiten Spaniern zu bemannen und dann die Weiterfahrt gemeinsam anzutreten. Lord Hawbury erhob sich, ergriff sein Glas und stieß mit den anderen an. »Auf gute Fahrt«, sagte er.

18

Mit neuerlicher Kraftanstrengung legte sich der Bauer in das Joch seines mittelalterlichen Pfluges. Sein kleiner Sohn, kaum fünf Jahre alt, half, das primitive Werkzeug durch den kargen, rissigen Boden zu ziehen. Hintenging die Frau und drückte den Dorn des Pfluges mit zittrigen Händen in das harte Erdreich. Eine Kuh besaß dieser arme indische Bauer nicht. So mußte er mit Menschenkraft versuchen, schmale, unregelmäßige Furchen zu ziehen. Der Schweiß lief den dreien in Strömen über Stirn und Nacken. Die Augen und Adern traten dem Bauern vor Anstrengung aus dem Kopf. Seit Stunden bearbeitete er sein kleines Stückchen Pachtland auf diese Weise; das Wenige, was dort wuchs, mußte ausreichen, um die Familie zu ernähren, den Pachtzins an den Samindar zu zahlen und den Zehnten an den Radscha von Bihar abzuführen.

Der Bauer gehörte zu den Raijaten. Das waren die Ärmsten der Armen, Pächter, Landarbeiter oder Lehensbauern. Sie wurden von allen anderen Kasten verachtet und niedriger eingeschätzt als ein Hund. Ihr einziger Trost war der Himmel, der für alle gleich blau war. Und was sie noch gemeinsam mit den Bessergestellten hatten, waren die ewigen Fluten des Ganges, des heiligen Flusses der Hindus. Ihre Knechtschaft währte schon Jahrhunderte. Gleichgültig, wer immer ihr Herr war, Elend, Hunger und harte Arbeit blieben ihnen als schweres Erbe. -

Der Bauer blieb erschöpft stehen und wischte sich mit einem Zipfel seines Hemdes den Schweiß ab, der schmerzend in den Augen brannte. Da fiel sein Blick auf einen anderen Bauern, der bisher die Nachbarparzelle umgepflügt hatte. Er sah, wie dieser plötzlich Pflug und Werkzeug im Stich ließ und auf die ärmlichen Bambushütten des Dorfes zurannte. Im gleichen Augenblick klang auch Geschrei auf, das der Wind bis hierher auf die Maisfelder trug.

»Was mag es da geben?« fragte die Frau mit verängstigtem Gesicht.

Der Mann kniff die Augen zusammen und legte seine Hand beruhigend auf den Kopf des Jungen.

»Wahrscheinlich sind die Steuerbeamten da, um den Zehnten für den Radscha zu erheben.« »O Gott, was sollen wir tun?« fragte die Frau.

»Am besten ist es, wir bleiben hier und lassen uns nicht im Dorf sehen.«

»Aber wenn sie nun Tscham finden, werden sie ihn nicht vielleicht foltern, um zu erfahren, ob wir einige Annas[12] vergraben haben?«

»Tscham ist klug genug, um in den Wald zu gehen, bis diese Hunde das Dorf verlassen haben. Er wird sich nicht fangen lassen.«

»Und unsere Hütte — — wenn sie nun aus Rache unsere Hütte anstecken?« Des Bauern Zähne knirschten aufeinander.

»Dann schlafen wir eben in einem Maisblätterhaufen. Meine hundert mühsam ersparten Annas bekommen sie nicht.«

Er spannte sich wieder in das Joch und wuchtete den Pflug ein paar Meter weiter. Die beiden waren die Pflegeeltern Tschams. Tscham war ein Findelkind, das sie vor siebzehn Jahren, als die Zeiten noch besser und die Steuern nicht ganz so hoch waren, zu sich genommen hatten.

Sie hatten den Jungen erzogen im Glauben Schiwas. Und der Junge hatte es ihnen durch besondere Klugheit und besonderen Lerneifer gedankt.

Sadharan, der Brahmane des Dorfes, ein großer Rischi[13] und ein Kenner der unsterblichen indischen Philosophien und Dichtungen, hatte Tscham zu seinem Schüler gemacht. Der Junge wußte mehr Dinge zwischen Himmel und Erde als die anderen Einwohner des Dorfes. — Tscham saß um diese Stunde im hohen Geäst eines Bo-Baums, des heiligen Baums der Hindus, und beobachtete, von den Blättern verborgen, den Platz des Dorfes. Dort standen die übrigen Raijaten und schrien erregt durcheinander.

In der Mitte stand ein wohlgenährter, gut gekleideter Mann, der einen Knüppel schwang und den Bauern damit wahllos auf die Köpfe schlug.

»Ihr räudiges Pack, ihr stinkenden Faulpelze, soll ich vielleicht erst die Soldaten des Radscha holen, damit ihr eure Steuern bezahlt?«

»Wir haben doch kein Geld, Sahib«, jammerte eine Frau und hielt dem Steuereintreiber ihr zum Skelett ab-gemagertes Kind entgegen. »Hab doch Erbarmen, Sahib, Mein Mann schuftet von früh bis abends, und wir haben doch kaum genügend Mais, um Brot zu backen.« »Schweig, du Kröte, und mach keine Ausflüchte! Ich weiß schon, daß ihr Geld in euren Hütten versteckt habt. Los, heraus damit, wenn du nicht willst, daß ich deinem Mann die Haut in Striemen vom Rücken ziehe.«

»Wir haben nichts, Sahib. Wir haben nichts! Keinen einzigen Anna haben wir. Wir sind ärmer als die Ratten im Keller des Radscha.«

»Ich werde dir helfen, das Wort Radscha im Zusammenhang mit Ratten auszusprechen«, schrie der Steuereinnehmer wütend, holte mit dem Stock aus und schlug erbarmungslos auf Frau und Kind ein.

»Halt ein, Sahib. Sei nicht so unmenschlich«, sagte im Rücken des Wütenden eine ruhige Stimme.

Der Sprecher war der Brahmane Sadharan.

Der Steuerbeamte fuhr herum und starrte dem Rischi ins Gesicht.

»Willst du mich an der Ausübung meines Amtes hindern, du schmierige Bücherlaus? Ich komme auch noch zu dir wegen der Steuern.«

»Du weißt so gut wie ich, daß ich keine Felder bebaue und daher auch keine Steuern entrichten kann. Es ist nicht deines Amtes, Menschen zu schinden, denen der trockene Boden die Frucht ihrer Arbeit versagt hat.«

Beifälliges Murmeln erhob sich im Kreis. Der Steuerbeamte erkannte, daß die Worte des weisen Mannes den Widerstand der »Verderbten« noch untermauerten. Die Bewohner dieses Dorfes waren seit jeher schlechte Steuerzahler. Der Steuereinnehmer dachte mit Schrecken an das Gesicht des Radscha, wenn er unverrichteter Dinge nach Bihar zurückkehrte. Er setzte eine hölzerne Pfeife an die Lippen und pfiff. Im Nu waren die Bauern von Bewaffneten umringt. »Hört, ihr verfluchten Tiere, mein letztes Wort! Zahlt die Steuern jetzt oder ich lasse das Dorf von oben nach unten kehren.« Die Bauern rührten sich nicht.

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12

 Kleinste Münze

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Weiser, Lehrer, Philosoph

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