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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Wir müssen einen Hafen anlaufen, koste es, was es wolle«, erwiderte Michel. »Wenn wir nicht gewaltsam etwas rauben, so nützt uns der ganze Hafen nichts«, sagte Marina. »Nun, wir sind hier im Atlantik. Vielleicht begegnet man uns hier nicht so feindselig wie an den Mittelmeerküsten. Ich jedenfalls kann mir vorstellen, daß die Leute in Madeira für gutes Gold gute Ware liefern!«

»Schiff Backbord voraus! — Zwei Schiffe Backbord voraus!« erscholl in diesem Augenblick die Stimme des Aus- ] gucks.

»Verdammt«, sagte Porquez, ließ die beiden stehen und stürmte nach oben. »Welche Nationalität?« fragte er den Mann im Ausguck. »Kann die Flaggen nicht erkennen! Entfernung noch zu groß!«

Jardin und Ojo kamen herbei. Sie standen an der Reling und starrten dorthin, wo man die Schiffe in der Ferne erkennen konnte.

Die Stimme des Ausgucks kam wieder und riß die drei an der Reling aus ihren Betrachtungen. »Erstes Schiff, links liegend, hat schweres Feuer eröffnet. — Das andere erwidert jetzt Feuer. — Aber sehr schwach. — Versucht zu entkommen!«

»Maldito«, fluchte Porquez, »möchte wissen, was da vorgeht. Wie sollen wir uns verhalten?« Gerade als er die letzten Worte ausgesprochen hatte, war Michel hinter ihn getreten. »Ich bin der Meinung, wir fahren näher heran, damit wir Einzelheiten des Kampfes erkennen können.«

Porquez war froh, daß er der Entscheidung enthoben war. Er setzte das Sprachrohr an und rief dem Steuermann zu:

»Nehmt direkten Kurs auf die beiden Schiffe, Senor Virgen.«

Marina hatte vor Erregung glänzende Augen. Sie spürte mit sicherem Instinkt, daß mit diesem Gefecht da vorn auch eine Entscheidung für die »Trueno« fallen würde.

»Heda, Ausguck«, rief sie, »komm herunter! Mach den Mastkorb frei; ich möchte selbst hinauf!« Marina erklomm den Mast flink wie ein EichHornchen. Die »Trueno« schoß mit vollen Segeln, das Wasser scharf durchschneidend, auf die Kämpfenden zu. Bereits ließen sich Einzelheiten unterscheiden.

»Das Schiff rechts scheint in harter Bedrängnis zu sein«, sagte Michel. »Seine Breitseiten sind ausgesprochen schwach. Seht nur, was sein Gegner für eine mörderische Feuerkraft entwickelt!« »Demonio«, drang die helle Stimme Marinas aus dem Mastkorb herab, »Himmel und Hölle, der Schwächere führt im Top die englische Flagge! Diablo, der Angreifer ist ein verdammter Türke!«

Ihre Stimme überschlug sich fast. »Wißt Ihr, wen wir da vor uns haben, Miguel? Die »Mapeika«, den Sklavenhändler, der mich nach Istanbul verschleppt hat.«

Michel überlegte nicht lange. Sklavenhändler oder Pirat, was war der Unterschied? Er stürmte, begleitet von Porquez und Jardin, auf die Kommandobrücke.

»Diaz«, erscholl seine Stimme, »laß die Kanonen richten. Wir greifen den Menschenhändler an! Aber schießt ihn nicht leck! Vielleicht hat er Sklaven an Bord.«

Die Piraten suchten sich Knüppel, rissen Latten aus der Reling, holten die in Skutari erbeuteten Gewehre aus den Kabinen und machten sich zum Entern bereit.

»Buggeschütze klar!« rollte Ojos donnernder Baß über Deck.

Die »Trueno« schoß direkt auf die »Mapeika« zu.

Vom Steuer her rief Senor Virgen:

»Noch eine Viertelmeile, dann sind wir dicht genug!«

Eine Minute — zwei Minuten — drei Minuten vergingen.

»Achtung, Kanoniere! — Gebt Feuer!«

Die Salve saß großartig. Auf dem Türken stürzten die Masten zusammen. Die »Trueno« lag jetzt Breitseite an Breitseite mit dem Gegner. Wieder kam Ojos Stimme: »Steuerbordgeschütze! — Feuer!«

Aber auch auf der »Mapeika« schlief man nicht. Ihre Backbordgeschütze blieben die Antwort nicht schuldig, Dennoch richteten die Kugeln auf der »Trueno« keinen wesentlichen Schaden an. Ein paar Segel wurden zerfetzt; aber die Masten standen.

Für eine zweite Breitseite der »Mapeika« reichte es nicht mehr; denn die»Trueno« drehte in elegantem Bogen neunzig Grad ab, so daß jetzt die Heckgeschütze ein Wort mitreden konnten. »Heckgeschütze! — Feuer!«

Die Kugeln saßen wieder ausgezeichnet. Die meisten Kanonen der »Mapeika« schwiegen jetzt. Da wurde auch der Engländer mutiger. Zwar war seine Bestückung so gering, daß er keinen ernsthaften Schaden anrichten konnte. Aber das doppelseitige Feuer, das nun auf dem Sklavenhändler lag, steigerte noch die Verwirrung.

Die »Trueno« hatte ihren Bogen vollendet und griff von neuem an. Aus dem Mastkorb hörte man Marina:

»Fertig machen zum Entern, Jungens! Hißt unsere Flagge! Sie sollen sehen, mit wem sie es zu tun haben.«

Während die schwarze Flagge am Mast emporstieg, grollten nochmals die Kanonen vom Bug hinüber.

Dann war es soweit. Die »Trueno« lag Seite an Seite mit der »Mapeika«.

Enterhaken und Enterbrücken besaßen die Piraten nicht. Sie konnten das feindliche Schiff nur an schwingenden Seilen erreichen. Mit markerschütterndem Gebrüll flogen die ersten zwanzig hinüber und stießen wie die Adler auf die entsetzten Türken hinab.

Bei der zweiten Welle waren auch Michel, Ojo und Marina, die als einzige schwere Säbel besaßen.

Der dicke Mustapha stand auf der Kommandobrücke neben seinem angstschlotternden Kapitän Muras und sandte Kugel um Kugel gegen die Angreifer.

Michel riß sein Gewehr, das er umhängen hatte, von der Schulter, stieß seinen Säbel in die Holzplanken und legte an.

Dreimal bellte die Villaverdische Muskete auf, und Mustapha, Muras und ein dritter Mann sanken stöhnend zusammen und umklammerten mit schmerzverzerrten Gesichtern ihre Beine. Michel hatte sie in die Waden oder Schenkel getroffen. Sie waren außer Gefecht gesetzt. Wild ging der Kampf hin und her.

Marina hatte ihren Säbel mit beiden Händen gepackt und schlug mit erstaunlicher Kraft auf die turbanbedeckten Schädel ein. Links und rechts von ihr schwangen die Piraten ihre unzulänglichen Waffen mit einer Begeisterung, als gelte es, durch Tapferkeit Unsterblichkeit zu erlangen.Und immer wieder stiegen ihre Rufe empor: »Viva, la Senorita Capitan! — Arriba, Marina!«

Einige Piraten hatten jetzt die Brücke erklommen und drangen auf die Verwundeten ein, die sich dort in Schmerzen wanden.

Knüppel und Latten sausten auf ihre Köpfe nieder. Da rief Marina: »Haltet ein, amigos! Die Menschenräuber gehören mir!«

Dann stand sie vor Mustapha, der sie aus entsetzten Augen anstarrte.

»Du mich erkennen?« fragte sie in ihrem gebrochenen Türkisch und setzte dem Dicken die Spitze ihres Säbels auf die Kehle.

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Главный герой
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