Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
»Allah akbar!« stöhnte der Verwundete, »die rothaarige Hexe.« Er schloß die Augen.
»Du Augen auf, mich angucken, verdammter Menschenschinder«, fuhr ihn Marina an. »Sonst ich ziehen Säbel durch Hals von dir.« Mustapha öffnete die Augen vorsichtig.
»Bei Allah, schenke mir das Leben! Ich habe dich gut behandelt. Ich habe dich an einen reichen Pascha verkauft, Hast du es nicht gut gehabt bei Cheir Eddin?«
»Ich mir ausmalen, ich dich quälen, wie du mich quälen. Ich dich verkaufen als Wasserträger irgendwo in Amerika.«
»In Amerika?« Mustaphas Augen weiteten sich. »Wo ist Amerika?« »Drüben, auf andere Seite von Ozean. Du nie mehr sehen Islam.« Mustapha hatte sich wieder gefangen.
»Maalisch«, sagte er, denn er war trotz allem ein echter Moslem, der das Schicksal, das Allah ihm vorgezeichnet hatte, geduldig ertrug. —
Der Kampf war zu Ende. Die überlebenden Türken hatten sich ergeben.
Michel mußte seine ganze Autorität aufbieten, um ein Gemetzel zu verhindern. Die Gefangenen wurden im Heck zusammengedrängt und von einigen Piraten bewacht.
16
Inzwischen hatte der Engländer an der anderen Seite der »Mapeika« angelegt. Ein brausendes Hurra für die Mannschaft des Schiffes mit der eigenartigen Fahne stieg aus hundert Kehlen zum Himmel auf.
Man legte einen Laufsteg von Deck zu Deck. Der britische Kapitän des Engländers kam herüber. Er fragte einen, wer der Kapitän des Schiffes sei. Der Mann wies auf die Kommandobrücke, wo Marina noch immer auf ihren Peiniger von ehedem einredete.
»Was denn, wie denn?« fragte der englische Kapitän in schlechtem Spanisch. »Das ist ja eine Frau!«
»Das ist keine Frau«, grinste der Pirat. »Das sieht nur so aus. Sie ist eine Göttin, unsere Senorita Capitan.«
Der Engländer schüttelte noch immer verwundert den Kopf. Bei Gott, einen weiblichen Kapitän hatte er noch nie zu Gesicht bekommen! Nun, die Welt war groß und die Menschheit bunt und mannigfaltig. Gleichgültig, wer hier Kapitän war. Jedenfalls war er Dank schuldig. »Hallo, Madam!« rief er.
Marina wandte sich um. Einen letzten bösen Blick schickte sie zu Mustapha. Dann schritt sie die Treppe hinab, den Säbel noch immer in der Hand.
»Ich bin gekommen, um Euch den Dank unseres Schiffes abzustatten. Mein Name ist Grearson, Kapitän der »Unicorn«.« Er war entzückt von Marinas wilder Schönheit und starrte ihr unverwandt ins Gesicht.
Marina reichte ihm die Hand, die er mit einer etwas steifen Verbeugung küßte. »Bueno«, sagte sie lächelnd, »ich bin die Gräfin de Andalusia. Unser Schiff heißt »Trueno«.« »Trueno?« fuhr der Kapitän zurück. »Good God, doch nicht etwa der berüchtigte Pirat?« Er blickte sich um und sah in Gesichter, die durchaus nicht gerade schön und vertrauenerweckend waren.
»Keine Sorge, Captain, wir tun Euch nichts. Ihr seid so sicher wie in Abrahams Schoß. Und ehe ich's vergesse, wir waren früher einmal Korsaren. Heute sind wir weder Piraten noch Korsaren. Wir bekämpfen die Räuber der Meere.« Grearson atmete erleichtert auf.
Von dorther, wo die Brücke von Deck zu Deck gelegt war, erklangen plötzlich überraschte Rufe. »Steve — Steve! Sieh nur, das ist ja Mr.Baum! Täusche ich mich? Nein, wirklich. The Whistler[11] !—The Whistler!«
Steve Hawbury stürmte über die Planken. Alle frühere Gegnerschaft war vergessen. »Welch eine Überraschung, Mr. Baum, Euch hier zu sehen. Habt Ihr Marina gefunden?« Michel lächelte.
»Ihr habt sie also noch immer nicht vergessen, Steve?«
»Nein. Ich werde sie niemals vergessen. Wo ist sie? Wißt Ihr etwas über sie?«
»Vielleicht dreht Ihr Euch einmal um, Steve.«
Steve Hawburys Blicke flogen über das Schiff.
»Mein Gott!« rief er beglückt. »Da steht sie ja leibhaftig.« Er stürmte hinüber.
Michel kam jetzt endlich dazu, auch Isolde Hawbury die Hand zu reichen. »Ich wähnte Euch längst zu Hause in London, Miss Hawbury.«
»Oh, wir waren schon zu Hause. Wir sind schon wieder unterwegs«, lachte sie. »Die Hawburys haben unruhiges Blut.«
»Und wo soll die Reise hingehen?«
»Diesmal nach Indien, nach Kalkutta, Mr. Baum. Vater erhält dort einen Posten bei der Ostindien-Kompanie.«
»Kaum die Strapazen in Marokko überstanden«, wunderte sich Michel, »und schon wieder zu neuen Taten unterwegs! Sagt, habt Ihr nicht Lust, die Frau kennenzulernen, die Euer Bruder so sehr zu verehren scheint?« Isoldes Stirn umwölkte sich.
»Ich sehe diese Sympathie nicht allzu gern; sie ist und bleibt doch eine Ausgestoßene der Gesellschaft. Ihr habt sie doch auch nie gemocht.«
»Well«, sagte der Pfeifer nachdenklich, »nicht gemocht, ist ein wenig zu viel gesagt. Ich schätze nur ihre Taten nicht besonders. Aber ich glaube, jeder Mensch ist veränderungsfähig, wenn man die Mühe nicht scheut, seinen Einfluß wirken zu lassen.«
»Nun, ich vermag die Dinge nicht so zu durchschauen. Mir hat sie ja auch nichts getan. Gehen wir, ich möchte sie begrüßen. Ein bißchen neugierig bin ich ja doch, wie die Frau aussieht, die mein Bruder liebt.«
Die mein Bruder liebt — — klang es in Michel nach. War es Wehmut, die ihn befiel? Seit sie von Istanbulabgefahren waren, hatte er Marina noch nicht ein einzigesmal gefragt, was aus dem Brief geworden sei, den sie vom Grafen Eberstein erhalten haben wollte. Staunend spürte er, wie sehr sein Gefühl für Charlotte Eck verblaßt war. Oder war es vielleicht nur verschüttet? Sie standen jetzt bei der Gruppe, die sich aus Marina, dem britischen Kapitän, Steve und Alfonso Jardin zusammensetzte. Der altePorquez war an Bord der »Trueno« zurückgeblieben. Für Piratenkämpfe war er nun doch schon zu alt geworden.
»Hallo, Miguel«, sagte die Gräfin, »endlich sehe ich Euch! Habt Ihr Euch am Kampf beteiligt?« Michel schüttelte den Kopf.
»Ich habe nur die drei auf der Brücke kampfunfähig geschossen. Hier möchte ich Euch Steves Schwester vorstellen.«
Marina blickte Isolde freundlich an.
»Endlich«, sagte sie, »es hat lange gedauert, bis wir einander kennenlernen, nicht wahr?« »Senorita Hawbury«, sagte die Stimme des kleinen Jardin. Seine Augen strahlten. »Welch ein Wiedersehen!«
»Por Dios«, grollte im Rücken ein tiefer Baß, »da wären wir ja alle beieinander.« Ojo lachte dröhnend und zeigte seine weißen Zähne,
Der einzige, der sich ein wenig fehl am Platze vorkam, war Captain Grearson. Er war ziemlich verdutzt. Piraten, eine schöne Frau, der Pfeifer, den er aus Erzählungen der jungen Hawburys kannte — und alle schienen sich glänzend zu verstehen. Steve blickte sich suchend um.
11
Englisch: der Pfeifer