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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Ich vermisse den Kapitän und Don Escamillo«, meinte er fragend. »Der Kapitän ist drüben geblieben«, antwortete Michel.

»Und Euer ewiger Gegner, Gräfin?« wandte sich Steve an Marina. »Hat er abgeheuert?«

Die Umstehenden schwiegen betreten.

Marina faßte sich zuerst. »Ja«, sagte sie fest, »er hat abgeheuert--für immer. Wir konnten ihn nicht retten. Aber das erzählen wir Euch ein andermal.« Grearsons Verwunderung stieg noch um einige Grade.

War hier nicht soeben die Rede von einem Kapitän? Die Gräfin war ihm als Kapitänin bezeichnet worden. Und nun war da noch ein Kapitän, der an Bord des Seeräuberschiffes geblieben war? Sonderbar, sehr sonderbar.

Grearson wußte beim besten Willen nicht, wie er sich verhalten sollte. Er war Kapitän eines Schiffes, das der Ostindien-Kompanie gehörte. Von der »Trueno« hatte er viel gehört. Die Kunde von den Raubfahrten des Schiffes war auch bis nach London gedrungen. Vielleicht wäre es im Sinn der Kompanie gewesen, wenn er den Seeräuber versenkte. Aber das war schlechterdings ein Wagnis, das er auf keinen Fall eingehen konnte; denn während des Gefechtes hatte er die Feuerüberlegenheit des Piraten mit Erstaunen wahrgenommen. Es gab in der ganzen britischen Flotte keinen Kreuzer, der Bug- und Heckkanonen besaß und aus allen Lagen feuern konnte. Man sollte sich dieses sonderbare Schiff zum Freund machen. Recht hat, wer stark ist. Das war auch mehr oder weniger der Grundsatz der Kompanie. — »Darf ich euch alle bitten, an Bord der »Unicorn« meine Gäste zu sein?« fragte er mit einer verbindlichen Verbeugung. »Ich glaube, Lord Hawbury würde es sehr begrüßen, die Retter unseres Schiffes kennenzulernen.«

Michel und Marina tauschten einen Blick des Einverständnisses.»Wir nehmen die Einladung an, Captain Grearson. Sagen wir, in einer Viertelstunde. Ich muß erst noch Anweisungen über die Bergung der Prise geben«, meinte Michel.

Kapitän Grearson nickte und verabschiedete sich eilig, Jetzt verstand er überhaupt nichts mehr. Da war also jener Mann, den sie den Pfeifer nannten, und wollte Weisungen erteilen, die doch nur dem Kapitän zustanden!

»Drei Kapitäne auf einem Schiff«, murmelte er kopfschüttelnd und kletterte über den Verbindungssteg. -

»Was wollen wir nun mit dem Türken machen?« fragte Marina.

»Ich denke«, entgegnete Michel, »wir nehmen uns, was wir brauchen und überlassen ihn dann sich selbst.«

»Ihr seid unverbesserlich, Miguel. Meint Ihr im Ernst, ich würde diesen Schuft von einem Sklavenhändler so ohne weiteres laufen lassen? Wie wollt Ihr Euern Vorschlag gegenüber der Mannschaft begründen?«

»Nun, wenn Ihr etwas Besseres wißt, dann sagt es.« Marina überlegte ein paar Minuten. Ihre Augen blitzten.

»Ich bin dafür, daß wir das Schiff behalten. Es ist gut ausgerüstet, und wir heuern recht bald neue Leute an, um es zu bemannen. Die Aufbauten und Masten sind schnell repariert. Wir könnten das Kommando an Senor Porquez übergeben, dann hätten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. In Zukunft werden wir also Seeräuber mit zwei Schiffen bekämpfen. Was sagt Ihr dazu?«

Ehe Michel noch etwas erwidern konnte, ergriff Steve das Wort:

»Ich glaube, ich weiß noch etwas Besseres. Nehmt das Schiff ins Schlepptau und schafft es nach Kalkutta. Der Gouverneur der Ostindien-Kompanie wird euch sicher einen guten Preis zahlen.«

»Wir werden schon sehen«, warf Michel ein, »ich bin dafür, daß wir Captain Grearson fragen, ob er nicht einen Rat weiß. Jetzt entschuldigt mich, ich muß mich darum kümmern, daß die »Trueno« aus den Vorräten der »Mapeika« mit allem Notwendigen versorgt wird.« »Bis nachher denn«, sagte Steve und wandte sich an Isolde, »komm Schwesterchen, gehen wir hinüber und bereiten den alten Herrn darauf vor, daß er deinen Lebensretter und die Frau, die mich vor der Heirat mit der alten Wallbrook bewahrt hat, gebührend begrüßt.« Die Geschwister wandten sich lachend ihrem Schiff zu.

Der Bauch der »Mapeika« gab viele nützliche Dinge her. Datteln und Feigen, Pulver und Kanonenkugeln, viele Fässer mit Wasser, Dolche und Gewehre und vor allem drei der lange entbehrten, ausziehbaren Fernrohre.

Die »Trueno« wurde mit allem, was ihr fehlte, ausgerüstet.

Während Michel noch die Arbeit verteilte, kam ein Pirat zu ihm und sagte:

»Unter den Gefangenen ist ein Mann mit einem weißen Bart, der behauptet, Spanier zu sein. Er sei von dem Türken zum Dienst auf dem Schiff gezwungen worden. Der Mann sagt, es befänden sich noch elf Männer seiner früheren Schiffsbesatzung angekettet im Kielraum. Er selbst will Kapitän gewesen sein.«

»Einen Augenblick«, sagte Michel, »ich komme gleich hinüber. Ich möchte selbst mit dem Mann reden. Sondere ihn von den übrigen Gefangenen ab.«

Ein paar Minuten später stand Michel dem alten Don Hidalgo1 gegenüber.

»Buenas tardes«, begrüßte ihn der Pfeifer. »Man sagte mir, daß Ihr ein gefangener Spanier seid.«

»Por Dios, das will ich meinen. Ich bin noch nie in meinem Leben einem Menschen dankbar gewesen. Aber Euch will ich danken. Viele Monate habe ich auf diesen Augenblick gewartet.«

Er berichtete in kurzen Worten, wie er zum Sklaven Mustaphas geworden war, wie Mustapha ihn zu seinem Dolmetscher gemacht hatte, wie er alle Gespräche zwischen Marina und Mustapha hatte vermitteln müssen, und daß seine Matrosen nun schon die ganze Zeit im Kielraum des Schiffes schmachten müßten und nur zu schwerer Arbeit an Bord geholt würden, zu deren Verrichtung die arabisch-türkische Mannschaft zu faul war.

»So kennt Ihr also Marina, die andalusische Gräfin?«

»Si, si«, nickte Don Hidalgo eifrig. »Und wenn sie ein Herz hat, so wird sie auch mich wiedererkennen.«

»Bueno, ich glaube Euch und werde sofort veranlassen, daß Eure Freunde aus dem Kielraum befreit werden. Leider kann ich Euch Marina nicht vorstellen; denn sie ist bereits auf der »Unicorn«.«

»Darf ich auf Euer Schiff gehen, Senor?« fragte der Alte. »Ich kann diese Muselmanen nicht mehr sehen. Vor allem revoltiert meine Nase gegen den Gestank, den sie ausströmen. Da sie keinen Wein trinken, füllen sie sich den Bauch mit Wasser, statt sich damit zu waschen.« Michel mußte lachen. Der Alte, der sich kurioserweise mit Don Hidalgo vorgestellt hatte, schien trotz aller Not und Entbehrung auf dem Sklavenschiff seinen Humor bewahrt zu haben. »Bien, geht hinüber auf die »Trueno«, Don Hidalgo. Ich schicke Euch Eure Männer nach, sobald sie aus dem Kielraum kommen.«

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