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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»Komm' nur. Du bist neugierig.«

»Das stimmt.«

Er nahm die Mütze ab und blieb stehen:

»Nun, leb' also wohl, Nikita Iljitsch!« Und er fügte, sich die Backenknochen kratzend, sinnend hinzu:

»Du gefällst mir und bist nach meinem Herzen. Du bist sanft von Gemüt. Dein Vater war fleischlich klug, aber du bist ganz Geist und Seele ...«

Nikita warf den Stock auf die Erde, wackelte mit dem Buckel, um den Sack an die rechte Stelle zu bringen und umarmte Tichon schweigend. Der umschlang ihn fest und wiederholte laut und beharrlich:

»Ich komme also.«

»Danke.«

Dort, wo die Straße eine scharfe Biegung in den Fichtenwald machte, blickte Nikita sich um, – Tichon hatte die Mütze unter die Achsel geschoben und stand, auf den Spaten gestützt, mitten auf der Straße, als hätte er vor, niemand vorüberzulassen; der Morgenwind erhob sich und bewegte die Haare auf seinem wenig anziehenden Kopfe.

Aus der Ferne erinnerte Tichon an den Narren Antonuschka. Beim Gedanken an diesen seltsamen Menschen beschleunigte Nikita Artamonow seine Schritte, während es in seiner Erinnerung aufdringlich erklang:

»Chiristus ist erstanden, ist erstanden,

Der Reisewagen hat ein Rad verloren.«

Zweiter Teil

Erst als sich der Sterbetag des Vaters zum neunten mal jährte, wurden die Artamonows mit dem Bau der Kirche fertig und weihten sie auf den Namen des Propheten Elias. Es wurde sieben Jahre daran gebaut, und an dieser Verzögerung war Alexej schuld.

»Gott wird warten, er hat keine Eile«, scherzte er häßlich und verwandte zweimal die für die Kirche bestimmten Ziegelsteine für andere Zwecke, einmal für das dritte Fabrikgebäude, ein anderes Mal für das Krankenhaus.

Nach der Weihe, als die Totenmesse an den Gräbern des Vaters und der Kinder vorüber war, warteten die Artamonows so lange, bis alle Leute den Kirchhof verlassen hatten, und gingen dann langsam nach Hause; sie taten in zartfühlender Weise so, als bemerkten sie nicht, daß Uljana Bajmakowa auf der Bank unter den Birken innerhalb der Einfriedigung der Familiengruft zurückblieb. Sie hatten keine Eile, – das feierliche Mahl für die Geistlichkeit, ihre Bekannten, Angestellten und Arbeiter war erst für drei Uhr angesetzt.

Es war ein grauer Tag, der Himmel war herbstlich düster: ein feuchter Wind schnaubte wie ein müdes Pferd, schüttelte die Wipfel des Fichtengehölzes und prophezeite Regen. Auf dem fuchsroten Streifen der sandigen Straße bewegten sich die kleinen, dunklen Gestalten der Menschen, die zur Fabrik hinabstiegen; die drei radial angelegten Gebäude bohrten sich wie krampfhaft ausgestreckte, rote Finger in die Erde.

Alexej sagte, seinen Stock schwingend:

»Unser seliger Vater würde sich freuen, wenn er sehen könnte, wie weit wir sind!«

»Er würde sich über die Ermordung des Zaren ärgern«, erwiderte Pjotr nach einiger Überlegung, da er dem Bruder nicht zustimmen wollte.

»Nun, er war nicht sehr dafür, sich zu ärgern. Er lebte nach seinem eigenen Verstand und nicht nach dem des Zaren.«

Alexej zog seine Mütze tiefer herab und blieb stehen, um nach den Frauen zu sehen. Seine kleine, schlanke Frau schritt in einem einfachen, dunklen Kleide leicht über den aufgewühlten Sand und putzte sich mit einem Taschentuch die Brille. Sie sah aus wie eine Dorfschullehrerin, neben der üppigen Natalia, die einen schwarzen Seidenumhang mit Perlenstickerei auf Schultern und Ärmeln trug; ein dunkellila Kopfputz umrahmte anmutig ihr reiches, rötliches Haar.

»Deine Frau wird immer schöner.«

Pjotr schwieg darauf.

»Und Nikita ist wieder nicht zur Totenfeier gekommen. Ist er uns vielleicht böse?«

An feuchten Tagen hatte Alexej in der Brust und in einem Bein Schmerzen; er hinkte leicht und stützte sich auf den Stock. Alexej wollte sich über den wehmütigen Eindruck der Totenmesse und des trüben Tages hinwegsetzen und bemühte sich in seinem Eigensinn, den Bruder zum Sprechen zu bringen.

»Die Schwiegermutter ist zurückgeblieben, um am Grabe zu weinen. Sie hat noch immer nicht vergessen. Eine gute Alte! Ich habe Tichon zugeflüstert, er soll auf sie warten und sie begleiten; sie klagt über Atemnot und sagt, das Gehen fiele ihr schwer.«

Pjotr wiederholte halblaut und gezwungen:

»Ja, es fällt schwer.«

»Schläfst du? Was fällt schwer?«

»Wir müssen Tichon entlassen«, antwortete Pjotr und blickte seitlich auf die Hügel, auf denen sich die Tannen böse wie Borsten sträubten.

»Weswegen?« fragte der Bruder erstaunt. »Er ist ein ehrlicher, pünktlicher Mensch, auch ist er nicht faul ...«

»Er ist ein Dummkopf«, fuhr Pjotr fort.

Die Frauen holten sie ein; Olga sagte mit angenehmer, für ihre kleine Gestalt unerwartet kräftiger Stimme zu ihrem Manne:

»Ich rede Natalia zu, sie soll Ilja ins Gymnasium schicken. Sie fürchtet sich aber.«

Die schwangere Natalia watschelte wie eine satte Ente. Sie sagte langsam und näselnd, im Tone einer älteren Frau:

»Ich finde, das Gymnasium ist eine schädliche Mode. Jelena gebraucht zum Beispiel in ihren Briefen solche Worte, daß man sie gar nicht verstehen kann.«

»Alle müssen lernen, alle!« erklärte Alexej streng, nahm die Mütze ab und wischte sich die schweißige Stirn und die vorzeitige Glatze, die von den Schläfen im scharfen Winkel zum Scheitel hinaufstieg und sein Gesicht beträchtlich verlängerte.

Natalia stritt mit ihm und blickte dabei ihren Mann fragend an:

»Pomialow meint mit Recht: das Lernen macht menschenscheu.«

»Ja«, sagte Pjotr.

»Da seht ihr ja!« rief Natalia befriedigt aus. Ihr Mann fügte aber nachdenklich hinzu:

»Man muß lernen.«

Alexej und Olga lachten; Natalia sagte vorwurfsvolclass="underline"

»Was fällt euch ein? Habt ihr vergessen? Ihr kommt von einer Totenmesse.«

Sie faßten sie unter die Arme und beschleunigten ihre Schritte, während Pjotr zurückblieb:

»Ich will auf die Mutter warten.«

Der ihm so unangenehme Tichon Wialow hatte ihn geärgert. Vor der Totenmesse hatte Pjotr vom Kirchhof aus von weitem die Fabrik betrachtet und, ohne zu prahlen, einfach nur, um das, was er sah, festzustellen, laut zu sich selbst gesagt:

»Unser Werk hat sich gut entwickelt.«

Und sogleich hörte er hinter der Schulter die ruhige Stimme des ehemaligen Erdarbeiters:

»Das Werk ist wie der Schimmel im Keller, – es wächst aus eigener Kraft.«

Pjotr erwiderte ihm nichts und wandte sich nicht einmal um. Er war aber durch die offensichtliche, kränkende Dummheit von Tichons Worten empört. Er selbst arbeitet, läßt Hunderte von Menschen ihr Brot verdienen, denkt bei Tag und bei Nacht an das Werk, sieht und fühlt sich selbst nicht vor all den Sorgen, die es ihm bereitet, – und plötzlich sagt so ein unwissender Dummkopf, das Werk verdanke seine Entwicklung der eigenen Kraft und nicht dem Verstand des Besitzers. Und dabei murmelt dieser nichtige Mensch immer etwas von der Seele und von der Sünde ... Artamonow setzte sich für eine Weile auf einen alten Fichtenstumpf an der Straße hin, zupfte sich am Ohr und erinnerte sich daran, wie er einmal vor Olga geklagt hatte:

»Man hat keine Zeit, um an die Seele zu denken.«

Er hatte die seltsame Frage als Antwort erhalten:

»Lebt denn deine Seele von dir getrennt?«

Er glaubte in diesen Worten einen weiblichen Scherz zu hören, doch blieb Olgas Vogelgesicht ernsthaft und ihre dunklen Augen leuchteten freundlich hinter den Brillengläsern.

»Ich verstehe nicht«, sprach er.

»Und ich verstehe nicht, wie man von der Seele als von etwas vom Menschen Getrenntem sprechen kann, als wäre sie eine an Kindes Statt angenommene Waise.«

»Das ist mir unklar«, hatte Pjotr erwidert – und mochte nicht weiter mit dieser Frau sprechen: sie war ihm sehr fremd und wenig verständlich und gefiel ihm trotzdem durch ihre Schlichtheit, aber sie rief die Befürchtung hervor, daß unter der äußerlichen Schlichtheit Schlauheit verborgen sein könnte.

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