Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
1 ... 22 23 24 25 26 27 28 29 30 ... 80
Перейти на страницу:

Tichon Wialow hatte ihm seit jeher mißfallen.

Es war Pjotr widerwärtig, immer dieses breitknochige, fleckige Gesicht, die seltsamen Augen und die am Schädel festklebenden, in dem rötlichen Haar versteckten Ohren sehen zu müssen, wie auch den spärlich wachsenden Bart, Tichons langsamen, aber beweglichen Gang und seinen ganzen plumpen, stämmigen Körper. Seine Ruhe war unangenehm und doch beneidenswert; selbst seine Genauigkeit bei der Arbeit reizte ihn. Tichon arbeitete wie eine Maschine und gab fast nie zu einem Vorwurf Anlaß, doch auch das ärgerte Pjotr. Und es wurde ihm immer unangenehmer zu sehen, wie dieser Mensch mit jedem Jahre tiefer Wurzel im Hause faßte und sich offenbar als unentbehrliche Speiche im Lebensrad der Artamonows fühlte. Es war seltsam, daß die Kinder ihn ebenso liebten wie die Hunde und Pferde. Der alte Wolfshund Tulun, der an der Kette lag und dadurch erbittert war, ließ außer Tichon niemanden an sich heran, und der eigenartige Ilja, der älteste Sohn, gehorchte Tichon mehr als dem Vater und der Mutter.

Um Wialow aus seinem Gesichtskreis zu entfernen, bot Artamonow ihm die Stelle eines Küsters oder eines Försters an. Aber Tichon schüttelte abweisend den schweren Kopf.

»Ich tauge nicht dazu. Wenn du mich aber satt hast, dann erhol' dich für eine Weile von mir und laß mich für einen Monat fort. Ich möchte Nikita Iljitsch besuchen ...«

Er sagte wörtlich: »erhole dich von mir«. Dieser dumme, freche Ausdruck in Verbindung mit der Erwähnung des irgendwo hinter den Sümpfen in einem armen Waldkloster verborgenen Bruders erweckte in Pjotr einen bangen Verdacht: außer den Dingen, die Tichon von Nikita erzählte, als er diesen aus der Schlinge gezogen hatte, mußte er wohl noch irgend etwas Schmachvolles wissen; es war, als erwarte er neues Unglück, – seine flimmernden Augen mahnten:

»Rühr' mich nicht an, du brauchst mich doch.«

Schon dreimal hatte Tichon das Kloster besucht. Er hängte sich einen Ranzen auf den Rücken, nahm den Stock zur Hand und ging bedächtig fort; er schritt so über die Erde, als erweise er ihr eine Gnade, und alles, was er tat, geschah gewissermaßen aus Gnade. Bei seiner Rückkehr beantwortete er die Fragen nach Nikita knapp und dunkel; man hatte stets das Gefühl, daß er nicht alles sagte, was er wußte.

»Er ist gesund. Man achtet ihn. Er läßt für die Grüße und die Geschenke danken.«

»Was sagt er?« forschte Pjotr.

»Was soll denn ein Mönch sagen?«

»Was sagt er denn?« fragte Alexej ungeduldig.

»Er spricht von Gott. Er interessiert sich fürs Wetter und meint, daß es nicht zur rechten Zeit regnet. Er klagt über die Mücken. Dort gibt es soviel Mücken. Er fragte nach euch.«

»Was denn?«

»Er sorgt sich und bemitleidet euch.«

»Uns? Weswegen?«

»Im allgemeinen. Ihr lebt ja in so raschem Lauf, er ist aber stehengeblieben, da bemitleidet er euch wegen eurer Unruhe.«

Alexej rief lachend aus:

»So ein Unsinn!«

Tichons Pupillen erloschen, die Augen wurden leer.

»Ich weiß ja nicht, was er denkt, ich erzähle nur, was er sagte. Ich bin nur ein einfacher Mann.«

»Ja, das stimmt allerdings!« gab Alexej spöttisch zu. »So wie der Narr Anton!«

Der Wind wehte Pjotr Artamonow warme Düfte zu, und es hellte sich auf; aus der blauen Tiefe inmitten der Wolken kam die Sonne hervor.

Pjotr sah hin, aber es blendete ihn, und er versenkte sich noch mehr in seine Gedanken.

In dem Umstand, daß Nikita dem Kloster tausend Rubel geschenkt hatte, und, nachdem er sich eine lebenslängliche Jahresrente von hundertachtzig Rubeln ausbedungen, auf sein väterliches Erbteil zugunsten der Brüder verzichtete, lag etwas Kränkendes.

»Was sollen diese Geschenke?« brummte Pjotr. Alexej war aber erfreut.

»Wozu braucht er denn das Geld? Sollen etwa die Mönche, diese Müßiggänger, davon fett werden? Nein, er hat den rechten Entschluß gefaßt. Wir haben das Werk, wir haben Kinder.«

Natalia war ganz gerührt.

»Er hat also seine Schuld uns gegenüber nicht vergessen!« sprach sie befriedigt und wischte sich mit dem Finger eine einsame Träne von der rosigen Wange. »Das ist die Mitgift für Jelena.«

Diese Tat des Bruders legte sich wie ein Schatten auf Pjotrs Seele, denn in der Stadt wurde Nikitas Eintritt ins Kloster in höhnischer, für die Artamonows wenig schmeichelhafter Weise ausgelegt.

Pjotr vertrug sich gut mit Alexej, obwohl er sah, daß der gewandte Bruder für sich den leichteren Teil des Geschäftes erwählt hatte: er fuhr nach Nishni-Nowgorod zur Messe, war etwa zweimal im Jahr in Moskau und erzählte bei seiner Rückkehr märchenhafte Dinge von den Erfolgen der Industriellen in der Hauptstadt.

»Sie leben prunkvoll, nicht schlechter als der Adel.«

»Es ist einfach, als Edelmann zu leben«, deutete Pjotr an. Der Bruder verstand aber nicht und erzählte entzückt:

»Wenn der Kaufmann ein Haus baut, ist es wie ein Dom! Seine Kinder sind gebildete Leute.«

Obwohl er sehr gealtert war, hatte er doch seine jugendliche Lebendigkeit behalten, und seine Habichtsaugen glänzten fröhlich.

»Warum machst du immer so ein finsteres Gesicht?« fragte er seinen Bruder und belehrte ihn: »Man muß bei der Arbeit auch mal einen Scherz machen, sie liebt die Langeweile nicht.«

Pjotr stellte bei ihm eine Ähnlichkeit mit dem Vater fest, doch erschien ihm Alexej immer unverständlicher.

Der sagte immer, noch: »Ich bin ein kranker Mensch«, schonte aber seine Gesundheit nicht, trank viel, beteiligte sich des Nachts an Hazardspielen und schien in bezug auf die Frauen auch nicht ganz einwandfrei zu leben. Was war für ihn im Leben die Hauptsache? Scheinbar nicht er selbst und nicht sein Nest. Das Haus der Bajmakowa benötigte schon längst eine gründliche Reparatur, doch schenkte Alexej dem Umstand keine Beachtung. Seine Kinder kamen schwächlich zur Welt und starben bald, nur Miron, ein unangenehmer, knochiger Junge, der drei Jahre älter war als Ilja, blieb am Leben. Sowohl Alexej als seine Frau waren von einer lächerlichen Gier nach unnötigen Dingen erfüllt; ihre Zimmer waren mit allerhand herrschaftlichen Möbeln vollgepfropft, die sie beide gern verschenkten; sie schenkten Natalia einen seltsamen Schrank mit Porzellan, die Schwiegermutter erhielt einen großen Ledersessel und ein prunkvolles Bett aus karelischer Birke mit Bronzebeschlag, Olga stickte kunstvolle Perlenbilder, doch brachte ihr Mann von seinen Reisen aus anderen Gouvernements ebensolche Stickereien mit.

»Du wirst wunderlich«, sagte Pjotr, als er von Alexej einen massiven Tisch mit vielen Schubladen und mit phantastischer Schnitzerei als Geschenk erhielt. Alexej schrie aber, mit der Handfläche auf den Tisch schlagend:

»Was sagst du! Solche Dinge wird es bald nicht mehr geben! Man ist in Moskau schon drauf gekommen!«

»Du solltest lieber Silber kaufen, der Adel hat viel Silber ...«

»Laß mir Zeit, wir werden schon alles kaufen! In Moskau ...«

Nach Alexejs Darstellung lebten in Moskau lauter halbverrückte Menschen, die sämtlich, ohne Ausnahme, statt sich ihren Geschäften zu widmen, nur vornehm lebten und zu diesem Zwecke dem Adel alles Erdenkliche, von den Gütern bis zu den Teetassen, abkauften.

Wenn Pjotr seinen Bruder aufsuchte, mußte er stets voll Ärger und Neid feststellen, daß es dort gemütlicher als bei ihm zu Hause war. Das erschien ihm unverständlich, ebensowenig konnte er definieren, was ihm an Olga gefiel. Sie sah neben Natalia aus wie ein Stubenmädel; sie hatte aber keine blöde Angst vor Petroleumlampen und glaubte nicht, daß Petroleum von Studenten aus dem Fett von Selbstmördern ausgeschmolzen wird. Ihre sanfte Stimme war angenehm zu hören; sie hatte schöne Augen, deren freundlicher Glanz von der Brille nicht verdeckt wurde. Von den Menschen und von den Geschäften sprach sie aber ärgerlich und kindlich, wie ein ganz Fernstehender, und das verblüffte und reizte.

1 ... 22 23 24 25 26 27 28 29 30 ... 80
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)