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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Der General zog die Brauen zusammen.

»Hat dir diesen Ausdruck »stinkende Hindus« vielleicht Lord Villisbury mit auf den Weg gegeben?«

»Ja. Er muß es wissen. Schließlich war er ja mal Generalgouverneur in Kalkutta, und heute ist er Direktor.«

»Eben«, sagte der General schwer, »heute ist er Direktor. Eben -« »Was meinst du, Papa?«

»Ich meine, du solltest dir das zehnmal überlegen.«

»Da gibt's nichts mehr zu überlegen. Ich habe nämlich bereits unterschrieben.« »So«, sagte der General, »so — nun, dann können wir gemeinsam reisen.« »Was denn? Gehst du auch nach Indien?« »Ja. Ich auch.«

Lord Hawburys Gesicht war grau vor schwerem Kummer, als er sich erhob und wortlos ins Haus ging. —

Am nächsten Morgen um zehn Uhr stand er vor dem Hohen Rat der Direktoren. Zuerst blieben seine Augen an den blitzenden Juwelen hängen, mit denen die ehrenwerten Herren sich auffällig dekoriert hatten.

Abschätzende Blicke trafen ihn. Die Direktoren musterten ihn ungeniert. Nach einer Weile nickten sie sich zustimmend zu.Da erhob sich Lord Villisbury und schüttelte seinem Standesgenossen mit überschwenglicher Freundlichkeit die Hand.

»Well, Lord Hawbury, es freut uns, daß man uns von selten der Regierung einen so tüchtigen und bewährten Offizier empfohlen hat. Wir glauben, daß Ihr Euern Posten in Indien zum Ruhm und zur Ehre des Vaterlandes und der Kompanie einnehmen werdet.«

Der General nickte nur und erwiderte: »Ich werde mich bemühen, Gentlemen, mein Bestes für England zu geben.«

»Und für die Kompanie«, ergänzte Villisbury lachend, »vergeßt die Kompanie nicht.« Nach einer halben Stunde war der Vertrag geschlossen. Der General erhielt ein steuerfreies Gehalt von neuntausend Pfund jährlich, eine Summe, die sich durchaus sehen lassen konnte, eine lächerliche Summe allerdings im Vergleich zu den Einkommen der Herren Direktoren. »Ihr fahrt also in sechs Wochen mit unserem guten Schiff »Unicorn«. Viel Glück und guten Erfolg, Lord Hawbury.«

14

Die »Trueno« segelte auf acht Grad östlicher Länge und achtunddreißig Grad nördlicher Breite zwischen der Küste von Nordafrika und Sardinien.

An Bord herrschte Niedergeschlagenheit. Man hatte zwar das Marmarameer und die Dardanellen nach der Flucht aus Istanbul gut hinter sich gebracht, war aber trotzdem seines Lebens nicht mehr sicher. Es hatte den Anschein, als hätten sich alle Schiffe des Mittelmeers gegen den spanischen Piraten verschworen. Wo sich die Flagge der »Trueno« zeigte, das schwarze Samtbanner mit den zwei Händen, von denen die eine einen Frauenkopf streichelte und die andere ein Schiff umklammert hielt, eröffneten Kanonen jeden Kalibers ohne Warnung das Feuer. Nur die ungeheure Manövrierfähigkeit und das großartige seemännische Können der aufeinander eingespielten Mannschaft hatte die schnittige Galeone bisher vor der Vernichtung bewahrt.

»Es ist teuflisch«, sagte Marina zu Porquez. »Wenn wir unsere Vorräte ergänzen wollen, dann müssen wir irgendwann einmal einen Frachter angreifen.«

»Das heißt. Ihr gedenkt das alte Seeräuberleben wieder aufzunehmen«, erwiderte Porquez grämlich.

»Es bleibt uns doch nichts anderes übrig. Man läßt uns in keinen Hafen hinein, man schickt uns die ganze Meute der Mittelmeerflottillen auf den Hals, man sucht nach uns, man jagt uns. Und das Ende wird sein, daß wir auf unserem eigenen Schiff verhungern oder untergehen.« Zwischen Porquez und Marina herrschte keineswegs ein gutes Einverständnis. Porquez spielte noch immer den Kapitän; denn schließlich gehörte ihm die »Trueno«. Die Mannschaft aber vergötterte Marina und gehorchte keinem Befehl, der nicht von ihr kam. Daß es bisher noch keinen offenen Streit gegeben hatte, war lediglich dem Pfeifer zu verdanken. Er war der einzige, dem alle gleichermaßen Achtung zollten.

»Streicht doch endlich Eure verdammte Flagge«, sagte Porquez zu Marina. »Man muß den Kriegsschiffen ja nicht schon von weitem zeigen, daß die »Trueno« kommt.« »Ich denke nicht daran, mich zu verstecken. Nicht ich,sondern Ihr habt ja die Schuld, daß der Ruf der »Trueno« so schlecht geworden ist.«

»Nun hört aber auf! Ich bin mein Leben lang ein ehrsamer Korsar gewesen und hatte einen Kaperbrief des Königs. Ihr habt uns doch die Suppe eingebrockt, Gräfin. Ihr habt den ganzen Atlantik unsicher gemacht. Ihr habt gemordet, geplündert und versenkt, was Euch vor die Rohre kam, während wir in Algier und am Rand der Wüste gefangen waren.«

»Vergeßt nicht, daß ich Euch aus den Steinbrüchen befreite, daß Ihr mich verraten habt und daß Ihr von jenem Tag an kein königlicher Freibeuter mehr wart, als Euch der König den Kaperbrief verweigerte. Unter Eurer Leitung ist die »Trueno« erst zu einem wirklichen Piratenschiff geworden.«

»Es ist doch sinnlos, daß Ihr Euch um vergangene Dinge streitet«, mischte sich Michel in das Gespräch ein. »Es gibt nur eins: wir müssen versuchen, so bald wie möglich das Mittelmeer zu verlassen und uns in den offenen Atlantik zu retten. Dort haben wir mehr Ausweichmöglichkeiten.«

»Unsere Lebensmittel reichen keinen Monat mehr«, sagte Marina. »Wo sollen wir uns im Atlantik mit neuer Verpflegung versorgen?«

»Ich besitze noch gut und gern zehntausend Goldpiaster«, antwortete Michel. »Wenn wir irgendwo Nahrungsmittel kaufen können, so reichen diese Piaster, bis wir in Amerika sind.« »Erstens können wir keine kaufen, da uns niemand etwas verkauft. Und zweitens, was wird aus uns, wenn das Geld zu Ende ist? Irgendwann müssen wir ja auch wieder etwas verdienen.« »Eben, verdienen. Ich glaube, daß ihr, nachdem ihr mich in Nordamerika abgesetzt habt, am besten um Südamerika herum segelt. An der Pazifischen Küste und im Stillen Ozean ist die »Trueno« unbekannt. Vielleicht könnt ihr dort Handelsbeziehungen anknüpfen, Fracht laden und als Kauffahrer untertauchen.« Kapitän Porquez nickte eifrig Zustimmung.

»Da habt Ihr recht, Senor Baum, das wäre eine großartige Lösung.« Marina lachte.

»Und Ihr meint, daß die Mannschaft damit zufrieden sein wird?«

»Sie wird müssen, wenn sie nicht verhungern will. Ich habe euch alle nicht deshalb vorm Galgen bewahrt, daß ihr eure neue Freiheit dazu ausnutzt, wieder die Meere unsicher zu machen.« Marina zuckte die Schultern.

»Als ich Kapitän des Schiffes war, ist es mir gelungen, den Leuten nach und nach das Morden abzugewöhnen.«

»Wollt Ihr damit vielleicht rechtfertigen, daß Ihr weiterhin Schiffe ausgeraubt habt und in Zukunft wieder ausrauben wollt?« fragte Porquez scharf. »Es wird der einzig gangbare Weg sein«, antwortete Marina.

Michel fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Plötzlich ging ein Leuchten über seine Züge, ein freudiges Aufblitzen, wie man es lange nicht mehr an ihm hatte beobachten können.

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