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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Well«, begann er zögernd, »ich muß Euch ehrlich sagen, Lord Hawbury, daß ich diese Frage am liebsten unbeantwortet ließe. Aber das geht leider nicht; denn davon hängt Eure Einwilligung schließlich und endlich ab.«

»Spannt mich nicht auf die Folter, Sir. Ich kann doch nur ja oder nein sagen.«

»Na schön. Machen wir es kurz. Ihr sollt in geheimem Auftrag der Regierung in die East India Company eintreten und nach Indien gehen.«

Der Lord federte aus seinem Sessel hoch. Sein Gesicht war mit brennender Röte übergössen.

»Das — — das kann doch nicht Euer Ernst sein, Sir!«

»Doch.«

»Zum Teufel. Mit diesen Krämerseelen soll ich mich auf eine Stufe stellen, ich, ein General Seiner Majestät? Jeder anständige Bürger in London weiß, wie die Beamten der Kompanie in Indien hausen, daß man die Beschwerden schon gar nicht mehr mit anhören kann. Ich bin schließlich kein Steuereintreiber, Sir. Ich bin in Ehren grau geworden. Nein, unter diesen Gesichtspunkten verzichte ich auf eine Sonderabfindung des Foreign Service.« »Ihr seht die Sache nicht richtig, Lord Hawbury. Wir, das heißt die Regierung und das Außenministerium, wissen, daß wir Euch nicht zumuten können, ein wirkliches Mitglied der Kompanie zu werden. Ihr sollt es auch nur scheinbar. Wir wollen ja gerade einen Vertrauten draußen haben, der uns, unabhängig von den Angestellten der Kompanie, über die wahren Zustände Bericht erstattet. Der Hof der Direktoren sucht einen höheren Beamten mit Kolonialerfahrung. Ich habe Euch vorgeschlagen, weil ich jemanden brauche, der mir persönlich Aufklärung gibt, was die Herrschaften dort unten eigentlich treiben. Ihr dürft nicht einmal Euerm Sohn erzählen, was wir hier besprochen haben. Für die Außenwelt seid Ihr Angestellter der Kompanie.«

Lord Hawbury ging unruhig im Zimmer auf und ab.

»Ihr könnt natürlich ablehnen«, fuhr der Außenminister fort, »aber dann wird der Posten an jemanden vergeben, den ich nicht kenne. Und ich bin der Überzeugung, daß nur ein Mann Eures Formats und Eurer Ehrauffassung den Verlockungen widerstehen kann.« »Well«, sagte Hawbury, »laßt mir ein paar Tage Bedenkzeit.«

»Ein paar Tage sind zuviel, Lord Hawbury. Aber bis morgen früh geht es. Morgen vormittag wollen die Direktoren den neuen Mann sehen.« —

In langsamem Trab zogen die Pferde die Kutsche hinaus nach Westend, wo der kleine, aber entzückende Besitz der Hawburys inmitten eines gepflegten Parkes lag.

Auf der Stirn des Generals zeigten sich starke Sorgenfalten. Seine Gedanken beschäftigten sich unaufhörlich mit der Ostindien-Kompanie. Was hatte man nicht alles schon in London über diese Gesellschaft gehört! Sicher, sie hatte Geld nach England gebracht, Schätze, Juwelen, Gold scheffelweise. Aber die Methoden, mit denen sie zu diesen Schätzen gelangte, waren grausam und unmenschlich. Aller Reichtum wog die schmutzigen Flecken nicht auf, mit denen sie die Fahne Großbritanniens besudelt hatte.

Da war der Hof der Direktoren, ein Gremium von satten Kaufleuten, zehn an der Zahl, deren einziger Wunsch es war, Geld zu besitzen, mehr Geld und noch mehr Geld. Und vor diesen Hof sollte er, Lord Hawbury, ehrenhafter General Seiner Majestät des Königs von England, treten! Das war eine starke Zumutung. Und dennoch! Der Außenminister forderte seine Dienste zur Reinerhaltung des britischen Namens und zur Tilgung der Schande, die die Kompanie England aufgebürdet hatte.

Sein Entschluß stand schließlich fest. Er würde annehmen.

Der General betrat sein Haus. Auf der Terrasse ließ er sich von seinem alten Diener John den Tee servieren. Seine Blicke schweiften über das Grün der Rasenmatten und blieben in den dunkleren Baumkronen hängen. Auf den Steinfliesen erklangen Schritte.

»Hallo, Papa«, sagte die Stimme Isoldes freudig, und dann spürte der General zwei weiche Arme um seinen Hals.

»Nun, mein Kind, du blühst jeden Tag mehr auf, seit du wieder in England bist. Sag mal, hast du eigentlich noch nie ans Heiraten gedacht?« Isolde lachte laut und übermütig.

»Nein. Ich denke nicht daran, irgendeinen der tanzwütigen Jünglinge aus der sogenannten Londoner Gesellschaft zu heiraten. Sie sind mir viel zu fade. Nach den Erlebnissen, die hinter mir liegen, wünscht man sich einen Mann mit starken Armen und wachem Verstand.« »So? Und du meinst, einen solchen Mann gäbe es hier nicht?« »Nein, ich wenigstens kenne keinen.«

»Na, was nicht ist, kann ja noch werden. Nur, ich hätte es eigentlich ganz gern gesehen, wenn bald ein Mann um deine Hand anhielte. Es gibt Gründe, die es mir wesentlich erscheinen lassen, dich hier in London in guter Hut zu wissen.« »Aber Papa, ich habe doch dich! Das genügt mir vorläufig.«

Der General zögerte. Nach einer Weile des Schweigens ließ er seine Handfläche auf die Oberschenkel klatschen.

»Siehst du, Kind, das ist es eben. Du wirst mich bald nicht mehr haben. — Jaaa«, fuhr er gedehnt fort, »ich gehe nämlich vielleicht schon in den nächsten Tagen weit weg — — und vermutlich für längere Zeit.« Isolde war überrascht. »So plötzlich?«

»Ja. Es kommt mir selbst unerwartet. Und diesmal geht meine Reise nicht nur nach Nordafrika oder in unsere amerikanischen Kolonien, sondern nach Indien — nach Indien in den Diensten der Ostindien-Kompanie.«

»Nach Indien!« rief Isolde begeistert. »O bitte, nimm mich mit, Papa! Ich werde dir den Haushalt führen und nur für dich dasein! Bitte, nimm mich mit!« »Ich möchte schon. Aber ich fürchte, es wird ein wenig anstrengend werden.« Wieder klangen Schritte auf den Steinfliesen.

»Oh, welch trautes Familienglück«, rief Steve lachend. »Da habe ich ja gerade noch gefehlt! Tag, Papa, Tag, Isolde. Ich habe eine große Neuigkeit für euch. Setz dich, Isolde, damit dich die Überraschung nicht umwirft. Stellt euch vor, ich gehe nach — Indien.« Lord Hawbury erbleichte bis unter die Haarwurzeln. Seine Hände klammerten sich fest um die Lehne des Sessels.

»Wie kommst du auf diese Idee, Junge?« »Ich habe heute morgen beim Reiten Lord Villisbury im Hydepark getroffen. Er brachte mich auf die Idee. Er sagte, daß die Kompanie junge Offiziere in Indien brauchen könnte. Und stellt euch vor, ich werde gleich als Captain übernommen. Alle niedrigen Ränge der regulären Armee können bei Eintritt in die Kompanie zwei Stufen überspringen.«

»Bist du dir darüber im klaren, Steve«, fragte der General ernst, »daß ein gewaltiger Unterschied besteht zwischen den Offizieren des Königs und denen der Ostindischen Gesellschaft?« »Unterschied hin. Unterschied her. Als Captain der East India Company verdiene ich doppelt soviel wie ein Captain der Armee. Lieber verprügle ich die Sipoys, als unter dem Pantoffel von Fräulein Esther Wallbrook zu leben, die du für mich ausgesucht hattest. Paß auf, ich werde noch einmal steinreich! Unglaubliche Dinge hört man überall von den immensen Schätzen der Radschas, Peschwas und Nawwabs. Ich werde helfen, diese stinkenden Hindus ein wenig zu erleichtern.«

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