In Sklavenketten auf Gor
- Автор: Норман Джон
- Год: 1978
- Язык: немецкий
- Переводчик: Thomas Schluck
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «In Sklavenketten auf Gor». Краткое содержание книги:
Aber dann findet Judy heraus, daß ihre Enführung kein Zufall war und sie in Wahrheit als hilflose Schachfigur in einem viel größeren Intrigenspiel dient. Will sie überleben, muß sie auf die Hilfe jenes Mannes vertrauen, den sie von ganzem Herzen haßt: Clitus Vitellius.
»Zurück!« rief Thurnus, näherte sich dem Sleen, legte ihm ein Seil um den Hals und zerrte ihn vom Käfig fort. »Ruhig, ruhig, du wilder Bursche!« sagte er mit beruhigender Stimme. Er schob den Kopf in die Nähe der großen braunen Schnauze und schnalzte mit der Zunge, die Hände fest um das Halteseil gelegt. Dann flüsterte er dem Tier etwas ins Ohr. Das Ungeheuer beruhigte sich. Thurnus nahm ein großes Stück Fleisch und warf es dem Tier zu, das gierig zu fressen begann.
»Ausgezeichnet!« sagte Clitus Vitellius.
Ich kniete im Sklavenkäfig.
Ich hatte mich selbst hier eingeschlossen. Als ich das Falltor hinter mir schloß, waren zwei eingekerbte Bolzen unten an der Querstange der Tür in Schnappöffnungen gerutscht und hatten das Tor gesichert. Solche Schlösser vermochte man nicht zu öffnen, es sei denn, man hatte Schlüssel. Der Schlüssel hing an einer Schnur um Thurnus’ Hals. Die Verschlüsse waren nicht nur deswegen erforderlich, weil das Tier seinem Opfer dichtauf folgte und die Käfigtür schnell geschlossen werden mußte, sondern weil das Ungeheuer ansonsten vielleicht die Schnauze unter das Tor geschoben, den Kopf hochgeworfen und sich den Weg freigemacht hätte. Man hat nur zwei Möglichkeiten: Entweder man schließt sich im Käfig ein, womit man sich selbst hilflos gefangensetzt, dem Besitzer des Käfigs unterworfen – oder das Tier reißt einen.
Ich kniete im Käfig; meine Fäuste lagen um die Gitterstäbe, weiß, verkrampft. Der Käfig war nur klein, aber widerstandsfähig. Ich konnte darin knien oder hocken oder mich auch mit angezogenen Beinen hinsetzen. Die Füße ausstrecken oder mich aufrecht hinstellen konnte ich nicht. Das Dach des Käfigs, das ebenfalls aus Stäben bestand, lag etwa in Hüfthöhe. Ich war ringsum von Metall eingeschlossen, das am Boden durch einige Holzplanken ergänzt war. Die Metallstangen waren dick und fest miteinander verbunden. Der Käfig war nicht nur für ein Mädchen gedacht, sondern konnte auch einem kräftigen Mann widerstehen. Ein Sklavenkäfig für alle Eventualitäten.
Ich starrte zwischen den Gitterstäben hindurch ins Freie. Clitus Vitellius beachtete mich nicht. Ich war Thurnus zum Geschenk gemacht worden.
Der Käfig befand sich in einer Sleen-Trainingsarena, umgeben von einer niedrigen Holzbalustrade, gefüllt mit Sand. Innerhalb des Kreises hielten sich mehrere Personen auf – meine Leidensgefährtinnen, die noch Eigentum von Clitus Vitellius waren, von denen Chanda wie ich in einem Käfig saß und ihr blutendes Bein mit einem Tuch umwickelte; dann Thurnus, eines seiner Mädchen, Sandalenschnur genannt, und einige Helfer aus dem Dorf; außerdem Clitus Vitellius und einige seiner Männer. Ungefähr acht Sleen hockten in der Arena, mit kurzen Leinen an Pfosten gebunden, in ihrer Nähe ein Gestell mit Fleischbrocken, Stangen, Seilen und Peitschen, die dem Training der Tiere dienten. Außerhalb der Mauer hatten sich eine Menge Zuschauer eingefunden – etliche Dorfbewohner, weitere Männer aus der Truppe von Clitus Vitellius, mehrere Bauernburschen und die verschleierte Melina, freie Gefährtin von Thurnus.
Melina musterte mich. Ich erwiderte ihren Blick nicht, sondern sah zur anderen Seite der Trainingsarena hinüber. Chanda hockte dort wie ich in einem winzigen Käfig, die Beine angezogen. Vorsichtig betupfte sie eine blutende Wadenwunde mit einem weißen Stück Tuch, das bereits rot durchfeuchtet war. Sie war beinahe das Opfer eines Sleens geworden, dem man nach ihrer Rettung in letzter Sekunde zu fressen gegeben hatte, ehe man ihn neben den anderen anband. Die Männer diskutierten über die Tiere und ihre Leistungen.
Ich umklammerte die Gitterstäbe und drückte mit gesenktem Blick die Stirn dagegen. Welche Hoffnungen auf Flucht konnte sich ein Mädchen auf einer Welt machen, auf der es Sleen gab?
Chanda und ich hatten die Fähigkeiten dieser Tiere vorführen sollen. Man hatte die Sleen zu uns gezerrt, damit sie Witterung nahmen. Ein Mann hatte uns festgehalten, während sich die Tiere mit unserem Geruch vertraut machten. Dann hatte man Chanda freigelassen.
Sie hatte als erste laufen müssen. Gleich darauf war ich an der Reihe gewesen.
Obwohl ich entsetzt war darüber, daß Clitus Vitellius mich an Thurnus verschenkt hatte, war ich nach besten Kräften gelaufen. In meinem Elend hatte ich den Entschluß gefaßt, die Chance zu nutzen und zu fliehen. Wie töricht von mir!
Ich war gelaufen, so schnell ich konnte, und wäre fast in Ohnmacht gefallen, als ein geschmeidiges braunes Wesen an mir vorbeihuschte.
Ich sah, wie es Chanda umrundete und sich dem Mädchen fauchend in den Weg stellte. Sie machte kehrt und lief zur Trainingsarena zurück. Einmal stolperte sie, und das Ungeheuer schnappte nach ihrem Bein. Sie kreischte auf, war wieder auf den Füßen, rannte mit ausgestreckten Händen weiter. Entweder läßt sich das Mädchen ohne Umstände zum vorgesehenen Ziel zurücktreiben, oder sie muß sterben. Ich wandte mich zur Flucht. Aber dann schrie ich auf. Mein Verfolger war ebenfalls zur Stelle – vor mir! Er hob den Kopf. Ich prallte zurück, die Hand vor das Gesicht gehoben. Ein entsetzliches Fauchen ertönte. Abgelenkt von dem ersten Sleen, der es auf Chanda abgesehen hatte, war mir entgangen, wie der zweite Sleen, dessen Nase meine Witterung hatte, mich umschlich und langsam näherkam.
»Nein! Nein!« rief ich. »Verschwinde! Bitte verschwinde!«
Aber das Ungeheuer hockte kaum fünf Schritte vor mir, den Kopf gehoben, zischend und fauchend.
»Bitte geh weg!« schluchzte ich.
Da sah ich, daß sich der Bauch geschmeidig dem Boden näherte. Der Kopf war noch immer angehoben, der Blick starr auf mich gerichtet. Der Schwanz zuckte herum; die Augen funkelten. Langsam kroch das Ungeheuer auf mich zu. Vier Zahnreihen blitzten in seinem breiten Maul.
Ich blickte nach rechts und nach links. Ein abstoßendes Kreischen ertönte. Immer näher kam der Sleen.
Es handelte sich zwar um ein vorzüglic h trainiertes Tier, doch keine Ausbildung ist vollkommen. Jede Zähmung ist ein Balanceakt zwischen Instinkt und Einstudierung. Vollkommenheit, hundertprozentige Sicherheit lassen sich nicht erreichen. Das wilde Tier, das meine Witterung hatte, wurde immer unruhiger. Die kritische Angriffsgrenze für einen Sleen in freier Wildbahn beträgt etwa zwanzig Fuß. Bei einem Herdensleen ist diese Entfernung natürlich wesentlich kleiner. Trotzdem sah ich, daß die Erregung des Wesens zunahm. Das Fell im Nacken stellte sich in Wellen auf, stand starr. Dann sah ich, wie langsam die vier hinteren Beine angezogen wurden.
Mit einem Schrei machte ich kehrt und rannte los. Ich lief zur Trainingsarena zurück. Mein Ziel war der offene Käfig im Sand.
Ich rannte, so schnell ich konnte. Das Geschöpf huschte schnappend und fauchend hinter mir her. Ich spürte seinen Atem an den Beinen. Die scharfen Zähne versuchten meine Fersen zu packen. Ich keuchte, bemühte mich krampfhaft zu atmen. Das Geschöpf trieb mich immer schneller vor sich her.
Der Sleen war gut trainiert. Er wußte, wie man eine Sklavin vor sich hertreibt. Er hatte ein Gefühl für die gewünschte Richtung und die Grenzen meines Könnens: er war schneller und ausdauernder als ich, trieb mich aber dennoch nur bis zur Grenze meiner Leistungsfähigkeit an. Er ließ mir keine Chance zum Denken – ich konnte nur laufen, von Panik erfüllt, in Todesfurcht. Ich war dem Raubtier hilflos ausgeliefert. Es schrieb mir vor, wie schnell ich laufen mußte, um zu überleben.