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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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»So eine Schande. Es ist gegen Gott, Nikita! Ach, du ...«

»Ich weiß!« antwortete Nikita heiser, gleichfalls mit fremder Stimme. »Ich habe es nicht länger ertragen können. Laß mich fort. Ich gehe in ein Kloster. Hörst du? Ich bitte dich von ganzer Seele ...«

Er hustete pfeifend und verstummte ...

Pjotr war bewegt. Er machte ihm wieder leise, freundliche Vorwürfe und sagte endlich:

»Was Natalia betrifft, hat dich sicher der Teufel verwirrt ...«

»Ach, Tichon«, schrie Nikita mit heulender Stimme und ächzte schmerzlich. »Ich hatte dich doch gebeten zu schweigen, Tichon! Um Christi Willen, sag' es doch wenigstens ihr nicht! Sie lacht mich ja aus und wird beleidigt sein! Habt doch Mitleid mit mir! Ich will ja mein ganzes Leben lang Gott für euch dienen. Sprecht nicht davon! Sprecht niemals davon! Tichon, das geht alles von dir aus! Ach, was bist du für ein Mensch ...«

Er murmelte und hielt den Kopf unnatürlich gerade, ohne ihn zu bewegen. Auch das wirkte unheimlich. Tichon sagte:

»Ich hätte auch geschwiegen, wenn sich das nicht ereignet hätte. Von mir soll sie nichts erfahren ...«

In immer mehr wachsender Bewegung, die ihn selbst verlegen machte, erklärte Pjotr fest:

»Ich verspreche es dir angesichts des Kreuzes, sie wird nichts erfahren!«

»Nun, ich danke dir! Ich will ins Kloster.«

Und Nikita schwieg, als schliefe er.

»Tut es weh?« fragte Pjotr. Da er keine Antwort erhielt, wiederholte er:

»Tut dir der Hals noch weh?«

»Es geht schon besser«, sagte Nikita heiser. »Laßt mich jetzt allein ...«

»Geh' nicht fort«, flüsterte Pjotr Tichon zu und wich an ihm vorbei zur Tür zurück.

Als er in den Garten trat und die süßlich warmen Düfte der feuchten Erde tief einatmete, schwand seine innere Bewegung sofort vor dem Ansturm beunruhigender Gedanken. Er schritt den Weg entlang und war darauf bedacht, daß der Kies unter seinen Füßen nicht knirschte; es verlangte ihn nach großer Stille, weil er sonst mit seinen Gedanken nicht zurechtkam. Sie waren feindselig und erschreckten durch ihre Fülle, sie schienen nicht in ihm zu entstehen, sondern von außen, aus dem nächtlichen Dunkel einzudringen, in dem sie wie Fledermäuse herumhuschten. Sie lösten einander so rasch ab, daß es Pjotr nicht gelang, sie einzufangen und in Worte zu schließen; er konnte nur die kunstvollen Schnörkel, Schlingen und Knoten erhaschen, die ihn, Natalia, Alexej, Nikita und Tichon umstrickten, und alle zu einem verworrenen Reigen vereinten, der so rasch wirbelte, daß nichts zu erkennen war; er selbst stand aber allein im Mittelpunkt dieses Kreises. In Worten ausgedrückt, dachte er ganz einfache Dinge:

»Die Schwiegermutter muß möglichst bald zu uns übersiedeln. Alexej muß fort. Ich sollte zu Natalia liebevoller sein! ›Sieh, wie man liebt‹, sagte sie. Er hat aber nicht wegen der Liebe, sondern wegen seiner Armseligkeit zur Schlinge gegriffen. Es ist ganz richtig, daß er zu den Mönchen will, er hat bei den Menschen nichts zu suchen. Das ist gut so. Tichon ist ein Dummkopf, er hätte es mir früher sagen können.«

Das waren aber nicht jene unfaßbaren, wortlosen Gedanken, die ihn verwirrten und erschreckten und ängstlich in das dichte und feuchte Dunkel der Nacht starren ließen. In der Ferne, in der Fabriksiedlung, floß kaum hörbar der spärliche Strom eines traurigen Liedes dahin. Die Mücken summten. Pjotr Artamonow empfand klar die Notwendigkeit, seine Bangigkeit möglichst schnell loszuwerden und zu unterdrücken. Er war, ohne es zu merken, bei dem Fliedergesträuch unter seinem Schlafzimmerfenster angelangt. Lange saß er da, stützte die Ellbogen auf die Knie, preßte das Gesicht mit den Handflächen und blickte auf die schwarze Erde; die Erde bewegte sich unter seinen Füßen und schien Blasen zu werfen, als wolle sie bersten.

»Es ist seltsam, wie Nikita über den sandigen Boden gesiegt hat. Er wird ins Kloster gehen und da Gärtner werden. Das ist gut für ihn.«

Er hatte das Nahen seiner Frau nicht bemerkt und sprang erschrocken auf, als vor ihm, wie aus der Erde heraus, eine weiße Gestalt auftauchte. Doch beruhigte ihn einigermaßen die bekannte Stimme:

»Verzeih, um Christi willen, daß ich so geschrien habe ...«

»Nun, lassen wir das! Gott wird verzeihen, – ich habe ja auch geschrien«, sagte er großmütig und erfreut, daß Natalia gekommen war, und daß er nicht erst sanfte Worte suchen mußte, um den durch ihren Streit entstandenen Riß zu glätten und zu schließen.

Er setzte sich, und Natalia ließ sich zögernd neben ihm nieder. Er mußte doch etwas Tröstendes sagen und begann:

»Ich verstehe, daß du dich langweilst. In unserem Hause kommt kein Frohsinn auf! Worüber sollte man sich freuen? Der Vater war bei seiner Arbeit fröhlich. Er dachte sich das so: es gibt nicht einfach Menschen – sondern nur Arbeiter, und außerdem noch Bettler und Herrschaften. Alle leben für die Arbeit. Man sieht vor lauter Arbeit keine Menschen.«

Er sprach vorsichtig, aus Angst etwas Überflüssiges zu sagen, und wie er sich selbst zuhörte, fand er, daß er wie ein ernster Geschäftsmann und ein echter Unternehmer redete. Doch fühlte er, daß alle diese Worte nur äußerlich waren und über die Gedanken hinglitten, ohne sie aufzuschließen, ohne die Kraft zu finden, in sie einzudringen; und ihm schien, er sitze am Rande einer Grube, in die ihn im nächsten Augenblick jemand hinabstoßen könnte, der seiner Rede folgte. Er flüsterte:

»Du sprichst die Unwahrheit.«

Natalia schmiegte gerade im richtigen Augenblick den Kopf an seine Schulter und sagte leise:

»Du bist ja fürs ganze Leben mein, verstehst du das denn nicht?«

Er umfaßte sie sogleich und preßte sie, ihrem leidenschaftlichen Geflüster lauschend, an sich.

»Es ist eine Sünde, wenn man das nicht versteht! Du hast dir ein Mädchen genommen, sie schenkt dir Kinder, aber du scheinst für mich gar nicht da zu sein, du hast kein Herz für mich. Das ist Sünde, Petja! Wer steht dir näher als ich? Wer wird in einer schweren Stunde Mitleid mit dir haben?«

Er hatte das Gefühl, seine Frau hätte ihn hochgehoben, in die Luft geschleudert und in angenehmer Weise seiner Kraft beraubt; er versank in erfrischende Kühle und sprach fast mit Dankbarkeit:

»Ich habe zu schweigen versprochen, aber ich kann es nicht!«

Und er erzählte ihr eilig alles, was er von Tichon und von Nikita erfahren hatte.

»Er hat deine Hemden geküßt, die im Garten trockneten, so sehr hat er den Kopf verloren! Wieso hast du das nicht gewußt und es ihm nicht angemerkt?«

Die Schulter der Frau erbebte heftig unter seiner Hand.

»Sie bemitleidet ihn?« dachte Pjotr. Sie erwiderte aber eilig und empört:

»Ich habe nie irgendetwas Eigennütziges an ihm bemerkt! Ach, wie verschlossen er doch ist! Es stimmt, daß die Buckligen listig sind.«

»Ekelt sie sich? Oder stellt sie sich nur so?« fragte sich Artamonow und erinnerte sie:

»Er war immer freundlich zu dir.«

»Nun, was ist denn dabei?« fragte sie herausfordernd. »Auch Tulun ist freundlich.«

»Tulun ist doch ein Hund.«

»Du hast Nikita auch wie einen Hund bei mir gehalten, um mich zu beobachten und vor dem Schwiegervater und vor Alexej zu bewahren. Ich verstehe ja alles! Ach, wie widerwärtig war er mir, wie hat er mich beleidigt.«

Es war klar, daß Natalia gekränkt, und empört war, das war aus dem Zittern ihrer Haut und aus den krampfhaften Bewegungen der Finger zu ersehen, mit denen sie am Hemd herumnestelte und zupfte. Pjotr erschien ihre Entrüstung jedoch übermäßig, er glaubte nicht daran und versetzte ihr den letzten Hieb:

»Tichon hat ihn aus der Schlinge gezogen. Er liegt im Badehaus.«

Sie verlor unter seinem Streich alle Kraft, sank zusammen und rief mit sichtlicher Angst:

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