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Электронная книга - «Das Werk der Artamonows». Краткое содержание книги:

Das Werk der Artamonows
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Die weiße, armlose Gestalt der Frau im Nachthemd zitterte und schwebte und drohte zu verschwinden. Bald flüsterte Natalia, bald schrie sie auf, als wäre sie auf einer Schaukel, als fliege sie nach oben und fiele hin.

»Sieh nur, wie Alexej seine Olga liebt ... Und es ist leicht, ihn zu lieben, er ist lustig, kleidet sich wie ein feiner Herr. Aber wie bist du? Du gehst unfreundlich herum, lachst nie. Mit Alexej würde ich wie ein Herz und eine Seele leben; ich wagte aber niemals, auch nur ein Wort mit ihm zu wechseln, du hast deinen Buckligen als Wächter bei mir angestellt, dieses verschlagene Scheusal, absichtlich ...«

Nikita erhob sich. Er ging mit gesenktem Kopf, wie vernichtet in die Tiefe des Gartens, und schob die ihn an den Schultern streifenden Baumzweige mit den Händen beiseite.

Auch Pjotr erhob sich, ging auf seine Frau zu, packte sie bei den Scheitelhaaren, bog ihr den Kopf zurück und sah ihr in die Augen:

»Mit Alexej?« fragte er halblaut, mit tiefer Stimme. Er war über die Worte seiner Frau derart erstaunt, daß er ihr nicht zu zürnen vermochte und sie nicht schlagen wollte; er wurde sich immer klarer dessen bewußt, daß sie die Wahrheit sprach: sie führte ein langweiliges Leben. Langeweile war etwas, das er verstand. Aber man mußte sie ja beruhigen, und um das zu erreichen, schlug er sie mit dem Hinterkopf gegen die Wand und fragte leise:

»Was hast du gesagt, du Närrin, he? Mit Alexej?«

»Laß los, laß los – ich schreie sonst ...«

Er faßte sie mit der andern Hand bei der Kehle, die er zusammenpreßte, Natalias Gesicht rötete sich sogleich, sie röchelte.

»Nichtswürdige«, sagte Pjotr, sie an die Wand drückend und wandte sich weg. Auch sie wankte von der Wand fort und ging an ihm vorbei zur Wiege; das Kind greinte schon lange. Es schien Pjotr, als wäre die Frau über ihn hinweggeschritten. Vor ihm schwankte ein dunkelblaues Stück Himmel und sprangen die Sterne herum. Seine Frau saß seitlich neben ihm, er brauchte nur mit der Hand auszuholen, um sie, ohne aufzustehen, ins Gesicht zu schlagen. Ihr Gesicht war stumpf und hölzern, aber über die Wangen rannen langsam und träge die Tränen. Sie gab dem Mädchen die Brust, blickte durch die glasige Tränenhülle in die Ecke, ohne zu merken, daß es dem Kind schwer fiel, zu saugen; die horizontal gerichtete Brustwarze entglitt seinen Lippen, das Kind schmatzte greinend in die Luft und drehte das Köpfchen hin und her. Pjotr raffte sich auf, wie nach einem nächtlichen Alp, und sagte:

»Halt' die Brust richtig! Siehst du denn nicht!«

»Ich bin wie eine Fliege im Hause,« murmelte Natalia, »wie eine Fliege ohne Flügel.«

»Auch ich bin ja allein; es gibt doch nicht zwei Pjotr Artamonows.«

Er fühlte dunkel, daß er nicht das sagte, was er wollte, und daß in seinen Worten sogar eine gewisse Unwahrheit enthalten war. Um sie zu beruhigen und die Gefahr abzuwenden, mußte aber gerade die einfache, unwiderlegbar klare Wahrheit gesagt werden, die sie sofort verstehen und der sie sich unterordnen mußte, ohne ihn mit ihren dummen Klagen, mit Tränen und all den Frauendingen zu belästigen, die sie bis dahin nicht an sich gehabt hatte. Als er sah, wie nachlässig und ungeschickt Natalia die Kleine niederlegte, sagte Pjotr:

»Ich habe zu tun! Das Werk leiten bedeutet mehr, als Korn säen und Kartoffeln pflanzen. Das ist eine Aufgabe! Und was hast du im Kopfe?«

Zuerst hatte er streng und eindringlich gesprochen und sich bemüht, jener unfaßbaren Wahrheit näherzukommen; doch sie entglitt ihm, und seine Stimme klang beinahe klagend:

»Das Werk ist keine einfache Sache«, wiederholte er und fühlte, daß seine Worte versiegten, und daß er nichts mehr zu sagen hatte. Natalia schwieg und schaukelte, ihm den Rücken zuwendend, die Wiege. Er wurde durch Tichon Wialows ruhige, halblaute Stimme erlöst.

»Pjotr Iljitsch, hallo!«

»Was willst du?« fragte er, ans Fenster tretend.

»Komm' mal heraus,« sagte der Hausknecht hartnäckig.

»Der Flegel!« brummte Pjotr und warf seiner Frau vor: »Da siehst du! Man hat nicht einmal des Nachts Ruhe, und du läßt dich so gehen ...«

Tichon empfing ihn mit blinzelnden Augen, ohne Mütze, beim Hauseingang, betrachtete den hell vom Mond erleuchteten Hof und sagte leise:

»Ich habe soeben Nikita Iljitsch aus der Schlinge gezogen ...«

»Was? Wo?«

Als sinke er in den Boden, ließ sich Pjotr auf eine Treppenstufe gleiten.

»Setz' dich nicht erst, wir müssen zu ihm gehen. Er verlangt nach dir ...«

Pjotr fragte flüsternd, ohne aufzustehen:

»Was hat er denn? Wie?«

»Jetzt ist er bei Besinnung; ich habe ihn mit Wasser begossen. Komm!«

Tichon hob den Herrn am Ellenbogen auf und führte ihn in den Garten.

»Er hat sich im Flur des Badehauses alles zurecht gemacht, hat am Boden, am Dachstuhlsparren eine Schlinge angebracht – und hat's dann getan ...«

Pjotr schien an die Erde anzuwachsen und wiederholte:

»Was bedeutet das? Sollte es aus Trauer um den Vater sein?«

Auch der Hausknecht blieb stehen:

»Es war schon so weit mit ihm, daß er ihre Hemden küßte ...«

»Was für Hemden? Was fällt dir ein?«

Pjotr betastete mit den bloßen Füßen die Erde und betrachtete den Hund des Hausknechts, der aus dem Gesträuch aufgetaucht war und ihn schwanzwedelnd und fragend ansah. Er fürchtete sich, zu Nikita zu gehen; er fühlte sich ganz ausgepumpt und wußte nicht, was er ihm sagen sollte.

»Ach, ihr lebt ohne Augen«, brummte Tichon. Pjotr schwieg und wartete, ob er noch etwas sagen würde.

»Ihre Hemden – die Hemden von Natalia Jewsejewna, hingen hier zum Trocknen ...«

»Warum hat er denn ... Warte!«

Pjotr stieß den Hund mit dem Fuß weg und stellte sich Nikitas kleine, bucklige Gestalt beim Küssen eines Frauenhemdes vor; das war einerseits komisch und zwang ihn andererseits voll Ekel auszuspucken. Aber sogleich überfiel und betäubte ihn ein brennender Zweifel; er packte Tichon bei den Schultern, schüttelte ihn und fragte durch die Zähne:

»Haben sich die beiden geküßt? Hast du was gesehen, wie?«

»Ich sehe alles. Natalia Jewsejewna weiß gar nichts davon.«

»Du lügst!«

»Welchen Grund hätte ich zu lügen? Ich erwarte von dir keine Belohnung.«

Und als schlüge er mit der Axt eine Lichtung durch das Dunkel, erzählte Tichon seinem Herrn in wenigen Worten von Nikitas Unglück. Pjotr begriff, daß Tichon die Wahrheit sprach; er hatte sie schon längst aus den Blicken der blauen Augen seines Bruders, aus den von ihm Natalia erwiesenen Diensten, aus seiner unmerklichen, aber steten Sorge um sie erraten.

»So–o«, flüsterte er und dachte laut: »Ich bin nie dazu gekommen, das zu verstehen.«

Dann stieß er Tichon vorwärts und sagte:

»Komm!«

Er wollte nicht als erster Nikitas Blick ertragen, und als er durch die niedrige Tür des Badehauses trat und Nikita in der Dunkelheit noch nicht erkennen konnte, fragte er mit zitternder Stimme hinter Tichons Rücken:

»Was machst du da, Nikita?«

Der Bucklige antwortete nicht. Er war auf der Bank am Fenster kaum zu sehen, trübes Licht fiel ihm auf den Leib und die Beine. Später unterschied Pjotr, daß Nikita den Buckel an die Wand lehnte und mit gesenktem Kopf dasaß, sein Hemd war vom Kragen bis zum Saum zerrissen und naß und klebte an seinem Vorderbuckel; auch das Kopfhaar war naß, und auf dem Backenknochen befand sich ein dunkler Stern, von dem blutunterlaufene Strahlen ausgingen.

»Blut? Du hast dich verletzt ?« fragte Pjotr flüsternd.

»Nein, ich habe ihn in der Eile ein wenig gestoßen«, antwortete Tichon unnötig laut und trat beiseite. Es war unheimlich, Nikita nahezukommen. Pjotr lauschte seinen eigenen Worten, als wären es fremde, er riß sich am Ohr, klagte und machte Vorwürfe:

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