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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Männer«, wandte sich Michel an die Soldaten, »hört zu, was ich euch sage.«

Was er sagte, war an sich völlig belanglos. Er wollte sie lediglich von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenken.Mitten in seine Worte hinein ließ er plötzlich einige seiner teuflischen Pfiffe schrillen.

Im Nu verwandelte sich die Szene unten. Die Menschen bildeten einen unentwirrbaren Knäuel.

Aber das Ganze dauerte nur Sekunden. Die Soldaten waren auf eine solche Überraschung doch nicht gefaßt.Ein paar Gewehre gingen los, richteten aber keinen Schaden an.

Dann lösten sich die ersten Schatten aus der Masse.

Die Piraten enterten die »Trueno«. Der erste war Jardin.

»Übernehmt sofort das Kommando«, schrie ihm Michel zu.

Dann war Ojo bei ihm und reichte ihm sein Gewehr Das Schiff begann zu schaukeln. Die Vertäuungen waren gelöst.

»Sind Marina und Horuk an Bord?«

»Ja, Senor Doktor. Es ist alles bereit.«

»In die Wanten! Setzt die Segel!« donnerte Jardins Stimme über Deck.

Die Piraten nahmen alle Kraft zusammen und schwangen sich trotz ihrer vom langen Nichtstun geschwächten Körper wie Affen auf die Wanten empor.

Die Soldaten standen oder lagen herum. Ein paar hatten ihre Gewehre behalten können. Sie legten jetzt an und feuerten. Da ließ Michel seine Stimme ertönen:

»Wenn euch euer Leben lieb ist, dann lauft fort! Die Kanonen sind auf euch gerichtet!«

Er brannte eine Lunte an und jagte einen Schreckschuß über ihre Köpfe.

In diesem Augenblick wurde es im Hafen lebendig. Laufschritt klang auf. Es mußten viele Menschen sein, die da von irgendwoher heranstürmten. Man hatte die Flucht bemerkt. Auf den Wällen drüben am anderen Ufer wurde es lebendig. Die Festungsgeschütze wurden gerichtet.

»Volle Segel!« schrie Jardin. »Brüder, segelt um Leben und Tod! Kanoniere, jetzt oder nie! — Feuer!«

Die Ladekanoniere schleppten im Schweiß ihres Angesichts Kanonenkugeln und Pulverfässer herbei, soviel sie tragen konnten. Die »Trueno« kam langsam in Fahrt. Sie hatte bereits fünfzig Meter Abstand vom Dock. Der Wind faßte in die Segel. Immer schneller zog das Schiff davon.

Da rief vom Ufer her eine Stimme:

»Amigos, grüßt mir Spanien, grüßt mir die Heimat!«

Dann krachte ein Schuß.

»Fuentes!« schrie Porquez, »Fuentes!«

Keine Antwort.

»Sein Arm hat ihn gehindert, rechtzeitig an Bord zugelangen«, sagte Porquez und senkte den Kopf. »Er war verschroben, aber einer der Tapfersten.« Michel nahm seinen Turban ab und warf ihn in die See.

Schüsse krachten vom Ufer her. Und als die »Trueno« das offene Marmarameer zu gewinnen suchte, donnerten die Zehnpfünder vom Goldenen Horn herüber. Segelfetzen flogen. Es war ein drohender und gefährlicher Abschiedssalut. Michel stand am Hauptmast und blickte hinüber.

»Gott sei gedankt«, murmelte er. Dann sank er langsam in sich zusammen; denn die Nervenbelastung dieses Tages war auch für einen Menschen wie den Pfeifer zu groß gewesen. »Tragt ihn in die Kabine«, sagte Marina mit besorgter Stimme. »Ihm verdanken wir Leben und Freiheit. Er soll jetzt schlafen. Er hat genug für uns getan.« Die Blicke aller hingen bewundernd an dem Bewußtlosen.

13

Vor dem Gebäude des Außenministeriums in London hielt die Kutsche Lord Hawburys. Der General stieg aus und befahl seinem Diener zu warten. Er war in guter Stimmung. Das Familienvermögen war zwar arg zusammengeschmolzen, aber das Außenministerium hatte ihm die Auffüllung seiner Kasse in Aussicht gestellt. Er war für heute vormittag in das Office of the Foreign Service[10] bestellt.

Der General hätte seinem Sohn Steve Hawbury eigentlich zürnen müssen, weil dieser die etwas ältliche, aber eben doch wohlhabende Amerikanerin Esther Wallbrook nun doch nicht geehelicht hatte. Aber der Lord war viel zu froh, daß er seine Kinder wieder hatte. Er war nach der Entführung seiner Tochter Isolde ziemlich hoffnungslos gewesen; denn es grenzte fast ans Wunderbare, eine Weiße den Klauen arabischer Sklavenhalter zu entreißen. Vor sechs Monaten waren seine Kinder mit dem Kreuzer »Robin Hood« wohlbehalten an der Themse eingetroffen.

Der General strömte über vor Dankbarkeit gegen das Schicksal.

Well, und nun hatte ihm das Außenministerium auch noch eine Aufbesserung seiner Finanzen in Aussicht gestellt. Beschwingten Schrittes stieg er die Treppe empor. Im Vorzimmer des Außenministers mußte er eine Weile warten. Als er dann eintrat, erhob sich der Minister und kam freudig auf ihn zu. Er schüttelte ihm die Hand und sagte:

»Ich habe Euch erwartet, Lord Hawbury. Es ist mir eine Ehre und eine Freude zugleich, einen so verdienten Mann wie Euch willkommen zu heißen.« »Thank you--thank you«, murmelte der General bewegt.

»Wie geht es übrigens Euren Kindern, Lord Hawbury? Ich habe von dem unfaßlichen Glück der Wiederkehr Eurer Tochter schon gehört. Ganz London sprach davon. Unglaublich, unglaublich.« »Sie ist ein tapferes Mädel«, sagte der Lord bescheiden. »Sie ist klug und weiß ihre Chancen zu nutzen. Sie ist Engländerin.«

»Eben, eben, ganz wie der Vater. — Nehmt Platz, General. Ja, ich habe einen neuen Auftrag für Euch.«

»Wieder im Kolonialdienst?« Die Stirn des Generals umwölkte sich ein wenig. Der Außenminister zögerte mit der Antwort. Aber dann zuckte er die Schultern. »Well, Lord Hawbury, es ist ein Angebot der Regierung Seiner Majestät. Ihr braucht es nicht anzunehmen. Aber ich sage Euch ehrlich, daß uns eine Ablehnung schmerzen würde. Wir haben keinen anderen, der so erfahren ist und von dem wir wissen, daß ihm die Ehre Englands zuvorderst am Herzen liegt.«

»Hm. Worum handelt es sich, Sir, wenn ich fragen darf?«

Der Außenminister strich sich über die Stirn. Die Antwort war der schwierigste Punkt.

Er sah bereits voraus, wie der alte, ehrliche Soldat empört aufspringen und seine Ablehnung hinausschreien würde; denn bei den Offizieren der Armee Seiner britischen Majestät war die Ostindien-Kompanie unbeliebt, wenn nicht gar verhaßt.

Und er, der Außenminister selbst, teilte im tiefsten Herzen durchaus diese Auffassung. Aber es ging schließlich um die Ehre und die saubere Fahne Englands. Und da konnte man seine persönlichen Ressentiments schlecht in die Waagschale werfen.

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Außenministerium

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Главный герой
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