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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Kann sein, Ihr habt etwas von Schatz bei Euch?«

Thom spreizte bedauernd die Hände. »Leider war das wenige, das wir mitnehmen konnten, bei unseren Pferden, und die rannten weg, als die letzten Trollocs erschienen. Alles, was ich noch habe, sind meine Flöte und meine Harfe, ein paar Kupfermünzen und die Kleider, die ich trage. Aber glaubt mir, dieser Schatz wäre nichts für Euch. Er ist vom Dunklen König verflucht. Am besten ist es, ihn den Ruinen und den Trollocs zu überlassen.«

»Also Ihr kein Geld haben, um die Reise zu bezahlen. Ich nicht mal eigenen Bruder mitfahren lassen, wenn nicht bezahlen für Passage, besonders, wenn er bringen Trollocs her, die Reling zerhacken und Takelage kappen. Warum ich nicht sollen Euch lassen zurückschwimmen, wo Ihr kommen her, um loszuwerden Euch?«

»Ihr würdet uns doch nicht am Ufer absetzen?« sagte Mat. »Nicht, wenn dort Trollocs warten!«

»Wer sagen etwas von Ufer?« antwortete Domon trocken. Er betrachtete sie einen Moment lang und legte dann die Hände mit den Handflächen nach unten auf den Tisch. »Bayle Domon sein ein vernünftiger Mann. Ich Euch nicht über Bord werfen, wenn anderer Weg möglich. Nun, ich sehen, einer von euren Lehrlingen haben Schwert. Ich brauchen gutes Schwert, und ich sein gutherziger Mann. Ihr können Passage nach Weißbrücke dafür haben.«

Thom öffnete den Mund, doch Rand kam ihm zuvor. »Nein!« Tam hatte es ihm nicht gegeben, damit er es weiterverhökerte. Er fuhr mit der Hand über den Griff und fühlte nach dem Bronzereiher. Solange er es hatte, war es, als sei Tam bei ihm.

Domon schüttelte den Kopf. »Na ja, wenn nein, dann eben nicht. Aber Bayle Domon nicht geben freie Passage, nicht mal eigene Mutter.«

Zögernd leerte Rand seine Taschen. Es war nicht viel, was da zum Vorschein kam: ein paar Kupfermünzen und die Silbermünze, die Moiraine ihm gegeben hatte. Er hielt sie dem Kapitän hin. Einen Moment später tat Mat es ihm nach. Thom blickte böse drein, lächelte dann aber ganz schnell wieder, so daß Rand sich nicht sicher war, ob er sich den wütenden Blick nur eingebildet hatte. Kapitän Domon nahm den Jungen flink die beiden dicken Silbermünzen aus den Händen und holte eine kleine Waage hervor und einen klimpernden Beutel, den er in einer messingbeschlagenen Truhe hinter seinem Stuhl verstaut gehabt hatte. Er wog die Münzen sorgfältig ab, ließ sie in den Beutel fallen und gab jedem einige kleine Silber- und Kupfermünzen heraus. Vor allem Kupfermünzen. »Bis Weißbrücke«, sagte er und trug alles säuberlich in eine ledergebundene Kladde ein.

»Das ist aber eine teure Fahrt nach Weißbrücke«, murrte Thom.

»Plus Beschädigung von Schiff meiniges«, antwortete der Kapitän gelassen. Er legte Waage und Beutel in die Truhe zurück und schloß sie befriedigt. »Plus etwas für bringen Trollocs zu mir, daß ich nachts flußabwärts muß flüchten, obwohl da sein genug Untiefen, wo ich kann auflaufen.«

»Wie steht es mit den anderen?« fragte Rand. »Werdet Ihr sie auch mitnehmen? Sie sollten mittlerweile den Fluß ebenfalls erreicht haben, oder sie werden ihn bald erreichen, und dann werden sie die Laterne an Eurem Mast entdecken.«

Kapitän Domons Augenbrauen hoben sich überrascht. »Ihr etwa glauben, wir stehen still, Mann? Glück stech mich, aber wir sein drei, vier Meilen flußabwärts von wo Ihr gekommen an Bord. Trollocs haben meine Burschen gemacht rudern sehr stark — sie Trollocs besser kennen als mögen — und Strömung auch helfen. Aber das nichts machen. Ich nicht wieder an Ufer, selbst wenn alte Großmutter sein dort. Ich vielleicht nicht mehr an Ufer, bis wir in Weißbrücke. Ich genug haben von Trollocs auf meinen Fersen schon vor heute nacht, und ich werde vermeiden, wenn ich kann.«

Thom beugte sich interessiert vor. »Ihr habt schon zuvor Zusammenstöße mit Trollocs gehabt? In letzter Zeit?«

Domon zögerte und musterte Thom genau, doch als er dann antwortete, klang es lediglich etwas verärgert. »Ich überwintern in Saldaea, Mann. Ich nicht wollen, aber Fluß früh gefroren und Eis brechen auf sehr spät. Leute sagen, du kannst sehen Große Fäule von höchsten Türmen in Maradon, aber ich kein Interesse daran. Ich schon vorher mal dort sein und sie immer erzählen, daß Trollocs einen Bauernhof oder so haben überfallen. Aber diesen Winter jede Nacht Bauernhöfe brennen. Ja, und ganze Dörfer manchmal auch. Sie sogar kommen bis an Stadtmauer. Und nicht schlimm genug, Leute alle sagen, bedeuten daß Dunkler König kommt, daß Letzte Tage angebrochen.« Er schüttelte sich und kratzte sich am Kopf, als habe der bloße Gedanke seine Kopfhaut zum Jucken gebracht. »Ich nicht kann warten um kommen zurück, wo Leute glauben, Trollocs sein nur Märchen. Sie glauben, Geschichte ich ihnen erzählen sein nur Schiffergarn.«

Rand hörte nicht mehr weiter zu. Er starrte die Wand gegenüber an und dachte an Egwene und die anderen. Es schien ihm einigermaßen ungerecht, daß er sich in Sicherheit an Bord der Gischt befinden sollte, während sie noch immer irgendwo da hinten in der Nacht waren. Die Kabine des Kapitäns erschien ihm nun nicht mehr so gemütlich.

Er war überrascht, als Thom ihn auf die Füße zog. Der Gaukler schob Mat und ihn in Richtung Leiter und entschuldigte sich bei Kapitän Domon für die Landpomeranzen. Rand kletterte wortlos hinauf.

Gleich als sie an Deck waren, sah sich Thom schnell um, ob ihn jemand belauschen konnte, und schimpfte dann: »Ich hätte uns die Passage mit ein paar Liedern und Geschichten erkaufen können, wenn ihr beide es nicht so eilig gehabt hättet, Silber vorzuzeigen.«

»Da bin ich nicht so sicher«, sagte Mat. »Für mich hat er sich ernsthaft angehört, als er etwas von ›in den Fluß werfen‹ sagte.«

Rand ging langsam hinüber zur Reling und lehnte sich dagegen. Er blickte hinauf in den nachtdunklen Himmel. Er konnte nur Schwarz erkennen — nicht einmal ein Ufer. Eine Minute später legte Thom ihm eine Hand auf die Schulter, doch Rand rührte sich nicht.

»Es gibt nichts, was du tun könntest, Junge. Außerdem sind sie wahrscheinlich mittlerweile in Sicherheit bei der... bei Moiraine und Lan. Kannst du dir jemand Besseres vorstellen, um sie aus allem rauszuholen?«

»Ich habe versucht, sie zu überreden, nicht mitzukommen«, sagte Rand.

»Du hast dein Bestes gegeben, Junge. Keiner kann mehr von dir verlangen.«

»Ich sagte, ich würde auf sie aufpassen. Ich hätte mich mehr anstrengen sollen.« Das Knarren der Ruder und das Summen der Takelage im Wind fügte sich zu einer traurigen Melodie zusammen. »Ich hätte mich mehr anstrengen sollen«, flüsterte er.

21

Lausche dem Wind

Sonnenschein, der sich über den Fluß Arinelle schob, fand den Weg in die Senke nicht weit von der Uferböschung, wo Nynaeve mit dem Rücken an den Stamm einer jungen Eiche gelehnt saß und ruhig atmend schlief. Auch ihr Pferd schlief, den Kopf gesenkt und die Beine leicht gespreizt, wie es die Art der Pferde ist. Die Zügel hatte sie um ihr Handgelenk gewickelt. Als der Sonnenschein auf die Augenlider des Pferdes fiel, öffnete das Tier die Augen und hob den Kopf, wobei es einen heftigen Ruck am Zügel gab. Nynaeve erwachte schlagartig.

Einen Augenblick lang blickte sie orientierungslos um sich und fragte sich, wo sie sei, und als sie sich dann daran erinnerte, sah sie sich noch erschrockener um. Aber sie erblickte nur die Bäume und ihr Pferd und einen Teppich alter, trockener Blätter am Boden der Senke. Wo der Schatten am tiefsten war, wuchsen einige der noch aus dem letzten Jahr stammenden Schattenhand-Pilze in Ringen auf einem umgestürzten Stamm.

»Das Licht erhalte dich, Frau«, murmelte sie und ließ sich zurücksacken, »wenn du nicht einmal eine Nacht wach bleiben kannst.« Sie band den Zügel los und massierte beim Aufstehen ihr Handgelenk. »Du hättest auch im Kochtopf eines Trollocs erwachen können.«

Die abgestorbenen Blätter raschelten, als sie den sanften Abhang der Senke hinaufkletterte und über den Rand spähte. Nur eine Handvoll Eschen standen zwischen ihrem Standpunkt und dem Fluß. Mit ihrer rissigen Rinde und den kahlen Asten wirkten sie wie tot. Dahinter floß der breite Strom mit seinem blaugrünen Wasser. Leer. Nichts zu sehen. Vereinzelte Gruppen von Nadelbäumen, Tannen und auch ein paar Weiden boten dem Auge auf der anderen Seite des Flusses etwas Abwechslung. Aber es schienen dort drüben weniger Bäume zu wachsen als hier auf ihrer Seite. Falls Moiraine oder irgendeiner der Jungen dort drüben war, hatten sie sich gut versteckt. Natürlich gab es keinen Grund, warum sie den Fluß ausgerechnet in ihrer Sichtweite hätten überqueren müssen oder es auch nur versuchen sollten Sie konnten sich überall befinden, zehn Meilen flußaufwärts oder flußabwärts... Wenn sie überhaupt noch am Leben sind nach dieser letzten Nacht.

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