Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ich glaube, Ihr habt große Fähigkeiten«, fuhr Moiraine fort. »Richtig geführt, könntet Ihr möglicherweise noch mächtiger werden als Egwene, und ich denke, aus Ihr kann schon eine der mächtigsten Aes Sedai werden, die es in den letzten Jahrhunderten gegeben hat.«
Nynaeve zuckte vor der Aes Sedai zurück wie vor einer Giftschlange. »Nein! Ich will nichts zu tun haben mit... « Womit? Mir selbst? Sie sank zurück, und ihre Stimme wurde unsicher. »Ich möchte Euch bitten, niemandem davon zu erzählen. Bitte!« Das Wort blieb ihr beinahe im Hals stecken. Ihr wäre es lieber gewesen, Trollocs wären gekommen, als daß sie zu dieser Frau ›bitte‹ sagen mußte. Aber Moiraine nickte nur zustimmend, und etwas von ihrem Kampfgeist kehrte wieder. »Nichts von dem allen erklärt, was Ihr mit Rand, Mat und Perrin anfangen wollt.«
»Der Dunkle König will sie haben«, antwortete Moiraine. »Wenn der Dunkle König etwas haben will, stelle ich mich dagegen. Kann es einen einfacheren oder besseren Grund geben?« Sie trank den Rest Tee aus und blickte Nynaeve über den Rand ihrer Tasse hinweg an. »Lan, wir müssen aufbrechen. Nach Süden, denke ich. Ich fürchte, die Seherin wird uns nicht begleiten.«
Nynaeves Mund zog sich zu einer schmalen Linie zusammen, als sie hörte, wie die Aes Sedai das Wort ›Seherin‹ betonte, so, als ob sie den großen Dingen den Rücken kehrte und etwas Unbedeutendes vorzog. Sie will mich nicht dabei haben. Sie versucht mich abzuschrecken, so daß ich heimgehe und sie ihr überlasse. »O ja, ich gehe mit Euch. Ihr könnt mich nicht davon abhalten.«
»Niemand wird Euch davon abhalten«, sagte Lan, als er wieder zu ihnen stieß. Er leerte den Teekessel über dem Feuer aus und stocherte mit einem Stock in der Asche herum. »Ein Teil des Musters?« fragte er Moiraine.
»Vielleicht«, sagte sie gedankenverloren. »Ich hätte noch mal mit Min sprechen sollen.«
»Ihr seht, Nynaeve, Ihr seid uns willkommen.« Lan zögerte kurz, als er ihren Namen sagte — da war eine Andeutung eines unausgesprochenen ›Sedai‹ zu bemerken.
Nynaeve, die es als Spott auffaßte, schnaubte vor Wut, auch weil sie so vor ihr über Dinge sprachen, von denen sie nichts wußte, ohne ihr die Höflichkeit einer Erklärung angedeihen zu lassen, doch sie wollte ihnen nicht den Gefallen tun, danach zu fragen. Der Behüter fuhr mit den Vorbereitungen für den Aufbruch fort. Seine Bewegungen waren sparsam, doch sicher und schnell, so daß er bald fertig war. Satteltaschen, Decken und alles andere waren hinter den Sätteln von Mandarb und Aldieb festgeschnallt.
»Ich werde Euer Pferd holen«, sagte er zu Nynaeve, als er den letzten Gurt angezogen hatte.
Er ging die Böschung hinauf, und sie erlaubte sich ein kleines Lächeln. Nachdem sie ihn unentdeckt beobachtet hatte, versuchte er nun, ohne Hilfe ihr Pferd zu finden. Er würde merken, daß sie wenig Spuren hinterließ, wenn sie jemanden belauerte. Es wäre ein Vergnügen, ihn mit leeren Händen zurückkommen zu sehen.
»Warum nach Süden?« fragte sie Moiraine. »Ich hörte Euch sagen, einer der Jungen sei auf der anderen Seite des Flusses. Woher wißt Ihr das?«
»Ich gab jedem der Jungen eine Münze. Das schuf eine Art von Verbindung zwischen ihnen und mir. Solange sie am Leben sind und diese Münze bei sich tragen, werde ich in der Lage sein, sie zu finden.« Nynaeves Blick wanderte in die Richtung, in die der Behüter gegangen war, und Moiraine schüttelte den Kopf. »Nicht so. Es erlaubt mir nur herauszufinden, ob sie noch am Leben sind, und sie zu finden, falls wir getrennt werden. Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme unter den gegebenen Umständen, findet Ihr nicht auch?«
»Mir gefällt nichts, was Euch mit jemandem aus Emondsfeld verbindet«, sagte Nynaeve stur. »Aber wenn es uns hilft, sie zu finden... «
»Es wird. Wenn ich könnte, würde ich zuerst den jungen Mann von der anderen Seite des Flusses aufgabeln.« Einen Moment lang prägte Enttäuschung die Stimme der Aes Sedai. »Er befindet sich nur ein paar Meilen von uns entfernt. Aber ich kann mir den Zeitaufwand einfach nicht leisten. Er sollte den Weg nach Weißbrücke jetzt, wo die Trollocs fort sind, in Sicherheit zurücklegen können. Die beiden, die sich flußabwärts bewegen, brauchen vielleicht meine Hilfe nötiger. Sie haben ihre Münzen verloren, und Myrddraal verfolgen sie entweder oder versuchen, uns in Weißbrücke abzufangen.« Sie seufzte. »Ich muß das Nötigste zuerst erledigen.«
»Die Myrddraal könnten... könnten sie getötet haben«, sagte Nynaeve. Moiraine schüttelte leicht den Kopf und verwarf den Gedanken, als sei er zu unbedeutend, um ihm Beachtung zu schenken. Nynaeves Mund verzog sich. »Und wo ist dann Egwene? Ihr habt sie nicht einmal erwähnt.«
»Ich weiß es nicht«, gab Moiraine zu, »aber ich hoffe, sie ist in Sicherheit.«
»Ihr wißt es nicht? Ihr hofft? All das Gerede darüber, ihr Leben zu retten, indem Ihr sie nach Tar Valon bringt, und nun könnte sie genausogut auch schon tot sein!«
»Ich könnte nach ihr suchen und damit den Myrddraal mehr Zeit geben, bevor ich ankomme und den beiden jungen Männern helfe, die nach Süden unterwegs sind. Der Dunkle König sucht nach ihnen, nicht nach ihr. Sie würden sich nicht um Egwene kümmern, solange ihre wirkliche Beute ungefangen bleibt.«
Nynaeve erinnerte sich an ihr eigenes Zusammentreffen, doch sie weigerte sich, den Sinn von Moiraines Worten anzuerkennen. »Also ist das Beste, was Ihr mir bieten könnt, daß sie vielleicht noch am Leben ist, wenn sie Glück hatte. Lebendig, vielleicht allein, verängstigt, sogar verletzt, Tage vom nächsten Dorf oder von Hilfe entfernt, außer eben von uns. Und Ihr plant, sie im Stich zu lassen.«
»Genausogut könnte sie sich auch in Sicherheit bei dem Jungen auf der anderen Seite befinden. Oder auf dem Weg nach Weißbrücke mit den beiden anderen. In jedem Fall befinden sich keine Trollocs mehr hier, die sie bedrohen, und sie ist stark und intelligent und durchaus in der Lage, notfalls allein nach Weißbrücke zu gelangen. Wollt Ihr lieber hierbleiben, weil sie möglicherweise Hilfe braucht, oder versuchen, denen zu helfen, von denen wir wissen, daß sie in Not sind? Wollt Ihr, daß ich sie suche, anstatt mich um die Jungen — und auch um die Myrddraal, die sie auf jeden Fall verfolgen — zu kümmern? So sehr ich auch hoffe, Nynaeve, daß Egwene in Sicherheit ist, so gilt mein Kampf doch dem Dunklen König, und das bestimmt jetzt meinen Weg.«
Moiraine verlor nie die Ruhe, während sie die schrecklichen Alternativen schilderte. Nynaeve hätte sie anschreien können. Sie schluckte Tränen hinunter und drehte das Gesicht weg, so daß die Aes Sedai es nicht sehen konnte. Licht, man erwartet von einer Seherin, daß sie sich um all die ihr anvertrauten Menschen kümmert. Warum stehe ich vor einer solchen Wahl?
»Lan ist wieder da«, sagte Moiraine, erhob sich und zog sich den Umhang über.
Es war nur ein kleiner Schlag für Nynaeve, als der Behüter ihr Pferd aus dem Wäldchen führte. Trotzdem hatte sie ganz schmale Lippen, als er ihr die Zügel reichte. Es hätte ihre Laune wenigstens ein kleines bißchen verbessert, wenn auf seinem Gesicht nur eine Spur von Ärger bemerkbar gewesen wäre, anstatt dieser unerträglichen, steinernen Ruhe. Seine Augen weiteten sich, als er ihr Gesicht sah, und sie wandte ihm den Rücken zu, um sich die Tränen von den Wangen zu wischen. Wie kann er sich über mein Weinen lustig machen!
»Kommt Ihr jetzt, Seherin?« fragte Moiraine kühl.
Sie warf einen letzten langen Blick auf den Wald und fragte sich, ob Egwene dort draußen sei, bevor sie traurig auf ihr Pferd stieg. Lan und Moiraine waren bereits aufgesessen und richteten ihre Pferde nach Süden aus. Sie folgte mit steifem Rücken und weigerte sich, noch einmal zurückzusehen. Statt dessen behielt sie Moiraine im Auge. Die Aes Sedai hatte soviel Vertrauen in ihre Kräfte und ihre Pläne, dachte sie, aber wenn sie Egwene und die Jungen nicht fänden, alle, lebendig und unversehrt, dann würde all ihre Kraft nicht reichen, um sie zu beschützen. Nicht einmal ihre Macht. Ich kann sie auch benützen, Frau! Das habt Ihr mir selbst gesagt. Ich kann sie gegen Euch benützen!