Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Sie ärgerte sich über sich selbst, daß sie überhaupt an eine solche Möglichkeit dachte, und ließ sich zurück in die Senke hinunterrutschen. Nicht einmal die Winternacht oder die Schlacht vor dem Erreichen von Shadar Logoth hatte sie auf die vergangene Nacht und auf dieses Ding -Mashadar — vorbereitet. Diese verzweifelte Flucht, die ständige Frage, ob noch jemand von den anderen am Leben sei; das Warten darauf, daß sie plötzlich einem Blassen oder den Trollocs von Angesicht zu Angesicht gegenüberstünde... Sie hatte die Trollocs in einiger Entfernung knurren und schreien gehört, und das zitternde Schrillen der Trolloc-Hörner war ihr eisiger den Rücken hinuntergelaufen, als es der Wind je fertigbringen würde, aber von jenem ersten Zusammentreffen mit den Trollocs in den Ruinen abgesehen sah sie nur einmal noch welche, und das außerhalb der Stadt. Zehn oder mehr schienen plötzlich — keine dreißig Spannen weit vor ihr -aus dem Boden aufzutauchen. Sie sprangen in der gleichen Sekunde auf sie zu, heulten und schrien und schwenkten hakenbewehrte Fangstangen. Doch als sie ihr Pferd herumriß, schwiegen sie unvermittelt und hoben die Schnauzen, um die Luft zu prüfen. Sie war zu verblüfft, um schnell wegzureiten. Statt dessen beobachtete sie, wie die Trollocs ihr den Rücken kehrten und in der Nacht verschwanden. Und das hatte sie von allem am meisten geängstigt.
»Sie kennen den Geruch von denen, die sie verfolgen«, sagte sie zu dem Pferd, als sie wieder in der Senke stand, »und ich gehöre nicht dazu. Die Aes Sedai hatte recht, wie es scheint, der Schäfer der Nacht verschlinge sie!«
Sie entschloß sich, flußabwärts zu gehen und ihr Pferd hinter sich herzuführen. Sie bewegte sich langsam und beobachtete aufmerksam den sie umgebenden Wald. Nur, weil die Trollocs sie letzte Nacht hatten laufen lassen, mußte das nicht bedeuten, daß sie sie auch bei einem erneuten Zusammentreffen wieder ungeschoren lassen würden. Soviel Aufmerksamkeit sie auch dem Wald schenkte — noch mehr widmete sie dem Boden vor ihr. Falls die anderen im Laufe der Nacht hier durchgekommen waren, sollte sie einige Anzeichen dafür entdecken können, die sie vom Rücken des Pferdes aus nicht sehen konnte. Vielleicht traf sie ja auch auf dieser Seite des Flusses die ganze Gruppe. Wenn sie aber niemanden fand, dann würde der Fluß sie irgendwann nach Weißbrücke führen, und von da gab es eine Straße nach Caemlyn und auch bis Tar Valon, falls es sein mußte.
Die Aussichten waren schon ziemlich niederschmetternd. Früher war sie noch nie weiter von Emondsfeld weggewesen als die Jungen. Taren-Fähre war ihr fremd vorgekommen; in Baerlon hätte sie sich nur staunend umgesehen, wäre sie nicht so darauf bedacht gewesen, Egwene und die anderen zu finden. Aber sie ließ nicht zu, daß irgend etwas ihren Entschluß ins Wanken brachte. Früher oder später würde sie Egwene und die Jungen finden, oder einen Weg, die Aes Sedai für alles zur Rechenschaft zu ziehen, was ihnen zustieß. Entweder das eine oder das andere, schwor sie sich.
In Abständen fand sie Spuren, eine ganze Menge sogar. Doch für gewöhnlich konnte sie beim besten Willen nicht sagen, ob diejenigen, die sie verursacht hatten, gesucht oder etwas gejagt hatten oder vielleicht selbst verfolgt wurden. Einige stammten von Stiefeln, wie sie sowohl von Menschen als auch von Trollocs getragen wurden. Andere waren Hufspuren wie von Ziegen oder Rindern; das waren natürlich Trollocs gewesen. Aber es gab nie ein klares Anzeichen, um sicher behaupten zu können, es stamme von einem der Gesuchten. Sie hatte vielleicht vier Meilen zurückgelegt, als der Wind ihr den Geruch eines Holzfeuers zuwehte. Er kam von weiter drunten am Fluß, und das Feuer konnte nicht weit entfernt sein, dachte sie. Sie zögerte nur einen Moment lang, dann band sie das Pferd an eine Tanne, ein ganzes Stück vom Fluß entfernt in einem kleinen, dichten Nadelgehölz, in dem das Tier gut verborgen war. Der Rauch konnte Trollocs bedeuten, aber der einzige Weg, das herauszufinden, war, nachzusehen. Sie bemühte sich, nicht darüber nachzudenken, wozu Trollocs möglicherweise ein Feuer benützten.
Gebückt schlich sie sich von einem Baum zum anderen und verfluchte im Geist den Rock, den sie hochheben mußte, um nicht hängenzubleiben. Kleider waren nicht fürs Anschleichen geeignet. Ein Geräusch von einem Pferd ließ sie ihr Tempo verlangsamen, und als sie schließlich vorsichtig hinter dem Stamm einer Esche hervorspähte, stieg gerade der Behüter in einer kleinen Lichtung nahe dem Ufer von seinem schwarzen Streitroß. Die Aes Sedai saß auf einem umgestürzten Baumstamm neben einem kleinen Feuer. Das Wasser in einem Kessel begann gerade zu kochen. Ihre weiße Stute fraß hinter ihr das dürftige Unkraut ab. Nynaeve blieb, wo sie war.
»Sie sind alle weg«, verkündete Lan ernst. »Vier Halbmenschen sind etwa zwei Stunden vor Tagesanbruch nach Süden aufgebrochen, jedenfalls soweit ich das beurteilen kann — sie hinterlassen nicht viele Spuren -, aber die Trollocs sind verschwunden. Sogar die Leichen, und die Trollocs sind nicht gerade bekannt dafür, daß sie ihre Toten mitnehmen. Es sei denn, sie haben Hunger.«
Moiraine warf eine Handvoll von irgend etwas in das kochende Wasser und zog den Kessel vom Feuer. »Man kann noch immer darauf hoffen, daß sie nach Shadar Logoth zurückgegangen sind und davon verschlungen wurden, aber wahrscheinlich wäre das zuviel verlangt von unserem Glück.«
Der köstliche Duft von Tee trieb zu Nynaeve herüber. Licht, hoffentlich knurrt mein Magen nicht zu laut!
»Es gab keine klare Spur der Jungen oder der anderen. Die Spuren sind einfach zu verwischt, um genaueres zu sagen.« In ihrem Versteck lächelte Nynaeve; wenn der Behüter nichts herausgefunden hatte, war das Labsal auf ihre Wunden. »Aber etwas anderes ist wichtig, Moiraine«, fuhr Lan mit ernster Miene fort. Er lehnte das Angebot einer Tasse Tee von der Aes Sedai mit einer Handbewegung ab und begann, vor dem Feuer auf- und abzulaufen, eine Hand auf seinem Schwertknauf und mit einem bei jeder Drehung die Farbe ändernden Umhang. »Ich kann ja noch Trollocs im Gebiet der Zwei Flüsse akzeptieren, sogar hundert davon. Aber dies hier? Gestern müssen beinahe tausend an der Jagd auf uns beteiligt gewesen sein!«
»Wir hatten Glück, daß nicht alle dablieben und in Shadar Logoth nach uns suchten. Die Myrddraal müssen Zweifel gehabt haben, daß wir uns gerade dort verbergen würden, aber sie hatten sicher auch Angst davor, nach Shayol Ghul zurückzukehren, ohne zuvor jede noch so kleine Möglichkeit untersucht zu haben. Der Dunkle König war noch nie für seine Nachsicht bekannt.«
»Versuche nicht, auszuweichen. Du weißt, was ich sagen will. Wenn diese tausend Trollocs hier waren, hätte er sie auch zu den Zwei Flüssen schicken können. Warum tat er das nicht? Es gibt nur eine mögliche Antwort. Sie wurden erst ausgesandt, als wir den Taren überquert hatten und er wußte, daß ein Myrddraal und hundert Trollocs nicht ausreichten. Wie? Wie wurden sie hierher ausgesandt? Wenn tausend Trollocs von der Großen Fäule aus so schnell und ungesehen so weit nach Süden gebracht werden können — ganz zu schweigen davon, daß sie genauso schnell wieder weggeholt werden können -, kann er dann nicht auch zehntausend ins Herz von Saldaea oder Arafel oder Schienar schicken? Die Grenzlande wären innerhalb eines Jahres überrannt.«