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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Ich will Eure Lügen nicht mehr hören«, sagte sie, aber die Aes Sedai fuhr einfach fort.

»Vielleicht war es vor acht oder zehn Jahren — das Alter ist unterschiedlich, doch es kommt immer in der Jugend -, da gab es etwas, das Ihr unbedingt wolltet, mehr als alles in der Welt, etwas, das Ihr brauchtet. Und Ihr habt es bekommen. Ein Ast, der plötzlich herunterfiel, so daß Ihr Euch daran aus einem See ziehen konntet, anstatt zu ertrinken. Ein Freund oder ein Haustier, das wieder gesund wurde, obwohl jeder geglaubt hatte, es werde sterben...

Zu der Zeit habt Ihr nichts weiter gefühlt, doch eine Woche oder zehn Tage später kam die Reaktion auf Eure erste Berührung mit der Wahren Quelle. Vielleicht war es Fieber oder Schüttelfrost, was Euch plötzlich ans Bett fesselte und dann, nach nur ein paar Stunden, wieder verschwand. Keine der Reaktionen, und da gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, dauert länger als ein paar Stunden. Kopfschmerzen und ein taubes Gefühl im Kopf und freudige Erregung, alles durcheinander, und Ihr riskiert irgend etwas ganz Dummes oder bewegt Euch taumelnd, schwindlig. Überhaupt dieses Schwindelgefühclass="underline" Ihr seid bei jeder Bewegung herumgetaumelt und gestolpert und habt keinen vollständigen Satz herausgebracht, sondern nur gelallt. Es gibt noch mehr Anzeichen. Erinnert Ihr Euch?«

Nynaeve sackte zu Boden. Ihre Beine trugen sie nicht mehr. Sie erinnerte sich an alles, und trotzdem schüttelte sie den Kopf. Es mußte Zufall sein. Oder hatte Moiraine in Emondsfeld noch mehr herumgefragt, als sie dachte? Die Aes Sedai hatte eine Menge Fragen gestellt. Das mußte es sein. Lan bot ihr seine Hand, doch sie bemerkte es noch nicht einmal.

»Ich gehe noch weiter«, sagte Moiraine, als Nynaeve schwieg. »Ihr habt die Macht einmal benützt, um entweder Perrin oder Egwene zu heilen. Eine Verbindung ist entstanden. Ihr könnt die Gegenwart eines Menschen fühlen, den Ihr geheilt habt. In Baerlon seid Ihr geradewegs zum Hirsch und Löwen gekommen, obwohl es keineswegs die nächste Schenke an einem der Tore war, durch das Ihr die Stadt betreten konntet. Von den Emondsfeldern waren nur Perrin und Egwene bei Eurer Ankunft in der Schenke. War es Perrin oder Egwene? Oder beide?«

»Egwene«, murmelte Nynaeve. Sie hatte es immer für gegeben erachtet, daß sie manchmal wußte, wer sich ihr näherte, auch wenn sie die Person noch nicht sehen konnte. Bis jetzt war es ihr nie in den Sinn gekommen, daß es immer jemand war, den sie auf wunderbare Weise geheilt hatte. Und sie hatte auch immer gewußt, wenn ein Medikament über alle Erwartungen gut anschlagen würde, war sich immer sicher gewesen, wenn sie behauptete, eine Ernte werde besonders gut ausfallen oder der Regen werde diesmal früher oder später eintreffen. So mußte es doch sein, dachte sie. Nicht alle Seherinnen konnten dem Wind lauschen, aber die besten schon. Das hatte Frau Barran immer gesagt, und sie hatte hinzugefügt, Nynaeve werde zu den Besten gehören.

»Sie hatte Wundfieber.« Sie sprach mit gesenktem Kopf. »Ich war immer noch Frau Barrans Lehrling, und sie ließ mich über Egwene wachen. Ich war jung und wußte nicht, daß die Seherin alles gut im Griff hatte. Es ist furchtbar, jemanden mit Wundfieber zu beobachten. Das Kind war schweißgebadet, stöhnte und wand sich, bis ich kaum noch verstand, warum ich ihre Knochen nicht brechen hören konnte. Frau Barran hatte mir gesagt, das Fieber werde in einem, höchstens zwei Tagen nachlassen, doch ich glaubte, sie habe mich nur trösten wollen. Ich glaubte, Egwene läge im Sterben. Ich hatte sie manchmal beaufsichtigt, als sie noch ein Kleinkind war und wenn ihre Mutter weg mußte, und so begann ich zu weinen, weil ich sie nicht sterben sehen wollte. Als Frau Barran eine Stunde später wiederkam, war das Fieber weg. Sie war überrascht und kümmerte sich mehr um mich als um Egwene. Ich dachte immer, sie glaubte, ich habe dem Kind etwas gegeben und traute mich nicht, es zuzugeben. Ich dachte immer, sie wolle mich beruhigen und mir klarmachen, daß ich Egwene nicht geschadet hatte. Eine Woche später kippte ich in ihrem Wohnzimmer um, zitterte und glühte abwechselnd. Sie brachte mich ins Bett, doch beim Abendessen war alles wieder in Ordnung.«

Sie ließ den Kopf in die Hände fallen, als sie fertig war. Die Aes Sedai hat ein gutes Beispiel gewählt, dachte sie. Das Licht verbrenne sie! Die Macht wie eine Aes Sedai benützen! Eine schmutzige, Schattenfreund-Aes Sedai!

»Ihr habt viel Glück gehabt«, sagte Moiraine, und Nynaeve setzte sich mit einem Ruck auf. Lan drehte sich weg, als ginge ihn das, worüber sie sprachen, nichts an, und machte sich an Mandarbs Sattel zu schaffen. Er sah nicht einmal zu ihnen herüber.

»Glück!«

»Ihr habt eine grobe Kontrolle über Eure Kräfte erlangt, auch wenn die Berührung der Wahren Quelle noch immer in unregelmäßigen Abständen erfolgt. Wenn Ihr das nicht geschafft hättet, wärt Ihr irgendwann daran gestorben. So, wie es Egwene umbringen wird, wenn Ihr es schafft, sie davon abzuhalten, daß sie Tar Valon erreicht.«

»Wenn ich lernte, die Gabe zu kontrollieren... « Nynaeve schluckte schwer. Das war, als gäbe sie erneut zu, alles das tun zu können, was die Aes Sedai behauptete. »Wenn ich lernte, es zu kontrollieren, dann kann sie das auch. Sie muß deswegen nicht nach Tar Valon gehen und sich in Eure Intrigen verwickeln lassen.«

Moiraine schüttelte bedächtig den Kopf. »Die Aes Sedai suchen genauso dringend nach Mädchen, die die Wahre Quelle ohne Hilfe berühren können, wie auch nach Männern mit der gleichen Fähigkeit. Es ist nicht der Wunsch, unsere Anzahl zu vergrößern — oder zumindest nicht nur das — und auch nicht die Angst, daß diese Frauen die Macht mißbrauchen werden. Die geringe Kontrolle über die Macht, die sie erlangen können, wenn das Licht auf sie scheint, reicht kaum aus, um viel Schaden anzurichten, besonders weil die wirkliche Berührung der Quelle von ihnen ohne Lehrer nicht bewußt gemeistert werden kann und nur wahllos erfolgt. Und natürlich leiden sie nicht an dem Wahn, der die Männer zu bösen oder verrückten Taten treibt. Wir wollen ihre Leben retten. Die Leben jener, die niemals eine wirksame Kontrolle erlangen.«

»Das Fieber und der Schüttelfrost, die ich hatte, könnten niemanden töten«, beharrte Nynaeve. »Nicht in drei oder vier Stunden. Ich habe auch die anderen Wirkungen erlebt, und auch sie würden niemanden umbringen. Und nach ein paar Monaten hörte alles auf. Wie steht es damit?«

»Das waren nur Reaktionen«, sagte Moiraine geduldig. »Jedesmal kommt die Reaktion schneller nach der Berührung der Quelle, bis beides fast gleichzeitig geschieht. Danach gibt es keine weiteren sichtbaren Reaktionen, aber es ist, als habe eine Uhr zu ticken angefangen. Ein Jahr. Zwei Jahre. Ich kenne eine Frau, bei der es fünf Jahre dauerte. Von vieren, die diese angeborene Fähigkeit haben wie Ihr und Egwene, sterben drei, falls wir sie nicht finden und ausbilden. Ihr Tod ist nicht so furchterregend wie bei den Männern, aber schön ist er nicht, falls man überhaupt einen Tod schön nennen kann. Krämpfe. Schreien. Es dauert Tage, und wenn es einmal begonnen hat, kann man nichts mehr dagegen tun, nicht einmal alle Aes Sedai in Tar Valon gemeinsam.«

»Ihr lügt! Alle diese Fragen in Emondsfeld. Ihr habt von Egwenes Heilung und meinem Fieber und Schüttelfrost gehört! Ihr habt alles erfunden!«

»Ihr wißt genau, daß das nicht stimmt«, sagte Moiraine sanft.

Zögernd, eingeschüchterter als je zuvor in ihrem Leben, nickte Nynaeve. Es war ein letzter starrköpfiger Versuch gewesen, zu leugnen, was eigentlich klar war, und so was ist niemals gut, so unangenehm die Wahrheit auch sein mag. Frau Barrans erstes Lehrmädchen war so gestorben, wie die Aes Sedai es beschrieben hatte, als Nynaeve noch mit Puppen spielte, und in Devenritt war es vor nur wenigen Jahren einer jungen Frau ebenso ergangen. Auch sie war Lehrmädchen bei einer Seherin gewesen, eine, die dem Wind lauschen konnte.

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