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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Als er sein Schwert in die Scheide steckte und sich an die Reling lehnte, schritt ein breitschultriger Mann in einem Mantel, der ihm bis an die Knie reichte, über das Deck auf ihn zu und sah ihn zornig an. Langes Haar, das ihm auf die breiten Schultern fiel, und ein Bart, der die Oberlippe frei ließ, umrahmten ein rundes Gesicht. Rund, aber nicht weich. Die Segelstange schwenkte wieder heran, und der Bärtige lenkte einen Teil seines Zornes darauf, als er sie abfing; sie klatschte in seine breite Handfläche.

»Gelb!« brüllte er. »Glück! Wo du sein, Gelb?« Er sprach so schnell und die Worte flossen alle ineinander, daß ihn Rand kaum verstehen konnte. »Du kann nicht verstecken vor mir auf eigenem Schiff! Bringt Floran Gelb her!«

Ein Besatzungsmitglied erschien mit einer runden Laterne, und zwei weitere schoben einen schmalgesichtigen Mann in deren Lichtkreis. Rand erkannte den Burschen, der ihm das Schiff angeboten hatte. Die Augen des Mannes blickten unruhig drein; er wechselte ständig die Blickrichtung und sah dem kräftigen Mann nicht in die Augen. Der Kapitän, dachte Rand. Auf Gelbs Stirn wuchs eine Beule, wo ihn einer von Rands Stiefeln erwischt hatte. »Sollen du nicht diese Rahe befestigen, Gelb?« fragte der Kapitän überraschend ruhig, wenn auch genauso schnell wie vorher.

Gelb blickte ehrlich überrascht drein. »Aber das habe ich getan. Hab sie richtig festgebunden. Ich geb' zu, Kapitän Domon, daß ich hier und da mal ein bißchen langsam bin, aber ich tue, was man mir aufgetragen hat.«

»Also sein du langsam, ja? Nicht so langsam im Schlafen. Schlafen, wenn du Wache solltest halten. Bei Wachsamkeit deiniges könnten wir alle ermordet sein.«

»Nein, Kapitän, nein! Das war er.« Gelb deutete geradewegs auf Rand. »Ich war auf Wache, wie man es von mir erwartete, und dann schlich er sich an und schlug mich mit einem Knüppel nieder.« Er berührte die Beule an seinem Kopf, zuckte zusammen und sah Rand böse an. »Ich habe gegen ihn gekämpft, aber dann kamen die Trollocs. Er arbeitet mit ihnen zusammen, Kapitän. Ein Schattenfreund. Mit den Trollocs verbündet.«

»Mit meiner Großmutter verbündet!« brüllte Kapitän Domon. »Nicht ich warnen dich letztes Mal, Gelb? In Weißbrücke verschwinden du! Aus meinen Augen jetzt, sonst ich dich gleich rausschmeißen!« Gelb eilte aus dem Lichtkreis der Laterne, während Domon noch dastand und die Hände öffnete und schloß, den Blick ins Leere gerichtet. »Diese Trollocs mir folgen. Warum sie mich nicht sein lassen können? Warum?«

Rand blickte über die Reling hinaus und bemerkte überrascht, daß das Ufer bereits außer Sicht war. Zwei Männer standen an dem langen Steuerruder, das am Heck hinunter ins Wasser stach, und an der einen Seite ruderten nun sechs Besatzungsmitglieder, um das Schiff wie einen Wasserfloh weiter auf den Fluß hinauszudrehen.

»Kapitän«, sagte Rand, »wir haben dort draußen noch Freunde. Wenn Ihr zurückkehrt und sie aufnehmt, bin ich sicher, sie werden Euch reich belohnen.«

Das runde Gesicht des Kapitäns wandte sich Rand zu, und als dann Thom und Mat auch noch erschienen, schloß er sie in seinen ausdruckslosen Blick mit ein.

»Kapitän«, begann Thom nach einer Verbeugung, »erlaubt mir... «

»Ihr kommen runter«, sagte Kapitän Domon, »wo ich sehen, was für eine Art Ding auf mein Deck gefallen sein. Kommt. Glück verlaß mich, jemand sichern diese hornverfluchte Rahe!« Als Besatzungsmitglieder herbeieilten, um die Rahe festzuzurren, stampfte er in Richtung Heck los. Rand und seine beiden Begleiter folgten.

Kapitän Domon hatte im Heck eine saubere und gut aufgeräumte Kabine, die sie über eine kurze Leiter erreichten, wo alles an seinem Platz war, bis hin zu den Mänteln und Umhängen, die auf der Rückseite der Tür an Haken aufgehängt waren. Die Kabine erstreckte sich über die ganze Breite des Kahns. An einer Seite war ein breites Bett eingebaut und an der anderen ein massiver Tisch. Es gab nur einen Stuhl mit hoher Lehne und dicken Armstützen, und den beanspruchte der Kapitän für sich. Er bedeutete den anderen, sich selbst Plätze auf verschiedenen Truhen und Bänken zu suchen, die das einzige Mobiliar darstellten. Ein lautes Räuspern hielt Mat davon ab, sich auf das Bett zu setzen.

»Also«, sagte der Kapitän, als sie sich alle gesetzt hatten, »mein Name sein Bayle Domon, Kapitän und Besitzer der Gischt, was sein dieses Schiff. Nun wer sein Ihr und was Ihr wollen hier in der Mitte von Nirgendwo und warum ich nicht sollen Euch werfen über Bord für Schwierigkeiten Ihr mir bringen?«

Rand hatte immer noch genausogroße Schwierigkeiten, Domon zu verstehen, wie zuvor. Er sprach dazu noch sehr schnell. Als ihm klar wurde, was der Kapitän zuletzt gesagt hatte, riß er überrascht die Augen auf. Uns über Bord werfen?

Mat sagte schnelclass="underline" »Wir wollten Euch keine Ungelegenheiten bereiten. Wir sind auf dem Weg nach Caemlyn und dann nach...«

»Und dann, wohin uns der Wind immer treibt«, unterbrach ihn Thom gewandt. »So reisen wir Gaukler, wie Staub im Wind. Damit wißt Ihr, daß ich ein Gaukler bin. Mein Name ist Thom Merrilin.« Er zupfte an seinem Umhang, so daß sich die vielfarbigen Flicken bewegten, als könnte der Kapitän sie vorher übersehen haben. »Diese beiden Burschen vom Land wollen meine Lehrlinge werden, auch wenn ich da noch nicht sicher bin, ob ich sie überhaupt will.« Rand sah Mat an, und der grinste.

»Das sein alles gut und schön, Mann«, sagte Kapitän Domon gelassen, »aber es mir sagen nichts. Weniger. Glück piekse mich, dieser Ort sein an keiner Straße nach Caemlyn von irgendwoher, von der ich jemals hören.«

»Also, das ist eine Geschichte für sich«, sagte Thom, und dann begann er sie auch schon lang und breit zu erzählen.

Thom erzählte, daß er vom Schneefall dieses Winters in einer kleinen Bergwerksstadt in den Verschleierten Bergen hinter Baerlon überrascht worden war. Dort hörte er Legenden über einen Schatz aus der Zeit der Trolloc-Kriege in den verschollenen Ruinen einer Stadt namens Aridhol. Nun ergab es sich, daß er die Lage Aridhols von einer Landkarte her kannte, die ihm viele Jahre zuvor von einem sterbenden Freund aus Illian anvertraut worden war, dessen Leben er einst gerettet hatte, ein Mann, der starb, nachdem er gerade noch hauchen konnte, die Karte werde Thom reich machen. Thom hatte das nicht geglaubt, bis er nun von der Legende hörte. Als genug Schnee geschmolzen war, habe er sich mit einigen Begleitern auf den Weg gemacht, darunter auch seinen beiden Möchtegern-Lehrlingen, und nach vielen Strapazen schließlich die Ruinenstadt gefunden. Aber es stellte sich heraus, daß der Schatz einem der Schattenlords selbst gehört hatte und Trollocs ausgeschickt worden waren, um ihn nach Shayol Ghul zurückzuholen. Beinahe jede der Gefahren, denen sie wirklich ausgesetzt gewesen waren, tauchte in Thoms Geschichte an der einen oder anderen Stelle auf — Trollocs, Myrddraal, Draghkar, Mordeth, Mashadar — aber so, wie Thom es erzählte, war alles gegen ihn persönlich gerichtet und von ihm mit großem Geschick bewältigt worden. Mit großer Kühnheit — vor allem Thoms — waren sie entkommen, von Trollocs verfolgt, und waren in der Nacht voneinander getrennt worden. Schließlich suchten Thom und seine beiden übriggebliebenen Begleiter Zuflucht am letzten Ort, der ihnen noch geblieben war: Kapitän Domons von Herzen willkommenen Schiff.

Als der Gaukler fertig war, kam es Rand zu Bewußtsein, daß er eine ganze Weile mit offenem Mund dagesessen hatte. Er schloß ihn mit hörbarem Knacken.

Ein Blick auf Mat zeigte ihm, daß sein Freund den Gaukler mit großen Augen anstarrte.

Kapitän Domon trommelte mit den Fingern auf die Armstütze seines Stuhls. »Das sein eine Geschichte, die nicht glauben viele Leute. Natürlich, ich die Trollocs gesehen habe, ist richtig.«

»Jedes Wort daran ist wahr«, sagte Thom verbindlich, »und stammt von jemandem, der das selbst erlebt hat.«

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