Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand und Mat verhielten ihre Pferde und sahen den Gaukler an.
»Meine besten Messer«, brummte Thom, aber er machte sich nicht die Mühe, abzusteigen und sie wieder zu holen. »Der wird die anderen hierher führen. Ich hoffe, es ist nicht zu weit bis zum Fluß. Ich hoffe...« Statt zu sagen, was er noch hoffte, schüttelte er den Kopf und ritt in schnellem Trab los. Rand und Mat schlossen sich ihm an.
Bald erreichten sie eine niedrige Uferböschung, wo Bäume bis an den Rand des nachtschwarzen Wassers wuchsen, dessen vom Mondschein übergossene Oberfläche im Wind kleine Wellen schlug. Rand konnte das entfernte Ufer nicht erkennen. Ihm gefiel es nicht, in der Dunkelheit auf einem Floß den Fluß zu überqueren, aber hier auf dieser Seite zu bleiben, gefiel ihm noch weniger. Wenn ich muß, werde ich eben schwimmen.
Irgendwo, ein Stück vom Fluß entfernt, erklang ein Trolloc-Horn, scharf, schnell und drängend durch die Dunkelheit. Es war der erste Hörnerklang, seit sie die Ruinen verlassen hatten. Rand fragte sich, ob das bedeutete, daß einige der anderen gefangen worden waren. »Es hat keinen Zweck, die ganze Nacht hierzubleiben«, sagte Thom. »Wählt eine Richtung. Flußaufwärts oder flußabwärts?«
»Aber Moiraine und die anderen könnten überall sein«, protestierte Mat. »Jeder Weg, den wir wählen, führt uns vielleicht weiter von ihnen weg.«
»Das stimmt.« Thom schnalzte mit der Zunge und lenkte seinen Wallach flußabwärts am Ufer entlang. »Das stimmt.« Rand sah Mat an. Der zuckte die Achseln, und so ritten sie ihm nach.
Eine Zeitlang änderte sich nichts um sie herum. Die Uferböschung war an einigen Stellen höher, an anderen niedriger, die Bäume wuchsen dichter oder lichteten sich, aber die Nacht und der Fluß blieben gleich: kalt und schwarz. Und keine Trollocs. Das war eine Abwechslung, über die Rand froh war.
Dann sah er ein Licht voraus; nur einen einzelnen Lichtpunkt. Als sie näher kamen, konnten sie erkennen, daß sich das Licht in einiger Höhe über dem Fluß befand, als sei es in einem Baum. Thom beschleunigte den Trab und summte leise vor sich hin.
Schließlich konnten sie die Lichtquelle ausmachen: eine Laterne, die hoch am Mast eines Frachtkahns hing, der für die Nacht neben einer kleinen Lichtung am Ufer festgemacht hatte. Der Kahn, gut achtzig Fuß lang, schwankte leicht in der Strömung und zerrte an den an Bäumen befestigten Haltetauen. Die Takelage summte und knarrte im Wind. Die Laterne verdoppelte die Helligkeit des Mondes auf dem Deck, aber es war niemand in Sicht.
»Also«, sagte Thom beim Absteigen, »das ist ja wohl nun besser als das Floß einer Aes Sedai, oder?« Er stand da, die Hände in die Hüften gestützt, und sogar in der Dunkelheit konnte man seine Selbstgefälligkeit erkennen. »Es macht nicht den Eindruck, als sei dieses Schiff für Pferde geeignet, aber wenn man bedenkt, in welcher Gefahr er sich befindet, vor der wir ihn natürlich warnen werden, sollte der Kapitän eigentlich vernünftig sein. Laßt mich nur mit ihm reden. Und bringt für den Fall der Fälle eure Decken und Satteltaschen mit.«
Rand stieg ab und begann, die Sachen hinter seinem Sattel abzuschnallen. »Du denkst doch nicht daran, ohne die anderen abzufahren?«
Thom hatte keine Gelegenheit, zu sagen, was er vorhatte. Zwei Trollocs brachen aus dem Unterholz heraus auf die Lichtung, heulten und schwenkten ihre Fangstangen, und hinter ihnen kamen nochmals vier. Die Pferde bäumten sich auf und wieherten. Rufe in der Ferne zeigten ihnen, daß noch mehr Trollocs unterwegs waren.
»Auf das Schiff!« schrie Thom. »Schnell! Laßt alles zurück! Rennt!« Er hielt sich an seine eigenen Worte und rannte zu dem Kahn, wobei die Enden seines Flickenumhangs flatterten und die Instrumentenkästen auf seinem Rücken hüpften. »Ihr da auf dem Schiff!« schrie er. »Aufwachen, ihr Narren! Trollocs!«
Rand riß seine Deckenrolle und die Satteltasche von dem letzten Riemen los und war dem Gaukler im Nu auf den Fersen. Er warf sein Gepäck über die Reling und sprang mit einem Satz hinterher. Er hatte gerade noch Zeit, einen Mann zu bemerken, der zusammengerollt an Deck lag und sich aufzurichten begann, als sei er erst in diesem Moment erwacht, und dann trat er auch schon mit beiden Füßen auf den Burschen. Der Mann grunzte laut, Rand stolperte, und eine hakenbewehrte Fangstange krachte gerade dort auf die Reling, wo er darübergesprungen war. Auf dem ganzen Kahn wurden Rufe laut, und Füße trampelten über das Deck.
Haarige Hände erfaßten die Reling gleich neben der Fangstange, und ein Kopf mit Ziegenhörnern tauchte dazwischen auf. Aus dem Gleichgewicht geraten und stolpernd konnte Rand trotzdem noch sein Schwert ziehen und schwingen. Mit einem Schrei fiel der Trolloc wieder zurück.
Männer rannten überall auf dem Kahn herum, schrien und hackten mit Äxten auf die Haltetaue los. Der Kahn schwankte und schwang herum, als sei er froh, hier wegzukommen. Oben am Bug kämpften drei Männer mit einem Trolloc. Jemand stach mit einem Speer über die Bordwand, aber Rand konnte nicht erkennen, was er treffen wollte. Eine Bogensehne sang und sang nochmals. Der Mann, auf den Rand getreten war, kroch auf Händen und Knien von ihm weg und hob dann die Hände, als er sah, daß Rand ihn anblickte.
»Verschone mich!« rief er. »Nimm alles, was du willst, nimm das Schiff, nimm alles, aber verschone mich!«
Plötzlich schlug etwas auf Rands Rücken und schmetterte ihn auf das Deck. Das Schwert rutschte ihm aus der ausgestreckten Hand. Sein Mund war offen; er rang vergebens nach Luft und versuchte, das Schwert zu erreichen. Seine Muskeln reagierten mit schmerzerfüllter Langsamkeit; er wand sich wie eine Schnecke. Der Bursche, der verschont werden wollte, sah das Schwert kurz, ängstlich und gleichzeitig gierig an und verschwand dann im Schatten.
Unter Schmerzen brachte Rand es fertig, über seine Schulter nach oben zu blicken, und da wußte er, daß sein Glück versagt hatte. Ein Trolloc mit Wolfsschnauze stand auf der Reling, blickte auf ihn hinunter und hielt das abgebrochene Ende der Fangstange in der Hand, mit der er Rand zu Boden geschlagen hatte. Rand bemühte sich verzweifelt, das Schwert zu erreichen, sich überhaupt zu bewegen, doch seine Arme und Beine bewegten sich nur zuckend und nicht so, wie er wollte. Sie gaben nach und standen in unmöglichen Richtungen ab. Seine Brust schien zwischen Eisenreifen eingespannt zu sein, und vor seinen Augen schwammen silberne Flecken. Er suchte voller Verzweiflung nach einer Möglichkeit, zu entkommen. Die Zeit schien sich zu verlangsamen, als der Trolloc die zersplitterte Stange hob, um ihn damit aufzuspießen. Rand schien es, als bewege sich die Kreatur wie im Traum. Er beobachtete, wie sich der kräftige Arm nach hinten bewegte. Er konnte bereits den abgebrochenen Schaft durch sein Rückgrat stechen fühlen und den Schmerz, wenn er seinen Körper aufriß. Er glaubte, seine Lunge müsse bersten. Ich werde sterben! Licht hilf mir, ich werde...! Der Arm des Trollocs mit dem gesplitterten Schaft fuhr nach vorn, und Rand hatte genug Luft geholt, um zu schreien: »Nein!«
Plötzlich schwankte das Schiff stark, und aus dem Schatten schwenkte eine Segelstange heran und traf den Trolloc auf die Brust. Knochen barsten knackend, und er wurde über die Reling gefegt.
Einen Augenblick lang lag Rand keuchend da und betrachtete die Segelstange, die über ihm vor und zurück schwang. Jetzt habe ich all mein Glück verbraucht, dachte er. Danach kann ich nicht noch mehr haben. Zitternd stand er auf und hob sein Schwert auf. Diesmal hielt er es in beiden Händen, wie Lan es ihm beigebracht hatte, aber es war nichts mehr da, wogegen er hätte kämpfen können. Die mit schwarzem Wasser gefüllte Lücke zwischen dem Kahn und dem Ufer wurde schnell breiter; die Rufe der Trollocs verklangen hinter ihnen in der Nacht.