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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Die ganze Welt wird in fünf Jahren überrannt, wenn wir diese Jungen nicht finden«, sagte Moiraine ganz einfach. »Mir bereitet diese Frage auch Kopfzerbrechen, aber ich kenne die Antwort nicht. Die Wege des Geistes sind geschlossen, und seit der Zeit des Wahns hat es keine Aes Sedai mehr gegeben, die stark genug war, um auf diesem Weg zu reisen. Falls nicht eine der Verlorenen im Spiel ist — was das Licht verhüten möge, jetzt und für immer -, gibt es immer noch niemanden, der das kann. Und außerdem glaube ich nicht, daß selbst alle Verlorenen zusammen tausend Trollocs auf einmal befördern könnten. Laß uns versuchen, die Probleme zu lösen, denen wir uns hier und jetzt gegenübersehen; alles andere muß warten.«

»Die Jungen.« Es war nicht als Frage gemeint.

»Ich war nicht untätig, während du weg warst. Einer ist auf der anderen Seite des Flusses und lebt. Was die anderen betrifft, so gab es flußabwärts eine schwache Spur, aber die verflog, als ich sie fand. Die Verbindung war schon Stunden vor Beginn meiner Suche abgebrochen.«

Hinter ihrem Baum zusammengekauert, zog Nynaeve verwirrt die Stirn in Falten. Lan hörte mit dem Herumlaufen auf. »Glaubst du, daß die Halbmenschen, die nach Süden zogen, sie gefangen haben?«

»Vielleicht.« Moiraine goß sich eine Tasse Tee ein, bevor sie weitersprach. »Aber ich wehre mich gegen die Möglichkeit, daß sie tot sein könnten. Ich kann das nicht glauben. Ich wage es nicht. Du weißt, wieviel auf dem Spiel steht. Ich muß diese jungen Männer haben. Natürlich erwarte ich, daß Shayol Ghul sie jagt. Auch eine Opposition innerhalb des Weißen Turms erwarte ich, genauso wie Widerstand selbst vom Amyrlin-Sitz. Es wird immer Aes Sedai geben, die nur eine Lösung akzeptieren. Aber... « Plötzlich stellte sie ihre Tasse weg und richtete sich mit einer Grimasse auf. »Wenn du den Wolf zu scharf beobachtest«, stellte sie fest, »dann beißt dich eine Maus in den Fuß.« Und damit sah sie genau den Baum an, hinter dem sich Nynaeve versteckte. »Frau al'Meara, Ihr könnt nun herauskommen, wenn Ihr wünscht.«

Nynaeve stand auf und klopfte sich hastig abgestorbene Blätter vom Kleid. Lan war herumgewirbelt und hatte den Baum angesehen, sobald Moiraines Blick herübergewandert war. Er hatte sein Schwert in der Hand, bevor sie Nynaeves Namen noch ausgesprochen hatte. Nun steckte er es etwas unbeherrschter als notwendig in die Scheide zurück. Sein Gesicht war beinahe so ausdruckslos wie immer, doch Nynaeve glaubte, im Ausdruck seines Mundes einen Hauch von Ärger über sich selbst erkennen zu können. Sie fühlte ein wenig Befriedigung; zumindest hatte der Behüter nicht gemerkt, daß sie dagewesen war.

Die Befriedigung hielt sich allerdings nur einen Moment lang. Sie wandte ihren Blick Moiraine zu und ging zielbewußt zu ihr hin. Sie wollte kühl und beherrscht bleiben, doch ihre Stimme zitterte vor Zorn. »In was habt Ihr Egwene und die Jungen da hineingezogen? Für welche schmutzige Aes Sedai-Intrige wollt Ihr sie benützen?«

Die Aes Sedai nahm ihre Tasse und schlurfte gelassen ihren Tee. Als Nynaeve ihr allerdings zu nahe kam, streckte Lan einen Arm aus und hinderte sie am Weitergehen. Sie versuchte, das Hindernis beiseitezuschieben, und war überrascht, als sich der Arm des Behüters nicht mehr bewegte, als es der Ast einer Eiche getan hätte. Sie war nicht schwach, doch seine Muskeln schienen wie aus Eisen.

»Tee?« bot ihr Moiraine an.

»Nein, ich will keinen Tee. Ich würde Euren Tee nicht trinken, und wenn ich vor Durst stürbe. Ihr werdet keine Leute aus Emondsfeld für Eure schmutzigen Aes Sedai-Pläne mißbrauchen!«

»Ihr solltet lieber nicht soviel reden, Seherin.« Moiraine zeigte mehr Interesse an ihrem heißen Tee als an dem, was sie sagte. »Ihr könnt schließlich selbst die Eine Macht auf gewisse Weise anwenden.«

Nynaeve drückte wieder gegen Lans Arm. Der rührte sich noch immer nicht, und so entschloß sie sich, ihn zu ignorieren. »Warum behauptet Ihr nicht gleich, ich sei ein Trolloc?«

Moiraines Lächeln war so überlegen, daß Nynaeve sie am liebsten geschlagen hätte. »Glaubt Ihr, ich kann mich Auge in Auge einer Frau gegenübersehen, die die Wahre Quelle berühren und die Eine Macht lenken kann — wenn auch nur manchmal — ohne zu merken, was sie ist? Genau wie Ihr Egwenes Fähigkeiten fühlen konntet. Wieso, glaubt Ihr, habe ich gewußt, daß Ihr hinter jenem Baum standet? Wenn ich nicht abgelenkt gewesen wäre, hätte ich es schon in dem Moment gefühlt, als Ihr näher kamt. Ihr seid ganz sicher kein Trolloc, denn ich fühle das Böse des Dunklen Königs, wenn es nahe ist. Also, was kann ich sonst gefühlt haben, Nynaeve al'Meara, Seherin von Emondsfeld und unbewußte Lenkerin der Einen Macht?«

Lan sah mit einem Ausdruck auf Nynaeve herunter, der ihr nicht gefiel; überrascht und abschätzend, so schien es ihr, obwohl sich an seinem Gesicht nichts verändert hatte als nur der Ausdruck seiner Augen. Egwene war etwas Besonderes, das hatte sie immer schon gewußt. Egwene würde eine feine Seherin abgeben. Sie arbeiten zusammen, dachte sie, um mich aus dem Gleichgewicht zu bringen. »Ich werde mir das nicht länger anhören. Ihr... «

»Ihr müßt zuhören«, sagte Moiraine nachdrücklich. »Ich vermutete das schon in Emondsfeld, bevor ich Euch traf. Die Leute erzählten mir, wie verstört ihre Seherin sei, daß sie den harten Winter und den späten Frühling nicht vorhergesehen hatte. Sie sagten mir, wie gut sie üblicherweise das Wetter und die Ernte vorhersagen könne. Sie sagten mir, wie wunderbar ihre Heilmittel seien, wie sie manchmal Verletzungen heilte, die sonst einen Krüppel aus dem Betroffenen machen würden; dank ihrer Hilfe sehe man kaum eine Narbe, kein Hinken oder Zucken. Das einzig Negative, das ich über Euch hörte, kam von einigen, die Euch für zu jung für diese Verantwortung hielten, und das bestärkte nur meinen Verdacht. So jung und schon solche Fähigkeiten!«

»Frau Barran hat mich gut unterrichtet.« Sie versuchte, Lan anzusehen, doch dessen Blick machte sie immer noch unsicher. Also blickte sie über den Kopf der Aes Sedai hinweg zum Fluß hinüber. Wie können die im Dorf es wagen, vor einer Ausländerin solchen Klatsch auszubreiten! »Wer behauptete, ich sei zu jung?« wollte sie wissen.

Moiraine lächelte, ließ sich aber nicht ablenken. »Im Gegensatz zu den meisten Frauen, die behaupten, sie könnten aus dem Wind lesen, könnt Ihr das wirklich manchmal. Oh, natürlich hat das nichts mit dem Wind zu tun. Ihr fühlt die Kräfte von Luft und Wasser. Ihr brauchtet darin nicht unterrichtet zu werden; es ist Euch angeboren, genau wie bei Egwene. Doch Ihr habt gelernt, damit umzugehen, und das steht ihr noch bevor. Zwei Minuten, nachdem ich Euch erstmals gegenüberstand, wußte ich Bescheid. Erinnert Ihr euch daran, wie ich Euch plötzlich fragte, ob Ihr die Seherin seid? Warum habe ich das wohl getan? Es gab nichts, woran man Euch von jeder anderen hübschen jungen Frau hätte unterscheiden können, die sich für das Fest zurechtmachte. Obwohl ich eine junge Seherin erwartet hatte, dachte ich doch, sie sei wenigstens um die Hälfte älter als Ihr.«

Nynaeve erinnerte sich nur zu gut an dieses Zusammentreffen: diese Frau, selbstbewußter im Auftreten als jedes Mitglied des Frauenzirkels, in einem schöneren Kleid, als sie jemals eines gesehen hatte, und dann sprach sie sie als ›Kind‹ an. Und dann hatte Moiraine plötzlich ganz überrascht dreingeschaut und aus dem Blauen heraus die Frage gestellt...

Sie fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. Beide sahen sie an. Das Gesicht des Behüters war undurchschaubar wie ein Stein, während das der Aes Sedai bei aller Eindringlichkeit Sympathie verriet. Nynaeve schüttelte den Kopf. »Nein! Nein, das ist unmöglich. Ich würde es wissen. Ihr versucht nur, mich hereinzulegen, und damit habt ihr bei mir sicher keinen Erfolg.«

»Natürlich wißt Ihr nichts davon«, sagte Moiraine beruhigend. »Wie solltet Ihr das auch nur vermuten? Euer ganzes Leben lang habt Ihr nur davon gehört, dem Wind zu lauschen. Außerdem — Ihr würdet noch eher vor allen Emondsfeldern behaupten, Ihr seid ein Schattenfreund, als auch nur Euch selbst einzugestehen — und wenn es auch nur im letzten Hinterstübchen Eures Verstands wäre -, daß Ihr etwas mit der Einen Macht oder den gefürchteten Aes Sedai zu tun habt.« Etwas wie Belustigung huschte über Moiraines Gesicht. »Aber ich kann Euch sagen, wie alles begann.«

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