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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Er ergriff die Zügel. Auf der Querstraße fiel ein Stein mit einem scharfen Klicken auf einen anderen. Er erstarrte; atmete nicht einmal. Er war im Schatten verborgen, nur einen Schritt von der Ecke entfernt. Verzweifelt überlegte er, ob er nach hinten ausweichen sollte. Aber was befand sich hinter ihm? Was konnte vielleicht ein Geräusch verursachen und ihn damit verraten? Er konnte sich an nichts erinnern und fürchtete sich davor, den Blick von der Ecke des Gebäudes zu wenden.

Die Dunkelheit an der Ecke beulte sich aus, und die längere Dunkelheit einer Stange stach daraus hervor. Eine Schlaufenstange! Im selben Moment, als dieser Gedanke durch Rands Kopf fuhr, hieb er auch schon Wolke die Fersen in die Flanken, und das Schwert flog aus seiner Scheide. Sein Angriff wurde von einem wortlosen Schrei begleitet, und er schwang das Schwert mit aller Kraft. Nur mit einer verzweifelten Anstrengung hielt er das Schwert zurück, bevor es auftraf. Mit einem Aufschrei taumelte Mat rückwärts, fiel beinahe vom Pferd und verlor fast seinen Bogen.

Rand atmete tief durch und senkte das Schwert. Sein Arm zitterte. »Hast du sonst noch jemanden gesehen?« brachte er heraus.

Mat schluckte schwer, bevor er sich wieder unbeholfen in den Sattel zog. »Ich... ich... Nur Trollocs.« Er legte eine Hand an seine Kehle und leckte sich die Lippen. »Nur Trollocs. Und du?«

Rand schüttelte den Kopf. »Sie werden versuchen, den Fluß zu erreichen. Wir sollten das auch tun.« Mat nickte schweigend, wobei er immer noch über seine Kehle strich, und sie starrten den roten Stern an. Bevor sie auch nur hundert Spannen weit gekommen waren, hörten sie den schrillen Ruf eines Trolloc-Horns hinter ihnen in den Tiefen der Stadt. Ein anderes antwortete von außerhalb der Stadtmauer.

Rand zitterte, doch er behielt die langsame Gangart bei und beobachtete die dunkleren Stellen, um sie nach Möglichkeit zu umgehen. Nach einem Ruck an seinen Zügeln, so, als ob er weggaloppieren wolle, tat Mat es ihm nach.

Keines der Hörner erklang nochmals, und so kamen sie in völliger Stille an eine Öffnung in der von Ranken überwachsenen Mauer, wo sich einst ein Tor befunden hatte. Nur die Türmchen waren geblieben und ragten nun mit abgebrochenen Spitzen in den schwarzen Himmel.

Mat zögerte an diesem Tor, doch Rand sagte leise: »Ist es hier drinnen sicherer als dort draußen?« Er ließ den Grauen weiterschreiten, und nach einem Augenblick folgte Mat ihm aus Shadar Logoth hinaus. Er versuchte wieder, nach allen Richtungen gleichzeitig zu schauen. Rand stieß die Luft langsam aus; sein Mund war trocken. Wir werden es schaffen. Licht, wir schaffen es!

Die Mauern verschwanden hinter ihnen, wurden von der Nacht und dem Wald verschluckt. Rand lauschte auf das kleinste Geräusch und behielt immer den roten Stern vor sich. Plötzlich galoppierte Thom von hinten her an ihnen vorbei. Er verlangsamte sein Tempo nur lang genug, um zu rufen: »Reitet, ihr Narren!« Einen Augenblick später verrieten Jagdrufe und Krachen im Unterholz hinter ihm die Anwesenheit von Trollocs, die ihn verfolgten.

Rand gab Wolke die Fersen, und das Pferd galoppierte hinter dem Wallach des Gauklers her. Was geschieht, wenn wir ohne Moiraine an den Fluß kommen? Licht, Egwene!

Perrin saß im Schatten auf seinem Pferd, beobachtete den offenen Torbogen, der sich in geringer Entfernung zeigte, und fuhr abwesend mit dem Daumen an der Schneide seiner Axt entlang. Er schien einen ungehinderten Weg aus der Ruinenstadt zu bieten, doch nun saß er schon fünf Minuten lang hier und hielt Ausschau. Der Wind spielte mit seinen verfilzten Locken und bemühte sich, seinen Umhang wegzuwehen, aber er zog ihn wieder um sich herum zusammen, ohne eigentlich zu bemerken, was er tat.

Er wußte, daß Mat und die meisten anderen Leute in Emondsfeld ihn für ziemlich langsam im Denken hielten. Zum Teil kam das daher, weil er so groß war und sich normalerweise bedächtig bewegte — er fürchtete immer, aus Versehen etwas zu zerbrechen oder jemanden zu verletzen, da er um so vieles größer war als die Jungen, mit denen er aufwuchs -, aber er zog es wirklich vor, die Dinge folgerichtig zu durchdenken, wenn er die Zeit hatte. Vorschnelle, leichtsinnige Entschlüsse hatten Mat ein ums andere Mal in Schwierigkeiten gebracht, und Mats Blitzentscheidungen hatten gewöhnlich Rand oder ihn oder sie beide mit in den Schlamassel hineingezogen. Sein Hals zog sich zusammen. Licht, jetzt bloß nicht soviel nachdenken! Er versuchte, sich wieder zu beruhigen. Sorgfältiges Überlegen war angesagt. Vor dem Tor hatte sich einst ein großer Platz befunden, in dessen Mitte ein riesiger Brunnen stand. Ein Teil des Brunnens war noch vorhanden; eine Gruppe abgebrochener Statuen stand in einem großen, runden Becken. Auch die Einfassung außenherum war rund. Um das Tor zu erreichen, mußte er fast einhundert Spannen weit reiten, nur durch die Nacht vor den Augen von Beobachtern geschützt. Auch das war kein angenehmer Gedanke. Er erinnerte sich noch zu gut an die unsichtbaren Beobachter.

Er dachte an die Hörner, die er kurze Zeit zuvor in der Stadt gehört hatte. Beinahe wäre er zurückgeritten bei dem Gedanken daran, daß vielleicht einige der anderen gefangengenommen worden waren, doch dann wurde ihm klar: In diesem Fall konnte er allein nichts ausrichten. Nicht gegen — was sagte Lan? — hundert Trollocs und vier Blasse. Moiraine Sedai sagte, wir sollten zum Fluß kommen.

Er wandte sich wieder dem Torbogen zu. Sorgfältiges Nachdenken hatte ihn nicht weitergebracht, doch sein Entschluß stand nun fest. Er ritt aus dem tieferen Schatten in die etwas lichtere Dunkelheit. In dem Moment erschien auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes ein anderes Pferd und verharrte. Er blieb ebenfalls stehen und fühlte nach seiner Axt; ein besonderes Gefühl der Sicherheit verlieh sie ihm allerdings nicht. Falls diese dunkle Gestalt ein Blasser war...

»Rand?« erklang ein leiser, zögernder Ruf.

Er atmete langsam und erleichtert aus. »Hier ist Perrin, Egwene«, rief er genauso leise zurück. In der Dunkelheit klang es immer noch zu laut. In der Nähe des Brunnens trafen sich die Pferde. »Hast du noch jemand anderes gesehen?« fragten sie beide gleichzeitig, und beide antworteten mit einem Kopfschütteln.

»Es wird ihnen schon gut gehen«, meinte Egwene und tätschelte Belas Hals. »Oder?«

»Moiraine Sedai und Lan werden sich um sie kümmern«, erwiderte Perrin. »Sie werden sich um uns alle kümmern, sobald wir den Fluß erreichen.« Er hoffte es zumindest.

Er fühlte sich erleichtert, als sie sich auf der anderen Seite des Torbogens befanden, selbst wenn sich wirklich Trollocs im Wald aufhielten. Oder Blasse. Er unterbrach diesen Gedankengang. Die kahlen Äste konnten nicht verhindern, daß er auf den roten Stern zuhielt, und letzten Endes befanden sie sich nun außerhalb der Reichweite von Mordeth. Der hatte ihm mehr Angst eingejagt als alle Trollocs zuvor.

Bald würden sie den Fluß erreichen und Moiraine treffen, und sie würde sie auch aus der Reichweite der Trollocs hinausbringen. Daran glaubte er, weil er diesen Glauben einfach brauchte. Der Wind ließ Äste gegeneinanderknirschen und die Blätter rascheln. Der einsame Ruf eines Nachtfalken schallte durch die Dunkelheit, und Egwene und er brachten ihre Pferde näher aneinander, als suchten sie Wärme. Sie waren sehr allein.

Ein Trolloc-Horn erklang irgendwo hinter ihnen -schnelle, klagende Töne — und forderte die Jäger zur Eile auf. Dann ertönte kehliges, halbmenschliches Heulen auf ihrer Spur, vom Horn angetrieben. Das Heulen wurde schärfer im Tonfall, als ihre Verfolger den Geruch von Menschen wahrnahmen.

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