Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Trotz der Aufforderungen, die er und Gérard, der jüngere Duverney, an die Gäste richteten, entfernten sich die meisten von ihnen erst beim Eintreffen der königlichen Garde, denn sie wollten den Skandal so weit wie möglich auskosten.
Mr. Hawkins, der inzwischen wieder zu sich gekommen war, erstattete sogleich Anzeige gegen Jamie wegen Entführung und Kuppelei. Im ersten Moment dachte ich, Jamie würde erneut auf ihn einschlagen; seine Muskeln ballten sich unter dem azurblauen Samt, entspannten sich dann aber, als er es sich anders überlegte.
Nach großem Hin und Her erklärte sich Jamie einverstanden, zum Quartier der Garde in der Bastille mitzugehen, um dort – soweit möglich – Licht in die Sache zu bringen.
Auch Alex Randall, der sich – immer noch kreidebleich und verschwitzt – von den Ereignissen völlig überrumpelt zeigte, wurde ergriffen. Der Herzog hatte nicht abgewartet, was aus seinem Sekretär werden würde, sondern diskret nach seiner Kutsche gerufen und sich entfernt, ehe die Garde eintraf. Wie auch immer seine diplomatische Mission lautete, die Verwicklung in einen Skandal würde ihm nicht dabei helfen. Mary Hawkins, die nach wie vor bewusstlos war, wurde in eine Decke gewickelt und zu ihrem Onkel nach Hause gebracht.
Ich wäre um Haaresbreite ebenfalls festgenommen worden, wenn Jamie sich nicht rundheraus geweigert hätte, es zuzulassen. Er berief sich auf meinen heiklen Zustand, aufgrund dessen ich keinesfalls in ein Gefängnis gebracht werden könne. Da der Gardehauptmann erkannte, dass Jamie mehr als bereit war, seinen Willen erneut mit Fausthieben durchzusetzen, willigte er schließlich ein, unter der Bedingung, dass ich mich einverstanden erklärte, die Stadt nicht zu verlassen. Da das ohne Jamie kaum in Frage kam, gab ich meine parole d’honneur ohne Einwände.
Während sich die Leute noch konfus in der Eingangshalle drängten, Laternen anzündeten und nach Hüten und Umhängen griffen, sah ich Murtagh mit grimmiger Miene am Rand warten. Er hatte offensichtlich vor, Jamie zu begleiten, wohin auch immer dieser ging, und Erleichterung durchfuhr mich. Zumindest würde mein Mann nicht allein sein.
»Mach dir keine Sorgen, Sassenach«, flüsterte dieser mir zu, während er mich eilig umarmte. »Ich bin sofort wieder da. Sollte irgendetwas geschehen …« Er zögerte, dann sagte er entschlossen: »Es wird nicht notwendig sein, aber wenn du Freunde brauchst, geh zu Louise de La Tour.«
»Das werde ich tun.« Mir blieb gerade noch Zeit für einen flüchtigen Kuss, dann nahmen ihn die Gardisten in ihre Mitte.
Die Flügel der Haustür schwangen auf, und ich sah, wie sich Jamie umwandte und sein Blick auf Murtagh fiel. Er öffnete den Mund, als wollte er etwas sagen. Murtagh stemmte die Hände an seinen Schwertgürtel, heftete den Blick finster auf Jamie und drängte sich so entschlossen auf ihn zu, dass er um ein Haar den jüngeren Duverney auf die Straße geschubst hätte. Es entbrannte ein kurzer, wortloser Willensstreit mit Hilfe wilder Blicke, dann zuckte Jamie mit den Schultern und hob resigniert die Arme.
Er trat auf die Straße hinaus, ohne die Gardisten zu beachten, die sich dicht um ihn drängten, doch beim Anblick einer kleinen Gestalt, die an der Pforte stand, hielt er inne. Er bückte sich und sagte etwas, dann richtete er sich auf, wandte sich dem Haus zu und lächelte mich an, deutlich sichtbar im Licht der Laternen. Dann nickte er Duverney senior zu, stieg in die wartende Kutsche und wurde davongefahren, während sich Murtagh an die Rückseite der Kutsche klammerte.
Fergus stand auf der Straße und blickte der Kutsche nach, solange sie zu sehen war. Dann erklomm er festen Schrittes die Eingangstreppe, nahm mich bei der Hand und führte mich ins Haus.
»Kommt, Milady«, sagte er. »Milord sagt, ich soll mich um Euch kümmern, bis er zurückkehrt.«
Jetzt kam Fergus in den Salon geschlüpft und schloss leise die Tür hinter sich.
»Ich habe das ganze Haus überprüft, Milady«, flüsterte er. »Alles sicher zugesperrt.« Trotz meiner Sorge lächelte ich über seinen Ton, der Jamie so offensichtlich imitierte. Sein Idol hatte ihm Verantwortung übertragen, und er nahm seine Pflichten eindeutig ernst.
Nachdem er mich ins Wohnzimmer begleitet hatte, hatte er sich entfernt, um einen Rundgang durch das Haus zu machen, wie es Jamie jeden Abend tat, um die Verschlüsse der Fensterläden zu überprüfen, die Riegel der Außentüren – ich wusste, dass er sie kaum heben konnte – und die Glut der Kaminfeuer. Ein Rußfleck zog sich auf der einen Seite von seiner Stirn bis zur Wange, aber er musste sich irgendwann mit der Faust das Auge gerieben haben, so dass es mir aus einem sauberen weißen Ring entgegenblinzelte wie bei einem kleinen Waschbären.
»Ihr solltet Euch ausruhen, Milady«, sagte er. »Sorgt Euch nicht, ich bin ja hier.«
Ich lachte nicht, sondern lächelte ihn an. »Ich könnte ohnehin nicht schlafen, Fergus. Ich bleibe einfach noch etwas hier sitzen. Aber vielleicht solltest du ins Bett gehen; dein Abend ist ja furchtbar lang gewesen.« Es widerstrebte mir, es ihm zu befehlen, da ich ihn nicht in seiner neuen Würde als vorübergehender Herr im Haus beeinträchtigen wollte, doch er war sichtlich erschöpft. Seine schmalen, knochigen Schultern hingen vornüber, und die Ringe unter seinen Augen waren noch dunkler als die Schicht aus Ruß.
Er gähnte ungeniert, schüttelte aber den Kopf.
»Nein, Milady, ich bleibe bei Euch … wenn es Euch nicht stört?«, fügte er hastig hinzu.
»Es stört mich nicht.« Er war ja viel zu müde, um zu sprechen oder wie sonst herumzuzappeln, und seine schläfrige Gegenwart auf dem Fußkissen war beruhigend wie die einer Katze oder eines Hundes.
Ich saß da und blickte in die niedrigen Flammen, um mich zumindest zu einem Hauch von Gelassenheit zu zwingen. Ich versuchte, mir stille Teiche vorzustellen, bewaldete Täler, selbst den dunklen Frieden der Kapelle in der Abtei, doch nichts schien zu funktionieren; über sämtlichen Bildern des Friedens lagen die Szenen des Abends: brutale Hände und schimmernde Zähne, die aus der angsterfüllten Dunkelheit kamen; Marys weißes, erschüttertes Gesicht, Alex Randall wie ihr Zwilling; der aufflammende Hass in Mr. Hawkins’ Schweineäuglein; das plötzliche Misstrauen in den Gesichtern des Generals und der Duverneys; St. Germains kaum verhohlene Wonne am Skandal, die Böswilligkeit, die in seinem Gesicht aufglitzerte wie die Kristalltropfen der Kronleuchter. Und zuletzt Jamies Lächeln, beruhigend und unsicher zugleich im Auf und Ab der wankenden Laternen.
Was, wenn er nicht zurückkam? Das war der Gedanke, den ich zu verdrängen versucht hatte, seit sie ihn fortgebracht hatten. Wenn er die Vorwürfe nicht entkräften konnte? Wenn der Magistrat zu jenen zählte, die Fremden gegenüber Argwohn hegten – nun, noch mehr Argwohn als üblich, verbesserte ich mich –, war es gut möglich, dass man ihn unbefristet in den Kerker sperrte. Und über allem die Angst, dass diese unerwartete Krise das ganze sorgfältige Werk der letzten Wochen zunichtemachen könnte, die Vorstellung, dass Jamie in einer Zelle wie jener saß, in der ich ihn in Wentworth gefunden hatte. Angesichts der gegenwärtigen Krise erschien mir die Neuigkeit, dass Charles Stuart sein Geld in Wein investierte, trivial.
Endlich allein, hatte ich nun reichlich Zeit zum Nachdenken, doch es schien mich nicht weiter zu bringen. Wer oder was war »La Dame Blanche«? Was für eine »Weiße Dame«, und warum waren die Angreifer bei ihrer Erwähnung geflüchtet?
Während ich noch einmal an die Ereignisse des Dinners dachte, fiel mir ein, was der General über die kriminellen Banden gesagt hatte, die auf den Straßen von Paris ihr Unwesen trieben und die zum Teil aus Adeligen bestanden. Das passte zur Kleidung und Ausdrucksweise des Anführers der Männer, die Mary und mich überfallen hatten, obwohl seine Begleiter um einiges weniger kultiviert gewirkt hatten.