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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)

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Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
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»La Dame Blanche?« Magnus, der sich mit einem Körbchen voll heißem Brot über meine Schulter gebeugt hatte, fuhr so abrupt zusammen, dass ein Stück herausfiel. Ich schnappte es zielsicher auf und drehte mich zu dem Butler um, der einen sehr bestürzten Eindruck machte.

»Ja, das ist richtig«, sagte ich. »Ihr habt den Namen schon einmal gehört, Magnus?«

»Oh ja, Milady«, antwortete der ältere Mann. »La Dame Blanche ist une sorcière

»Eine Zauberin?«, sagte ich ungläubig.

Magnus zuckte mit den Schultern und bedeckte das Brot übertrieben sorgfältig mit einer Serviette, ohne mich anzusehen.

»Die Weiße Dame«, murmelte er. »Man sagt, sie ist eine weise Frau, eine Heilerin. Und doch … sie blickt mitten in einen Mann hinein und verwandelt seine Seele in Asche, wenn sie etwas Böses darin findet.« Er neigte den Kopf, wandte sich ab und entfernte sich hastig in Richtung der Küche. Ich sah, wie sich sein Ellbogen bewegte, und begriff, dass er sich im Gehen bekreuzigte.

»Jesus H. Christ«, sagte ich zu Jamie. »Hast du schon einmal von La Dame Blanche gehört?«

»Hm? Oh? Oh. Oh, aye, ich … kenne die Geschichten.« Jamies Augen waren unter seinen langen dunkelroten Wimpern verborgen, während er die Nase in seiner Schokoladentasse vergrub, doch die Röte auf seinen Wangen war zu heftig, um allein der Wärme des aufsteigenden Dampfes geschuldet zu sein.

Ich lehnte mich auf meinem Stuhl zurück, verschränkte die Arme und sah ihn scharf an.

»Oh, hast du das?«, sagte ich. »Würde es dich überraschen zu hören, dass die Männer, die mich und Mary gestern Abend überfallen haben, mich als La Dame Blanche angesprochen haben?«

»Tatsächlich?« Jetzt hob er verblüfft den Kopf.

Ich nickte. »Sie haben mich kurz bei Licht betrachtet, ›La Dame Blanche‹ gerufen und sind davongerannt, als wäre ihnen gerade aufgefallen, dass ich die Pest habe.«

Jamie holte tief Luft und atmete langsam aus. Die Röte wich ihm jetzt aus dem Gesicht, und er wurde so weiß wie der Porzellanteller, der vor ihm stand.

»Gott im Himmel«, sagte er halb zu sich selbst. »Gott … im … Himmel!«

Ich beugte mich über den Tisch und nahm ihm die Tasse aus der Hand.

»Möchtest du mir vielleicht erzählen, was genau du über La Dame Blanche weißt?«, schlug ich in sanftem Ton vor.

»Nun ja …« Er zögerte, doch dann sah er mich verlegen an. »Es ist nur … ich habe Glengarry erzählt, dass du La Dame Blanche bist.«

»Du hast Glengarry was erzählt?« Ich verschluckte mich an dem Brot, das ich im Mund hatte. Jamie hämmerte mir hilfsbereit auf den Rücken.

»Nun, es waren Glengarry und Castellotti, und ich kann es nicht ändern«, sagte er defensiv. »Ich meine, es ist eine Sache, Karten zu spielen und zu würfeln, aber das reichte ihnen ja nicht. Und sie haben sich sehr darüber amüsiert, dass ich meiner Frau treu zu bleiben wünschte. Sie haben gesagt … nun ja, sie haben eine ganze Reihe von Dingen gesagt, und ich … ich konnte es wirklich nicht mehr hören.« Er wandte den Blick ab, und die Oberseiten seiner Ohren brannten.

»Mm«, sagte ich und nippte an meiner Tasse. Da ich Castellottis Zunge bereits in Aktion gehört hatte, konnte ich mir die gnadenlosen Hänseleien vorstellen, die sich Jamie anhören musste.

Er leerte seine Tasse mit einem Schluck, dann beschäftigte er sich damit, sie wieder zu füllen, den Blick fest auf die Kanne geheftet, um mich nicht ansehen zu müssen. »Aber ich konnte ja auch nicht einfach gehen und sie sitzen lassen, oder?«, wollte er wissen. »Ich musste ja an der Seite Seiner Hoheit bleiben, und es wäre auch nicht hilfreich gewesen, wenn er mich für unmännlich hält.«

»Also hast du ihnen erzählt, ich wäre La Dame Blanche«, sagte ich und gab mir große Mühe, meine Stimme von jeder Spur von Lachen frei zu halten. »Und wenn du dich mit einem leichten Mädchen vergnügtest, würde ich dir die dazugehörigen Körperteile verschrumpeln lassen.«

»Äh, nun ja …«

»Mein Gott, sie haben es geglaubt?« Es kostete mich solche Mühe, mich zu beherrschen, dass ich spüren konnte, wie ich genauso rot wurde wie Jamie.

»Ich war sehr überzeugend«, sagte er, und in seinem Mundwinkel begann es zu zucken. »Habe sie alle beim Leben ihrer Mütter schwören lassen, dass sie es nicht verraten.«

»Und wie viel hattet ihr da alle schon getrunken?«

»Oh, einiges. Ich habe bis zur vierten Flasche gewartet.«

Ich gab den Kampf auf und lachte schallend los.

»Oh, Jamie!«, sagte ich. »Du Schatz!« Ich beugte mich zu ihm hinüber und küsste ihn auf die brennende Wange.

»Nun ja«, sagte er verlegen und strich sich Butter auf ein Stück Brot. »Etwas Besseres ist mir nicht eingefallen. Und sie haben aufgehört, mir Dirnen in die Arme zu schieben.«

»Gut«, sagte ich. Ich nahm ihm das Brot ab, bestrich es mit Honig und gab es zurück.

»Ich kann mich wohl kaum beklagen«, stellte ich fest. »Da es nicht nur deine Tugend gerettet hat, sondern es anscheinend auch verhindert hat, dass ich vergewaltigt worden bin.«

»Aye, Gott sei Dank.« Er legte das Brot beiseite und nahm meine Hand. »Himmel, wenn dir etwas zugestoßen wäre, Sassenach, hätte ich …«

»Ja«, unterbrach ich, »aber wenn die Männer, die uns überfallen haben, wussten, dass ich angeblich La Dame Blanche bin …«

»Aye, Sassenach.« Er nickte mir zu. »Es können weder Glengarry noch Castellotti gewesen sein, denn sie waren bei mir zu Hause, als Fergus mich zu Hilfe geholt hat. Aber es muss jemand gewesen sein, dem sie davon erzählt haben.«

Ich konnte einen leisen Schauder bei dem Gedanken an die Maske und die spottende Stimme dahinter nicht unterdrücken.

Mit einem Seufzer ließ er meine Hand los. »Was wohl bedeutet, dass ich am besten zu Glengarry gehe und ihn frage, wie viele Leute er mit Geschichten aus meinem Eheleben unterhalten hat.« Enerviert fuhr er sich mit der Hand durch das Haar. »Und dann muss ich Seine Hoheit besuchen und herausfinden, was zum Teufel er sich bei diesem Handel mit dem Comte St. Germain denkt.«

»So ist es wohl«, sagte ich nachdenklich, »obwohl Glengarry, so wie ich ihn kenne, vermutlich inzwischen halb Paris davon erzählt hat. Ich muss heute auch einige Besuche unternehmen.«

»Oh, aye? Und wen wirst du besuchen, Sassenach?«, fragte er und sah mich scharf an. Ich holte tief Luft, um mich für das zu stählen, was vor mir lag.

»Als Erstes Meister Raymond«, sagte ich. »Und als Nächstes Mary Hawkins.«

»Lavendel vielleicht?« Raymond stellte sich auf die Zehenspitzen, um ein Gefäß aus dem Regal zu nehmen. »Nicht zum Einnehmen, aber das Aroma wirkt angenehm; es beruhigt die Nerven.«

»Nun, das kommt darauf an, mit wessen Nerven man es zu tun hat«, sagte ich, denn ich musste an Jamies Reaktion auf den Duft des Lavendels denken. Es war Jack Randalls bevorzugter Duft, und auf Jamie wirkte das Parfum der Pflanze alles andere als beruhigend. »Aber in diesem Fall könnte es helfen. Zumindest dürfte es nicht schaden.«

»Nicht schaden«, zitierte er nachdenklich. »Ein sehr vernünftiges Prinzip.«

»So besagt es der Hippokratische Eid«, sagte ich, während ich ihn dabei beobachtete, wie er vornübergebeugt in seinen Schubladen und Kästen kramte. »Der Eid, den Ärzte schwören.«

»Ah? Und habt auch Ihr diesen Eid geschworen, Madonna?« Seine leuchtenden Amphibienaugen betrachteten mich über die Kante der Ladentheke hinweg.

Ich spürte, wie ich unter seinem starren Blick errötete.

»Äh, nun ja, nein. Nicht offiziell. Noch nicht.« Ich hätte nicht sagen können, was mich bewog, den letzten Satz anzufügen.

»Nicht? Und doch wünscht Ihr, etwas zu heilen, woran sich ein ›richtiger‹ Arzt nie versuchen würde, da er weiß, dass eine zerstörte Jungfernhaut unrettbar verloren ist.« Seine Ironie war nicht zu überhören.

»Ach nein?«, entgegnete ich trocken. Fergus hatte mir nach leisem Drängen einiges über die »Damen« in Madame Elises Haus erzählt. »Und was ist mit Ferkelblasen voller Hühnerblut, hm? Oder wollt Ihr behaupten, dass solche Dinge in den Kompetenzbereich eines Apothekers fallen, nicht in den eines Arztes?«

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