Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aye, doch. Aber mich erwischt es im Bauch, nicht an den Händen. Hast du das Mittel gegen Krämpfe noch?«
»Dort drüben.« Ich wies mit einer Handbewegung auf den Tisch mit der Medizintruhe, die noch offen stand, weil ich Mary verarztet hatte. »Die kleine grüne Flasche. Einen Löffel.«
Ohne den Löffel zu beachten, hob er sich die Flasche an den Mund und trank einige ordentliche Schlucke. Dann ließ er sie sinken und betrachtete den Inhalt stirnrunzelnd.
»Gott, das ist ja widerlich! Bist du so weit, Sassenach? Die Gäste werden jede Minute hier sein.«
Mary war im Moment in einem leeren Zimmer in der ersten Etage versteckt. Ich hatte sie sorgfältig auf Verletzungen untersucht, die sich jedoch auf Prellungen und den Schock zu beschränken schienen, dann hatte ich ihr hastig so viel Schlafmohnsirup verabreicht, wie ich glaubte, verantworten zu können.
Alex Randall hatte nicht auf Jamies Versuche reagiert, ihn heimzuschicken, und stand nun stattdessen bei Mary Wache, mit der strikten Anweisung, mich zu holen, wenn sie erwachte.
»Was in aller Welt hatte der Idiot nur dort zu suchen?«, fragte ich und suchte in der Schublade nach einem Puderdöschen.
»Das habe ich ihn auch gefragt«, erwiderte Jamie. »Anscheinend ist der arme Tölpel in Mary verliebt. Er folgt ihr auf Schritt und Tritt und lässt den Kopf hängen wie eine verwelkte Blume, weil er weiß, dass sie Marigny heiraten soll.«
Ich ließ die Puderdose fallen.
»Er ist in sie v-v-verliebt?«, keuchte ich und wedelte die Puderwolke beiseite.
»Das sagt er, und ich sehe keinen Grund, es zu bezweifeln«, sagte Jamie und strich mir energisch den Puder aus dem Ausschnitt. »Er war recht bestürzt, als er es mir erzählt hat.«
»Das kann ich mir vorstellen.« Jetzt gesellte sich auch noch Mitleid mit Alex Randall zu der brodelnden Mischung widersprüchlicher Emotionen in meinem Inneren. Natürlich würde er Mary nichts gesagt haben, weil er die Hingabe eines ärmlichen Sekretärs für unbedeutend hielt, verglichen mit dem Reichtum und dem Status einer Verbindung mit dem Haus von Gascogne. Und was musste er jetzt empfinden, nachdem er erlebt hatte, wie sie quasi vor seiner Nase das Opfer eines brutalen Überfalls geworden war?
»Warum zum Teufel hat er denn nichts gesagt? Sie wäre, ohne zu zögern, mit ihm davongelaufen.« Denn natürlich musste der blasse englische Geistliche der »spirituelle« Gegenstand ihrer sprachlosen Sehnsucht sein.
»Randall weiß, was sich gehört«, erwiderte Jamie und reichte mir eine Feder und das Rougetöpfchen.
»Du meinst, er ist ein Esel«, sagte ich wenig mitfühlend.
Jamies Unterlippe zuckte. »Nun, vielleicht«, pflichtete er mir bei. »Aber er ist ein armer Esel; sein Einkommen reicht nicht aus, um eine Frau zu ernähren, falls ihre Familie sie verstößt – was gewiss geschehen würde, sollte sie mit ihm durchbrennen. Und seine Gesundheit ist angegriffen; es würde ihm schwerfallen, eine andere Anstellung zu finden, denn der Herzog würde ihn vermutlich entlassen, ohne mit der Wimper zu zucken.«
»Einer der Dienstboten wird sie finden«, sagte ich und wandte mich wieder meiner ursprünglichen Sorge zu, um nicht weiter über die jüngste Tragödie nachzudenken.
»Nein. Sie haben unten alle Hände voll zu tun. Und vielleicht hat sie sich ja bis morgen früh so weit erholt, dass sie zu ihrem Onkel zurückkehren kann. Ich habe ihm eine Nachricht zukommen lassen«, fügte er hinzu, »dass sie bei einer Freundin übernachtet, weil es so spät geworden ist. Wollte nicht, dass man nach ihr sucht.«
»Ja, aber …«
»Sassenach.« Seine Hände auf meinen Schultern ließen mich verstummen, und er sah mich im Spiegel an. »Wir können nicht zulassen, dass jemand sie sieht, ehe sie sich wieder normal verhalten kann. Wenn bekannt wird, was ihr zugestoßen ist, ist ihr Ruf für immer ruiniert.«
»Ihr Ruf! Es ist wohl kaum ihre Schuld, dass sie vergewaltigt worden ist!« Meine Stimme bebte sacht, und seine Hände legten sich fester auf meine Schultern.
»Es ist nicht recht, Sassenach, aber so ist es nun einmal. Wenn bekannt wird, dass sie keine Jungfrau mehr ist, wird kein Mann sie nehmen – sie wird ihre Tage entehrt als alte Jungfer beschließen.« Seine Hand drückte mir die Schulter, ließ los und kehrte zurück, um mir zu helfen, eine Nadel in meinem wackelig verankerten Haar zu befestigen.
»Das ist alles, was wir für sie tun können, Claire«, sagte er. »Sie vor weiterem Unheil bewahren, sie heilen, so gut wir können – und die dreckigen Schweine finden, die das getan haben.« Er wandte sich ab und suchte in meiner Schatulle nach seiner Brosche. »Himmel«, fügte er, an das grüne Samtfutter gewandt, leise hinzu, »glaubst du etwa, ich weiß nicht, was es für sie bedeutet? Oder für ihn?«
Ich legte meine Hand auf seine tastenden Finger und drückte zu. Er erwiderte die Geste, dann hob er meine Hand und küsste sie flüchtig.
»Gott, Sassenach! Deine Finger sind ja kalt wie Schnee.« Er drehte mich um und sah mir ernst ins Gesicht. »Geht es dir gut, mein Herz?«
Was auch immer er in meinem Gesicht sah, ließ ihn erneut »Himmel« murmeln und auf die Knie sinken. Er zog mich an sein Rüschenhemd. Ich versuchte nicht länger, die Tapfere zu spielen, und klammerte mich an ihn, das Gesicht in seiner Wärme vergraben.
»O Gott, Jamie. Ich hatte solche Angst. Ich habe solche Angst. O Gott, ich wünschte, du könntest jetzt mit mir schlafen.«
Seine Brust vibrierte unter meiner Wange, weil er lachte, doch er drückte mich fester an sich.
»Du glaubst, das würde helfen?«
»Ja.«
Eigentlich glaubte ich sogar, dass ich mich erst wieder richtig sicher fühlen würde, wenn ich in unserem Bett lag, umgeben von der schützenden Stille des Hauses, während ich seine Kraft und seine Hitze um mich spürte, in mir spürte, mir die Freude unserer Vereinigung neuen Mut schenkte und die Gewissheit, dass wir einander besaßen, das Grauen der Hilflosigkeit und der knapp verhinderten Vergewaltigung auslöschte.
Er nahm mein Gesicht in beide Hände und küsste mich, und die Angst vor der Zukunft und der Schrecken des Abends verschwanden für einen Moment. Dann wich er zurück und lächelte. Die Sorge war auch ihm ins Gesicht gegraben, doch in seinen Augen war nichts zu sehen als das kleine Spiegelbild meines Gesichts.
»Später dann«, sagte er leise.
Inzwischen waren wir ohne besondere Vorkommnisse beim zweiten Gang angelangt, und allmählich entspannte ich mich ein wenig, obwohl meine Hand immer noch dazu neigte, über der Consommé zu zittern.
»Wie absolut faszinierend!«, sagte ich als Reaktion auf eine Geschichte des jüngeren Duverney, der ich gar nicht zuhörte, weil mein Gehör ganz auf verdächtige Geräusche aus dem oberen Stockwerk ausgerichtet war. »Erzählt doch weiter.«
Ich fing Magnus’ Blick auf, als er den Comte St. Germain bediente, der mir gegenübersaß, und gratulierte ihm wortlos strahlend, so gut ich es mit dem Mund voll Fisch konnte. Er war zu beherrscht, um in der Öffentlichkeit zu lächeln, doch er neigte respektvoll den Kopf einen halben Zentimeter und bediente weiter. Meine Hand hob sich an den Kristall, den ich um den Hals trug, und ich streichelte ihn demonstrativ, während sich der Graf, dessen finstere Gesichtszüge keinerlei Regung an den Tag legten, über seine Forelle mit Mandeln hermachte.
Jamie und Duverney senior waren am anderen Ende des Tischs in ein Gespräch vertieft und schenkten ihrem Essen keine Beachtung, während Jamie linkshändig Zahlen auf ein Stück Papier kritzelte. Schach oder Geschäftliches?, fragte ich mich.
Als Ehrengast saß der Herzog in der Mitte des Tisches. Er hatte die beiden ersten Gänge mit dem Gusto eines leidenschaftlichen Essers verspeist und unterhielt sich jetzt lebhaft mit Madame d’Arbanville zu seiner Rechten. Da der Herzog im Moment sichtlich der prominenteste Engländer in Paris war, hatte Jamie es für angebracht gehalten, seine Bekanntschaft zu pflegen, auch weil er hoffte, eventuell etwas munkeln zu hören, was zum Absender der musikalischen Nachricht an Charles Stuart führen konnte. Doch meine Aufmerksamkeit wanderte immer wieder von Sandringham zu dem Herrn hinüber, der ihm gegenübersaß – Silas Hawkins.