Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Ich hatte gedacht, ich würde auf der Stelle sterben – und damit jede Menge Ärger verhindern –, als der Herzog zur Tür hereinspaziert gekommen war, beiläufig hinter sich gezeigt und gesagt hatte: »Mrs. Fraser, Ihr kennt doch unseren Hawkins, nicht wahr?«
Die kleinen, fröhlichen blauen Augen des Herzogs hatten mich mit dieser unschuldigen Gewissheit angeblickt, dass man seinen Launen schon entgegenkommen würde, und mir war nichts anderes übriggeblieben als lächelnd zu nicken und Magnus aufzutragen, dafür zu sorgen, dass ein Gedeck mehr aufgelegt wurde. Als Jamie Mr. Hawkins durch die Salontür kommen sah, hatte ich den Eindruck gehabt, er brauchte eine weitere Dosis Magentropfen, doch er hatte sich zusammengerissen, Mr. Hawkins die Hand gereicht und ein Gespräch über die Qualität der Gasthäuser an der Straße nach Calais angefangen.
Ich blickte zur Uhr auf dem Kaminsims. Wie lange noch, bis sie alle fort sein würden? Im Geiste zählte ich die Gänge, die bereits serviert waren, und die, die noch kommen würden. Das Dessert war beinahe erreicht. Dann Salat und Käse. Brandy und Kaffee, Port für die Herren, Likör für die Damen. Ein oder zwei Stunden angeregter Plaudereien. Bitte, Gott, nicht zu anregend, sonst würden sie bis zum Morgengrauen bleiben.
Gerade sprachen sie von der Bedrohung durch Banden auf den Straßen. Ich ließ den Fisch Fisch sein und griff nach einem Brötchen.
»Und ich habe gehört, dass einige dieser umherziehenden Banden nicht aus Gesindel bestehen, wie man erwarten würde, sondern aus jüngeren Mitgliedern des Adels!« Bei dieser ungeheuerlichen Vorstellung spitzte General d’Arbanville die Lippen. »Sie sehen es als Sport an – als Sport! Als wäre es nicht mehr als ein Hahnenkampf, anständige Männer auszurauben und sich an Damen zu vergreifen!«
»Wie außergewöhnlich«, sagte der Herzog mit der Indifferenz eines Mannes, der niemals ohne größere Eskorte unterwegs war. Die Servierplatte mit dem geherzten Gebäck schwebte neben seinem Kinn, und er schaufelte sich ein halbes Dutzend Pastetchen auf seinen Teller.
Jamie sah mich an und erhob sich vom Tisch.
»Wenn Ihr mich entschuldigen würdet, Mesdames, Messieurs«, sagte er mit einer Verbeugung, »ich habe einen ganz besonderen Port, von dem ich gern möchte, dass Seine Durchlaucht ihn kostet. Ich hole ihn aus dem Keller.«
»Es muss der Belle Rouge sein«, sagte Jules de La Tour und leckte sich gespannt die Lippen. »Ihr könnt Euch auf etwas Außergewöhnliches freuen, Eure Durchlaucht. Einen solchen Wein habe ich noch nirgendwo anders getrunken.«
»Ah? Nun, das werdet Ihr aber bald, Monsieur le Prince«, mischte sich der Comte St. Germain ein. »Sogar noch einen besseren.«
»Es gibt doch wohl nichts Besseres als Belle Rouge!«, rief General d’Arbanville aus.
»Oh doch«, erklärte der Comte mit selbstzufriedener Miene. »Ich habe einen neuen Port ausfindig gemacht, der auf der Insel Gostos vor der portugiesischen Küste hergestellt und abgefüllt wird. Eine Farbe wie Rubine und ein Geschmack, der den Belle Rouge wie gefärbtes Wasser wirken lässt. Die Lieferung des gesamten Jahrgangs wurde mir für August vertraglich zugesichert.«
»Tatsächlich, Monsieur le Comte?« Silas Hawkins wandte sich mit hochgezogenen Augenbrauen unserem Ende der Tafel zu. »Habt Ihr denn einen neuen Investitionspartner gefunden? Wie ich es verstanden habe, waren Eure eigenen Ressourcen ja nach der traurigen Vernichtung der Patagonia … sagen wir, ausgedünnt?« Er nahm sich ein Stück Käsegebäck von der Platte und steckte es geziert in seinen Mund.
Die Kinnmuskeln des Grafen verkrampften sich, und plötzlich senkte sich Kühle über unser Ende des Tisches. Mr. Hawkins’ Seitenblick in meine Richtung und das winzige Lächeln, das in seinem kauenden Mundwinkel lauerte, ließen keinen Zweifel daran, dass er alles über meine Rolle bei der Zerstörung der unglückseligen Patagonia wusste.
Wieder hob sich meine Hand an den Kristall, doch der Graf sah mich nicht an. Tiefe Röte war ihm aus dem spitzenbesetzten Kragen gekrochen, und er funkelte Mr. Hawkins mit unverhohlener Abneigung an. Jamie hatte recht; er war ein Mensch, der kein Geheimnis aus seinen Gefühlen machte.
»Glücklicherweise, Monsieur«, sagte er und bezwang seine Wut mit sichtlicher Mühe, »habe ich einen Partner gefunden, der sich an dieser Investition zu beteiligen wünscht. Es ist sogar ein Landsmann unseres großzügigen Gastgebers.« Er wies mit einem sardonischen Kopfnicken zur Tür, wo Jamie gerade erschienen war, gefolgt von Magnus, der eine enorme Karaffe mit Belle Rouge Portwein trug.
Hawkins hörte einen Moment auf zu kauen, und vor Neugier blieb ihm der Mund abstoßend offen stehen. »Ein Schotte? Wer denn? Ich hatte nicht gedacht, dass es in Paris noch andere Schotten im Weinhandel gibt als das Haus Fraser.«
Die Augen des Grafen begannen definitiv, amüsiert zu glitzern, als sein Blick nun von Mr. Hawkins zu Jamie hinüberwanderte. »Man könnte vermutlich darüber streiten, ob der fragliche Investor momentan als Schotte zu bezeichnen wäre; dennoch ist er Milord Broch Tuarachs Landsmann. Charles Stuart ist sein Name.«
Diese Neuigkeit schlug genauso ein, wie es sich der Graf vermutlich erhofft hatte. Silas Hawkins richtete sich kerzengerade auf, stieß einen Ausruf aus und verschluckte sich dabei an den Resten seines Bissens. Jamie, der im Begriff gewesen war, etwas zu sagen, schloss den Mund, setzte sich und betrachtete den Grafen nachdenklich. Jules de La Tour begann, Ausrufe und Speicheltröpfchen zu versprühen, und die d’Arbanvilles konnten vor Erstaunen kaum an sich halten. Selbst der Herzog hob den Blick von seinem Teller und blinzelte den Grafen neugierig an.
»Tatsächlich?«, sagte er. »Ich dachte, die Stuarts wären arm wie die Kirchenmäuse. Seid Ihr sicher, dass er Euch nicht an der Nase herumführt?«
»Ich wünsche ja weder zu spekulieren noch Argwohn zu wecken«, meldete sich Jules de La Tour zu Wort, »doch es ist allgemein bekannt, dass die Stuarts kein Geld haben. Es ist wahr, dass mehrere Anhänger der Jakobiten in jüngster Zeit auf der Suche nach Mitteln sind, meines Wissens jedoch ohne Glück.«
»Das ist wahr«, warf der jüngere Duverney ein und beugte sich interessiert vor. »Charles Stuart hat persönlich mit zwei Bankiers in meiner Bekanntschaft gesprochen, doch niemand ist unter den gegenwärtigen Umständen bereit, ihm eine größere Summe anzuvertrauen.«
Ich warf einen raschen Blick auf Jamie, der mit einem beinahe unmerklichen Nicken antwortete. Das konnten wir als gute Nachrichten verbuchen. Doch was war dann mit der Investition, von der der Comte erzählte?
»Es ist wahr«, sagte dieser kampflustig. »Seine Hoheit hat sich bei einer italienischen Bank einen Kredit von fünfzehntausend Livres gesichert und mir die gesamte Summe anvertraut, um damit ein Schiff zu pachten und sämtliche Flaschen der Kellerei auf Gostos zu erwerben. Ich habe den unterzeichneten Brief dabei.« Voller Genugtuung tippte er sich auf die Brust seines Rocks, dann lehnte er sich zurück und ließ den Blick triumphierend über die Tafel schweifen, bis er bei Jamie anlangte.
»Nun, Milord«, sagte er und wies mit einer Handbewegung auf die Karaffe, die vor Jamie auf dem weißen Tischtuch stand, »werdet Ihr uns gestatten, diesen famosen Wein zu kosten?«
»Ja, natürlich«, murmelte Jamie und griff mechanisch nach dem ersten Glas.
Louise, die den Großteil der Zeit wortlos dagesessen und gegessen hatte, bemerkte Jamies Beklommenheit. Als liebe Freundin wollte sie das Gespräch wohl auf neutrales Terrain lenken und wandte sich an mich.
»Das ist ein herrlicher Stein, den du da trägst, ma chère«, sagte sie und zeigte auf meinen Kristall. »Woher hast du ihn?«
»Oh, das?«, sagte ich. »Nun, es ist so …«
Ich wurde von einem durchdringenden Schrei unterbrochen, der jedes Gespräch abrupt verstummen ließ und dessen sprödes Echo in den Kristallen des Kronleuchters über uns widerhallte.