Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Das Geräusch rennender Schritte schien ihn schließlich zu sich zu bringen. Als seine beiden Helfershelfer das Geräusch hörten, ließen sie seine Arme los und flüchteten Hals über Kopf, so dass er seinem Schicksal überlassen blieb. Mit einem erstickten Fluch verschwand er um die nächste Ecke, während er hüpfend versuchte, sich die Hose hochzuziehen.
»Au secours! Au secours! Gendarmes!«, rief eine atemlose Stimme hilfesuchend durch die Gasse, während ihr herannahender Besitzer im Dunklen über Abfälle stolperte. Ich hielt es zwar kaum für möglich, dass irgendein Ganove durch eine Gasse holpern und dabei nach der Gendarmerie rufen würde, doch in meinem gegenwärtigen Schockzustand hätte mich so gut wie gar nichts überrascht.
Doch ich war überrascht, als sich die schwarze Gestalt, die aus der Gasse geflattert kam, als Alexander Randall entpuppte, der in einen schwarzen Umhang gehüllt und mit einem Schlapphut bekleidet war. Er blickte sich wild in der kleinen Sackgasse um, von Murtagh in seiner Verkleidung als Müllsack zu mir, die ich erstarrt und keuchend an der Wand lehnte, zu Marys zusammengekauerter Gestalt, die im allgemeinen Schatten beinahe unsichtbar war. Einen Moment stand er hilflos da, dann fuhr er herum und kletterte die Eisenpforte hinauf, aus der die Angreifer gekommen waren. Von dort konnte er gerade eben die Laterne packen, die an einem Balken hing.
Das Licht war beruhigend; auch wenn der Anblick, den es preisgab, mitleiderregend war, verbannte es doch die lauernden Schatten, die sich jede Sekunde in neue Gefahren zu verwandeln drohten.
Mary hatte sich auf den Knien vornübergekrümmt. Sie hatte den Kopf in den Armen vergraben und weinte vollkommen lautlos. Ein Schuh lag zur Seite gekippt auf dem Pflaster, und seine Silberschnalle schimmerte im wankenden Schein der Laterne.
Wie ein unheilvoller Rabe landete Alex an ihrer Seite.
»Miss Hawkins! Mary! Miss Hawkins! Geht es wieder?«
»Von allen törichten Fragen …«, sagte ich ziemlich schroff, und sie stöhnte auf und wich vor ihm zurück. »Natürlich geht es nicht. Sie ist gerade vergewaltigt worden.« Mit beträchtlicher Mühe löste ich mich von der stützenden Wand in meinem Rücken und bewegte mich auf sie zu, während ich mit klinischer Sachlichkeit zur Kenntnis nahm, dass meine Knie wackelten.
Im nächsten Moment gaben sie ganz nach, denn eine riesige Fledermausgestalt landete mit einem dumpfen Aufprall keinen halben Meter vor mir auf dem Pflaster.
»Ach, nein, sieh nur, wer jetzt doch vorbeischaut!«, sagte ich und fing hysterisch an zu lachen. Zwei große Hände packten mich bei den Schultern und schüttelten mich kräftig.
»Sei still, Sassenach«, sagte Jamie, und seine Augen glänzten schwarz und gefährlich im Laternenschein. Er richtete sich auf, und sein blauer Samtumhang fiel ihm in Falten über die Schultern, als er die Arme nach dem Dach ausstreckte, von dem er gerade gesprungen war. Auf den Zehenspitzen bekam er gerade eben die Kante zu fassen.
»Nun komm schon herunter!«, sagte er ungeduldig und richtete den Blick nach oben. »Schieb die Füße über die Kante auf meine Schultern, dann kannst du über meinen Rücken nach unten rutschen.« Unter dem leisen Knirschen loser Dachschindeln wand sich eine kleine schwarze Gestalt rückwärts auf die Dachkante zu und krabbelte dann wie ein Äffchen an Jamie hinunter.
»Gut gemacht, Fergus.« Jamie klopfte dem Jungen lässig auf die Schulter, und selbst in der Dunkelheit konnte ich sehen, wie Fergus die Freude in die Wangen stieg. Jamie betrachtete das Terrain mit dem Auge des Taktikers, dann schickte er den Jungen mit einem leisen Wort zum Eingang der Gasse, damit er Ausschau nach etwaigen Gendarmen hielt. Nachdem so für das Wichtigste gesorgt war, hockte er sich wieder vor mich hin.
»Geht es dir gut, Sassenach?«, erkundigte er sich.
»Nett, dass du fragst«, sagte ich höflich. »Ja, danke. Aber ihr geht es nicht so gut.« Ich winkte vage in Marys Richtung. Sie hockte immer noch zusammengekrümmt und zitternd am Boden und entzog sich Alex’ vagen Versuchen, sie zu tätscheln.
Jamie hatte nicht mehr als einen Blick für sie übrig. »Ich verstehe. Wo zum Teufel ist Murtagh?«
»Dort drüben«, antwortete ich. »Hilf mir hoch.«
Ich stolperte zum Rinnstein hinüber, wo sich der Sack, in dem Murtagh steckte, wie eine aufgebrachte Raupe hin und her wand und eine verblüffende Mixtur von Unflätigkeiten in drei Sprachen ausstieß.
Jamie zog seinen Dolch, und ohne besondere Rücksicht auf den Inhalt schlitzte er den Sack von einem Ende zum anderen auf. Murtagh kam aus der Öffnung geschossen wie ein Schachtelteufel. Die Hälfte seines schwarzen Haars klebte ihm mittels der zweifelhaften Flüssigkeit, in der der Sack gelegen hatte, am Kopf. Der Rest stand ihm zu Berge und ließ sein Gesicht noch grimmiger erscheinen, als es die große rote Beule auf der Stirn und das rapide blau werdende Auge ohnehin schon taten.
»Wer hat mir den Hieb versetzt?«, bellte er.
»Nun, ich war es nicht«, antwortete Jamie mit hochgezogener Augenbraue. »Komm jetzt, Mann, wir haben nicht die ganze Nacht Zeit.«
»Das wird niemals gutgehen«, murmelte ich, während ich mir wahllos die diamantbesetzten Nadeln in mein Haar steckte. »Schon deshalb, weil sie medizinisch versorgt werden sollte. Sie braucht einen Arzt!«
»Sie hat doch einen.« Jamie hob das Kinn und blinzelte an seiner Nase entlang in den Spiegel, während er seine Halsbinde befestigte. »Dich.« Als er mit der Halsbinde fertig war, griff er nach einem Kamm und zog ihn sich hastig durch die gewellten roten Haarmassen.
»Keine Zeit, es einzuflechten«, murmelte er und fasste es hinter dem Kopf zu einem dicken Pferdeschwanz zusammen, während er in einer Schublade kramte. »Hast du ein Haarband, Sassenach?«
»Lass mich das machen.« Ich stellte mich hinter ihn, schlug den Pferdeschwanz um und wickelte ihn mit einem grünen Band zusammen. »Dass wir ausgerechnet heute Gäste haben müssen!«
Und zwar nicht irgendwelche Gäste. Der Herzog von Sandringham würde unser Ehrengast sein, und er wurde von einer kleinen, aber feinen Gesellschaft erwartet. Monsieur Duverney würde mit seinem ältesten Sohn kommen, einem prominenten Bankier. Louise und Jules de La Tour und die d’Arbanvilles. Und damit es nicht langweilig wurde, war auch der Comte St. Germain eingeladen.
»St. Germain!«, hatte ich erstaunt gesagt, als Jamie es mir vor einer Woche mitgeteilt hatte. »Warum denn das?«
»Ich habe geschäftlich mit dem Mann zu tun«, hatte Jamie erwidert. »Er ist bei Jared auch regelmäßig eingeladen gewesen. Aber was ich mir vor allem wünsche, ist die Gelegenheit, ihn dabei zu beobachten, wie er sich beim Essen mit dir unterhält. So wie ich ihn bis jetzt erlebt habe, macht er kein Geheimnis aus seinen Gedanken.« Er ergriff den weißen Kristall, den Meister Raymond mir geschenkt hatte, und wiegte ihn nachdenklich auf der Handfläche.
»Hübsch ist er ja«, hatte er gesagt. »Ich lasse ihn in Gold fassen, so dass du ihn um den Hals tragen kannst. Spiele beim Essen damit, bis dich jemand darauf anspricht, Sassenach. Dann kannst du erzählen, wozu er gut ist – und achte dabei auf St. Germains Gesicht. Wenn er es war, der dir in Versailles das Gift eingeflößt hat, werden wir es, glaube ich, sehen.«
Was ich mir im Moment wünschte, waren Ruhe, Frieden und vollständige Zurückgezogenheit, um wie ein Kaninchen zu schlottern. Was ich hatte, war eine Abendgesellschaft mit einem Herzog, der möglicherweise ein jakobitischer oder auch englischer Agent war, ein Graf, der möglicherweise ein Giftmörder war, und ein Vergewaltigungsopfer, das im Obergeschoss versteckt war. Meine Hände zitterten so sehr, dass ich die Kette mit dem Kristallanhänger nicht befestigen konnte; Jamie trat hinter mich und schloss sie mit einem Schnippen seines Daumens.
»Hast du denn gar keine Nerven?«, wollte ich von ihm wissen. Ich sah im Spiegel, wie er das Gesicht verzog und sich die Hände auf den Bauch legte.