Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
Seine Gestalt war dem Comte St. Germain nicht unähnlich gewesen, aber die Stimme war doch anders? Und wenn der Graf damit zu tun gehabt hätte, hätte er doch gewiss darauf geachtet, nicht nur sein Gesicht zu tarnen, sondern auch seine Stimme? Außerdem fand ich es beinahe unmöglich zu glauben, dass der Graf an einem solchen Überfall beteiligt gewesen sein sollte, um mir dann zwei Stunden später in aller Ruhe am Tisch gegenüberzusitzen und Suppe zu löffeln.
Frustriert fuhr ich mir mit den Fingern durch das Haar. Bis zum Morgen konnte ich nichts weiter tun. Falls der Morgen kam, ohne dass Jamie erschien, konnte ich damit beginnen, meine Bekannten und mutmaßlichen Freunde abzuklappern, von denen ja vielleicht irgendjemand etwas wusste. Doch während der Nachtstunden war ich hilflos, gelähmt wie eine Libelle in Bernstein.
Meine Finger stießen auf eine der verzierten Haarnadeln, und ich zerrte ungeduldig daran. Sie hatte sich in meinem Haar verknotet und hing fest.
»Autsch!«
»Wartet, Milady. Ich mache das.«
Ich hatte gar nicht gehört, dass er hinter mich getreten war, doch jetzt spürte ich Fergus’ schmale, geschickte Finger in meinem Haar, wo sie das kleine Schmuckstück befreiten. Er legte es beiseite, dann zögerte er und sagte: »Die anderen auch, Milady?«
»Oh, danke, Fergus«, sagte ich von Herzen. »Wenn es dir nichts ausmacht?«
Mit seinen leichten, zielsicheren Taschendiebsbewegungen befreite er meine dichten Locken, die sich eine nach der anderen um mein Gesicht schmiegten. Nach und nach verlangsamte sich meine Atmung, während sich mein Haar löste.
»Ihr seid besorgt, Milady?«, sagte die leise Kinderstimme hinter mir.
»Ja«, sagte ich, zu müde, um weiter die Tapfere zu spielen.
»Ich auch«, sagte er schlicht.
Die letzte Haarnadel senkte sich leise klirrend auf den Tisch, und ich sackte mit geschlossenen Augen im Sitzen zusammen. Dann spürte ich eine neue Berührung und begriff, dass er mir das Haar bürstete und sanft die Knoten löste.
»Ihr gestattet, Milady?«, sagte er, als er spürte, dass ich mich überrascht anspannte. »Die Damen haben immer gesagt, dass es ihnen hilft, wenn sie Sorgen hatten oder traurig waren.«
Wieder entspannte ich mich unter der beruhigenden Berührung.
»Ich gestatte es«, sagte ich. »Danke.« Und dann kurz darauf: »Was denn für Damen, Fergus?«
Er zögerte kurz wie eine Spinne, die beim Bau ihres Netzes gestört wird, dann begann das vorsichtige Ordnen der Strähnen erneut.
»An dem Ort, der mein Schlafquartier war, Milady. Ich konnte mich dort nicht zeigen, wegen der Freier, aber Madame Elise hat mich in der Kammer unter der Treppe schlafen lassen, wenn ich still war. Und nachdem die Männer gegen Morgen alle fort waren, konnte ich hinaus, und manchmal haben die Damen ihr Frühstück mit mir geteilt. Ich habe ihnen bei den Verschlüssen ihrer Unterkleidung geholfen – sie haben gesagt, ich hätte die geschicktesten Finger von allen«, fügte er nicht ohne Stolz hinzu, »und ich habe ihnen das Haar gekämmt, wenn sie es wollten.«
»Mm.« Das sanfte Flüstern der Bürste in meinem Haar wirkte hypnotisch. Ohne die Uhr auf dem Kaminsims konnte ich zwar nicht sagen, wie spät es war, doch die Stille draußen auf der Straße verriet, dass es ausgesprochen spät war.
»Wie kam es denn, dass du bei Madame Elise geschlafen hast, Fergus?«, fragte ich mit einem kaum verhohlenen Gähnen.
»Ich bin dort geboren, Milady«, antwortete er. Die Bürstenstriche wurden langsamer, und seine Stimme klang jetzt schläfrig. »Ich habe mich oft gefragt, welche der Damen meine Mutter war, aber ich habe es nie herausgefunden.«
Ich erwachte, weil sich die Tür des Wohnzimmers öffnete. Jamie stand mit roten Augen und vor Erschöpfung bleich, jedoch lächelnd im ersten grauen Licht des Tages.
»Ich hatte Angst, du würdest nicht zurückkommen«, sagte ich kurz darauf in das Haar auf seinem Scheitel. Es roch säuerlich nach altem Qualm und Talg, und sein Rock hatte jetzt den Niedergang in die totale Verkommenheit vollendet, doch er war warm und fassbar, und mir war nicht danach, den Geruch des Kopfes zu kritisieren, den ich an meiner Brust wiegte.
»Ich auch«, sagte er etwas gedämpft, und ich konnte sein Lächeln spüren. Die Arme, die meine Taille umfassten, drückten zu, dann ließ er mich los und lehnte sich zurück, um mir das Haar aus den Augen zu streichen.
»Gott, du bist so schön«, sagte er leise. »Ungekämmt und schlaflos mit dem Haar überall im Gesicht. Wunderhübsch. Heißt das, du hast die ganze Nacht hier gesessen?«
»Nicht nur ich.« Ich wies auf den Boden, wo Fergus zusammengerollt auf dem Teppich lag, den Kopf auf einem Kissen zu meinen Füßen. Er bewegte sich sacht im Schlaf, und sein Mund öffnete sich ein wenig, die vollen Lippen rosa wie bei einem Baby – was er ja auch fast noch war.
Jamie legte ihm sanft die große Hand auf die Schulter.
»Dann komm jetzt, Junge. Du hast deine Herrin gut bewacht.« Er hob den Jungen auf und legte ihn an seine Schulter, wo er verschlafen zu murmeln begann. »Du bist ein guter Mann, Fergus, und du hast dir deinen Schlaf verdient. Komm, wir bringen dich zu Bett.« Ich sah, wie Fergus überrascht die Augen aufriss und sie wieder halb schloss, dann hing er nickend in Jamies Armen.
Als Jamie ins Wohnzimmer zurückkehrte, hatte ich die Fensterläden geöffnet und das Feuer neu entfacht. Den zerstörten Rock hatte er abgelegt, doch den Rest des Sonntagsstaats von gestern Abend trug er noch.
»Hier.« Ich reichte ihm ein Glas Wein, und er trank es stehend in drei Zügen, erschauerte, dann ließ er sich auf das kleine Sofa fallen und hielt mir das Glas zum Nachschenken hin.
»Keinen Tropfen«, sagte ich. »Erst, wenn du mir erzählst, was hier los ist. Du bist nicht im Gefängnis, also gehe ich davon aus, dass alles gut ist, aber …«
»Nicht unbedingt gut, Sassenach«, unterbrach er mich, »aber es könnte schlimmer sein.«
Nach allgemeinem Hin und Her – das zum Großteil darin bestand, dass Mr. Hawkins seine ursprünglichen Eindrücke wiederholte –, hatte der Amtsrichter, den man aus seinem gemütlichen Bett gerissen hatte, um den Vorsitz bei dieser spontanen Beweisaufnahme zu übernehmen, ziemlich mürrisch beschlossen, dass Alex Randall als einer der Angeklagten nicht als unbeteiligter Zeuge gelten konnte. Das galt auch für mich, da ich die Ehefrau und mögliche Komplizin des anderen Angeklagten war. Murtagh war seiner eigenen Aussage zufolge während des angeblichen Überfalls bewusstlos gewesen, und das Kind Claudel konnte vor dem Gesetz nicht als Zeuge gelten.
Also, so hatte Monsieur le Juge mit einem bösen Blick auf den Gardehauptmann gesagt, war Mary Hawkins die einzige Person, die in der Lage war, die Wahrheit klarzustellen, und sie war sämtlichen Aussagen nach momentan dazu nicht imstande. Also waren alle Angeklagten in die Bastille zu sperren, bis Mademoiselle Hawkins befragt werden konnte, und darauf hätte Monsieur le Capitaine doch gewiss auch selbst kommen können?
»Warum sitzt du dann nicht in der Bastille?«, fragte ich.
»Duverney senior hat für mich gebürgt«, erwiderte Jamie und zog mich neben sich auf das Sofa. »Er hat während der ganzen Diskussion wie ein Igel zusammengerollt in der Ecke gesessen. Als der Richter dann seine Entscheidung traf, ist er aufgestanden und hat gesagt, da er bereits mehrfach Gelegenheit gehabt hätte, mit mir Schach zu spielen, hätte er nicht den Eindruck, dass mein moralischer Charakter so verrucht sei, dass mir die Verschwörung zu einer derart perversen Tat zuzutrauen sei …« Er brach ab und zuckte mit den Schultern.
»Nun, du weißt ja, wie er redet, wenn er einmal dabei ist. Der Grundgedanke war jedenfalls, dass ein Mann, der ihn in sechs von sieben Schachpartien schlagen könne, niemals unschuldige junge Frauen in sein Haus locken würde, um sie dort entehren zu lassen.«
»Sehr logisch«, sagte ich trocken. »Ich vermute, was er eigentlich meinte, war, dass du nicht mehr mit ihm spielen könntest, wenn sie dich einsperren würden.«
»Das glaube ich auch«, pflichtete er mir bei. Er rekelte sich, gähnte und blinzelte mich lächelnd an.