Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Aber ich bin hier, und im Moment kümmert es mich nicht besonders, warum. Komm her zu mir, Sassenach.« Er fasste mit beiden Händen nach meiner Taille und legte mit einem wohligen Seufzer die Arme um mich.
»Alles, was ich jetzt will«, murmelte er in mein Ohr, »ist, diese schmutzigen Lumpen auszuziehen, vor dem Kamin mit dir zu schlafen, gleich danach mit dem Kopf an deiner Schulter einzuschlummern und bis morgen so zu bleiben.«
»Das wäre aber recht lästig für die Dienstboten«, stellte ich fest. »Sie müssten dann um uns herumputzen.«
»Zum Teufel mit den Dienstboten«, sagte er ungerührt. »Wozu gibt es Türen?«
»Anscheinend, damit man daran klopft«, sagte ich, als es draußen leise pochte.
Jamie hielt einen Moment inne, die Nase in meinem Haar, dann hob er seufzend den Kopf und ließ mich von seinem Schoß auf das Sofa gleiten.
»Dreißig Sekunden«, versprach er mir leise, dann sagte er laut: »Entrez!«
Die Tür schwang auf, und Murtagh trat ins Zimmer. Ich hatte Murtagh im Durcheinander der vergangenen Nacht völlig vergessen und stellte jetzt fest, dass er dadurch auch nicht schöner geworden war.
Er litt genauso an Schlafmangel wie Jamie; das eine, offene Auge war rot gerändert und blutunterlaufen. Das andere hatte den dunklen Farbton einer gammeligen Banane angenommen, und durch einen Schlitz zwischen den geschwollenen Lidern glitzerte es schwarz. Die Beule auf seiner Stirn hatte jetzt ihre volle Größe erreicht: ein dunkelrotes Hühnerei über der einen Augenbraue, durch das sich ein hässlicher Riss zog.
Der schmale Schotte hatte kaum ein Wort gesagt, seit er gestern Abend aus dem Sack befreit worden war. Abgesehen davon, dass er sich kurz nach dem Verbleib seiner Messer erkundigte – Fergus hatte sowohl den Dolch als auch den Sgian dhu wie ein Terrier hinter einem Abfallhaufen aufgespürt –, hatte er während unseres Heimwegs grimmiges Schweigen gewahrt und die Nachhut gebildet, während wir zu Fuß durch die finsteren Gassen von Paris gehastet waren. Und zu Hause angelangt, hatte ein durchdringender Blick seines unversehrten Auges ausgereicht, jede unkluge Frage des Küchenpersonals im Keim zu ersticken.
Im Commissariat de Police musste er zwar etwas gesagt haben, und sei es, dass er nur den guten Charakter seines Brotherrn bezeugt hatte – wobei ich mich fragte, wie weit ich als französischer Richter Murtagh wohl Glauben geschenkt hätte –, doch jetzt war er so schweigsam wie die Wasserspeier von Notre Dame, denen er frappierend ähnlich sah.
Doch so heruntergekommen seine Aufmachung auch sein mochte, an Würde schien es Murtagh nie zu fehlen, und so war es auch jetzt. Hoch aufgerichtet schritt er über den Teppich und kniete sich vor Jamie, den dieses Verhalten sehr zu wundern schien.
Der drahtige kleine Mann zog den Dolch aus seinem Gürtel, ohne große Eleganz, dafür aber sehr konzentriert, und hielt ihn am Heft vor sich hin. Sein knochiges, zerfurchtes Gesicht war ausdruckslos, doch sein unversehrtes schwarzes Auge ruhte unverwandt auf Jamie.
»Ich habe dich im Stich gelassen«, sagte der kleine Mann leise. »Und ich bitte dich als meinen Häuptling, mir jetzt das Leben zu nehmen, damit ich nicht länger mit der Schande leben muss.«
Jamie richtete sich langsam auf, und ich spürte, wie er seine Müdigkeit verdrängte, als er nun den Blick auf seinen Gefolgsmann richtete. Einen Moment lang war er still, und seine Hände ruhten auf seinen Knien. Dann streckte er die Hand aus und legte sie Murtagh sanft auf die rote Beule an seinem Kopf.
»Es ist doch keine Schande, im Kampf zu fallen, a charaidh«, sagte er leise. »Der größte Krieger kann besiegt werden.«
Doch der kleine Mann schüttelte hartnäckig den Kopf, und sein schwarzes Auge sah Jamie unverwandt an.
»Nein«, sagte er. »Ich bin nicht im Kampf gefallen. Du hast mir vertraut; hast mir deine eigene Frau und dein ungeborenes Kind anvertraut und die kleine Engländerin dazu. Und ich habe die Aufgabe so wenig ernst genommen, dass ich keine Chance hatte, auch nur ein einziges Mal zuzuschlagen, als die Gefahr nahte. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die Hand, die mich gefällt hat, nicht einmal gesehen.« Jetzt kniff er das Auge einmal zu.
»Hinterlist …«, begann Jamie.
»Und sieh nur, was geschehen ist«, unterbrach Murtagh. Seit ich ihn kannte, hatte ich ihn noch nie so viele Worte am Stück sprechen hören. »Dein guter Name beschmutzt, deine Frau überfallen, und die Kleine …« Sein schmaler Mund presste sich einen Moment zusammen, und sein sehniger Hals bewegte sich, als er schluckte. »Allein ihretwegen raubt mir der bittere Schmerz den Atem.«
»Aye«, sagte Jamie leise und nickte. »Aye, ich verstehe dich, Mann. Ich empfinde genauso.« Er berührte sich kurz an der Brust, über seinem Herzen. Die beiden Männer hätten miteinander allein sein können. Jamie neigte sich seinem älteren Verwandten zu, bis ihre Köpfe nur noch Zentimeter voneinander getrennt waren. Ich hatte die Hände auf dem Schoß gefaltet und bewegte mich weder, noch sagte ich etwas; dies war nicht meine Sache.
»Aber ich bin nicht dein Häuptling, Mann«, fuhr Jamie fort, entschlossener jetzt. »Du hast mir keinen Eid geschworen, und ich habe keine Befehlsgewalt über dich.«
»Doch, die hast du.« Auch Murtaghs Stimme war entschlossen, und das Heft des Dolches zitterte keine Sekunde lang.
»Aber …«
»Ich habe dir meinen Eid geschworen, Jamie Fraser, als du nicht älter als eine Woche warst, ein kräftiger Junge an der Mutterbrust.«
Ich konnte Jamies plötzliches Erstaunen spüren, und seine Augen öffneten sich weit.
»Ich habe zu Ellens Füßen gekniet wie jetzt zu den deinen«, fuhr der kleine Schotte fort, das Kinn hoch erhoben. »Und ich habe ihr im Namen des dreifaltigen Gottes geschworen, dass ich dir immer folgen würde, dir zu Befehl sein und dir den Rücken freihalten würde, wenn du erwachsen bist und solcher Dienste bedarfst.« Seine schroffe Stimme wurde sanfter, und das Augenlid senkte sich über das müde Auge.
»Aye, Junge. Du liegst mir am Herzen wie der Sohn meiner eigenen Lenden. Aber ich habe dir den Dienst versagt.«
»Das hast du nicht, das wäre auch gar nicht möglich.« Jamies Hände lagen auf Murtaghs Schultern und drückten fest zu. »Nein, ich nehme dir nicht das Leben, denn ich brauche dich noch. Aber ich erlege dir einen Eid auf, und du wirst ihn befolgen.«
Kurzes Zögern, dann nickte der schwarze Stachelkopf kaum merklich.
Jamies Stimme senkte sich noch weiter, doch es war kein Flüstern. Er streckte die drei mittleren Finger der rechten Hand und legte sie zusammen auf die Wurzel des Dolchknaufs.
»Ich beauftrage dich also kraft deines Eides, den du mir geschworen hast, und deines Wortes, das du meiner Mutter gegeben hast – finde die Männer. Spüre sie auf, und wenn sie gefunden sind, trage ich dir auf, die Ehre meiner Frau zu rächen – und das Blut der unschuldigen Mary Hawkins.«
Er hielt einen Moment inne, dann nahm er die Hand von dem Messer. Murtagh hob es hoch, indem er es an der Klinge aufrecht hielt. Erst jetzt nahm er meine Gegenwart zur Kenntnis, indem er den Kopf vor mir neigte und sagte: »Was der Herr gesprochen hat, Herrin, das werde ich tun. Ich werde dir die Rache zu Füßen legen.«
Ich leckte mir die trockenen Lippen, denn ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Doch es schien auch keine Antwort nötig zu sein; er hob den Dolch an seine Lippen und küsste ihn, dann richtete er sich entschlossen auf und steckte ihn wieder in die Scheide.
Kapitel 20
La Dame Blanche
Bis wir die Kleider gewechselt hatten, war das Morgengrauen zu Tageslicht geworden, und das Frühstück befand sich auf dem Weg aus der Küche zu uns hinauf.
»Was ich wissen möchte«, sagte ich, während ich die Schokolade ausschenkte, »ist, wer zum Teufel ist La Dame Blanche?«