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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Nill hob ihr Schwert zur Abwehr, aber die Wucht seines Hiebes traf sie vollkommen unerwartet. Völlig überrumpelt fiel sie zurück und verlor ihr Schwert.

Kaveh rammte seine Klinge in die gefrorene Erde und reichte ihr eine Hand zum Aufstehen.

»Wenn ich ein Grauer Krieger wäre, wärst du tot.«

Nill ließ sich hochziehen und ergriff ihr Schwert.

»Versuchen wir es noch mal.«

Kaveh lächelte erfreut darüber, dass Nill noch immer entschlossen war, und ging wieder in Position. Diesmal wich Nill seinem Schlag in einer Drehung aus, so wie Kaveh es ihr beigebracht hatte, und ließ ihr Schwert auf seine Seite zusausen. Kaveh parierte ihren Schlag geschickt, und sie verharrten überrascht in einer etwas verrenkten Position.

»Du hast meinen Angriff nicht abgewehrt«, keuchte Kaveh verwundert.

»Musste ich doch auch nicht, oder?«

Sie grinsten sich an. Kaveh befreite sich mit einer Drehung aus der unbequemen Lage und sie standen sich wieder gegenüber. Nun übten sie erneut Angriff, Abwehr und Ausweichmanöver, ohne ihren Schlägen besonders viel Kraft zu verleihen. Die Klingen klirrten, wann immer sie aufeinander trafen.

»Wie – viele – Verbündete haben wir schon?«

»Nicht viele«, keuchte Kaveh, der sich vor einem Hieb duckte und anschließend nah herantrat, um seine Klinge an ihren Hals zu legen. Nill sprang zurück und parierte mit dem Schwert.

»Zu – wenige, fürchte ich.«

Nill schwieg jetzt. Kavehs Angriffe wurden schneller. Nill merkte, wie sie immer weiter von ihm zurückgetrieben wurde. Schließlich schlug sein Schwert gegen ihres und seine Klingenspitze richtete sich auf ihre Brust.

»Du weißt, wer uns noch fehlt«, sagte er und zog die Nase hoch.

Nill trat einen Schritt zurück und zerrte sich den breiten Hemdkragen vom Hals. Ihr war heiß geworden. »Ich gehe nicht zu ihnen. Ich kann nicht zu ihnen«, erwiderte sie. Kaveh stützte sich auf sein Schwert und blickte kurz in den dunklen Himmel. Noch immer schwebten Schneekörner durch die Luft wie im Sommer weiße Pollenschwärme. »Wir brauchen die Hykaden.« Kaveh sagte es leise und ernst. Mit dem Handrücken fuhr er sich über die Nase.

Nill kehrte ihm den Rücken und dachte darüber nach, wie man seinen Satz auf Elfisch sagen würde.

Aruen her sân el Hykaed. Es klang so viel schöner ...

Wieso brauchten sie schon Menschen? Nill presste die Lippen fest aufeinander.

»Mal sehen«, murmelte sie, drehte sich um und griff Kaveh so schnell an, dass er sein Schwert vor Verblüffung zu spät hob. Von ihrer Wucht getroffen, flog es ihm aus der Hand und er stolperte zurück.

Aber er strahlte. »Mal sehen – das hast du schon einmal gesagt!«

Und das hatte sie wirklich: an einem Morgen im Fuchsbau, als alle Hoffnung des Prinzen auf ihr geruht hatte. So wie jetzt.

Die Bäume flüstern

Nieselwogen fegten mit dem Wind über das weite Land. Die Marschen schienen in Feuchtigkeit und Schlamm zu versinken und glühend starrten die Lichter der Minen zum Turm herauf. Als Scapa am Fenster stand und die Hände auf das Glas legte, strich Arane um ihn herum. Klirrend schlugen die dünnen, lang gezogenen Regentropfen gegen Scapas Handflächen, aber er spürte sie nicht – natürlich.

Zwischen ihm und der Welt draußen war schließlich die Glasfront.

»Immerzu beobachtest du die Minen«, sagte Arane hinter ihm. Ihre Finger spielten mit dem goldenen Saum seines Umhangs. Mit einem Seufzen stützte sie das Kinn auf seine Schulter und sah ebenfalls aus dem Fenster.

»Was für ein grässliches Wetter. Ich hasse es! Der Himmel ist immer so grau hier. Weißt du noch, in Kesselstadt die Sommer? Kannst du dich erinnern, wie der Himmel aussah? Manchmal konnte man ihn hinter den Hausdächern sehen, und er war ganz blau, so blau wie das Meer an schönen Tagen.«

»Ich habe das Meer nie gesehen, Arane.« Er spürte, wie ihr Kinn von seiner Schulter verschwand. Sie verschränkte die Arme und lehnte sich gegen das Fenster.

»Verfluchter Regen, und diese Kälte«, murmelte sie. »Bald verlassen wir die Marschen, und dann gehen wir irgendwohin, wo es warm ist und die Sonne scheint, ja?«

»Wohin willst du denn gehen?«

Ein zartes Lächeln entfaltete sich auf ihrem Gesicht. Im grauen Morgenlicht, das durch das Fenster strahlte, schien sie sehr bleich und geisterhaft. »Ich möchte dir etwas zeigen, Scapa.«

Er drehte sich um und beobachtete, wie Arane in die Mitte des Zimmers schritt und ihre Dienerinnen rief. In knappem Ton befahl sie ihnen, welche Kleider sie ihr holen sollten. Einen Moment später flochten sie ihr das Haar zu einem kunstvollen Kranz und hüllten Arane, die ihre Untergewänder trug, in ein schlichtes dunkelrotes Kleid mit goldbestickten Borten. Über ihre Schultern legten sie einen dicken, schwarzen Samtumhang. Zuletzt zog sich Arane ein Paar rotgefärbter Lederhandschuhe an. Sie sah Scapa mit einem Lächeln an. »Kommst du?«

Die Minen zogen an ihnen vorüber. Scapa konnte einzelne Gestalten erkennen, die mit Lasten ein- und ausliefen, er hörte Hammerschläge und laute Rufe.

Eine Gruppe Arbeiter kam ihnen entgegen. Leere Gesichter blickten zu ihm auf, dann ließ Scapa den Vorhang zufallen und lehnte sich auf der Sitzbank zurück.

Die Kutsche ratterte und rumpelte über den Weg.

Arane saß ihm gegenüber. Ihr Lächeln war unbestimmt. Scapa sah sie gedankenverloren an. Er musste an das Mädchen mit den kurzen Locken zurückdenken. Daran, wie er einst an einen Stand herangeschlichen war, angelockt durch den ungewöhnlichen Lärm eines Moorelfenhändlers, der einen Dieb gefangen hatte. Während er den Goldschmuck in sein Hemd gesammelt hatte, war der Dieb vom Moorelf ins Gesicht geschlagen worden. Mit einem Keuchen war er zu Boden gefallen und da hatte Scapa zum ersten Mal Aranes Augen gesehen, klar und glühend.

In seinen Gedanken reiste Scapa zurück nach Kesselstadt, es war ein heißer Sommertag, und die Stadt brütete in ihren eigenen wogendheißen Ausdünstungen, dem schummrig machenden Gestank der Färbemittel, dem säuerlich-süßen Biergeruch, der die Schänkenviertel umwaberte, dem schmorenden Fett der Garküchen. Wohin Scapa auch ging, das Mädchen mit den Locken begleitete ihn. Sie lief barfuß neben ihm durch die Gassen, ihre Haut war sonnengebräunt. Wenn sie lächelte, glänzten ihre schiefen Zähne im Tageslicht.

»Wohin fahren wir?«, fragte Scapa gedankenverloren.

»Wir fahren der Zukunft entgegen.« Ihre Stimme war ein Hauchen.

»Und was bringt diese Zukunft wohl?«

Arane lehnte den Kopf gegen die gepolsterte Wand der Kutsche und lächelte. »Das mochte ich immer so an dir, Scapa. Du hast immer die richtigen Sachen gesagt und die richtigen Fragen gestellt. Die Zukunft bringt die Zeit der Menschen. Eine neue Ära bricht an, die Welt verändert sich. Nicht durch unser Wirken – durch das Wirken der Natur wird die Welt den Menschen in die Hände fallen.«

Fahles Licht drang durch die Ritzen der Fenstervorhänge, doch Aranes Gesicht blieb in Schatten getaucht.

»Die Welt soll nur den Menschen gehören?«, wiederholte er leise. »Wenn sie ... wenn sie danach schöner und besser ist, dann soll es wohl so sein. Dann soll das Schicksal sein, wie es ist, und dann sollst du die Welt neu formen nach deinem Willen.« Ein seltsamer Schrecken durchfuhr Scapa, als er das sagte. Es war, als hätte nicht er es gesagt, oder als wäre es ein Teil von ihm gewesen, den er zuvor nicht gekannt hatte. Arane schlug die Augen nieder und ihr Mund verzog sich zu einem schüchternen Lächeln.

Hin und wieder schob Scapa den Fenstervorhang einen Spalt zur Seite und spähte hinaus. Aber die Umgebung veränderte sich nicht. Alles blieb in wässriges Grau getaucht, schwarze, blattlose Bäume, Tümpel und Wasserläufe zogen an ihnen vorüber.

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