Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand tauschte einen Blick mit Egwene und stellte dann ihre Frage nochmals. Moiraine seufzte, bevor sie antwortete.
»Es gefällt mir nicht, aber was sein muß, muß sein. Dieses Ding wird sich nicht überall oben aufhalten. Andere Straßen sollten frei sein. Seht Ihr diesen Stern?« Sie drehte sich im Sattel herum und deutete auf einen roten Stern, der sich in niedriger Höhe am Osthimmel zeigte. »Haltet auf diesen Stern zu, und er wird Euch zum Fluß führen. Was auch geschieht, ihr müßt versuchen, den Fluß zu erreichen. Reitet so schnell Ihr könnt, doch macht vor allem keinen Lärm. Die Trollocs sind auch noch da, denkt daran. Und vier Halbmenschen.«
»Aber wie finden wir Euch wieder?« wandte Egwene ein.
»Ich werde Euch finden«, sagte Moiraine. »Ihr könnt sicher sein, daß ich Euch finden kann. Jetzt reitet los. Dieses Ding hat wohl überhaupt keinen Verstand, aber es kann die Anwesenheit von Futter fühlen.« Tatsächlich hatten sich silbergraue Fäden aus dem größeren Nebelkörper gelöst. Sie trieben, die Richtung ständig wechselnd, durch die Luft wie die Tentakel eines Hundertarms am Grund eines Wasserwald-Teiches.
Als Rand von dem dicken Strang durchscheinenden Nebels aufblickte, waren der Behüter und die Aes Sedai fort. Er leckte sich die Lippen und sah seinen Gefährten in die Augen. Sie waren genauso nervös wie er. Und noch schlimmer: Sie schienen alle darauf zu warten, daß einer von ihnen die Führung übernahm. Nacht und Ruinen umgaben sie. Dort draußen irgendwo waren die Blassen und die Trollocs; vielleicht schon hinter der nächsten Ecke. Die Nebel-Tentakel trieben heran, waren schon auf halbem Weg zu ihnen und suchten nicht länger. Sie hatten ihre Beute ausgemacht. Plötzlich vermißte er Moiraine sehr.
Alle saßen immer noch auf den Pferden und beobachteten und fragten sich, welchen Weg sie wählen sollten. Er drehte Wolke um, und der Graue verfiel in einen leichten Trab. Er wehrte sich gegen die Zügel und wollte schneller rennen. Als habe ihn die Tatsache, daß er die Initiative ergriffen hatte, zu ihrem Anführer gemacht, folgten ihm alle.
Da Moiraine nicht dabei war, hatten sie niemanden, der sie beschützen konnte, sollte Mordeth wieder auftauchen. Und die Trollocs. Und... Rand zwang sich dazu, nicht mehr nachzugrübeln. Er würde dem roten Stern folgen. An den Gedanken konnte er sich klammern.
Dreimal mußten sie umkehren und sich einen neuen Weg suchen. Jedesmal war eine Straße komplett durch einen Schutthügel und lose Steine blockiert. Die Pferde konnten diese Hindernisse nicht überwinden. Rand konnte das Atmen der anderen hören; kurz und abgehackt, der Panik nahe. Er biß die Zähne zusammen, damit man sein Schnaufen nicht hörte. Du mußt sie wenigstens glauben machen, daß du keine Angst hast. Du leistest gute Arbeit, Wollkopf. Du wirst alle sicher hinausbringen.
Sie kamen um die nächste Ecke. Eine Nebelwand übergoß das zerborstene Pflaster mit einem Leuchten, das so hell war wie das des Vollmonds. Nebelfinger, so stark wie der Leib ihrer Pferde, lösten sich und trieben auf sie zu. Niemand wartete. Sie wirbelten herum und galoppierten in einer engen Traube los, ohne auf das Klappern der Hufe zu achten.
Zwei Trollocs traten vor ihnen auf die Straße, keine zehn Spannen entfernt.
Einen Augenblick lang starrten sich Menschen und Trollocs nur gegenseitig entgeistert an. Einer war überraschter als der andere. Ein weiteres Paar Trollocs erschien und noch eines und noch eines. Die hinteren rempelten die vor ihnen Stehenden an, und es entstand eine durch den Anblick der Menschen erschreckte Menge. Allerdings erstarrten sie eben nur diesen Augenblick lang. Kehliges Heulen hallte von den Gebäuden wider, und die Trollocs stürmten vorwärts. Die Menschen stoben auseinander wie aufgescheuchte Hühner. Rands Grauer brauchte nur drei Schritte, um in vollem Galopp loszujagen. »Hier entlang!« schrie er, doch er hörte den gleichen Ruf aus fünf weiteren Kehlen. Ein hastiger Blick nach hinten zeigte ihm, daß seine Begleiter jeder in eine andere Richtung verschwanden. Trollocs verfolgten alle.
Drei Trollocs blieben ihm auf den Fersen. Ihre schlingenbewehrten Stangen wedelten durch die Luft. Ihm sträubten sich die Haare, als er erkannte, daß sie Schritt für Schritt mit Wolke mithalten konnten. Er beugte sich tief über Wolkes Hals und trieb den Grauen voran, von kehligen Schreien gejagt.
Voraus verengte sich die Straße. Gebäude mit eingestürzten Dächern neigten sich gefährlich zur Straße hin. Langsam füllten sich die leeren Fenster mit silbrigem Leuchten. Ein dichter Dunst schob sich aus ihnen hervor. Mashadar.
Rand riskierte einen weiteren Blick zurück. Die Trollocs rannten ihm immer noch in etwa fünfzig Schritten Abstand hinterher; das Leuchten des Nebels reichte aus, um sie deutlich zu sehen. Hinter ihnen ritt nun ein Blasser, und sie schienen im gleichen Maße vor dem Halbmenschen zu fliehen, wie sie Rand verfolgten. Ein Stück vor Rand schob sich ein halbes Dutzend grauer Fühler schwankend aus den Fenstern, dann ein Dutzend. Sie prüften die Luft. Wolke warf den Kopf hoch und wieherte, doch Rand hieb ihm brutal die Fersen in die Flanken, und das Pferd stürmte wild vorwärts.
Die Fühler versteiften sich, als Rand zwischen ihnen hindurchgaloppierte, aber er beugte sich tief über Wolkes Hals und weigerte sich, sie anzusehen. Der Weg dahinter war frei. Wenn einer davon mich berührt... Licht! Er ließ Wolke noch härter die Stiefel fühlen, und das Pferd sprang vorwärts in die willkommenen Schatten hinein. In vollem Galopp blickte Rand zurück, sobald das Leuchten Mashadars nachließ.
Die schwankenden grauen Fühler Mashadars versperrten die halbe Straße, und die Trollocs wichen zurück, doch der Blasse riß eine Peitsche von seinem Sattelhorn und ließ sie wie einen Blitz über den Köpfen der Trollocs knallen. Funken stoben durch die Luft. Die Trollocs krümmten sich zusammen und stürmten wieder hinter Rand her. Der Halbmensch zögerte. Die schwarze Kapuze betrachtete Mashadars ausgestreckte Arme, bevor auch er seinem Pferd die Sporen gab.
Die sich verstärkenden Nebeltentakel schwangen einen Augenblick lang unsicher hin und her, und dann schlugen sie wie Vipern zu. Mindestens zwei saugten sich an jedem der Trollocs fest und übergossen sie mit grauem Leuchten; schnauzenbewehrte Köpfe legten sich in die Nacken, um zu heulen, doch der Nebel rollte in die geöffneten Mäuler und verschlang das Heulen. Vier beinstarke Tentakel wickelten sich um den Blassen, und der Halbmensch und auch sein Pferd wanden sich wie im Tanz, bis die Kapuze zurückfiel und das blasse, augenlose Gesicht enthüllte. Der Blasse kreischte.
Das Kreischen war völlig lautlos, genau wie bei den Trollocs, aber etwas kam doch durch: ein durchdringendes Schrillen gerade jenseits des Hörbereichs, wie das Surren aller Hornissen der Welt zusammengenommen, das in Rands Ohren drang und in ihm ein Höchstmaß an Angst erzeugte. Wolke krümmte sich, als habe auch er den Laut gehört, und er galoppierte noch schneller als zuvor. Rand hielt sich ächzend fest. Seine Kehle war trocken wie Sand.
Nach einer Weile wurde ihm klar, daß er den lautlosen Todesschrei des Blassen nicht mehr hören konnte, und plötzlich kam ihm das Hufegeklapper so laut vor, als ob er schrie. Er riß an den Zügeln, und Wolke blieb an einer zerbröckelnden Mauer stehen, genau an einer Straßenkreuzung. Ein namenloses Standbild erhob sich vor ihm in der Dunkelheit. Im Sattel zusammengesunken, lauschte er, aber es gab nichts zu hören als das Blut, das in seinen Schläfen pochte. Kalter Schweiß lief ihm über die Stirn, und er zitterte vor Kälte, als der Wind seinen Umhang flattern ließ.
Schließlich richtete er sich wieder auf. Sterne glitzerten am Himmel, wo sie nicht von den Wolken verdeckt wurden, und der rote Stern, der so niedrig im Osten stand, war leicht auszumachen. Lebt sonst noch irgend jemand, der ihn sehen kann? Waren sie frei oder den Trollocs in die Hände gefallen? Egwene, Licht blende mich, warum bist du mir nicht gefolgt? Wenn sie am Leben und frei waren, würden sie diesem Stern folgen. Wenn nicht... Die Ruinenfelder waren ausgedehnt. Er könnte tagelang suchen, ohne jemanden zu finden, falls er sich von den Trollocs fernhalten konnte. Und von den Blassen und Mordeth und Mashadar. Zögernd entschloß er sich, zum Fluß zu reiten.