Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Das tat er. Triss war ein schweigsamer Gefährte, sein hageres, braunes Gesicht war seltsam ruhig, und seine Blicke waren weit entfernt. Sie erinnerte sich an seinen Gesichtsausdruck, als sie ihm von Gavilans Verrat berichtet hatte. Verrat, war es das nicht? Dieser Ausdruck war jetzt fort, im Schlaf weggewischt oder überwunden. Er hatte einen Weg gefunden, um damit zu Rande zu kommen. Triss, der letzte von denen, die aus Arborlons altem Leben hervorgekommen waren – wie allein mußte er sich fühlen.
Er schaute zu ihr herüber, und es schien, als könne er ihre Gedanken lesen. »Ich bin seit fast acht Jahren Hauptmann der Leibgarde«, setzte er kurz darauf an. »Eine lange Zeit, Hoheit. Ich habe Eure Großmutter, die Königin, geliebt. Ich hätte alles für sie getan.« Er schüttelte den Kopf. »Ich habe mein ganzes Leben im Dienste der Elessedils und des Elfenthrones verbracht. Ich habe Gavilan schon als Kind gekannt. Wir sind zusammen aufgewachsen. Ich wuchs mit ihm ins Mannesalter hinein. Früher habe ich mit ihm gespielt. Meine Familie und seine warten noch immer im Loden, unsere Freunde, zumindest sie noch...« Er atmete tief ein, er suchte nach Worten und versuchte es zu verstehen. »Ich kannte ihn. Er hätte Dal niemals getötet, es sei denn... Könnte es sein, daß etwas geschehen ist, was ihn verändert hat? Könnte einer der Dämonen ihm etwas angetan haben?«
An diese Möglichkeit hatte sie noch nicht gedacht. Es hätte tatsächlich so gewesen sein können. Es hatte ausreichend Gelegenheit dazu gegeben. Oder vielleicht etwas anderes, ein Gift zum Beispiel oder eine Krankheit wie jene, die Ellenroh getötet hatte? Aber tief im Herzen wußte sie, daß es nichts davon gewesen war, daß einfach sein Geist erschöpft und seine Entschlossenheit zerbrochen war.
»Es hätte auch ein Dämon sein können«, log sie trotzdem.
Das verhärtete Gesicht neben ihr hob sich. »Er war ein guter Mann«, sagte er leise. »Er machte sich Gedanken über die Menschen und half ihnen. Er liebte die Königin. Sie hätte ihn vielleicht sogar eines Tages zum König ernannt.«
»Wenn ich nicht gewesen wäre.«
Er wandte sich verlegen ab. »Das hätte ich nicht sagen sollen. ihr seid die Königin.« Dann wandte er sich wieder ihr zu. »Eure Großmutter hätte den Ruhkstab nicht Euch gegeben, wenn sie es nicht für besser gehalten hätte. Sie hätte ihn statt dessen Gavilan gegeben. Vielleicht hatte sie an ihm schon etwas bemerkt, was wir indem nicht bemerkt haben. Ihr habt die Kraft, die das Elfenvolk braucht.«
Sie sah ihn an. »Ich wollte nichts davon, Triss. Nichts davon.« Er nickte und lächelte vage. »Nein. Warum solltet Ihr auch?« »Ich wollte nur herausfinden, wer ich bin.«
Sie sah ein Aufflackern der Verzweiflung in seinen dunklen Augen. »Ich behaupte nicht, daß ich verstehe, was Euch zu uns geführt hat«, sagte er. »Ich weiß nur, daß Ihr hier seid und daß Ihr die Königin der Elfen seid.« Er hielt seinen Blick fest auf sie gerichtet. »Laßt uns nicht im Stich«, sagte er leise und drängend. »Verlaßt uns nicht. Wir brauchen Euch.«
Sie wunderte sich über die Intensität seiner Bitte. Sie legte eine Hand beruhigend auf seinen Arm. »Mach dir keine Sorgen, Triss. Ich verspreche, daß ich nicht davonlaufe. Niemals.«
Dann verließ sie ihn und ging zu der Stelle hinüber, wo Garth schlief. Sie kuschelte sich eng an ihren großen Freund, denn sie brauchte in dieser Nacht sowohl seine Wärme als auch seinen Körper als Trost. Sie wünschte, sich in die Vergangenheit zurückziehen zu können, diesen Schutz und diese Sicherheit wiederzufinden, die sie ihr einst geboten hatte, und wiederzuerlangen, was unwiederbringlich verloren war. Doch nun richtete sie sich mit dem ein, was vorhanden war, und sank schließlich in Schlaf.
Beim Morgengrauen erwachte sie. Sie war jetzt ausgeruhter, als es ihr zustand. Das Licht schimmerte schwach und grau durch den Dunst, und die Welt um sie herum wirkte still und leer und roch nach Verwesung. Das Rumpeln vom Killeshan klang entfernt und schwach, und doch war es jetzt auch zum ersten Mal, seit sie ihre Reise begonnen hatten, ununterbrochen da, eine langsame Folge von Zuckungen, die Größeres ankündigten. Wren wußte, daß die Zeit verrann – schneller jetzt, unwiderbringlich mit jeder Stunde. Das Feuer des Vulkans erhob sich im Kern der Insel zu einer letzten Feuersbrunst, und wenn sie ausbrach, würde alles vernichtet werden.
Sie brachen sofort auf. Stresa ging voran, Garth folgte einen Schritt hinter ihm, und Wren mit Faun und Triss bildeten den Schluß. Wren war jetzt ruhiger. Sie überlegte sich, daß Gavilan nirgends hingehen konnte. Er konnte auf der Suche nach Tiger Ty und Spirit zum Strand laufen, aber wie groß war seine Chance schon, seinen Weg durch den In Ju zu finden? Er war kein Spurenleser und hatte keine Erfahrung im Überleben in der Wildnis. Er war bereits halb wahnsinnig vor Angst und Verzweiflung gewesen. Wie weit war er wohl gekommen? Er lief wahrscheinlich im Kreis, und sie würden ihn schnell finden.
Und doch lauerte in ihrem Unterbewußtsein das Hirngespinst, daß es ihm irgendwie gelingen könnte, aus dem Dschungel heraus und den Weg hinunter zum Strand zu finden. Daß er Tiger Ty davon überzeugen könnte, daß alle anderen tot seien, und er selbst den Ruhkstab sicher fortbringen müsse. Und dann würden sie auf Morrowindl zurückgelassen. Dieser Gedanke verlieh ihr ungeahnten Zorn, vor allem, wenn sie die Möglichkeit in Erwägung zog, daß Gavilan gar nicht wirklich glaubte, daß sie tot seien, sondern beschlossen hatte, eigenmächtig zu handeln, weil er von der Richtigkeit seiner Beweggründe und der Unvermeidbarkeit seine Machtübernahme überzeugt war.
Doch diesen Gedanken vermochte sie nicht weiter zu verfolgen, daher schob sie ihn rasch beiseite.
Der Blackledge begann hinter dem Harrow abrupt abzufallen, aber er war hier nicht so steil wie an jener Stelle, wo Garth und sie hinaufgestiegen waren. Seine Hänge waren zwar schroff und dicht bewachsen, aber es war nicht schwer für sie, einen Weg hinab zu finden. Sie stiegen schnell hinunter, wobei Stresa darauf achtete, ob Gavilans Geruch noch vor ihnen war, während sie weitergingen. Gebrochene Zweige und zerknitterte Blätter zeigten deutlich, wo der Elfenprinz entlanggegangen war. Wren hätte die Spur allein verfolgen können, so offensichtlich war sie. Ab und zu entdeckten sie Stellen, wo der Mann auf seiner Flucht gestürzt war. Offensichtlich war er ohne besondere Rücksicht auf seine Sicherheit nur bestrebt gewesen, rasch zu entkommen. Er muß außer sich sein, dachte Wren traurig. Er hat große Angst. Gegen Mittag erreichten sie den Rand des In Ju und legten eine Pause ein, um etwas zu essen. Stresa war auf mürrische Art zuversichtlich. Sie lägen nur wenige Stunden hinter Gavilan zurück, bedeutete er ihnen. Der Elfenprinz schwanke jetzt bereits sehr stark und sei eindeutig erschöpft. Sie würden ihn vor Einbruch der Nacht einholen, es sei denn, es geschähe etwas, was die Dinge ändern würde.
Stresas Voraussage war prophetisch – aber nicht so, wie sie es erhofft hatten. Kurz nachdem sie die Verfolgung von Gavilan, der offenbar viele nutzlose Versuche gemacht hatte, dem In Ju auszuweichen, wieder aufgenommen hatten, begann es zu regnen. Die Luft war während ihres Abstiegs vom Berg immer heißer geworden, eine Schwüle, die sich langsam aufgebaut hatte und nicht wieder gewichen war. Da der Regen anhielt, wurde die Schwüle zu einer Feuchtigkeit, die die Luft erfüllte, zu dichtem Dunst, der sich wie nasse Seide auf ihre Haut legte und über ihre Lederkleidung perlte. Nach einiger Zeit verwandelte sich die Feuchtigkeit in Nebel, dann in ein Tröpfeln und schließlich in einen Wolkenbruch, der mit grimmiger Entschlossenheit über sie hinwegfegte. Er nahm ihnen die Sicht und zwang sie, unter einem riesigen Banyanbaum Schutz zu suchen. Der Regen rauschte schnell herunter und nahm Gavilans Geruch mit sich. Stresa suchte sehr gründlich, aber alle Spuren waren fort.
Garth untersuchte das feuchte, grüne Gewirr des Dschungels. Er machte Wren ein Zeichen. Seine Spuren sind noch immer offenkundig. Ich kann ihn aufspüren.