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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Bei Tagesanbruch fielen schmale Lichtstreifen kühl und verschwommen durch Risse und Spalten, und die Geräusche der Stadt wurden laut und bestimmt, als die Menschen sich für die Geschäfte eines neuen Tages zu rüsten begannen. Par wachte das erste Mal seit einer Woche erfrischt auf und wünschte sich, er hätte Wasser, um sich zu waschen. Dennoch war er einfach dankbar dafür, daß er endlich einmal seine Müdigkeit abgeschüttelt hatte. Damson hatte strahlende Augen und sah wunderschön aus, zerzaust und gleichzeitig vollkommen, und Par hatte das Gefühl, als müsse das Schlimmste nun hinter ihnen liegen.

»Das Wichtigste ist, daß wir einen Weg aus der Stadt heraus finden«, erklärte Damson zwischen zwei Bissen ihres Frühstücks. Sie saß ihm gegenüber an dem kleinen Tisch, und ihre Miene drückte Entschlossenheit aus. »Wir können so nicht weitermachen.«

»Ich wünschte, wir könnten etwas über den Mole in Erfahrung bringen.«

Sie nickte, und ihre Augen mieden seinen Blick. »Ich habe mich darum bemüht, als ich draußen war.« Sie schüttelte den Kopf. »Der Mole ist erfinderisch. Er lebt schon zu lange.«

Aber nicht, wenn die Schattenwesen ihn jagen, hätte Par fast gesagt, überlegte es sich dann aber anders. Damson dachte sicher ohnehin das gleiche. »Was mache ich heute?«

Sie schaute ihn an. »Dasselbe wie immer. Du bleibst, wo du bist. Sie wissen nur von dir. Sie wissen noch immer nichts von mir.«

»Das hoffst du.«

Sie seufzte. »Das hoffe ich. Aber wie dem auch sei, ich muß einen Weg für uns finden, an den Mauern vorbeizukommen und aus Tyrsis heraus, damit wir herausfinden können, was mit Padishar und den anderen geschehen ist.«

Er verschränkte seine Arme über der Brust und lehnte sich zurück. »Ich fühle mich so nutzlos, wenn ich hier herumsitze.« »Manchmal ist es aber das beste, Par.«

»Ich lasse dich nicht gern allein hinausgehen.«

Sie lächelte. »Und ich lasse dich nicht gern allein hier. Aber so müssen wir es im Moment halten. Wir müssen klug sein.«

Sie zog ihren Straßenumhang an, ihr Magiergewand, denn sie trat noch immer regelmäßig auf dem Marktplatz auf, um Tricks für die Kinder vorzuführen. So hielt sie den Anschein aufrecht, daß alles genauso sei wie immer. Ein heller Lichtpfeil drang in die Dämmerung der Gänge, durch die sie gekommen waren, und mit einem Winken verschwand sie darin und war fort.

Er verbrachte ruhelos den Rest des Vormittags und durchstreifte die engen Grenzen seines Versteckes. Einmal kletterte er die Treppe hinauf, die zur Straße führte, überprüfte das Schloß, das die schwere Holztür sicherte, und stellte fest, daß es sicher war. Er wanderte zurück durch die Tunnel, die vom Keller der Getreidemühle abzweigten, und fand heraus, daß jeder von ihnen an einem Vorratsplatz oder einem Behälter endete und alle lang, leer und verlassen waren. Als die Mittagszeit kam, stellte er sich ein Essen aus den Resten der gestrigen Mahlzeit zusammen, die in Damsons Rucksack versteckt waren, streckte sich dann auf dem Bett zu einem kurzen Schlummer aus und fiel sofort in einen tiefen Schlaf.

Als er schließlich erwachte, war das Licht silbrig geworden, und der Tag ging schnell in die Dunkelheit über. Er lag einen Moment verschlafen blinzelnd da und erkannte dann, daß Damson noch nicht zurückgekehrt war. Sie war seit fast zehn Stunden fort. Voller Besorgnis erhob er sich schnell und überlegte, daß sie schon lange hätte zurück sein sollen. Es war möglich, daß sie schon einmal hereingekommen und wieder gegangen war, aber das war unwahrscheinlich. Sie hätte ihn sicherlich geweckt. Oder er wäre von selbst aufgewacht. Er runzelte düster die Stirn, wandte sich unbehaglich um, versuchte die Steifheit seiner Gliedes loszuwerden und fragte sich, was er tun sollte.

Da er trotz seiner Besorgnis hungrig war, entschloß er sich, etwas zu essen, und verschlang die letzten Reste von Käse und Brot. Es war noch ein wenig Ale in dem verschlossenen Schlauch, aber das schmeckte schal und warm.

Wo war Damson?

Par Ohmsford hatte die Risiken von Anfang an gekannt, all die Gefahren, denen Damson Rhee jedes Mal gegenübertrat, wenn sie ihn verließ und in die Stadt hinausging. Wenn der Mole gefangen wurde, würden sie ihn zum Sprechen bringen. Wenn die sicheren Verstecke gefährdet waren, dann war sie es vielleicht auch. Wenn Padishar gefangen worden war, würde nichts mehr geheim bleiben. Er kannte die Risiken, er hatte sich selbst gesagt, daß er sie akzeptieren würde. Aber jetzt, wo er zum ersten Mal seit ihrer Flucht aus den Abwasserkanälen daran denken mußte, daß vielleicht das Schlimmste passiert war, stellte er fest, daß er überhaupt nicht darauf vorbereitet war. Er stellte fest, daß er Angst hatte.

Damson. Wenn ihr etwas zugestoßen war...

Ein schlurfendes Geräusch erregte seine Aufmerksamkeit, und er riß sich aus seinen Grübeleien. Er stand auf, wirbelte dann herum und suchte nach der Quelle des Geräusches. Es war hinter ihm, oben auf der Treppe an der Tür, die von der Straße herunter führte. Jemand spielte an dem Schloß herum.

Zuerst dachte er, es müsse Damson sein, die aus irgendeinem Grunde gezwungen war, durch die Hintertür zu kommen. Aber Damson hatte keinen Schlüssel. Und das Geräusch, das er hörte, war das eines Schlüssels, der im Schloß gedreht wurde. Das ungeschickte Herumtasten hörte nicht auf, sondern endete mit einem harten Stoß, als das Schloß nachgab.

Par griff hinunter nach dem Schwert von Shannara und hängte es sich schnell über seinen Rücken. Wer auch immer dort oben war, es war nicht Damson. Er riß den Rucksack hoch, um jegliche Spuren seines Hierseins zu verbergen. Aber seine Stiefelabdrücke waren überall, das Bett war zerwühlt, und kleine Krümel Nahrung beschmutzten den Tisch. Wer auch immer dort oben war, er hatte jetzt das Schloß aus seiner Falle gehoben und öffnete gerade die Tür.

Tageslicht flutete durch die Öffnung, ein schräger Pfeil fahlen Graus. Par zog sich hastig aus dem kleinen Raum in den Tunnel zurück. Die Fackel ließ er zurück. Er brauchte sie nicht mehr, um seinen Weg zu finden. Seine Erkundungsgänge vom Morgen hatten bei ihm einen deutlichen Eindruck zurückgelassen, wohin er gehen mußte. Stiefel tappten leise auf den hölzernen Stufen, doch sie waren zu schwer und rauh, um zu Damson zu gehören.

Er schlich lautlos und gebeugt den Tunnel hinunter. Wer auch immer hereingekommen war, würde wissen, daß er dagewesen war, aber er würde nicht erkennen können, wann das gewesen war. Sie würden auf seine Rückkehr warten, um ihn unvorbereitet zu überraschen. Oder Damson. Aber wenn er irgendwo in der Nähe des Eingangs in der alten Mühle auf Damson warten konnte, dann würde er sie warnen können, bevor sie hereinkam. Damson würde niemals durch den Hintereingang mit dem aufgesprungenen Schloß kommen. Seine Gedanken überschlugen sich und trieben ihn leise und schnell durch die Dunkelheit vorwärts. Alles, was er zu tun hatte, war, der Entdeckung zu entgehen, durch den Keller zurück zur Tür und hinaus auf die Straße zu gelangen.

Er konnte die Schritte des Eindringlings nicht mehr hören. Gut. Jener Unbekannte war stehengeblieben, um den Raum zu betrachten, fragte sich jetzt sicher, wer wohl dort gewesen war, wie viele dort gewesen waren und warum sie gekommen waren. Noch mehr Zeit für Par, jetzt zu fliehen, eine noch größere Chance für ihn, zu entkommen.

Aber als er den Keller erreichte, bewegte er sich zu schnell auf die Treppe nach oben zu, stieß an eine leere, hölzerne Kiste, stolperte und fiel. Das verrottete Holz krachte und zersplitterte unter ihm, und das Geräusch hallte laut durch die Stille.

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